Seit 2001 steigen in der Schweiz die gemeldeten Fallzahlen der Legionärskrankheit kontinuierlich an. Besonders betroffen sind Männer höheren Alters. Das geht aus einem Ende Januar 2026 veröffentlichten Lagebericht des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) hervor. Demnach wurden seit 2020 deutlich mehr Erkrankungen registriert, mit einem Höchststand von 574 gemeldeten Fällen im Jahr 2023 und 491 Fällen im Jahr 2024. Dies entspricht einer Rate von 5,5 Erkrankungen pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Im Kanton Tessin lag die Inzidenz bei 13,9 Fällen pro 100’000 Personen. Zudem meldete das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt im Jahr 2025 mehrere Erkrankungen nach massiver Legionellenbelastung in öffentlichen Duschen eines Alters- und Pflegeheims. Seit 1998 besteht in der Schweiz eine Meldepflicht für positive Legionellenbefunde, berichtet NUME.ch unter Berufung auf BAG.
Entwicklung der Fallzahlen seit 2001 und aktuelle Statistik 2023/2024
Die Legionärskrankheit, medizinisch als Legionellose bezeichnet, wird durch Bakterien der Gattung Legionella verursacht. Diese kommen natürlicherweise in Süsswasser vor und können sich in künstlichen Wassersystemen wie Warmwasserleitungen, Duschanlagen, Klimaanlagen oder Kühltürmen vermehren. Eine Infektion erfolgt primär durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen (Aerosole), die mit Legionellen kontaminiert sind.
Laut Lagebericht des BAG ist seit 2001 ein langfristiger Anstieg der gemeldeten Fälle zu beobachten. Während die Zahlen in den frühen 2000er-Jahren im unteren dreistelligen Bereich lagen, wurden in den vergangenen Jahren deutlich höhere Werte registriert. Seit 2020 nahm die Zahl der gemeldeten Erkrankungen zu und erreichte 2023 mit 574 Fällen einen Höchststand. Im Jahr 2024 sank die Zahl auf 491 gemeldete Fälle, blieb jedoch deutlich über dem Niveau früherer Jahrzehnte.
Die landesweite Inzidenz betrug 2024 gemäss BAG 5,5 Fälle pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Regionale Unterschiede sind deutlich erkennbar. Besonders betroffen war der Kanton Tessin mit einer Rate von 13,9 Fällen pro 100’000 Personen, was mehr als dem Doppelten des nationalen Durchschnitts entspricht.
Betroffene Bevölkerungsgruppen und Risikofaktoren
Der Bericht des BAG zeigt, dass insbesondere Männer höheren Alters betroffen sind. Als Risikofaktoren gelten unter anderem Rauchen, chronische Lungenerkrankungen, Diabetes sowie ein geschwächtes Immunsystem. Auch Personen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen weisen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf auf.
Die Legionellose äussert sich in der Regel als schwere Lungenentzündung mit Fieber, Husten, Atemnot, Muskel- und Kopfschmerzen. In schweren Fällen kann die Erkrankung intensivmedizinische Behandlung erfordern. Die Hospitalisationsrate ist im Vergleich zu anderen bakteriellen Atemwegsinfektionen hoch.
Viren gelten zwar als Hauptverursacher akuter Atemwegserkrankungen der unteren Atemwege, dennoch zeigt die Statistik, dass bakterielle Infektionen wie die Legionellose einen signifikanten Anteil an schweren Verläufen mit Spitaleintritt haben.
Meldepflicht seit 1998 und Überwachungssystem
In der Schweiz besteht seit 1998 eine gesetzliche Meldepflicht für positive Legionellenbefunde sowie für klinisch diagnostizierte Fälle der Legionärskrankheit. Ärztinnen und Ärzte sowie Laboratorien sind verpflichtet, bestätigte Fälle an die zuständigen kantonalen Behörden und das BAG zu melden.
