Die eidgenössische Volksinitiative «200 Franken sind genug» sieht eine deutliche Senkung der jährlichen Radio- und Fernsehabgabe Serafe vor. Konkret soll der derzeitige Beitrag von 335 Franken pro Haushalt auf 200 Franken reduziert werden. Mit den Einnahmen aus dieser Abgabe werden die öffentlich-rechtlichen Medien der Schweiz finanziert, die im Medienkonzern SRG SSR zusammengeschlossen sind, zu dem auch SRF, RTS, RSI, RTR sowie die Plattformen SWI swissinfo.ch und SwissTXT gehören, berichtet die Redaktion Nume mit Verweis auf die Originalveröffentlichung von bk.admin.ch.

Die Abgabe wird aktuell nicht nur von privaten Haushalten, sondern auch von Unternehmen erhoben. Die Initiative fordert, juristische Personen vollständig von der Zahlungspflicht zu befreien. Kritiker warnen davor, dass ein solcher Schritt weitreichende Folgen für die Finanzierung des öffentlichen Rundfunks und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben könnte. In der öffentlichen Debatte wird das Vorhaben häufig verkürzt als «Anti-SRG-Initiative» bezeichnet. Gegner sprechen in diesem Zusammenhang von einem möglichen Schaden für die direkte Demokratie in der Schweiz.

Zentrale Fakten zur Volksinitiative «200 Franken sind genug»

  • Ziel ist die Reduktion der jährlichen Serafe-Abgabe von 335 auf 200 Franken
  • Zahlungspflicht ausschließlich für private Haushalte
  • Vollständige Befreiung von Unternehmen und Betrieben
  • Einführung einer festen Obergrenze für die Gesamteinnahmen aus der Medienabgabe
  • Keine Kürzungen bei den Beiträgen für private Medienhäuser

Die Initiative ist eine von vier Vorlagen, über die die Schweizer Stimmbevölkerung am 8. März 2026 im Rahmen eines landesweiten Referendums abstimmen wird.

Politischer Hintergrund und Ursprung der Initiative

Die Initiative stellt bereits den zweiten Versuch dar, die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien in der Schweiz zu reduzieren. Ein erster Anlauf erfolgte 2018 mit der sogenannten No-Billag-Initiative, die eine vollständige Abschaffung der Medienabgabe vorsah. Diese Vorlage wurde damals mit 71 Prozent der Stimmen deutlich abgelehnt.

Billag und Serafe sind keine politischen Programme, sondern private Inkassounternehmen, die technisch mit dem Einzug der Medienabgabe beauftragt sind. Während No Billag auf eine komplette Streichung der Finanzierung der SRG abzielte, verfolgt die neue Initiative einen moderateren Ansatz, indem sie eine erhebliche, aber nicht vollständige Kürzung vorsieht.

Getragen wird die Initiative von einem überparteilichen Komitee, dem Vertreter der Schweizerischen Volkspartei (SVP), des Schweizerischen Gewerbeverbands sowie wirtschaftsnahe Vertreter der FDP.Die Liberalen angehören. Die Argumente reichen von Kritik an der publizistischen Ausrichtung der SRG bis hin zur Entlastung der Wirtschaft.

Was konkret gefordert wird

  • Reduktion der Abgabe auf 200 Franken pro Jahr
  • Ausschluss von Unternehmen aus der Zahlungspflicht
  • Begrenzung der Gesamteinnahmen, unabhängig vom Bevölkerungswachstum
  • Automatische Senkung des Pro-Kopf-Beitrags bei steigender Haushaltszahl
  • Beibehaltung der bisherigen Mittel für private Medien

Die internen Verteilungsschlüssel innerhalb der SRG SSR zwischen den Sprachregionen sollen unverändert bleiben.

Aktuelle Finanzierung der SRG

Der Jahreshaushalt der SRG beträgt derzeit rund 1,56 Milliarden Franken. Davon stammen etwa 1,3 Milliarden Franken aus der Serafe-Abgabe (Stand 2024). Rund 13 Prozent des Budgets werden über Werbung und Sponsoring erwirtschaftet, weitere vier Prozent stammen aus sonstigen Quellen, darunter Bundesmittel für das internationale Angebot.

Über ein internes Ausgleichssystem werden Mittel zwischen den Sprachregionen verteilt. So fließen erhebliche Beiträge aus der deutschsprachigen Schweiz in die französisch- und italienischsprachigen Regionen. Die SRG betreibt insgesamt 17 Radiokanäle und sieben Fernsehsender in vier Landessprachen sowie mehrere Online-Plattformen.

Die SRG betont, dass der mehrsprachige Auftrag die Kosten erheblich erhöht. Wörtlich heißt es:

«Wenn die Schweiz ein einsprachiges Land wäre, könnten die Leistungen der SRG rund 40 Prozent günstiger erbracht werden.»

Entwicklung der Medienabgabe in den vergangenen Jahren

  • Vor 2018: 451 Franken pro Haushalt
  • 2018: Senkung auf 365 Franken im Vorfeld von No Billag
  • 2021: weitere Reduktion auf 335 Franken
  • Ab 2027 geplant: schrittweise Senkung auf 300 Franken

Bereits beschlossen ist zudem die vollständige Befreiung kleiner Unternehmen von der Abgabe. Medienminister Albert Rösti erklärte dazu:

«Der Bundesrat hält dieses Niveau für gerechtfertigt. Ziel ist es, der 200-Franken-Initiative entgegenzuwirken.»

Nach Berechnungen der SRG würde selbst diese Reduktion ab 2029 zu Einsparungen von rund 270 Millionen Franken und zum Abbau von etwa 1.000 Vollzeitstellen führen.

Argumente der Befürworter

  • Steigende Lebenshaltungskosten für Haushalte
  • Entlastung von Unternehmen
  • Sinkende Nutzung klassischer SRG-Angebote, insbesondere bei jungen Menschen
  • Kritik an Informations- und Unterhaltungsformaten
  • Forderung nach Konzentration auf den Grundauftrag

Befürworter sprechen zudem von einer «doppelten Belastung», da Menschen die Abgabe privat und indirekt über ihre Arbeitgeber zahlen würden.

Argumente der Gegner

  • Gefährdung der Medienvielfalt und Qualität
  • Schwächung der demokratischen Meinungsbildung
  • Verlust der sprachregionalen Ausgewogenheit
  • Größere Abhängigkeit von ausländischen Medien

SRG-Generaldirektorin Susanne Wille warnt:

«Nicht nur die SRG würde geschwächt, sondern die gesamte Medienlandschaft. Profitieren würden vor allem ausländische Anbieter.»

Abstimmungsempfehlungen (Stand: 16. Dezember 2025)

Gegen die Initiative:

  • Bundesrat und Parlament
  • SP, Mitte, Grüne, Grünliberale
  • Sportverbände und Gemeindeverband

Für die Initiative:

  • SVP
  • Junge FDP
  • Schweizerischer Gewerbeverband

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