Willem Blijdorp wuchs als Bauernsohn im Noordoostpolder auf und begann 1970 sein Studium an der Höheren Hotelfachschule in Maastricht. Was ihn erwartete, hatte jedoch nur wenig mit der Gastronomie zu tun. Seine Laufbahn nahm eine unerwartete Wendung, die schließlich zur Gründung eines der größten Duty-free-Handelsunternehmen der Welt führte.
Ein Nebenjob, der alles veränderte
Während seines Studiums arbeitete Blijdorp an Bord der Passagierschiffe der Reederei Kamstra, zunächst in der Gastronomie, schon bald jedoch auch als Verkäufer von zollfreien Waren. In Deutschland lernte er das Phänomen der sogenannten Butterfahrten kennen: Tagesausflüge, bei denen Passagiere die Hoheitsgewässer verließen, um in internationalen Gewässern unbegrenzt steuerfrei einzukaufen. Das Konzept fand bei niederländischen Touristen großen Anklang.
1975 führte Blijdorp das Konzept in den Niederlanden ein, mit täglichen Schiffsfahrten ab Eemshaven. Eine Fahrkarte kostete lediglich fünf Gulden, bewusst niedrig angesetzt. Der eigentliche Umsatz wurde in den Bordshops erzielt, wo Spirituosen, Zigaretten, Butter und Parfüm für beträchtliche Verkaufserlöse sorgten. Blijdorp erkannte von Anfang an, worauf das Geschäftsmodell beruhte.
Handel und Erlebnis als Wettbewerbsvorteil
Was seine Butterfahrten von der Konkurrenz unterschied, war die Kombination aus attraktiven Preisen und einem sorgfältig gestalteten Bordprogramm. Mit Live-Musik, Quizveranstaltungen und Lotterien machte er aus der Schifffahrt ein Erlebnis, auf das sich die Passagiere freuten und für das sie gerne zurückkehrten. Zugleich baute er enge Beziehungen zu deutschen Händlern auf, wodurch er exklusive Einkaufskonditionen aushandeln konnte, die seine Wettbewerber nicht erreichen konnten.
1977 erwarb Blijdorp eine Beteiligung an der Reederei Kamstra. Zwei Jahre später verstarb Gründer Simon Kamstra unerwartet. Blijdorp übernahm das Unternehmen gemeinsam mit einem Geschäftspartner und entwickelte es von einer Reederei zu einem schnell wachsenden Handelsunternehmen.
Von der Reederei zum internationalen Distributor
Die europäische Einigung setzte dem Duty-free-Vorteil innerhalb der EU ein Ende. 1999 bedeutete dies auch das Ende der Butterfahrten. Blijdorp hatte seinen Kurs zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits neu ausgerichtet. 1985 gründete er gemeinsam mit Jacques Streng B&S International, ein Handelsunternehmen mit Schwerpunkt auf dem Vertrieb von Duty-free-Produkten. Der Name verweist auf die Initialen der beiden Gründer.
B&S entwickelte sich zu einem internationalen Distributor und Händler von Konsumgütern, von Spirituosen und Parfüm bis hin zu Körperpflegeprodukten und Unterhaltungselektronik. Das Unternehmen belieferte große Einzelhandelsketten sowie Online-Plattformen wie Bol.com und Amazon. Heute ist B&S in mehr als hundert Ländern tätig und beschäftigt über zweitausend Mitarbeitende.
Investor mit gesellschaftlichem Engagement
Nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer von B&S blieb Blijdorp als Investor und Vorstandsmitglied in verschiedenen Unternehmen aktiv, mit besonderem Interesse an gesellschaftlichen Initiativen. In den Niederlanden unterstützt er die Papageno-Häuser, ein Projekt, das junge Menschen mit Autismus auf dem Weg zu einem möglichst selbstständigen Leben begleitet. In Ghana finanzierte er das Blijdorp Water Project, eine Trinkwasseranlage in der Region Ashaiman, die täglich Zehntausende Liter sauberes Wasser an eine Gemeinschaft liefert, in der zuvor mehr als die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatte.
Auch hier sucht Blijdorp nicht das Rampenlicht, sondern entscheidet sich für Projekte mit konkreter Wirkung. Diese Haltung prägt sein Unternehmertum. Sein Imperium baute er nicht auf Sichtbarkeit auf, sondern auf Weitsicht, Geduld und die Bereitschaft, Chancen dort zu erkennen, wo andere sie nicht sahen.
„Mut ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Unternehmertum. Ein echter Unternehmer innoviert und verfügt häufig auch über eine positive Naivität und Optimismus.“
