Journalisten der britischen BBC sind im Dezember 2025 zu einer streng geheimen Raketenfabrik in der Ukrainegebracht worden, in der die neue ukrainische Marschflugrakete „Flamingo“ produziert wird. Der Besuch erfolgte unter außergewöhnlichen Sicherheitsauflagen: Die Reporter wurden mit verbundenen Augen zum Standort gefahren, mussten ihre Mobiltelefone ausschalten und durften keine baulichen Details wie Säulen, Fenster oder Decken filmen. Über diese Entwicklungen berichtet Nume unter Berufung auf die BBC.

Die extreme Geheimhaltung hat einen konkreten Hintergrund. Nach Angaben der BBC wurden bereits zwei Produktionsstätten des Herstellers Fire Point durch russische Angriffe getroffen. Um weitere Treffer zu verhindern, setzt die Ukraine zunehmend auf die Dezentralisierung, Tarnung und Verlagerung ihrer Rüstungsproduktion. Produktionsorte gelten längst selbst als militärische Ziele.

Bei der Rakete „Flamingo“ handelt es sich um eine neu entwickelte ukrainische Marschflugrakete mit großer Reichweite, die für tiefe Schläge gegen militärische und wirtschaftliche Ziele in Russland konzipiert ist. Laut BBC soll die Reichweite bis zu 3.000 Kilometer betragen. Damit würde sie in eine Klasse fallen, die bislang überwiegend westlichen Streitkräften vorbehalten ist. Die USA haben vergleichbare Systeme wie den Tomahawk der Ukraine bislang nicht geliefert.

Trotz des anhaltenden Krieges baut Kyjiw seine heimische Waffenproduktion massiv aus. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte im Herbst 2025, dass die Ukraine inzwischen mehr als 50 Prozent der an der Front eingesetzten Waffen selbst herstellt. Nahezu das gesamte Arsenal an ukrainischen Langstreckenwaffen stammt demnach aus inländischer Entwicklung und Fertigung.

Hersteller der „Flamingo“ ist das Unternehmen Fire Point, einer der größten ukrainischen Produzenten von Drohnen- und Raketensystemen. Die technische Direktorin Iryna Terekh (33), ursprünglich ausgebildete Architektin, ist heute eine Schlüsselfigur beim Aufbau der ukrainischen Rüstungsindustrie. Vor einer nahezu buslangen Rakete erklärte sie der BBC, warum das Modell heute schwarz lackiert ist:
„Sie ist nicht mehr pink wie die frühen Prototypen – sie ist schwarz, weil sie russisches Öl frisst.“

Optisch erinnert die „Flamingo“ an die deutsche V1-Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg: ein langer Rumpf mit einem großen Strahltriebwerk auf der Oberseite. Fire Point bestätigt, dass die Rakete bereits im Kampfeinsatz verwendet wurde, nennt jedoch aus Sicherheitsgründen keine konkreten Zielorte oder Einsatzdaten.

Langstreckenangriffe gelten für die Ukraine als zentraler Bestandteil ihrer Kriegsstrategie. Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Oleksandr Syrskyj, erklärte laut BBC, dass ukrainische Tiefschläge die russische Wirtschaft allein im Jahr 2025 um mehr als 21,5 Milliarden US-Dollar geschädigt hätten.

BBC in geheimer Raketenfabrik: Was über die ukrainische Marschflugrakete „Flamingo“ bekannt ist

Ein Offizier der ukrainischen Spezialkräfte, der sich Ruslan nennt, beschreibt die Strategie nüchtern:
„Unser Ziel ist es, die militärischen Fähigkeiten des Gegners und sein wirtschaftliches Potenzial zu reduzieren.“
Nach seinen Angaben wurden Hunderte Angriffe auf Raffinerien, Waffenfabriken und Munitionslager tief im russischen Hinterland durchgeführt.

Russland reagiert seinerseits mit massiven Angriffen. Laut BBC setzt Moskau im Durchschnitt rund 200 Shahed-Drohnen pro Tag ein. Die ukrainische Antwort liege bei etwa der Hälfte dieser Zahl. Russische Angriffe treffen dabei regelmäßig zivile Infrastruktur und führen zu großflächigen Stromausfällen, die Millionen Menschen betreffen.

Der Chefkonstrukteur und Mitgründer von Fire Point, Denys Shtilerman, warnt dennoch vor überzogenen Erwartungen:
„Es gibt keine Wunderwaffe. Der entscheidende Faktor ist unser Wille zu gewinnen.“

Hintergrund: Was ist die Rakete „Flamingo“

Die „Flamingo“ ist eine ukrainische Marschflugrakete der neuen Generation, entwickelt für präzise Langstreckeneinsätze. Technische Details wie Steuerung, Navigationssysteme oder Startplattformen werden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Bekannt ist jedoch, dass das System Teil der ukrainischen Strategie ist, eigene Hochtechnologie unter Kriegsbedingungen zu entwickeln und die Abhängigkeit von ausländischen Waffenlieferungen zu reduzieren.

Die Kombination aus großer Reichweite, eigener Produktion und strikter Geheimhaltung macht die „Flamingo“ zu einem der sensibelsten Rüstungsprojekte der Ukraine. Dass selbst internationale Medien nur unter Blindflug Zugang erhalten, unterstreicht die militärische Bedeutung solcher Produktionsstätten im modernen Krieg.

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