In der hitzigen Debatte um die Finanzierung der Schweizer Armee sorgt ein Vorschlag von Damian Müller, Mitglied des Nationalrats für die FDP, erneut für Gesprächsstoff: Er hat in dieser Woche öffentlich gefordert, das Renteneintrittsalter auf 66 Jahre anzuheben, um zusätzliche Ressourcen für die Verteidigung bereitzustellen – und damit die umstrittene Frage aufgeworfen: „Warum uns nicht einfach arbeiten, bis der Sarg kommt?“. Darüber berichtet NUME.ch unter Berufung auf Blick.

Müllers Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Druck auf die Bundeswehrfinanzierung durch steigende globalpolitische Spannungen wächst. Sein Vorschlag, statt einer erneuten Mehrwertsteuererhöhung das Pensionsalter zu erhöhen, spaltet die Öffentlichkeit. In seinem Statement bezeichnete Müller die Maßnahme als „äußerste Notwendigkeit“, um handlungsfähig zu bleiben, falls der Bundesrat keine tragfähige Finanzierungslösung für die Armee präsentieren kann.

Kritiker werfen dem VBS (Verteidigungsdepartement) vor, mit den bestehenden Mitteln schlecht zu haushalten, und sehen in einem höheren Renteneintrittsalter eine ungerechte Belastung der älteren Erwerbstätigen. Befürworter hingegen argumentieren, dass eine moderate Anhebung des Pensionierungsalters angesichts der steigenden Lebenserwartung und der finanziellen Herausforderungen im Staatsbudget eine realistische Option darstelle.

Internationale Vergleiche zeigen, dass viele Industriestaaten bereits ein Renteneintrittsalter von 66 oder mehr Jahren etabliert haben, um der demografischen Entwicklung zu begegnen und Sozialversicherungen nachhaltig zu finanzieren. Doch in der Schweiz ist der Vorschlag politisch und gesellschaftlich extrem umstritten. Besonders stellten sich viele Gegner gegen argumentativ schwache Beschlüsse in Rüstungsausgaben der vergangenen Jahre.

Im Zentrum der Debatte steht nicht nur die Frage „Warum länger arbeiten?“, sondern auch, ob strukturelle Reformen im staatlichen Haushalt sowie effizientere Investitionen im Sicherheits- und Verteidigungsbereich nicht gerechtere und nachhaltigere Alternativen bieten könnten. Laut Stellungnahmen von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften wäre eine Anhebung des Rentenalters ohne flankierende Massnahmen für ältere Arbeitnehmer schwer verkraftbar.

Politische Parteien haben bereits unterschiedliche Positionen bezogen: Während Teile der FDP und bürgerlicher Kreise Müllers Vorschlag als realpolitische Antwort auf Finanzierungsprobleme sehen, lehnen linke und sozialpolitische Gruppierungen jede Form von weiteren Belastungen für Arbeitnehmer strikt ab. Sie fordern stattdessen mehr Transparenz im Verteidigungsbudget und eine Neubewertung der Ausgabenprioritäten.

Diskussionen in der Bevölkerung: Kritik und Zustimmung

Einige Kommentatoren in sozialen Medien zeigten sich empört über die pauschale Forderung: „Die Armee muss ihre Ressourcen besser verwalten, bevor sie von der Bevölkerung mehr fordert“, so ein Rezensent. Andere sehen in der Erhöhung des Rentenalters einen vernünftigen Ansatz angesichts gesunkener Geburtenraten und einer wachsenden Zahl von Rentnern.

Die Frage „Warum uns einfach weiterarbeiten, bis der Sarg kommt?“ wird als drastisches Bild verwendet, um zu verdeutlichen, wie weit der gesellschaftliche Konsens in Bezug auf Arbeit, Alter und soziale Absicherung auseinandergeht. Es ist jedoch klar, dass selbst Befürworter von Reformen anerkennen, dass die Debatte sensibel geführt werden muss – denn es geht um grundlegende Werte des Sozialstaates Schweiz.

Während der Bundesrat angekündigt hat, den Vorschlag im Parlament eingehend prüfen zu lassen, kündigten mehrere Fraktionen an, eigene Alternative Konzepte einzubringen – darunter Modellrechnungen mit flexiblen Renteneinstiegslösungen, stärkere Förderung älterer Arbeitnehmer und mögliche Steueranpassungen zur Stärkung der Staatsfinanzen.

Eines steht fest: Der Vorschlag von Damian Müller hat den Diskurs um die Zukunft der Altersvorsorge und der Verteidigungsfinanzierung angefacht und wird diesen Herbst mit ziemlicher Sicherheit zu einem zentralen Thema im Parlament und in der öffentlichen Diskussion.

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