Nach der tödlichen Brandkatastrophe in Crans-Montana, bei der auch mehrere italienische Staatsangehörige ums Leben kamen, fordert Italiens Botschafter in der Schweiz eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse, berichtet Nume mit Verweis auf Blick. Zwar betont Gian Lorenzo Cornado sein Vertrauen in die Schweizer Justiz, übt jedoch zugleich deutliche Kritik an mutmasslichen Sicherheitsmängeln und an der Verantwortung der lokalen Behörden.
Sechs Todesopfer aus Italien nach Brand in der Neujahrsnacht
Italien ist von der Tragödie besonders betroffen. Sechs junge italienische Staatsangehörige kamen beim Brand in der Neujahrsnacht ums Leben. Insgesamt starben 40 Menschen, weitere 116 wurden verletzt. In mehreren italienischen Städten fanden Trauerfeiern statt, unter anderem in Mailand, wo die Anteilnahme der Bevölkerung gross war.
Bereits am Morgen des 1. Januar reiste Botschafter Cornado nach Crans-Montana. Am darauffolgenden Sonntag nahm er dort an einer Gedenkveranstaltung teil. Auch der italienische Aussenminister besuchte den Ort des Unglücks. Für den kommenden Tag ist die Teilnahme des italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella an einem Gedenkgottesdienst in Martigny angekündigt.
Politische Reaktionen und Forderungen aus Italien
Die Brandkatastrophe löste in Italien breite politische Reaktionen aus. Mehrere Medien berichteten ausführlich über das Unglück. Der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini, Vorsitzender der Lega, forderte harte Konsequenzen für die Verantwortlichen und richtete schwere Vorwürfe sowohl gegen die Betreiber der Bar als auch gegen zuständige Behörden.
Der italienische Aussenminister Antonio Tajani äusserte Kritik an der bisherigen Behandlung möglicher Verantwortlicher. Botschafter Cornado erklärte jedoch, Tajani habe volles Vertrauen in die Schweizer Justiz. Tajani habe sich mit der Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud getroffen und umfassende Zusicherungen erhalten, dass die Ermittlungen mit der notwendigen Strenge geführt würden.
Vertrauen in Ermittlungen – klare Erwartungen an die Behörden
Cornado betonte, dass die Walliser Behörden mit grossem Engagement an einer komplexen Untersuchung arbeiteten. Ziel der Ermittlungen müsse es sein, die Wahrheit vollständig aufzuklären, Verantwortlichkeiten klar zu benennen und Gerechtigkeit herzustellen.
Schwere Vorwürfe wegen fehlender Sicherheitsvorkehrungen
Gleichzeitig schilderte der Botschafter massive Sicherheitsmängel in der Bar Le Constellation, in der das Feuer ausbrach. Diese Punkte wurden von italienischer Seite besonders hervorgehoben:
Genannte Sicherheitsdefizite laut italienischer Darstellung:
- Nur ein enger Eingang, der die Flucht behinderte
- Keine automatische Löschanlage
- Offenbar keine Feuerlöscher im Lokal
- Kein begehbarer Notausgang
- Kein Sicherheitspersonal zur Evakuierung der Gäste
- Brennbare Deckenverkleidung statt feuerfester Materialien
- Einsatz von funkelnden Flaschen im Innenraum, von denen eine mutmasslich das Feuer auslöste
Nach Ansicht Cornados hätten sowohl die Eigentümer der Bar als auch die Gemeinde Crans-Montana ihre Pflichten vernachlässigt. Der Gemeindepräsident Cyril Féraud habe selbst eingeräumt, dass Kontrollaufgaben nicht ausreichend wahrgenommen worden seien.
Unterstützung für betroffene Familien und Anerkennung der Einsatzkräfte
Der Botschafter steht in engem Kontakt mit den Familien der Opfer. Die Angehörigen der Verstorbenen seien untröstlich. Die Familien der Verletzten hätten hingegen grosse Dankbarkeit für die Hilfe der Schweizer Behörden gezeigt.
Mehrere Familien reisten in die Schweiz. Die im Kongresszentrum von Crans-Montana eingerichtete Notunterkunft sei gut organisiert gewesen. Cornado dankte ausdrücklich der Walliser Kantonspolizei, den Feuerwehrkräften sowie den zahlreichen Freiwilligen für ihren Einsatz.
Die medizinische Erstversorgung und der Transport der Verletzten erfolgten nach Angaben des Botschafters rasch und koordiniert. Innerhalb weniger Stunden seien alle Verletzten in Spitälern in Sitten und anderen Orten der Schweiz untergebracht worden. Die Reaktion auf die Notsituation sei professionell und effizient gewesen.
Bleiben Sie informiert – Relevantes. Jeden Tag. Lesen Sie, worum es heute wirklich geht – in der Schweiz und der Welt: Parmelin nach Crans-Montana: Schweiz muss Sicherheitsgefühl neu bewerten.