Die Meldepflicht dient der epidemiologischen Überwachung, der Früherkennung von Ausbrüchen und der Einleitung von Massnahmen. Die Daten werden im nationalen Meldesystem erfasst und jährlich in Lageberichten veröffentlicht. Diese Berichte enthalten Angaben zu Fallzahlen, Altersverteilung, regionalen Unterschieden sowie zu saisonalen Schwankungen.
Die Analyse zeigt, dass Erkrankungen gehäuft in den Sommer- und Frühherbstmonaten auftreten, wenn warme Temperaturen die Vermehrung von Legionellen in Wassersystemen begünstigen.
Legionellen in öffentlichen Einrichtungen: Fall Basel-Stadt 2025
Im Jahr 2025 stellte das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt bei Kontrollen öffentlicher Duschen eine massive Belastung mit Legionellen fest. Betroffen war unter anderem ein Alters- und Pflegeheim. Mehrere Bewohnerinnen und Bewohner sowie eine Mitarbeiterin erkrankten.
Nach Angaben des Laboratoriums wurden umgehend Massnahmen ergriffen. Dazu gehörten die temporäre Sperrung betroffener Duschanlagen, thermische Desinfektionsmassnahmen sowie mikrobiologische Nachkontrollen. Die kantonalen Behörden überprüften zudem die Wartungs- und Kontrollprotokolle der Einrichtung.
Der Fall zeigt, dass insbesondere Einrichtungen mit vulnerablen Personengruppen – darunter Alters- und Pflegeheime sowie Spitäler – besondere Anforderungen an die Wasserhygiene erfüllen müssen.
Mechanismus der Infektion und technische Ursachen
Legionellen vermehren sich bevorzugt bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. In schlecht gewarteten Warmwassersystemen, bei Stagnation oder unzureichender Temperaturführung kann es zu einer starken Vermehrung kommen.
Technische Ursachen für erhöhte Belastungen können sein:
- Unzureichende Warmwassertemperatur unter 60 Grad Celsius im Boiler
- Längere Stagnation in selten genutzten Leitungen
- Biofilmbildung in Rohrleitungen
- Fehlende oder unregelmässige Wartung
Die Infektion erfolgt nicht durch Trinken von Wasser, sondern durch das Einatmen kontaminierter Aerosole, etwa beim Duschen oder in Whirlpools.
Was Einrichtungen und Privatpersonen beachten müssen
Zur Prävention gelten in der Schweiz technische und hygienische Richtlinien für Trinkwasserinstallationen. Eigentümerinnen und Eigentümer von Gebäuden sind verpflichtet, ihre Anlagen so zu betreiben, dass keine Gesundheitsgefährdung entsteht.
Schritte zur Prävention von Legionellen
- Warmwassertemperatur im Boiler konstant über 60 Grad Celsius halten.
- Regelmässige Spülung wenig genutzter Leitungen durchführen.
- Periodische mikrobiologische Untersuchungen in sensiblen Einrichtungen veranlassen.
- Wartungsprotokolle dokumentieren und aufbewahren.
- Bei positiven Befunden sofort kantonale Behörden informieren.
Besonders Alters- und Pflegeheime, Spitäler sowie Sportanlagen mit öffentlichen Duschen unterliegen verschärften Kontrollanforderungen.
Regionale Unterschiede der Inzidenz 2024
Region | Fälle pro 100’000 Einwohner (2024)
Schweiz gesamt | 5,5
Tessin | 13,9
Übrige Kantone | unter 10
Diese Übersicht verdeutlicht die erhebliche regionale Varianz. Gründe für höhere Inzidenzen können klimatische Bedingungen, touristische Strukturen oder spezifische Ausbruchsereignisse sein.
Konsequenzen für das Gesundheitssystem
Die steigenden Fallzahlen bedeuten eine erhöhte Belastung für Spitäler, insbesondere in den Sommermonaten. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antibiotika, wobei eine frühzeitige Diagnose entscheidend ist.
