Am 1. März 2026 gaben das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und der Schweizerische Nationalfonds (SNF) bekannt, dass die Schweiz ihre internationalen Kooperationen mit strategischen Forschungspartnern in den USA und Europa massiv ausweitet. Durch neue bilaterale Abkommen werden zusätzliche Mittel in Höhe von 450 Millionen Schweizer Franken für gemeinsame Projekte in den Bereichen Quantentechnologie, künstliche Intelligenz, Halbleiterforschung und nachhaltige Energiesysteme freigegeben. Diese Entscheidung betrifft über 500 Forschungsgruppen an Institutionen wie der ETH Zürich, der EPFL sowie verschiedenen kantonalen Universitäten und Fachhochschulen. Ziel der Strategie ist es, die Abhängigkeit von einzelnen politischen Blöcken zu verringern und die globale Spitzenposition des Schweizer Innovationsstandorts durch diversifizierte Netzwerke abzusichern. Dies führt unmittelbar zu einer Zunahme von Fördergeldern, neuen Stellenprofilen und vereinfachten Visa-Verfahren für hochqualifizierte Wissenschaftler aus den Partnerländern. Darüber berichtet die Redaktion von NUME.ch

Die strategische Neuausrichtung der Schweizer Wissenschaftsaussenpolitik 2026

Die Schweiz hat im ersten Quartal 2026 eine tiefgreifende Zäsur in ihrer internationalen Forschungs- und Innovationsstrategie vollzogen. Lange Zeit galt die Vollassoziierung an das europäische Rahmenprogramm „Horizon Europe“ als die unangefochtene Priorität der Schweizer Diplomatie. Angesichts der anhaltenden institutionellen Differenzen mit der Europäischen Union und des rasanten technologischen Fortschritts in Nordamerika hat der Bundesrat jedoch eine umfassende „Diversifizierungsagenda“ eingeleitet.

Diese Agenda basiert auf der Erkenntnis, dass wissenschaftliche Exzellenz im 21. Jahrhundert nicht mehr allein innerhalb kontinentaler Grenzen gesichert werden kann. Die Schweiz nutzt ihre finanzielle Autonomie und ihre Reputation als neutraler Forschungsstandort, um bilaterale Brücken zu schlagen, die über die klassischen EU-Partnerschaften hinausgehen.

Die drei tragenden Säulen der neuen Forschungsstrategie:

  1. Transatlantische Integration: Institutionalisierung der Zusammenarbeit mit den US-National Laboratories und führenden US-Eliteuniversitäten (Ivy League, Stanford, MIT) durch harmonisierte Förderprozesse.
  2. Europäische Bilateralisierung: Fokus auf „Lead Agency“-Abkommen mit forschungsstarken Einzelstaaten wie Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich, um die schwerfälligen Entscheidungsprozesse der EU-Kommission zu umgehen.
  3. Technologische Souveränität: Gezielte Investitionen in Infrastrukturen, die sicherstellen, dass Schweizer Forscher Zugriff auf kritische Ressourcen wie Quantencomputer und KI-Rechenzentren haben, unabhängig von politischen Exportbeschränkungen.

Der Bundesrat hat für die Periode 2025–2028 ein Gesamtbudget von 2,4 Milliarden Franken für die internationale Zusammenarbeit bereitgestellt, was einer Steigerung von 15 % gegenüber der Vorperiode entspricht. Diese Mittel fliessen nicht nur in die akademische Forschung, sondern auch in die Förderung von Start-ups, die den Transfer von der Theorie in die industrielle Praxis vollziehen.

Innovationsfelder: Wo die Schweiz 2026 die globale Führung anstrebt

Die bereitgestellten 450 Millionen Franken sind nicht als allgemeine Förderung zu verstehen, sondern fliessen in hochspezialisierte Sektoren, die als Rückgrat der künftigen industriellen Wertschöpfung gelten.

Quantentechnologie und Hochenergiephysik

In Zusammenarbeit mit dem US-Energieministerium (DOE) und Industriepartnern wie IBM Research wurde das Programm „Swiss-US Quantum Gateway“ gestartet. Hierbei geht es um mehr als reine Physik: Es geht um die Entwicklung von kryptographischen Systemen der nächsten Generation, die für den Schweizer Finanzplatz überlebenswichtig sind.

  • Mechanismus: Schweizer Forscher erhalten privilegierten Fernzugriff auf Quanten-Prozessoren in den USA.
  • Gegenleistung: Die USA nutzen Schweizer Präzisionskomponenten für ihre Hardware-Entwicklung.

Künstliche Intelligenz und Datensicherheit

Während die USA bei der schieren Rechenleistung dominieren, positioniert sich die Schweiz als Hub für „Trustworthy AI“. In Genf und Zürich wurden Zentren geschaffen, die sich auf die ethische Implementierung von KI im Gesundheitswesen konzentrieren. Hier arbeitet die Schweiz eng mit dem europäischen KI-Netzwerk zusammen, um Standards zu setzen, die den europäischen Datenschutzwerten entsprechen.

