Die Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder über längere Arbeitszeiten in Deutschland haben Anfang 2026 eine bundesweite Debatte über Produktivität, Rentensysteme und Arbeitsmodelle ausgelöst. Söder verwies auf die Schweiz, wo Beschäftigte im Durchschnitt 42 Stunden pro Woche arbeiten, während in Deutschland laut aktuellen Arbeitsmarktdaten rund 40,2 Stunden üblich sind. Der CSU-Politiker forderte strukturelle Reformen des Arbeitszeitmodells als Reaktion auf den demografischen Wandel, steigende Rentenlasten und sinkende Erwerbstätigenzahlen. Gewerkschaften, Oppositionsparteien und Ökonomen reagierten unterschiedlich auf die Vorschläge, während die Bundesregierung parallel Reformoptionen prüft. Dies berichtet die Redaktion von NUME.ch unter Berufung auf Bild.

Arbeitszeitvergleich Deutschland und Schweiz: Statistiken und Unterschiede

Die Debatte basiert auf statistischen Unterschieden zwischen den Arbeitsmärkten Deutschlands und der Schweiz. Nach Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie nationaler Statistikbehörden liegt die gesetzlich oder tariflich definierte durchschnittliche Wochenarbeitszeit in der Schweiz bei rund 42 Stunden. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit laut Statistischem Bundesamt etwa 40,2 Stunden.

Ein entscheidender Unterschied besteht zwischen tariflicher Arbeitszeit und tatsächlich geleisteten Stunden. In Deutschland arbeiten Vollzeitbeschäftigte laut Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Schnitt etwa 41,4 Stunden pro Woche, da Überstunden oder flexible Arbeitsmodelle hinzukommen können.

Neben der Wochenarbeitszeit unterscheiden sich auch Urlaubsregelungen. Deutsche Arbeitnehmer haben im Durchschnitt 20 gesetzliche Urlaubstage pro Jahr, die durch Tarifverträge oft auf 25 bis 30 Tage steigen. In der Schweiz sind gesetzlich mindestens vier Wochen Urlaub vorgesehen, für Beschäftigte unter 20 Jahren fünf Wochen.

Vergleich zentrale Arbeitsindikatoren

ParameterDeutschlandSchweiz
Durchschnittliche Wochenarbeitszeit40,2 Stunden42 Stunden
Tatsächliche Arbeitszeit Vollzeitca. 41,4 Stundenca. 42–43 Stunden
Gesetzlicher Mindesturlaub20 Tage20 Tage (4 Wochen)
Durchschnittliches Renteneintrittsalter65–67 Jahre65 Jahre
Anteil Teilzeitbeschäftigteca. 29 %über 35 %

Diese Unterschiede gelten als Grundlage für politische Argumentationen über Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Produktivität.

Markus Söders Vorschläge zur Arbeitszeitreform in Deutschland

Markus Söder äußerte seine Position erstmals Anfang Januar 2026 in einem Interview mit der Boulevardzeitung Bild. Dabei argumentierte er, Deutschland müsse angesichts des demografischen Wandels länger arbeiten. Er verwies darauf, dass die Zahl der Rentner in den kommenden Jahren deutlich steigen werde, während die Zahl der Erwerbstätigen sinke.

Söder schlug mehrere Reformansätze vor. Dazu gehört eine mögliche Verlängerung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit. Gleichzeitig betonte er, dass eine generelle Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht zwingend notwendig sei. Stattdessen könnten flexible Lebensarbeitszeitkonten eingeführt werden, über die Beschäftigte Mehrarbeitsstunden sammeln und später für frühere Renteneintritte nutzen könnten.

Der CSU-Politiker erklärte, die Reform müsse gesetzliche Anpassungen im Arbeitszeitrecht sowie tarifliche Änderungen umfassen. Als Beispiele nannte er Anpassungen im Arbeitszeitgesetz sowie neue Modelle zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung in Unternehmen.

Demografischer Druck auf Rentensysteme in Deutschland

Die Diskussion über längere Arbeitszeiten steht im Zusammenhang mit strukturellen Herausforderungen der deutschen Rentenversicherung. Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird bis 2035 ein erheblicher Anstieg der Rentenempfänger erwartet, insbesondere durch den Eintritt der Babyboomer-Generation in den Ruhestand.

Ende 2025 richtete die Bundesregierung eine Rentenkommission ein, die bis Mitte 2026 Reformvorschläge vorlegen soll. Zu den diskutierten Maßnahmen gehören:

  • Stabilisierung des Rentenniveaus
  • Anpassung der Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung
  • Förderung zusätzlicher privater Altersvorsorge
  • Flexible Übergänge zwischen Erwerbstätigkeit und Ruhestand

Informationen zur gesetzlichen Rentenversicherung können Bürger über die Deutsche Rentenversicherung unter der Adresse Ruhrstraße 2, 10709 Berlin, erhalten. Beratungen werden auch über das Onlineportal deutsche-rentenversicherung.de angeboten.

Reaktionen von Gewerkschaften und politischen Parteien

Die Vorschläge Söders wurden von Arbeitnehmervertretern überwiegend kritisch bewertet. Der Deutsche Gewerkschaftsbund Bayern erklärte, Arbeitnehmer würden bereits überdurchschnittlich viele Stunden leisten. Eine pauschale Erhöhung der Arbeitszeit würde aus Sicht der Gewerkschaften die Belastung erhöhen, ohne automatisch Produktivitätssteigerungen zu garantieren.

