Teilen Sie dies:

Am 18. Juli 2025, bei der abschließenden Pressekonferenz vor dem WM-Kampf im Schwergewicht zwischen dem Ukrainer Oleksandr Usyk und dem Briten Daniel Dubois in Frankfurt am Main, kam es zu einer Szene, die weder mit Boxtechnik noch mit Statistik zu tun hatte. Stattdessen stand für einen Moment die Sprache im Zentrum des Interesses – und zwar ein einziger Satz:

„Don’t push the horses.“

Der Satz fiel, als sich ein Wortgefecht zwischen Usyks Manager Egis Klimas und Dubois’ Promoter Frank Warrenzuspitzte. Zwischenrufe aus dem Publikum machten die Situation unübersichtlich, bis Usyk mit ruhiger Stimme dazwischen ging. Seine Bemerkung – grammatikalisch korrekt, semantisch jedoch irritierend – ließ den Saal verstummen. Darüber berichtet NUME.ch unter Berufung auf Oboz.ua.

Wörtlich korrekt – idiomatisch unverständlich

Für viele englischsprachige Hörer klang „Don’t push the horses“ wie ein absurder Appell. Der Satz ist grammatikalisch einwandfrei, ergibt jedoch im Englischen keinen Sinn. Gemeint war:

Ukrainisch: „Не жени коней“
Deutsch: „Treib die Pferde nicht“
Englisch gebräuchlich: „Hold your horses“
Bedeutung: „Nicht überstürzen“, „Nur keine Eile“

Usyk hatte den ukrainischen Spruch wörtlich ins Englische übertragen – bewusst oder unbewusst. Die Folge: internationale Verwunderung und bald darauf virale Aufmerksamkeit in sozialen Medien.

Die Herkunft: Vasyl Kharizma und sprachliche Selbstironie

Die Formulierung „Don’t push the horses“ wurde bereits Jahre zuvor vom ukrainischen Comedian Vasyl Kharizma geprägt. In einem YouTube-Format aus dem Jahr 2021, das sich spielerisch mit direkter Übersetzung von Redewendungen beschäftigt, übersetzte Kharizma gängige ukrainische Sprüche bewusst wortwörtlich ins Englische – mit dem Ziel, die kulturellen Brüche und Missverständnisse sichtbar zu machen.

„Не жени коней“ wurde in diesem Kontext zu „Don’t push the horses“. Das Video verbreitete sich in der ukrainischsprachigen Community, blieb aber im Westen weitgehend unbekannt.

Nach Usyks Pressekonferenz veröffentlichte Kharizma ein TikTok-Video, in dem er seine ursprüngliche Version mit der von Usyk verglich – ein Hinweis darauf, dass der Boxer den Ausdruck möglicherweise kannte und bewusst einsetzte.

Sprachspiel, Identität, Humor

Dass ein Schwergewichts-Weltmeister eine Kulturreferenz inmitten eines medial aufgeladenen Moments einsetzt, zeigt mehr als nur Wortwitz. Es verweist auf die Rolle der Sprache als Träger kultureller Identität, selbst auf globaler Bühne.

Usyk hat damit – absichtlich oder nicht – eine Brücke geschlagen zwischen ukrainischer Mentalität und internationaler Kommunikation. Dass diese Brücke zunächst nicht verstanden wurde, ist Teil der Ironie.

Eine Formel wird zum Meme

Die Formulierung „Don’t push the horses“ wurde innerhalb weniger Stunden zu einem viralen Phänomen. Fans weltweit teilen Videos, in denen Usyk einem englischsprachigen Mann erklärt, wie man den Satz ausspricht und was er bedeutet. TikTok-Clips mit dem Hashtag #DontPushTheHorses zählen Millionen von Aufrufen.

Was als sprachliches Missverständnis begann, entwickelte sich zu einem Ausdruck von Originalität, kulturellem Selbstbewusstsein – und strategischer Selbstvermarktung.

Bleiben Sie informiert – Relevantes. Jeden Tag. Lesen Sie, worum es heute wirklich geht: Usyk schlägt Dubois k.o. – ein ukrainischer Champion und das Ende der Zweifel

Teilen Sie dies: