Die Stadt Zürich und das kantonale Tiefbauamt haben für das Jahr 2026 eine massive Intensivierung der Bautätigkeit angekündigt, die den Verkehrsfluss im gesamten Grossraum massiv beeinflussen wird. Im Zentrum der Massnahmen stehen die umfassende Sanierung des Schöneichtunnels (A1L), sicherheitstechnische Nachrüstungen am Gubristtunnel sowie der großflächige Ausbau des Fernwärmenetzes in den Quartieren Aussersihl und Wiedikon. Betroffen sind täglich über 100.000 Pendler und Anwohner, die mit nächtlichen Totalsperrungen, einspurigen Verkehrsführungen auf Hauptachsen wie der Badenerstrasse und Verzögerungen von bis zu 45 Minuten rechnen müssen. Die Behörden investieren dreistellige Millionenbeträge in die Infrastruktur, um die langfristige Netzsicherheit und Klimaziele zu erreichen, was kurzfristig eine Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr und das Fahrrad notwendig macht. Umleitungen über die Westumfahrung und verstärkte S-Bahn-Takte sollen die Kapazitätsengpässe abfedern. Darüber berichtet NUME.ch.
Sanierung der Tunnelinfrastruktur: Schöneichtunnel und Gubrist
Die Instandsetzung der Tunnelanlagen im Raum Zürich bildet das Rückgrat der baulichen Massnahmen im Jahr 2026. Diese Projekte sind aufgrund des Alters der technischen Anlagen und der gestiegenen Sicherheitsanforderungen unaufschiebbar geworden. Der Schöneichtunnel, ein zentrales Teilstück der Stadtautobahn A1L, verbindet das Stadtzentrum direkt mit dem Verzweiger Zürich-Ost und dem Flughafen. Die hier durchgeführten Arbeiten betreffen die gesamte elektromechanische Ausrüstung.
Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) hat präzisiert, dass die Sanierung des Schöneichtunnels eine Investition von rund 160 Millionen Schweizer Franken darstellt. Seit dem Baustart im Jahr 2023 haben sich die Arbeiten nun in die kritische Phase der Finalisierung bewegt. Während der Nachtstunden, konkret zwischen 20:00 Uhr und 05:00 Uhr, wird der Tunnel regelmässig gesperrt, um die Installation der neuen Lüftungs- und Brandmeldesysteme sicherzustellen. Die Auswirkungen auf den Berufsverkehr werden durch eine Aufrechterhaltung von zwei verengten Fahrspuren pro Richtung während des Tages minimiert, dennoch führt die reduzierte Geschwindigkeit von 60 km/h regelmässig zu Staus, die bis auf die Autobahn A1 zurückreichen.

Parallel dazu steht der Gubristtunnel auf der Nordumfahrung Zürich (A1) im Fokus. Nach der feierlichen Eröffnung der dritten Tunnelröhre im Jahr 2023 liegt die Priorität im Jahr 2026 auf der Instandsetzung der beiden älteren, bestehenden Röhren. Hierbei handelt es sich um eine rollende Planung, bei der jeweils eine Röhre für den Verkehr gesperrt wird, während der Fluss durch die anderen beiden Röhren geleitet wird. Die Kosten für die Gesamtsanierung der Nordumfahrung belaufen sich auf ca. 1,5 Milliarden Franken. Pendler aus dem Limmattal und dem Kanton Aargau müssen insbesondere am Abend mit Zeitverlusten rechnen, da die Spurzusammenführungen vor den Tunnelportalen die Kapazität des Nadelöhrs massiv einschränken.
Ausbau der thermischen Netze: Fernwärme als Baustellentreiber
Ein wesentlicher Teil der innerstädtischen Verkehrsbehinderungen resultiert aus der Umsetzung der Energiestrategie 2050 der Stadt Zürich. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 erfordert den massiven Ausbau der Fernwärmeversorgung. Das Tiefbauamt der Stadt Zürich koordiniert diese Grabungen eng mit den Werken (ewz, Wasserversorgung) und den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ).
Im Jahr 2026 konzentrieren sich die Arbeiten auf die Quartiere Wiedikon und Aussersihl. Die Verlegung der massiven, isolierten Fernwärmeleitungen erfordert tiefe und breite Gräben, was eine Sperrung ganzer Fahrspuren über mehrere Monate unumgänglich macht. Die Badenerstrasse, eine der wichtigsten Einfallsachsen aus dem Westen, ist zwischen dem Bezirksgebäude und dem Letzigrund-Stadion grossflächig betroffen. Hier wird nicht nur das Fernwärmenetz ausgebaut, sondern gleichzeitig die Gleisinfrastruktur der Tramlinien 2 und 3 erneuert.
