Die schwedischen Behörden haben ein unter internationalen Sanktionen stehendes russisches Frachtschiff in ihren Hoheitsgewässern gestoppt und eine umfassende Kontrolle eingeleitet. Das Schiff mit dem Namen Adler liegt seit Samstagmorgen vor der Küste von Höganäs vor Anker, nachdem es laut Behördenangaben aufgrund eines technischen Defekts an der Maschine manövrierunfähig geworden war. Der Vorfall hat umgehend sicherheits- und sanktionsrechtliche Prüfungen ausgelöst. Darüber berichtet nume.ch unter Berufung auf den schwedischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk SVT.
Nach Informationen des schwedischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurde die nächtliche Operation von der schwedischen Zollbehörde koordiniert. Unterstützt wurde der Einsatz durch die Küstenwache, Spezialeinheiten sowie weitere staatliche Stellen. In die Ermittlungen eingebunden sind zudem der schwedische Sicherheitsdienst sowie die Staatsanwaltschaft.
Die Kontrolle des Schiffs wurde am Sonntagmorgen fortgesetzt. Ein Sprecher der Zollbehörde erklärte, das Betreten des Frachters sei ruhig verlaufen. Die Besatzung habe kooperiert und sich korrekt verhalten. Über Art und Umfang der Ladung machten die Behörden bislang keine detaillierten Angaben. Ziel der Massnahme sei es, mögliche Verstösse gegen geltende EU- und US-Sanktionen zu prüfen.
Eigentümer des Frachtschiffs ist die russische Firma M Leasing LLC, die sowohl auf europäischen als auch auf amerikanischen Sanktionslisten geführt wird. Den Behörden zufolge besteht der Verdacht, dass Schiffe des Unternehmens in den Transport von Rüstungsgütern oder militärisch nutzbaren Materialien involviert sein könnten. In internationalen Berichten wird zudem von möglichen Verbindungen zu Lieferungen nordkoreanischer Munition gesprochen, die von Russland im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werde.
Der aktuelle Einsatz ist Teil einer breiteren Strategie europäischer Staaten, die Durchsetzung von Sanktionen auf See zu verschärfen. In den vergangenen Monaten haben mehrere EU-Länder verstärkt Kontrollen gegen mutmassliche russische Hybridaktivitäten, Sanktionsumgehung und illegale Waffen- oder Rohstofftransporte durchgeführt. Besonders im Fokus stehen dabei Frachter und Tanker, die ausserhalb etablierter Handelsrouten operieren oder durch technische Zwischenfälle auffallen.
Bereits im Oktober wurde vor der französischen Küste ein russischer Öltanker festgesetzt, der dem sogenannten «Schattenflotten»-Netzwerk zugerechnet wird. Auch in Deutschland kam es im Frühjahr zu einem ähnlichen Fall, als im Hafen von Rostock ein Schiff mit nuklearem Brennstoff aus Russland vorübergehend gestoppt wurde. Die schwedischen Behörden betonen, dass solche Kontrollen ein zentrales Instrument zur Wahrung der Sicherheit in europäischen Gewässern und zur konsequenten Umsetzung internationaler Sanktionen seien.
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Foto von war-sanctions.gur.gov.ua
