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Deutschland hat Anfang Januar 2026 erstmals operative Komponenten seines neuen strategischen Raketenabwehrsystems Arrow 3 aktiviert. Die Inbetriebnahme erfolgte in der Annaburger Heide in Sachsen-Anhalt und fiel zeitlich mit einem russischen Raketenangriff auf die Westukraine zusammen. In der Nacht zum 8. Januar startete Russland eine ballistische Mittelstreckenrakete vom Typ „Oreschnik“ vom Testgelände Kapustin Jar, die nach ukrainischen Angaben ein Ziel nahe der Stadt Stryj traf – rund 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Die Flugbahn wurde durch westliche Frühwarnsysteme verfolgt, darunter auch deutsche Sensoren des Arrow-3-Systems. Der Vorfall betrifft die europäische Sicherheitsarchitektur, die Energieinfrastruktur der Ukraine und die praktische Einsatzreife des deutschen Abwehrsystems, berichtet Nume mit Verweis auf msn.

Inbetriebnahme von Arrow 3: Standort, Zeitplan und Kosten

Die Bundeswehr erklärte Anfang Dezember 2025 die ersten Elemente des Raketenabwehrsystems Arrow 3 für einsatzbereit. Der Standort Annaburger Heide dient dabei als zentraler Knotenpunkt für Radar-, Führungs- und Kommunikationskomponenten. Arrow 3 ist Teil des deutschen Beitrags zur European Sky Shield Initiative (ESSI), an der sich mehrere NATO- und EU-Staaten beteiligen.

Die Beschaffung des Systems erfolgt im Rahmen eines Vertrags mit Israel Aerospace Industries in Kooperation mit den USA. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf rund 4 Milliarden Euro, finanziert aus dem Sondervermögen der Bundeswehr. Nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung sollen bis Ende 2026 mehrere Abfangbatterien vollständig integriert und in das NATO-Luftverteidigungsnetz eingebunden sein.

Offizielle Informationen zur Systemarchitektur stellt die Bundeswehr unter
https://www.bundeswehr.de sowie das Verteidigungsministerium unter
https://www.bmvg.de bereit.

Der russische Raketenangriff auf die Westukraine am 8. Januar 2026

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurde in der Nacht zum Freitag, dem 8. Januar 2026, eine ballistische Mittelstreckenrakete vom Typ „Oreschnik“ vom russischen Testgelände Kapustin Jar nahe dem Kaspischen Meer gestartet. Die Rakete legte mehrere tausend Kilometer zurück und erreichte den äußersten Westen der Ukraine.

Ziel war nach ersten Analysen ein Gasspeicher nahe Stryj in der Region Lwiw. Diese Speicheranlage ist Teil eines Systems, das einen erheblichen Anteil der osteuropäischen Gasreserven aufnimmt. Der Einschlag erfolgte rund 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Über Opfer oder großflächige Zerstörungen wurde zunächst nichts gemeldet.

Die ukrainischen Behörden veröffentlichten erste Lageeinschätzungen über
https://armyinform.com.ua und https://www.energyministry.gov.ua.

Technische Eigenschaften der Rakete „Oreschnik“

Die „Oreschnik“ gilt als Weiterentwicklung des russischen Trägersystems RS-26 „Rubezh“. Sie wird als ballistische Mittelstreckenrakete (IRBM) klassifiziert und besitzt nach westlichen Schätzungen eine Reichweite von 5.000 bis 5.500 Kilometern. Die Geschwindigkeit wird mit über Mach 10 angegeben, was etwa 12.000 km/h entspricht.

Das System ist primär für den Transport nuklearer Gefechtsköpfe ausgelegt, kann jedoch auch mit konventionellen Sprengköpfen bestückt werden. Aufgrund der ballistischen Flugbahn gilt die Rakete als nur eingeschränkt präzise für konventionelle Angriffe, weshalb ihr Einsatz vor allem als strategisches Signal verstanden wird.

Kann Arrow 3 russische Raketen wie „Oreschnik“ abfangen?

Arrow 3 ist ein exoatmosphärisches Raketenabwehrsystem. Es greift nicht beim Start oder beim Endanflug an, sondern in der sogenannten Midcourse-Phase, wenn sich die angreifende Rakete außerhalb der Atmosphäre auf einer berechneten Flugbahn befindet. Der Abfang erfolgt durch einen kinetischen Treffer ohne Sprengladung.

Beim Angriff auf die Ukraine kam es zu keinem Abfangversuch, da die Rakete kein NATO-Gebiet bedrohte. Dennoch konnten die deutschen Radarsysteme die Flugbahn erfassen und in die NATO-Lagebilder einspeisen. Innerhalb der Bundeswehr gilt dies als erster realitätsnaher Test der Sensorik unter Einsatzbedingungen.

Vergleich: Arrow 3 und „Oreschnik“ im Überblick

MerkmalArrow 3 (Deutschland)„Oreschnik“ (Russland)
SystemtypRaketenabwehrsystemBallistische Mittelstreckenrakete
HauptfunktionAbwehr strategischer BedrohungenAngriff auf Bodenziele
EinsatzphaseMidcourse (außerhalb der Atmosphäre)Gesamte Flugbahn
Geschwindigkeitausgelegt für Hyperschallziele> Mach 10
Reichweiteabhängig vom Abfangfenster5.000–5.500 km
Gefechtskopfkinetisch, ohne Sprengstoffnuklear oder konventionell
Einsatzstatuserste Elemente aktiv seit Dez. 2025operativ eingesetzt

Die Tabelle zeigt, dass Arrow 3 technisch für Bedrohungen dieser Klasse ausgelegt ist, der Einsatz jedoch an politische und rechtliche Vorgaben gebunden bleibt.

Bedeutung für die Energieinfrastruktur der Ukraine

Die Gasspeicher in der Westukraine verfügen über eine Gesamtkapazität von mehr als 30 Milliarden Kubikmetern. Sie spielen eine zentrale Rolle für die regionale Versorgung und den europäischen Gasmarkt. Auch begrenzte Schäden können Marktreaktionen auslösen oder Unsicherheit erzeugen.

Nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums blieb der Betrieb der Anlage bei Stryj stabil. Internationale Partner wurden informiert, eine technische Überprüfung läuft.

Auswirkungen auf die europäische Sicherheitsarchitektur

Der Vorfall unterstreicht die wachsende Bedeutung strategischer Raketenabwehr in Europa. Deutschland, Polen und weitere Staaten investieren im Rahmen der ESSI in vernetzte Frühwarn- und Abwehrsysteme. Ziel ist es, Entscheidungszeiten zu verkürzen und Eskalationen frühzeitig zu erkennen.

Für die NATO gilt der Angriff als weiterer Beleg dafür, dass ballistische Mittelstreckenraketen wieder eine zentrale Rolle in der europäischen Sicherheitsplanung spielen.

Der zeitgleiche Betrieb von Arrow 3 und der russische Angriff nahe der NATO-Grenze zeigen, dass sich Europa in einer Phase realer Systemtests befindet. Für die Menschen in der Ukraine bedeutet dies, dass kritische Infrastruktur weiterhin unter militärischem Risiko steht, während europäische Staaten ihre Schutzmechanismen schrittweise ausbauen.

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