Vom 28. Februar bis zum 8. März 2026 findet im Schweizer Oberengadin die Engadin Marathonwoche statt, deren Höhepunkt der 56. Engadin Skimarathon am Sonntag, den 8. März, bildet. Über 14.000 Athleten aus mehr als 60 Nationen nehmen an den verschiedenen Wettbewerben teil, darunter der Frauenlauf, der Nachtlauf und der klassische Marathon über 42 Kilometer von Maloja nach S-chanf. Die lokalen Behörden und die Kantonspolizei Graubünden haben umfassende Verkehrsbeschränkungen für die Zeit vom 2. bis 3. März und den Finaltag beschlossen, um die Sicherheit der Massenveranstaltung zu gewährleisten. Die Hotels in St. Moritz und Umgebung melden eine Auslastung von 95 Prozent, während die Rhätische Bahn Sonderfahrpläne aktiviert hat, um den massiven Zustrom an Sportlern und Zuschauern logistisch zu bewältigen. Die wirtschaftliche Bedeutung für die Region wird durch zusätzliche Investitionen in die digitale Zeitmessung und nachhaltige Verpflegungssysteme weiter gestärkt. Darüber berichtet NUME.
Die sportliche Struktur und Wettbewerbsphasen der Marathonwoche 2026
Die Engadin Marathonwoche gilt als eines der bedeutendsten Breitensportereignisse der Welt und ist fest im Kalender der Worldloppet-Serie verankert. Die Veranstaltung erstreckt sich über neun Tage und bietet ein differenziertes Programm für verschiedene Leistungsklassen und Altersgruppen.
Auftakt mit dem 24. Frauenlauf
Den sportlichen Startschuss gibt der Engadin Frauenlauf am Sonntag, den 1. März 2026. Diese 17 Kilometer lange Strecke führt von Samedan über den Flugplatz und durch lichte Lärchenwälder bis nach S-chanf. Erwartet werden rund 1.000 Teilnehmerinnen. Dieser Lauf hat sich als eigenständiges Event etabliert, das besonders die Gemeinschaft und den Breitensport im weiblichen Segment fördert. Die Startgebühr für diesen Lauf beträgt bei Anmeldung im Frühjahr 2026 ca. 85 CHF.
Vorbereitungsphase und Trainingstage (2. bis 3. März)
In der Woche vor dem Hauptrennen, insbesondere am Montag und Dienstag (2.–3. März), verwandelt sich das Oberengadin in ein internationales Trainingszentrum. Tausende Hobby-Biathleten und Langläufer nutzen die perfekt präparierten Loipen zur Akklimatisierung. Da sich die Strecke auf einer durchschnittlichen Höhe von 1.800 Metern über Meer befindet, ist diese Vorbereitungszeit für Sportler aus tiefer gelegenen Regionen essenziell, um das Risiko der Höhenkrankheit zu minimieren. Die Loipenorganisation weist darauf hin, dass die Nutzung der Loipen während dieser Tage kostenpflichtig ist (Tagespass 10 CHF, Wochenpass 30 CHF).
Der Engadin Nachtlauf unter Flutlicht
Ein besonderes Highlight ist der 6. Engadin Nachtlauf am Donnerstag, den 5. März 2026. Auf einer Strecke von 17 Kilometern gleiten die Läufer von Sils nach Pontresina. Der Start erfolgt nach Sonnenuntergang, wobei die Stille der Engadiner Winternacht nur durch das Atmen der Sportler und das Knirschen des Schnees unter den Skiern unterbrochen wird. Die Pflicht zur Stirnlampe ist hierbei die wichtigste Sicherheitsauflage.
Logistik, Verkehr und Infrastruktur im Hochtal
Die Durchführung eines Events dieser Grössenordnung stellt das Oberengadin vor massive logistische Herausforderungen. Das Tal ist geografisch durch hohe Pässe (Julier, Maloja, Bernina) begrenzt, was die Verkehrsführung kompliziert macht.
Verkehrskonzept und Strassensperrungen
Am Hauptrenntag, dem 8. März 2026, wird die Kantonsstrasse zwischen Maloja und S-chanf zur Einbahnstrasse oder zeitweise komplett gesperrt. Insbesondere die Zufahrt zum Startgelände in Maloja ist zwischen 06:00 und 09:30 Uhr nur für Shuttlebusse und autorisierte Fahrzeuge gestattet. Zuschauer werden gebeten, die Auffangparkplätze in Samedan und St. Moritz zu nutzen und auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Die Kantonspolizei Graubünden setzt zusätzliche Patrouillen ein, um den Verkehrsfluss zu überwachen.