Gesundheitsbehörden setzen verstärkt auf Prävention, Information und Kontrolle technischer Anlagen. Die Datenlage wird kontinuierlich ausgewertet, um regionale Cluster frühzeitig zu erkennen.

Bedeutung für die Bevölkerung
Für die allgemeine Bevölkerung besteht kein Anlass zur Panik. Das individuelle Risiko bleibt im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung gering. Dennoch zeigen die Zahlen eine langfristige Zunahme, die insbesondere für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen relevant ist.
Wer Symptome einer schweren Lungenentzündung entwickelt, insbesondere nach Aufenthalt in Einrichtungen mit Duschanlagen oder Whirlpools, sollte ärztliche Abklärung suchen. Informationen zur aktuellen Lage veröffentlicht das BAG regelmässig auf seiner offiziellen Website. Die Entwicklung der Fallzahlen verdeutlicht, dass die Kontrolle von Wassersystemen und die Einhaltung technischer Standards eine zentrale Rolle für den Gesundheitsschutz in der Schweiz spielen.
Fragen und Antworten zur Legionärskrankheit in der Schweiz 2026
Was ist die Legionärskrankheit genau
Die Legionärskrankheit, medizinisch Legionellose, ist eine bakterielle Infektionskrankheit der unteren Atemwege. Verursacher sind Bakterien der Gattung Legionella, die natürlicherweise in Süsswasser vorkommen. Problematisch wird es, wenn sich diese Bakterien in künstlichen Wassersystemen wie Warmwasserleitungen, Duschanlagen, Klimaanlagen, Kühltürmen oder Whirlpools stark vermehren. Gelangen legionellenhaltige Aerosole beim Einatmen in die Lunge, kann es zu einer schweren Lungenentzündung kommen. Die Erkrankung ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.
Warum steigen die Fallzahlen seit 2001 kontinuierlich an
Nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ist seit 2001 ein langfristiger Anstieg der gemeldeten Fälle zu beobachten. Dafür kommen mehrere Faktoren infrage:
- Verbesserte Diagnostik und Sensibilisierung im Gesundheitswesen
- Alternde Bevölkerung mit höherem Anteil vulnerabler Personen
- Zunahme komplexer Gebäudetechnik und Warmwassersysteme
- Klimatische Veränderungen mit längeren Warmperioden
Seit 2020 wurde ein besonders deutlicher Anstieg verzeichnet, mit 574 Fällen im Jahr 2023 und 491 Fällen im Jahr 2024. Auch wenn 2024 ein Rückgang gegenüber 2023 registriert wurde, liegt das Niveau weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt früherer Jahrzehnte.
Wer ist besonders gefährdet
Das Risiko für eine schwere Erkrankung ist bei bestimmten Personengruppen erhöht. Dazu gehören:
- Männer über 50 Jahre
- Raucherinnen und Raucher
- Personen mit chronischen Lungenerkrankungen
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem
- Patientinnen und Patienten mit Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Statistisch sind ältere Männer überproportional betroffen. Kinder und gesunde Erwachsene erkranken deutlich seltener und meist mit milderen Verläufen.
Wie hoch ist das Risiko im Vergleich zur Gesamtbevölkerung
Die landesweite Inzidenz betrug 2024 gemäss BAG 5,5 Fälle pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Im Kanton Tessin lag sie bei 13,9 Fällen pro 100’000 Personen. Trotz steigender Zahlen bleibt das absolute Erkrankungsrisiko für die Gesamtbevölkerung statistisch niedrig. Das Risiko konzentriert sich stark auf definierte Risikogruppen.
Welche Symptome treten auf
Typische Symptome der Legionärskrankheit sind:
- Hohes Fieber
- Husten
- Atemnot
- Schüttelfrost
- Muskel- und Kopfschmerzen
- Teilweise Durchfall oder Verwirrtheit
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis zehn Tage nach Exposition. In schweren Fällen ist eine Hospitalisation erforderlich. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohlich verlaufen, insbesondere bei älteren Menschen.