Die Stadt Zürich gibt an, dass durch die Koordination verschiedener Gewerke – sogenannte "Kombi-Baustellen" – die Gesamtdauer der Sperrungen zwar verlängert wird, jedoch wiederholte Aufbrüche derselben Strasse in den Folgejahren vermieden werden. Für die Anwohner bedeutet dies eine erhebliche Lärmbelastung und den Wegfall zahlreicher Parkplätze im öffentlichen Strassenraum. Die betroffenen Unternehmen und Ladengeschäfte entlang der Baustellen erhalten Unterstützung durch Informationskampagnen der Stadt, müssen jedoch mit Umsatzeinbußen aufgrund der erschwerten Erreichbarkeit rechnen.
Vergleich der Verkehrsbelastung und Projektkosten 2026
Um die Dimension der Baustellen zu verdeutlichen, zeigt die folgende Übersicht die Unterschiede zwischen den Grossbauplätzen im Stadtgebiet und auf den Autobahnen:
| Standort / Achse | Projekttyp | Kostenvolumen (ca.) | Hauptsperrzeiten | Verkehrsreduktion |
| Schöneichtunnel (A1L) | Sicherheit & Technik | 160 Mio. CHF | Nachts (20-05 Uhr) | -40% Kapazität |
| Gubristtunnel (A1) | Totalsanierung Röhren | 1,5 Mrd. CHF | Dauerhaft (Spurabbau) | -25% Kapazität |
| Badenerstrasse | Fernwärme & Tram | 45 Mio. CHF | Ganztägig (Einspurig) | -60% Individualverkehr |
| Quaibrücke | Belag & Abdichtung | 12 Mio. CHF | Wochenenden | 100% Sperrung |
| Birmensdorferstr. | Werkleitungsausbau | 30 Mio. CHF | Etappenweise | -50% Kapazität |
Logistik und Quartiersentwicklung: Der Norden und Osten Zürichs
Nicht nur der Westen, sondern auch der Norden der Stadt steht vor grossen Herausforderungen. In Oerlikon und Seebach werden im Jahr 2026 mehrere Strassenknotenpunkte umgestaltet, um die Sicherheit für den Langsamverkehr (Velofahrer und Fussgänger) zu erhöhen. Dies ist Teil des kommunalen Richtplans Verkehr, der eine Bevorzugung von flächeneffizienten Verkehrsmitteln vorsieht.
In der Glaubtenstrasse und im Bereich des Bahnhofs Oerlikon kommt es zu punktuellen Sperrungen aufgrund der Neugestaltung der Bushaltestellen und der Einführung von Tempo-30-Zonen. Die Stadt Zürich verfolgt hier einen konsequenten Ansatz zur Verkehrsberuhigung in Wohnquartieren. Die Durchgangsverkehre sollen verstärkt auf die Hauptverkehrsstrassen gelenkt werden, was jedoch während der Bauphasen zu einem Rückstau auf die Ausweichrouten führt.
Ein weiteres Grossprojekt betrifft die Überdeckung der Autobahn in Schwamendingen (Einhausung Schwamendingen). Obwohl das Hauptbauwerk 2026 bereits weit fortgeschritten ist, finden im Umfeld umfangreiche Strassenbauarbeiten statt, um die neuen Quartierverbindungen auf dem Dach des Tunnels zu erschliessen. Dies führt zu Sperrungen in den angrenzenden Wohnstrassen und erfordert von den Verkehrsteilnehmern eine hohe Flexibilität bei der Routenwahl.
Mechanismen der Verkehrssteuerung und Bürgerinformation
Um das drohende Verkehrschaos zu bewältigen, setzt die Stadtverwaltung auf hochmoderne digitale Informationssysteme. Die Koordination erfolgt über die kantonale Verkehrsleitzentrale, die in Echtzeit auf Stausituationen reagieren kann.
Schritte zur Informationsbeschaffung für Bürger
Für Anwohner und Pendler gibt es klare Protokolle, um sich über die tägliche Lage zu informieren:
- Online-Portal: Die Webseite
stadt-zuerich.ch/baustellenbietet eine interaktive Karte. Hier sind alle Baustellen mit einer Dauer von mehr als zwei Tagen verzeichnet. - App-Integration: Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) und der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) integrieren Baustellen-Umleitungen direkt in ihre Fahrplan-Apps. Passagiere erhalten Push-Nachrichten bei Linienänderungen.