Die Rhätische Bahn als Rückgrat des Transports
Die Rhätische Bahn (RhB) spielt eine Schlüsselrolle. Am 8. März verkehren Sonderzüge im 15-Minuten-Takt zwischen St. Moritz, Pontresina und S-chanf. Teilnehmer mit einer gültigen Startnummer fahren am Renntag im gesamten Oberengadin kostenlos. Dies gilt auch für die PostAuto-Verbindungen. Das Ziel ist es, den Individualverkehr um mindestens 40 % gegenüber dem Vorjahr zu reduzieren, um die CO2-Bilanz der Veranstaltung zu verbessern.
Wirtschaftliche Kennzahlen und Beherbergungssektor
Der Engadin Skimarathon ist der wichtigste touristische Pfeiler der Wintersaison im März. Die direkte und indirekte Wertschöpfung für die Region wird 2026 auf über 10,5 Millionen Schweizer Franken geschätzt.
Hotelkapazitäten und Preisentwicklung
Die Hotels in der Region St. Moritz, Silvaplana und Pontresina sind bereits Monate im Voraus ausgebucht. Im Jahr 2026 liegen die Tarife für ein Doppelzimmer in einem 3-Sterne-Hotel während der Marathonwoche bei durchschnittlich 320 bis 480 CHF pro Nacht. Luxushäuser in St. Moritz rufen Preise ab 900 CHF auf. Viele Betriebe bieten spezielle "Marathon-Packages" an, die einen frühen Frühstücksservice (ab 05:00 Uhr) und einen Shuttleservice zum Start beinhalten.
| Kategorie | Ort | Durchschnittspreis (pro Nacht) | Verfügbarkeit (März) |
| Luxus (5*) | St. Moritz | ab 950 CHF | < 5 % |
| Mittelklasse (3-4*) | Pontresina | 350 - 550 CHF | < 10 % |
| Budget/Hostel | Samedan | 80 - 150 CHF | ausgebucht |
| Ferienwohnung | Zuoz | 200 - 400 CHF | < 15 % |
Technische Vorbereitung: Material, Wachs und Ausrüstung
Bei Temperaturen, die im März im Engadin zwischen -15 Grad am Morgen und +8 Grad am Mittag schwanken können, ist die Materialschlacht ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs.

Wachsservice und FIS-Regularien
Im Jahr 2026 ist die Verwendung von fluorhaltigen Wachsen gemäss den Richtlinien des Internationalen Skiverbandes (FIS) streng verboten. Die Veranstalter führen am Start und Ziel Stichproben mit speziellen Scannern durch. Ein professioneller Wachsservice in den lokalen Sportgeschäften (z.B. Fähndrich Sport in Pontresina oder Boom Sport in St. Moritz) kostet zwischen 50 und 90 CHF, je nach gewählter Struktur und Gleitschicht.
Zeitmessung und GPS-Tracking
Jeder Teilnehmer erhält einen Transponder, der an der Startnummer befestigt ist. 2026 wird erstmals ein flächendeckendes Echtzeit-Tracking angeboten, mit dem Angehörige die Position der Läufer über die offizielle "Engadin Marathon App" live verfolgen können. Dies verbessert nicht nur die Sicherheit, sondern steigert auch das Zuschauererlebnis.
Sicherheitskonzept und medizinische Notfallversorgung
Die Sicherheit von 14.000 Menschen auf einer 42 Kilometer langen Strecke erfordert militärische Präzision. Das Sicherheitskonzept umfasst über 500 Helfer, Rettungssanitäter und Ärzte.
Medizinische Versorgungsposten
Entlang der Strecke sind insgesamt acht voll ausgestattete Sanitätsposten positioniert. Der kritischste Punkt ist der "Stazerwald" zwischen St. Moritz und Pontresina. Aufgrund der engen Abfahrten kommt es hier regelmässig zu Stürzen. An dieser Stelle ist ein permanentes Team der Rega (Schweizerische Rettungsflugwacht) in Bereitschaft, um Verletzte im Notfall direkt ins Spital Oberengadin nach Samedan zu fliegen.
Notfallkontakte und Prävention
Teilnehmer werden aufgefordert, eine Notfallnummer auf der Rückseite ihrer Startnummer zu notieren. Die Rennleitung empfiehlt dringend eine private Unfallversicherung, die Rettungskosten per Helikopter abdeckt, da diese in der Schweiz nicht durch die einfache Krankenversicherung für Ausländer gedeckt sind (Kosten ca. 3.500 bis 6.000 CHF pro Einsatz).
Nachhaltigkeit und Umweltschutzmassnahmen
Das Engadin ist ein ökologisch sensibles Hochtal. Da die Marathonstrecke über gefrorene Seen führt, sind die Auflagen des kantonalen Umweltamtes Graubünden extrem streng.
- Abfallmanagement: Das Wegwerfen von Müll (insbesondere Energie-Gels) ausserhalb der markierten Zonen führt zur sofortigen Disqualifikation. 2026 werden spezialisierte "Clean Teams" auf Skiern eingesetzt, die unmittelbar nach dem letzten Läufer die Strecke reinigen.