Wie wird die Diagnose gestellt
Die Diagnose erfolgt durch:
- Urin-Antigentest auf Legionella pneumophila
- PCR-Nachweis aus Atemwegsproben
- Blutuntersuchungen
- Röntgen oder CT der Lunge
Seit 1998 besteht in der Schweiz eine Meldepflicht für bestätigte Fälle. Ärztinnen, Ärzte und Laboratorien melden positive Befunde an die kantonalen Behörden und an das BAG.
Wie wird die Krankheit behandelt
Die Therapie erfolgt mit spezifischen Antibiotika, in der Regel Makroliden oder Fluorchinolonen. Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Prognose erheblich. Bei schweren Verläufen ist eine stationäre Aufnahme erforderlich, teilweise mit intensivmedizinischer Betreuung.
Wo besteht ein erhöhtes Ansteckungsrisiko
Ein erhöhtes Risiko besteht überall dort, wo warmes Wasser in technischen Systemen zirkuliert oder zerstäubt wird. Dazu zählen:
- Öffentliche Duschen
- Alters- und Pflegeheime
- Spitäler
- Hotels
- Sportanlagen
- Whirlpools und Wellnessanlagen
- Kühltürme industrieller Anlagen
Der Fall in Basel-Stadt im Jahr 2025 zeigte, dass insbesondere Einrichtungen mit vulnerablen Personen besonders sorgfältig kontrolliert werden müssen.
Kann man sich durch Trinken von Leitungswasser anstecken
Nein. Die Infektion erfolgt nicht durch das Trinken von Wasser, sondern durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen (Aerosole). Das Risiko entsteht also beim Duschen oder in Umgebungen mit vernebeltem Wasser.
Welche gesetzlichen Vorschriften gelten in der Schweiz
Gebäudeeigentümer sind verpflichtet, ihre Trinkwasserinstallationen so zu betreiben, dass keine Gesundheitsgefährdung entsteht. In sensiblen Einrichtungen wie Spitälern oder Pflegeheimen gelten zusätzliche Anforderungen an Wartung, Temperaturführung und mikrobiologische Kontrollen.
Seit 1998 gilt eine nationale Meldepflicht für positive Befunde. Diese ermöglicht die epidemiologische Überwachung und das frühzeitige Erkennen von Ausbrüchen.
Wie können Privatpersonen das Risiko in Wohnungen reduzieren
Folgende Massnahmen gelten als präventiv wirksam:
- Warmwasserboiler auf mindestens 60 Grad Celsius einstellen
- Selten genutzte Leitungen regelmässig durchspülen
- Duschköpfe entkalken und reinigen
- Bei längerer Abwesenheit Wasserleitungen vor Nutzung mehrere Minuten laufen lassen
In Mehrfamilienhäusern liegt die technische Verantwortung beim Eigentümer oder der Verwaltung.
Was tun bei Verdacht auf eine Infektion
Wer Symptome einer schweren Lungenentzündung entwickelt, sollte unverzüglich ärztliche Abklärung suchen, insbesondere wenn Risikofaktoren bestehen oder kürzlich ein Aufenthalt in Einrichtungen mit Duschanlagen erfolgte. Bei bestätigter Erkrankung erfolgt die Meldung automatisch über das Gesundheitssystem.
Informationen zur aktuellen Lage, Präventionshinweisen und Meldepflicht veröffentlicht das BAG regelmässig auf seiner offiziellen Website. Die steigenden Fallzahlen bedeuten nicht, dass akute Gefahr für die Gesamtbevölkerung besteht, zeigen jedoch die Notwendigkeit konsequenter Kontrolle und Wartung technischer Wassersysteme in der gesamten Schweiz.
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