Der Kryptomarkt erlebte am Donnerstag, den 5. Februar 2026, einen massiven Einbruch, bei dem Bitcoin zeitweise um bis zu 8,3 Prozent auf 66'596 Dollar fiel – den niedrigsten Stand seit November 2024. Innerhalb von nur 24 Stunden wurden an den Terminmärkten Positionen im Gesamtwert von über einer Milliarde Dollar zwangsliquidiert, wobei Long-Positionen mit 906 Millionen Dollar den Grossteil der Verluste ausmachten. Auslöser für diesen Abwärtsdruck sind versiegende Kapitalzuflüsse in US-Spot-ETFs, die allein im letzten Monat Abflüsse von zwei Milliarden Dollar verzeichneten, sowie eine schwindende Nachfrage von Privatanlegern und institutionellen Investoren. Experten werten die aktuelle Phase als erzwungenen Schuldenabbau, da Bitcoin zunehmend seine Funktion als geopolitische Absicherung verliert. Darüber berichtet die Redaktion von Nume.ch.
Marktmechanismen und die Welle der Milliardenliquidationen
Der Einbruch unter die psychologisch wichtige Marke von 70'000 Dollar löste eine Kettenreaktion an den Derivatemärkten aus. Wenn der Kurs kritische Unterstützungszonen durchbricht, werden automatische Verkaufsorders (Stop-Loss) und Liquidationen von gehebelten Positionen ausgelöst, was den Preis weiter nach unten drückt.
Daten von Coinglass zeigen das Ausmass der Marktkapitulation:
- Gesamtliquidationen: Über 1,07 Milliarden Dollar in 24 Stunden.
- Long-Positionen: 906 Millionen Dollar (Investoren, die auf steigende Kurse setzten).
- Short-Positionen: 166 Millionen Dollar (Leerverkäufer, die von der Volatilität überrascht wurden).
Besonders alarmierend ist für Marktstrategen wie Joel Kruger von der LMAX Group die Tatsache, dass die Finanzierungsrate für unbefristete Bitcoin-Futures ins Negative gedreht hat. Dies bedeutet, dass Short-Seller derzeit bereit sind, Gebühren zu zahlen, um ihre Wetten gegen Bitcoin aufrechtzuerhalten – ein Zeichen für eine tiefgreifende bärische Stimmung, die im Kryptomarkt, der normalerweise von Optimismus geprägt ist, selten vorkommt.
Institutioneller Rückzug: Die Krise der US-Spot-Bitcoin-ETFs
Lange Zeit galten die im Jahr 2024 zugelassenen Spot-ETFs als das Fundament für die Preisstabilität von Bitcoin. Doch im Jahr 2025 und zu Beginn des Jahres 2026 hat sich dieses Narrativ verkehrt. Institutionelle Anleger nutzen diese Produkte nun verstärkt für einen breit angelegten Risikoabbau (Risk-off).
Massive Abflüsse belasten den Kurs
Laut Bloomberg-Daten wurden im vergangenen Monat rund zwei Milliarden Dollar aus US-Bitcoin-ETFs abgezogen. Betrachtet man das letzte Quartal, belaufen sich die Nettoabflüsse auf über fünf Milliarden Dollar. Diese Kapitalflucht erzeugt ein Nachfragevakuum. Wenn Grossanleger wie Krypto-Treasuries und institutionelle Fonds ihre Bestände reduzieren, fehlt das notwendige Volumen, um den Verkaufsdruck der Miner und kurzfristigen Spekulanten auszugleichen.
Bitcoin verliert Korrelation zu Gold
Ein wesentlicher Faktor für den Vertrauensverlust ist das Versagen von Bitcoin als „digitales Gold“. In Phasen geopolitischer Spannungen, in denen der Goldpreis stabil bleibt oder steigt, verhält sich Bitcoin im Februar 2026 eher wie eine hochspekulative Technologieaktie. Die wachsende Präsenz in institutionellen Portfolios hat dazu geführt, dass Bitcoin bei Volatilität an den Aktienmärkten (insbesondere im Tech-Sektor) sofort mitverkauft wird.