- Verpflegung: Die Becher an den Verpflegungsstationen bestehen aus 100 % kompostierbarem Material. Die angebotenen Getränke und Speisen stammen überwiegend von lokalen Produzenten aus dem Kanton Graubünden, um Transportwege kurz zu halten.
- Anreiseanreize: Um den Flugverkehr zu reduzieren, kooperiert der Veranstalter mit der SBB (Schweizerische Bundesbahnen), um vergünstigte "Event-Tickets" für die Anreise aus dem Ausland anzubieten.
Internationale Bedeutung und Teilnehmer aus Osteuropa
Der Engadin Skimarathon zieht 2026 vermehrt Gäste aus Osteuropa, insbesondere aus der Ukraine und Polen, an. Für diese Sportler ist das Event eine prestigeträchtige Bühne.
Informationen für internationale Gäste
Teilnehmer, die aus dem Ausland anreisen, sollten den Flughafen Zürich (ZRH) nutzen. Von dort führt die Bahnreise über Chur durch das UNESCO-Welterbe der Albulalinie direkt nach St. Moritz. Die Reisezeit beträgt ca. 3 Stunden und 20 Minuten. Visa-Fragen und Aufenthaltsbestimmungen (insbesondere für Nicht-EU-Bürger) können über das Staatssekretariat für Migration (sem.admin.ch) geklärt werden.
Strategie für Zuschauer: Die besten Beobachtungspunkte
Für Besucher, die nicht selbst teilnehmen, bietet die Marathonwoche spektakuläre Einblicke.
Maloja: Der Massenstart
Das Erlebnis, wenn 14.000 Menschen gleichzeitig auf dem Silsersee loslaufen, ist einzigartig. Die Vibration des Eises und das Rauschen der Tausenden von Skiern sind kilometerweit zu hören. Anreise bis spätestens 07:30 Uhr empfohlen.
Pontresina: Die Halbzeit
In Pontresina findet der Wechsel zwischen dem Halbmarathon und dem Marathon statt. Hier ist die Stimmung am emotionalsten, da viele Läufer ihre erste Erschöpfungsphase erreichen. Das Dorf bietet zahlreiche Public-Viewing-Zonen mit lokaler Gastronomie (Pizzoccheri, Engadiner Nusstorte).
S-chanf: Das Zielgelände
Das Ziel in S-chanf ist ein riesiges Volksfest. Hier können Zuschauer die Elite-Läufer bei ihrem Zielsprint (ca. 09:45 Uhr) und die letzten Volksläufer am späten Nachmittag (ca. 16:00 Uhr) bejubeln. Es stehen grosse Festzelte und eine Expo-Area zur Verfügung.
Schritte zur erfolgreichen Teilnahme 2026
Wer am 8. März 2026 an der Startlinie stehen möchte, muss folgende administrative und physische Schritte beachten:
- Online-Registrierung: Anmeldung über engadin-skimarathon.ch. Achtung: Das Kontingent ist oft schon im Januar erschöpft.
- Medizinischer Check: Ein Belastungs-EKG wird besonders für Läufer über 40 Jahren dringend empfohlen.
- Unterkunftssicherung: Buchung der Unterkunft idealerweise 6 bis 9 Monate im Voraus.
- Ausrüstungskontrolle: Prüfung der Bindungen und Skier auf Risse oder Verschleiss.
- Logistikplanung: Download der SBB Mobile App für die Fahrpläne der Sonderzüge.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Haftung
Der Veranstalter übernimmt keine Haftung für Diebstahl oder Unfälle während der Marathonwoche. Es gilt das Schweizer Recht. Bei einer Absage aufgrund von höherer Gewalt (z.B. extreme Lawinengefahr oder Schneemangel auf den Seen) wird die Startgebühr gemäss den AGB nur teilweise zurückerstattet, sofern keine entsprechende Versicherung abgeschlossen wurde. Die Schiedsstelle für sportliche Streitigkeiten befindet sich in Chur.
Die Engadin Marathonwoche 2026 ist weit mehr als ein Skirennen; sie ist ein logistisches Meisterwerk und ein kulturelles Phänomen, das die Identität des Oberengadins prägt. Für die Einheimischen bedeutet die Woche eine enorme Belastung durch Lärm und Verkehr, die jedoch durch die wirtschaftliche Prosperität und das internationale Prestige aufgewogen wird. Für die Teilnehmer ist es die Erfüllung eines sportlichen Traums inmitten einer der imposantesten Hochgebirgslandschaften der Welt. Die Professionalisierung der Abläufe und der Fokus auf Nachhaltigkeit stellen sicher, dass dieses Erbe auch in einer Zeit des ökologischen Wandels Bestand hat. Wer am 8. März 2026 die Ziellinie in S-chanf überquert, wird Teil einer Geschichte, die seit über fünf Jahrzehnten Menschen über Grenzen hinweg verbindet.
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