- Newsletter für Quartiere: Für Grossbaustellen wie in der Badenerstrasse bietet das Tiefbauamt spezifische Newsletter an, die über lärmintensive Nachtarbeiten oder kurzfristige Totalsperrungen informieren.
- Physische Information: An den Baustellenrändern sind QR-Codes angebracht, die direkt zu den Detailplänen und den Kontaktpersonen des jeweiligen Projektleiters führen.
Die Stadt betont, dass die Erreichbarkeit für Rettungsdienste und die Müllabfuhr zu jeder Zeit gewährleistet bleibt. Dennoch müssen Privatpersonen bei Umzügen oder Anlieferungen in Baustellenzonen vorgängig eine Bewilligung bei der Dienstabteilung Verkehr einholen, um sicherzustellen, dass die Baustellenlogistik nicht blockiert wird.
Der öffentliche Verkehr als Entlastungsstrategie
Angesichts der massiven Einschränkungen für den motorisierten Individualverkehr (MIV) fördern Stadt und Kanton den Umstieg auf die Schiene. Die S-Bahn Zürich bleibt von den meisten Strassenbaustellen unberührt und stellt das zuverlässigste Transportmittel dar. Im Jahr 2026 wird die Taktverdichtung auf mehreren Linien, insbesondere in Richtung Winterthur und Limmattal, beibehalten, um die Kapazitätsverluste auf den Autobahnen zu kompensieren.
Die VBZ müssen jedoch selbst mit den Baustellen kämpfen. Da viele Trams und Busse auf dem städtischen Strassennetz verkehren, führt jede Sperrung zu Verspätungen. Um den "Domino-Effekt" im Fahrplan zu verhindern, setzt die VBZ auf sogenannte Wendeschleifen und Ersatzbusse. In der Badenerstrasse beispielsweise verkehren die Trams während kritischer Bauphasen nur bis zu bestimmten Punkten, von wo aus Passagiere auf Busse umsteigen müssen, die eine leicht versetzte Route nehmen. Diese Massnahmen kosten die Stadt jährlich zusätzliche Millionenbeträge für Personal und Treibstoff, sind jedoch notwendig, um die Mobilität der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Baupreisentwicklung
Die Kosten für die Infrastrukturprojekte im Jahr 2026 sind inflationsbedingt gestiegen. Das kantonale Baudepartement berichtet von Preissteigerungen bei Bitumen, Stahl und Beton von durchschnittlich 15 bis 20 Prozent gegenüber den ursprünglichen Planungen. Dies hat dazu geführt, dass einige weniger dringliche Projekte zeitlich nach hinten verschoben wurden, um das Budget nicht zu sprengen.
Die Bauwirtschaft in der Region Zürich arbeitet an der Kapazitätsgrenze. Der Fachkräftemangel führt dazu, dass Baustellen oft im Mehrschichtbetrieb geführt werden müssen, um die engen Zeitpläne einzuhalten. Dies wiederum erhöht die Lohnkosten, die über die öffentlichen Haushalte finanziert werden müssen. Die Stadt Zürich weist darauf hin, dass die Investitionen in die Fernwärme und die Gleissanierung jedoch langfristig die Unterhaltskosten senken und die Standortattraktivität sichern werden.
Nachhaltigkeit und Lärmschutz im Strassenbau
Ein oft übersehener Aspekt der Baustellen 2026 ist die Verbesserung des Lärmschutzes. Bei fast allen Belagssanierungen im Stadtgebiet wird nun konsequent "lärmoptimierter Asphalt" (Porous Asphalt) verwendet. Dieser kann den Strassenlärm um bis zu 3 Dezibel reduzieren, was für die menschliche Wahrnehmung einer Halbierung des Verkehrsaufkommens entspricht.
Zusätzlich werden im Rahmen der Baustellen in den Quartieren Aussersihl und Wiedikon verstärkt Bäume gepflanzt und Flächen entsiegelt, wo immer die Werkleitungen dies zulassen. Dies soll das Stadtklima verbessern und die sogenannten "Heat Islands" (Hitzeinseln) reduzieren. Die Baustellen dienen somit nicht nur der Erhaltung der Substanz, sondern auch der ökologischen Transformation des urbanen Raums.
Handlungsempfehlungen für betroffene Gruppen
- Berufspendler: Nutzung von Park-and-Ride-Anlagen an den Kantonsgrenzen (z.B. in Dietikon oder Effretikon), um den Staus vor den Tunneln zu entgehen.
- Velofahrer: Nutzung der beschilderten Umleitungen für den Veloverkehr, die oft durch ruhige Nebenstrassen führen und von den Baustellenfahrzeugen getrennt sind.
