Die Lufthansa Group hat ein umfassendes und konzernweites Sparprogramm eingeleitet. In einem internen Memo an die über 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fordert Dieter Vranckx, Chief Customer Officer der Lufthansa Group und ehemaliger CEO der Swiss, einen sofortigen Einstellungsstopp, das Verbot von Geschäftsreisen mit Hotelübernachtungen sowie eine pauschale Kürzung aller Projektbudgets um zehn Prozent. Darüber berichtet Nume.ch unter Berufung auf Blick.

Die Maßnahmen sollen die Auswirkungen steigender Kerosinpreise infolge des Konflikts im Nahen Osten, geopolitische Risiken und die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit abfedern. Besonders stark betroffen sind die Schweizer Tochtergesellschaften Swiss International Air Lines und Edelweiss.

Das Sparpaket umfasst mehrere zentrale und unmittelbar wirksame Schritte. Ab sofort werden in der gesamten Lufthansa Group keine neuen Mitarbeiter mehr eingestellt. Geschäftsreisen, die eine Hotelübernachtung erfordern, sind vollständig untersagt. Die Budgets für Weiterbildungsmaßnahmen, Team-Events und alle laufenden Projekte werden deutlich reduziert. Neue Verträge mit externen Beratern werden nicht mehr abgeschlossen, während bestehende Verträge einer strengen Überprüfung unterzogen werden.

Darüber hinaus plant die Konzernleitung eine grundlegende Revision von Flotte, Streckennetz und Preispolitik, um langfristig Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Die Schweizer Airlines Swiss und Edelweiss haben im Geschäftsjahr 2025 einen deutlichen Gewinnrückgang von 26,6 Prozent verzeichnet. Gleichzeitig rechnet die Lufthansa Group damit, dass rund 4.000 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter freiwillig das Unternehmen verlassen werden.

Bereits im März 2026 hatte die Lufthansa angekündigt, Kurzstreckenflugzeuge seltener zu reinigen – eine erste, für Passagiere spürbare Kosteneinsparung. Nun folgt die nächste, deutlich tiefgreifendere Sparrunde, die den operativen Alltag in Zürich und Genf spürbar verändern wird.

Swiss hat die Existenz des internen Memos gegenüber Medien bestätigt. Sprecher Michael Peltzer erklärte dazu: „Der Brief enthält keine neuen Informationen, die CEO Jens Fehlinger (45) nicht bereits intern mit den Mitarbeitern geteilt hat.“ Die Lufthansa Group selbst wollte keine weiteren Detailfragen zu den konkreten Einsparungen und den daraus resultierenden Effekten beantworten. Ein Konzernsprecher beschränkte sich auf die knappe Aussage: „In der Regel kommentieren wir interne Mitteilungen nicht.“

„Aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit müssen wir alle Ausgaben kritisch prüfen und wo möglich reduzieren.“ - Dieter Vranckx in der internen Mitteilung an die Mitarbeiter der Lufthansa Group, April 2026

Während die Einsparungen vor allem die operative Ebene und die Schweizer Töchter treffen, stiegen die Vergütungen im Top-Management spürbar an. Dieter Vranckx, der das Spar-Memo unterzeichnet hat, verdiente im Jahr 2025 mehr als 2,1 Millionen Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Diese Diskrepanz zwischen Sparvorgaben an der Basis und höheren Gehältern in der Führungsebene sorgt intern für zusätzliche Diskussionen.

Die Lufthansa Group reagiert mit dem Programm auf volatile Treibstoffkosten und die unsichere Lage durch den Konflikt im Iran. Im 100-jährigen Jubiläumsjahr des Konzerns soll die Profitabilität langfristig gesichert werden.

Die Maßnahmen sind Teil einer breiteren Strategie, die bereits in früheren Monaten sichtbar wurde:

Dazu gehören die Zentralisierung von Kernfunktionen wie Streckennetz und Vertrieb, die Reduzierung externer Beratungsleistungen sowie die Anpassung des Flugplans. So wurden für den Sommer 2026 mehrere europäische und innerdeutsche Verbindungen gestrichen, um Kosten zu senken.

Die Swiss als eine der profitabelsten Töchter des Konzerns spürt den zentralen Spardruck aus Frankfurt besonders deutlich. CEO Jens Fehlinger hat die Mitarbeiter bereits intern auf die Notwendigkeit von Strukturbereinigungen hingewiesen. Ziel ist es, die Airline langfristig wieder profitabel wachsen zu lassen. Dennoch bleibt die Stimmung in der Belegschaft angespannt, da weitere freiwillige Austritte bei den Flugbegleitern erwartet werden.

Die Group bietet in diesem Zusammenhang Abfindungspakete an, um den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten.

Experten beobachten die Entwicklung mit Interesse. Die Lufthansa Group steht vor der Herausforderung, in einem schwierigen Marktumfeld – geprägt von hohen Treibstoffpreisen, steigenden Gebühren und geopolitischen Risiken – die Kosten zu senken, ohne die Servicequalität und die Attraktivität als Arbeitgeber zu stark zu beeinträchtigen. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen ausreichen, um die wirtschaftliche Stabilität der gesamten Group und insbesondere der Swiss zu sichern.

Auswirkungen des Sparprogramms auf Swiss und Edelweiss im Überblick

  • Sofortiger Einstellungsstopp in der gesamten Lufthansa Group
  • Verbot von Dienstreisen mit Hotelübernachtung
  • Zehn-Prozent-Kürzung aller Projektbudgets
  • Stopp neuer externer Beraterverträge bei gleichzeitiger Überprüfung bestehender
  • Grundlegende Revision von Flotte, Streckennetz und Preispolitik
  • Gewinnrückgang der Swiss im Jahr 2025: minus 26,6 Prozent
  • Erwarteter freiwilliger Abgang von rund 4.000 Flugbegleitern

Das Sparprogramm kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Die Lufthansa Group investiert gleichzeitig in die Modernisierung der Langstreckenflotte und plant neue Widebody-Bestellungen, um langfristig effizienter zu fliegen. Kurzfristig dominieren jedoch die Kostendisziplin und die Anpassung an die aktuelle Marktlage. Die Swiss bleibt dabei eine zentrale Säule des Konzerns und muss die Vorgaben aus der Zentrale in Frankfurt umsetzen, ohne ihre starke Position im Schweizer Markt zu gefährden.

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