Belarus treibt unter Präsident Alexander Lukaschenko ein gross angelegtes, geheimes Staatsprojekt voran, das den Aufbau einer vollständigen Produktionsstätte für Artillerie- und Raketenmunition vorsieht. Das Vorhaben erfolgt unter Beteiligung Russlands und Chinas und könnte direkt zur Versorgung der russischen Armee im Krieg gegen die Ukraine beitragen. Das Projekt markiert eine neue Stufe der industriellen Einbindung von Belarus in den militärischen Konflikt. Darüber berichtet Nume.ch unter Berufung auf The WP Times

Nach Einschätzung von Beobachtern geht es dabei nicht um punktuelle Unterstützung, sondern um den Aufbau einer dauerhaften industriellen Kapazität, die Russlands Munitionsversorgung langfristig stabilisieren soll – zu einem Zeitpunkt, an dem Produktionsengpässe und Logistikprobleme zunehmend als strategischer Faktor gelten.

Vollzyklus-Produktion für sowjetische Kaliber

Wie die belarussische Oppositionsinitiative BELPOL mitteilt, läuft das geheime Projekt mit dem internen Namen „Uchastok“ bereits seit November 2023. Vorgesehen ist eine Vollzyklus-Produktion von Artillerie- und Raketenmunition der Kaliber 122 mm und 152 mm. Diese sowjetischen Standardkaliber werden von russischen Streitkräften im Ukrainekrieg weiterhin in grossem Umfang eingesetzt.

„Die Endprodukte sind ausdrücklich für den Export bestimmt und sollen im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden“, erklärte der BELPOL-Vertreter Wolodymyr Schyhar. Die Anlage sei so konzipiert, dass sie sämtliche Produktionsschritte abdecken könne – von der Herstellung der Metallhülsen bis zur Endmontage.

Die Fertigstellung des Werks ist laut BELPOL bis Dezember 2026 geplant. Nach Inbetriebnahme könnte es Russlands Abhängigkeit von inländischen Produktionslinien und inoffiziellen Importwegen deutlich reduzieren.

Politische Genehmigung und industrielle Steuerung

BELPOL zufolge wurde das Projekt durch eine geheime persönliche Anordnung Lukaschenkos genehmigt. Als zentraler Betreiber fungiert ein eigens gegründetes Unternehmen mit dem Namen „Werk für Hüllenteile“, das künftig eine Schlüsselrolle in einer neuen belarussischen Munitionsindustrie einnehmen soll.

Lukaschenko treibt geheimes Munitionswerk mit Russland und China voran

Zu den Gründern zählen das private Unternehmen VolatAvto sowie das staatliche Werk für Präzisionselektromechanik. Die strategische Aufsicht liegt beim Staatlichen Militär-Industriekomitee der Republik Belarus.

„Es handelt sich nicht um politische Symbolik, sondern um direkte materielle Unterstützung der bewaffneten Aggression Russlands“, sagte Schyhar. Angesichts des Produktspektrums und der geplanten Mengen sei Russland der eindeutige Endabnehmer.

Standort: Industrieanlage statt Raketenbasis

Das Werk entsteht im Rajon Sluzk in der Region Minsk, auf dem Gelände eines ehemaligen Militärarsenals nahe den Ortschaften Pawliwka und Schyschtschizy.

Zunächst hatten einzelne Medien spekuliert, dort könne eine geheime Militärbasis oder eine Infrastruktur für strategische Raketensysteme entstehen. Laut BELPOL belegen jedoch vorliegende Unterlagen – darunter technische Pläne –, dass es sich eindeutig um ein industrielles Produktionsobjekt handelt.

„Es ist weder ein Lager noch ein Raketenstandort. Es handelt sich um eine industrielle Anlage zur Massenproduktion von Munition“, betonte Schyhar.

Abhängigkeit von Russland und China

Belarus verfügt nicht über eigene Kapazitäten zur Herstellung mehrerer zentraler Komponenten für Explosivstoffe. Das Projekt ist daher strukturell von ausländischen Lieferungen abhängig.

Russland und China gelten als wichtigste Partner. Russland liefert nach Angaben von BELPOL Produktionslinien, Komponenten und übernimmt die Schulung des Personals. Zudem soll Moskau Hauptlieferant für Sprengstoffe und Treibladungen sein. China stellt demnach Anlagen für die Befüllung von 122-mm-Gefechtsköpfen bereit und beteiligt sich ebenfalls an der Ausbildung sowie an der Lieferung von Materialien. Darüber hinaus laufen laut BELPOL Gespräche mit Iran und Pakistan über zusätzliche technische Unterstützung.

Diese Konstellation verdeutlicht die zunehmend internationale Vernetzung der Lieferketten, die Russlands Kriegswirtschaft trotz westlicher Sanktionen stützen.

Weitere Hinweise und regionaler Kontext

BELPOL hat zusätzliche Dokumente, visuelle Materialien und technische Nachweise in einer Recherche veröffentlicht, die am Sonntag auf dem YouTube-Kanal der Organisation erschien.

Frühere Enthüllungen der Initiative deuten zudem darauf hin, dass weitere belarussische Unternehmen – darunter Betriebe des Amkodor-Konzerns – an russischen Rüstungsaufträgen beteiligt sind, unter anderem im Bereich der Wartung militärischer Elektronik. In ihrer Gesamtheit zeichnen diese Erkenntnisse das Bild einer systematischen Ausweitung der belarussischen Rolle innerhalb der russischen Militär- und Rüstungsinfrastruktur.

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