Auch Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands äußerten Zweifel an der Wirksamkeit längerer Arbeitszeiten. Sie argumentierten, wirtschaftliches Wachstum sei stärker von technologischer Innovation und Qualifikation der Arbeitskräfte abhängig.

Unterstützung erhielt Söder von einzelnen Wirtschaftswissenschaftlern. Ein liberal orientierter Ökonom prognostizierte, dass eine Erhöhung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit um eine Stunde das Bruttoinlandsprodukt um mehr als zwei Prozent steigern könnte.

Arbeitsproduktivität und Wirtschaftskraft im internationalen Vergleich

Arbeitszeit allein gilt in wirtschaftswissenschaftlichen Analysen nicht als einziger Produktivitätsindikator. Deutschland zählt trotz kürzerer Arbeitszeiten zu den größten Volkswirtschaften Europas. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2025 bei rund 4,3 Billionen Euro.

Die Schweiz weist dagegen eine kleinere, aber hoch produktive Wirtschaft auf. Laut Schweizer Bundesamt für Statistik basiert die Wirtschaftsleistung stark auf Finanzdienstleistungen, Pharmaindustrie und Hightech-Produktion.

Ökonomen weisen darauf hin, dass längere Arbeitszeiten nicht zwangsläufig höhere Produktivität bedeuten. Entscheidend seien Faktoren wie Automatisierungsgrad, Innovationsfähigkeit und Qualifikationsniveau.

Modelle flexibler Arbeitszeitkonten und mögliche Umsetzung

Ein zentraler Bestandteil der Debatte sind sogenannte Lebensarbeitszeitkonten. Diese ermöglichen Beschäftigten, Arbeitsstunden über Jahre hinweg anzusparen. Solche Modelle existieren bereits in Teilen der deutschen Wirtschaft, etwa in der Automobilindustrie.

Schritte zur Nutzung von Arbeitszeitkonten

  1. Abschluss einer Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber
  2. Dokumentation zusätzlicher Arbeitsstunden über interne Zeiterfassungssysteme
  3. Übertragung der angesammelten Stunden in Zeitguthaben
  4. Nutzung für Sabbaticals, Pflegezeiten oder früheren Renteneintritt
  5. Auszahlung oder Übertragung in Altersvorsorgeprogramme

Informationen zu Arbeitszeitregelungen können Beschäftigte bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Friedrich-Henkel-Weg 1–25, 44149 Dortmund, einholen. Weitere Hinweise sind über abrufbar.

Wirtschaftliche Auswirkungen längerer Arbeitszeiten

Wirtschaftsverbände argumentieren, eine moderate Verlängerung der Arbeitszeit könnte Fachkräftemangel teilweise kompensieren. Laut Institut der deutschen Wirtschaft Köln fehlen bereits mehrere hunderttausend Fachkräfte in technischen und industriellen Berufen.

Unternehmen müssten jedoch zusätzliche Kosten berücksichtigen, darunter höhere Lohnzahlungen, Anpassungen von Tarifverträgen sowie Investitionen in Gesundheitsmanagement. Arbeitsmediziner warnen zudem vor steigenden Belastungen für Beschäftigte bei unzureichender Anpassung von Arbeitsbedingungen.

Politische Perspektiven und mögliche Gesetzesänderungen

Reformen der Arbeitszeit würden Änderungen im Arbeitszeitgesetz sowie tarifvertragliche Neuverhandlungen erfordern. Die Bundesregierung könnte gesetzliche Rahmenbedingungen für flexiblere Arbeitszeitmodelle schaffen, während konkrete Regelungen häufig auf Branchenebene verhandelt werden.

Die Rentenkommission soll laut Regierungsbeschluss bis Juli 2026 Empfehlungen vorlegen. Anschließend könnten parlamentarische Beratungen beginnen. Gesetzesänderungen wären frühestens 2027 realistisch.

Bürger können Reformprozesse über das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verfolgen. Die Behörde befindet sich in der Wilhelmstraße 49, 10117 Berlin, und informiert über das Portal über aktuelle Gesetzesinitiativen.

Gesellschaftliche Debatte über Work-Life-Balance und Arbeitskultur

Neben wirtschaftlichen Fragen hat die Diskussion auch gesellschaftliche Dimensionen. Deutschland verfolgt seit Jahren Strategien zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Programme zur Förderung von Teilzeit, Elternzeit und Homeoffice wurden insbesondere nach der COVID-19-Pandemie ausgeweitet.

Die Schweiz verfolgt ein stärker marktorientiertes Arbeitsmodell mit größerer Flexibilität, aber teilweise geringerer staatlicher Regulierung. Experten sehen in beiden Systemen unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Arbeitssoziologen weisen darauf hin, dass längere Arbeitszeiten langfristige Auswirkungen auf Gesundheit, Familienstruktur und soziale Stabilität haben können. Politische Entscheidungen müssten daher wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren berücksichtigen.

Die aktuelle Diskussion über Arbeitszeiten verdeutlicht, dass Deutschland angesichts des demografischen Wandels und wirtschaftlicher Herausforderungen vor strukturellen Entscheidungen steht, die sowohl Arbeitsmarktpolitik als auch Sozialversicherungssysteme betreffen.

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