Strukturierte Analyse: Marktzustand im Vergleich (2025 vs. 2026)
Die folgende Tabelle verdeutlicht den dramatischen Wandel der Marktindikatoren innerhalb eines Jahres:
| Indikator | Februar 2025 | Februar 2026 (Aktuell) | Trend |
| Bitcoin Preis | ca. 85'000 USD | ca. 66'600 USD | Abnehmend (-21,6%) |
| ETF-Nettozufluss (Monat) | +3,5 Mrd. USD | -2,0 Mrd. USD | Starker Abfluss |
| Fear & Greed Index | 72 (Gier) | 18 (Extreme Angst) | Panik am Markt |
| Funding Rate | Positiv | Negativ | Bärisches Sentiment |
| Small-Cap Krypto Index | Basis (100%) | -70% | Markteinbruch |
Warum Privatanleger dem Kryptomarkt den Rücken kehren
Neben institutionellen Faktoren spielt das veränderte Verhalten der Privatanleger (Retail Investors) eine entscheidende Rolle. Die Spekulation mit Kryptowährungen hat Konkurrenz durch neue, hochfrequente Handelsformen und alternative Wettplattformen erhalten.

- Zero-Day-Optionen (0DTE): Im klassischen Aktienmarkt fliessen Gelder, die früher in Kryptowährungen flossen, nun verstärkt in extrem kurzfristige Optionen auf den S&P 500 oder Nasdaq.
- Prognoseplattformen: Märkte für politische Wetten und Unterhaltungsevents bieten derzeit attraktivere Volatilität für Kleinanleger.
- Sportwetten: Die bevorstehende Super-Bowl-Woche bindet massiv Liquidität im Bereich der privaten Wetten, was traditionell zu einem kurzfristigen Abzug von Kapital aus spekulativen Krypto-Assets führt.
- Dezentrale Börsen (DEX): Anleger, die im Krypto-Bereich bleiben, suchen nach höheren Renditen in DeFi-Protokollen, anstatt Bitcoin zu halten, was das Handelsvolumen an zentralen Börsen wie Binance oder Coinbase weiter schwächt.
Handlungsempfehlungen für Anleger in der Schweiz
Für Investoren, insbesondere am Finanzplatz Schweiz, stellt sich die Frage nach dem Umgang mit der aktuellen Volatilität. Da Bitcoin nun rund 45 Prozent unter seinem Allzeithoch vom Oktober 2025 notiert, rufen technische Indikatoren bereits eine „stark überverkaufte“ Lage aus.
Was Anleger jetzt prüfen sollten:
- Liquiditätsreserven: Aufgrund der negativen Funding Rates und des erzwungenen Schuldenabbaus ist mit weiteren "Flash Crashes" zu rechnen. Stellen Sie sicher, dass gehebelte Positionen ausreichend besichert sind.
- Kostenkontrolle: Prüfen Sie die Gebührenstrukturen bei Schweizer Brokern wie Swissquote oder Bitcoin Suisse. In Phasen hoher Volatilität können die Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) massiv ansteigen.
- Sicherheitsverwahrung: Nutzen Sie die Zeit der Marktschwäche, um Bestände von Börsen auf Cold Wallets (Hardware-Wallets) zu übertragen. Informationen dazu finden Sie unter bitcoinsuisse.com oder spezialisierten Portalen für Kryptosicherheit.
- Marktbeobachtung: Verfolgen Sie die On-Chain-Daten von glassnode.com, um zu sehen, ob Langzeit-Halter („HODLer“) beginnen, ihre Positionen abzustossen, oder ob es sich lediglich um eine Bereinigung der Derivatemärkte handelt.
Die aktuelle Situation am Kryptomarkt verdeutlicht die neue Realität für Bitcoin als Teil des globalen Finanzsystems. Die Erwartung, dass digitale Vermögenswerte unabhängig von traditionellen Märkten agieren, hat sich Anfang 2026 als falsch erwiesen. In der Schweiz, wo Krypto-Investments zunehmend in die Vermögensverwaltung integriert sind, führt dieser Einbruch zu einer Neubewertung der Risikoprofile. Während technische Analysten auf eine kurzfristige Gegenbewegung hoffen, da der Markt „kapituliert“ hat, bleibt das fundamentale Problem des Nachfragevakuums bestehen. Ohne eine Trendwende bei den ETF-Flüssen oder einen neuen Impuls durch die Geldpolitik der Notenbanken könnte die Phase des Schuldenabbaus den Markt noch über Wochen in einer volatilen Seitwärts- oder Abwärtsbewegung halten.
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