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Die Verkehrsbetriebe Zürich (Verkehrsbetriebe Zürich, VBZ) bereiten eine der größten Beschaffungen ihrer Geschichte vor: Bereits im Januar soll ein Auftrag für den Kauf von bis zu 100 Elektrobussen neu ausgeschrieben werden, dessen Gesamtvolumen inklusive Zusatzoptionen bis zu 300 Millionen Franken erreichen kann,berichtet Nume mit Verweis auf BLICK. Damit rücken die Zürcher Verkehrsbetriebe von einer direkten Vergabe an bisherige Lieferanten ab und öffnen den Markt erneut für internationale Anbieter.

Umfang und Struktur der Ausschreibung

Nach Angaben aus dem Bericht planen die VBZ zunächst Investitionen von rund 140 Millionen Franken für die Beschaffung von Elektrobussen. Gleichzeitig soll die Ausschreibung den Anbietern erlauben, zusätzliche Offerten für bis zu 100 Trolleybusse einzureichen. Dadurch steigt der potenzielle Gesamtwert des Projekts auf rund 300 Millionen Franken. Für den europäischen Busmarkt zählt diese Ausschreibung damit zu den bedeutendsten laufenden Vergabeverfahren im öffentlichen Verkehr.

Wesentliche Eckpunkte der Ausschreibung:

  • bis zu 100 Elektrobusse als Basisauftrag
  • optionale Offerten für bis zu 100 zusätzliche Trolleybusse
  • Gesamtinvestitionsvolumen von bis zu 300 Millionen Franken
  • Start der Ausschreibung im Januar

Bruch mit bisherigen Lieferanten

Bemerkenswert ist, dass die VBZ theoretisch noch offene Bestelloptionen bei ihren bisherigen Partnern nutzen könnten. Dazu gehören der Schweizer Hersteller Hess aus Bellach (SO) sowie der deutsche Nutzfahrzeughersteller MAN. Dennoch entschieden sich die Verkehrsbetriebe bewusst gegen eine direkte Bestellung.

Der Grund liegt in wiederkehrenden technischen Problemen und Zuverlässigkeitsmängeln, die laut Bericht bei Fahrzeugen beider Hersteller aufgetreten sind. Diese hätten in der Vergangenheit zu Verzögerungen bei Auslieferung und Inbetriebnahme geführt.

„Wir sehen uns mit erheblichen und anhaltenden Herausforderungen im Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit unserer MAN- und Hess-Busflotte konfrontiert.“
— Sprecherin der VBZ gegenüber der Aargauer Zeitung

Reaktion von Hess und frühere Vergaben

Der Busbauer Hess verweist auf externe Belastungen. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine habe das Unternehmen ein Werk in Belarus schließen müssen, was Produktionsprozesse beeinträchtigt habe. Die bestehenden technischen Schwierigkeiten wolle man nach eigenen Angaben „Schritt für Schritt“ beheben; die Situation bedauere man „außerordentlich“.

Dass Hess derzeit unter Druck steht, zeigt auch ein früherer Entscheid: Anfang November 2025 erhielt das Unternehmen bei der Vergabe für 39 vollelektrische Gelenk- und Standardbusse keinen Zuschlag. Stattdessen entschieden sich der Busbetrieb Solothurn–Grenchen sowie der Regionalverkehr Bern–Solothurn für Fahrzeuge der deutschen Daimler AG.

Internationale Dimension und Parallelen zur SBB

Formell können sich sowohl Hess als auch MAN erneut um den Zürcher Großauftrag bewerben. Branchenkenner halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass einer der beiden bisherigen Lieferanten den Zuschlag erhält. Da Hess aktuell der einzige relevante Schweizer Bushersteller ist, dürfte der Auftrag ins Ausland gehen.

Eine ähnliche Diskussion hatte es zuletzt bei der Schweizerische Bundesbahnen (SBB) gegeben. Die Bundesbahnen bestellten im November 116 Doppelstockzüge beim deutschen Konzern Siemens, während der Schweizer Hersteller Stadler von Unternehmer Peter Spuhler leer ausging. Der Entscheid löste landesweit eine Debatte über die Bedeutung von „Swissness“ bei öffentlichen Beschaffungen aus.

Auch chinesische Hersteller im Rennen

Im aktuellen Fall der Zürcher Busbeschaffung könnte die internationale Öffnung noch weiter gehen. Gegenüber der Aargauer Zeitung erklärten die VBZ, dass auch Busse chinesischer Hersteller „grundsätzlich denkbar“ seien. Große Konzerne aus China drängen derzeit verstärkt auf den europäischen Markt und könnten erstmals bei einem Großauftrag dieser Größenordnung in der Schweiz zum Zug kommen.

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