- Gewerbetreibende: Nutzung von Nachtanlieferungen, sofern die Lärmschutzverordnung dies unter Berücksichtigung der Baustellensituation zulässt.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Jahr 2026 für Zürich ein Jahr der baulichen Konsolidierung darstellt. Die Summe der Projekte im Tiefbau, in der Tunneltechnik und in der Energieversorgung führt zu einer bisher kaum gekannten Dichte an Einschränkungen im Strassennetz.
Wirtschaftliche Folgen und Entschädigungsansprüche für Gewerbebetriebe
Die hohe Dichte an Baustellen im Jahr 2026, insbesondere in den Geschäftsvierteln entlang der Badenerstrasse und in Wiedikon, stellt für das lokale Gewerbe eine existenzielle Herausforderung dar. Durch den Wegfall von Kundenparkplätzen und die erschwerte Zufriedenheit sinkt die Passantenfrequenz in den betroffenen Abschnitten nachweislich um bis zu 40 Prozent.
Rechtliche Lage und Unterstützungsmassnahmen
In der Schweiz ist die rechtliche Hürde für Entschädigungen bei Strassenbaustellen hoch. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung müssen Beeinträchtigungen durch öffentliche Bauarbeiten in der Regel entschädigungslos hingenommen werden, sofern sie "vorübergehend, unvermeidlich und verhältnismässig" sind. Dennoch gibt es für Härtefälle bestimmte Mechanismen:
- Mietzinsreduktion: Gewerbemieter haben bei massiven Immissionen (Lärm, Staub, Zugangssperren) gegenüber ihrem Vermieter oft Anspruch auf eine Mietzinsreduktion. Diese liegt je nach Schweregrad zwischen 10 % und 30 %.
- Härtefallgesuche: Die Stadt Zürich bietet für Kleinbetriebe Beratungen an, um die Erreichbarkeit durch gezielte Signalisation zu verbessern. Direkte Finanzhilfen werden jedoch nur in äussersten Ausnahmefällen gewährt.
- Baustellenmarketing: Das Tiefbauamt unterstützt lokale Gewerbevereine durch Flyer-Aktionen und die Beschilderung "Offen trotz Baustelle", um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen.
Vergleich der Erreichbarkeit für Lieferdienste und Kunden
| Kategorie | Vor der Baustelle | Während der Bauphase 2026 | Empfehlung der Stadt |
| Anlieferung LKW | Uneingeschränkt | Nur nachts oder via Seitenstrassen | Zeitfenster 05:00 - 07:00 Uhr nutzen |
| Kundenparkplätze | Vorhanden (Blaue Zone) | Vollständig aufgehoben | Parkhäuser in 500m Umkreis nutzen |
| Velozugang | Direkt vor das Geschäft | Teilweise Umwege über Trottoirs | Markierte Ersatzrouten beachten |
| ÖV-Anbindung | Haltestelle vor der Tür | Provisorische Haltestelle (+200m) | Echtzeit-App der VBZ prüfen |
Was Betroffene jetzt tun sollten
Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer sollten folgende Schritte einleiten, um die Bauphase 2026 wirtschaftlich zu überstehen:
- Beweissicherung: Dokumentieren Sie den Zustand Ihrer Liegenschaft vor Baubeginn (Risse, Fassade), um spätere Erschütterungsschäden geltend machen zu können.
- Mietrechtliche Prüfung: Kontaktieren Sie den Mieterinnen- und Mieterverband oder den Hauseigentümerverband, um mögliche Reduktionsansprüche frühzeitig anzumelden.
- Digitale Präsenz: Aktualisieren Sie Ihre Einträge in Google Maps und Navigationssystemen, um Kunden aktiv über die geänderten Zufahrtswege zu informieren.
- Kontakt zum Projektleiter: Jede Grossbaustelle hat einen benannten Bauleiter der Stadt. Melden Sie Logistikprobleme (z.B. dringende Lieferungen) direkt dort an.
Die aktuelle Situation bedeutet für die Bevölkerung Zürichs und die Pendler aus der gesamten Zentralschweiz eine erhebliche Geduldsprobe. Die Gleichzeitigkeit von Autobahnsanierungen und dem Ausbau der städtischen Energieinfrastruktur führt dazu, dass Ausweichrouten oft selbst überlastet sind. Für den Einzelnen bedeutet dies unmittelbar längere Arbeitswege und eine notwendige Umstellung der Mobilitätsgewohnheiten hin zu Schiene und Velo. Langfristig sichern diese Massnahmen jedoch die Versorgungssicherheit und die Lebensqualität in einer wachsenden Metropolregion.
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