Noch vor dem offiziellen Beginn der Olympische Winterspiele Mailand–Cortina 2026 ist dem Österreichischer Skiverband ein folgenreicher Organisationsfehler unterlaufen. Marco Schwarz, eine der größten österreichischen Medaillenhoffnungen im alpinen Ski, durfte am Mittwoch, 4. Februar 2026, nicht am ersten Abfahrtstraining auf der Stelvio in Bormio teilnehmen. Grund dafür war keine sportliche Entscheidung, sondern eine formale Olympia-Regularie, die vom Verband übersehen worden war. Darüber berichtet NUME unter Berufung auf Eurosport.

Konkret schreibt das Olympia-Regelwerk vor, dass Athleten nur dann an offiziellen Abfahrtstrainings teilnehmen dürfen, wenn sie im laufenden Olympia-Winter mindestens eine Abfahrt in einem offiziellen Rennen bestritten haben. Diese Voraussetzung erfüllte Schwarz nicht. Nach seinem Kreuzbandriss im Dezember 2023, den er ausgerechnet auf der Stelvio erlitten hatte, verzichtete er bewusst auf Speed-Rennen, um das Knie langfristig zu stabilisieren. Dieser sportlich nachvollziehbare Entscheid führte nun zu einem automatischen Ausschluss vom Training.

Der Trainingsausfall gilt als besonders problematisch, weil die Stelvio als eine der technisch anspruchsvollsten Strecken im alpinen Weltcup gilt. Selbst für den Super-G ist das Kennenlernen von Linien, Übergängen und Tempozonen im Abfahrtstempo ein entscheidender Vorteil. ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer räumte den Fehler offen ein und erklärte, man habe die spezielle Olympia-Regel „nicht auf dem Radar“ gehabt. Zugleich versuchte der Verband, die Bedeutung des verpassten Trainings relativierend darzustellen.

Olympia 2026: ÖSV übersieht Regel – Marco Schwarz darf nicht ins Abfahrtstraining auf der Stelvio in Bormio. Fokus auf Super-G am 11. Februar, Experten warnen vor klaren Nachteilen.

Mehrere Experten widersprechen dieser Einschätzung deutlich. Olympiasieger Pirmin Zurbriggen betonte, dass gerade nach einer schweren Knieverletzung ein kontrolliertes Herantasten an die Strecke im Abfahrtstempo besonders wichtig gewesen wäre. Auch Marc Girardelli sieht einen klaren strukturellen Nachteil, da Schwarz der einzige ernsthafte Medaillenkandidat im Super-G sei, der die Stelvio nicht unter realistischen Rennbedingungen testen konnte. Der Fokus liegt nun vollständig auf dem Super-G am 11. Februar, doch der formale Fehler des Verbandes hat Schwarz eine zentrale Vorbereitungsmöglichkeit genommen und den Druck vor seinem Olympia-Start spürbar erhöht.

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