Nachhaltige Energiesysteme und GreenTech

Gemeinsam mit Partnern aus Deutschland und Frankreich (Oberrheinkonferenz) forscht die Schweiz an der nächsten Generation von Wasserstoff-Brennstoffzellen. Ziel ist es, die Alpenregion zu einem Modell für dezentrale Energieversorgung zu machen.

Strukturierte Übersicht der Kooperationsprogramme 2026 (Tabelle)

Für Forschende und Institutionen ist es entscheidend, die passenden Förderinstrumente zu identifizieren. Die folgende Tabelle bietet eine detaillierte Übersicht der neuen Linien.

Programm-NameHauptpartnerFördersumme (max. pro Projekt)LaufzeitHauptfokus
Swiss-NSF DiscoveryUSA (National Science Foundation)1,8 Mio. CHF48 MonateGrundlagenforschung, MINT-Fächer
Horizon Bridge 26EU-Staaten (bilateral)2,5 Mio. CHF60 MonateLife Sciences, Klimaforschung
InnoSwiss GlobalWeltweit (Fokus USA)500.000 CHF24 MonateMarkteintritt für Tech-Start-ups
Quantum Talent HubUSA / UK200.000 CHF12 MonatePost-Doc Stipendien & Austausch
Secure-AI GrantEU / Europa1,2 Mio. CHF36 MonateCybersicherheit, Ethik-Modelle

Der administrative Weg zur Förderung: Schritte für Organisationen

Die Inanspruchnahme internationaler Fördergelder ist an strikte Bedingungen geknüpft. Das SBFI und der SNF haben die Prozesse digitalisiert, um die Bearbeitungszeiten von 12 auf 6 Monate zu verkürzen.

Handlungsleitfaden für Forschungsgruppen:

  • Identifikation des Partners: Kooperationsprojekte müssen einen ausländischen Partner vorweisen, der mindestens 30 % der Forschungsleistung erbringt. Das Portal research.swiss dient als Matching-Plattform.
  • Pre-Check der Exportkontrolle: Bevor Daten oder Prototypen ausgetauscht werden, muss eine schriftliche Unbedenklichkeitserklärung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) vorliegen (seco.admin.ch). Dies betrifft insbesondere Dual-Use-Technologien.
  • Submission via mySNF: Die Einreichung erfolgt zentral über das System des Nationalfonds. Bei „Lead Agency“-Verfahren wird nur ein gemeinsamer Antrag für beide Länder eingereicht.
  • Datenmanagementplan (DMP): Es ist zwingend erforderlich, einen Plan vorzulegen, wie Forschungsdaten nach den FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) gespeichert und geteilt werden.

Wirtschaftliche Implikationen und Arbeitsmarkt-Dynamik

Die massive Ausweitung der Kooperationen hat unmittelbare Auswirkungen auf den Schweizer Wirtschaftsstandort. Die Wissenschaft fungiert hierbei als Türöffner für die Privatwirtschaft.

Schaffung von Hochtechnologie-Arbeitsplätzen

Bis Ende 2026 wird mit der Schaffung von rund 2'500 neuen Stellen im F&E-Bereich gerechnet. Dies umfasst nicht nur Professuren, sondern vor allem Stellen für Data Scientists, Laboranten und spezialisierte Projektmanager. Die Kantone Zürich, Waadt und Basel-Stadt verzeichnen bereits jetzt einen Anstieg der Ansiedlungen internationaler Forschungsteams.

Das neue „Scientific Visa“ Fast-Track Verfahren

Um den Austausch von Talenten zu erleichtern, hat das Bundesamt für Migration (SEM) in Zusammenarbeit mit dem WBF ein beschleunigtes Visa-Verfahren eingeführt.

  • Voraussetzung: Ein gültiger Forschungsvertrag mit einer vom SBFI anerkannten Institution.
  • Dauer: Bewilligung innerhalb von 15 Arbeitstagen (statt bisher 3-4 Monate).
  • Gültigkeit: Gilt für die gesamte Laufzeit des Forschungsprojekts plus 6 Monate für die Stellensuche nach Abschluss.

Risikomanagement: Schutz des geistigen Eigentums und Sicherheit

In einer Welt der technologischen Rivalität ist die Wissenschaftsaussenpolitik auch Sicherheitspolitik. Die Schweiz hat daher 2026 ihre Schutzmechanismen verschärft.

Maßnahmen zum Schutz der Schweizer Innovation:

  • IP-Splitting: In den neuen Abkommen mit US-Partnern ist rechtlich verankert, dass das geistige Eigentum (Intellectual Property) zu gleichen Teilen den beteiligten Institutionen gehört. Eine einseitige Abwanderung von Patenten in die USA wird so verhindert.
  • Cyber-Security Standards: Forschungsinstitutionen, die Bundesgelder aus diesen Programmen beziehen, müssen ihre IT-Infrastruktur nach ISO 27001 zertifizieren lassen, um Industriespionage vorzubeugen.
  • Dual-Use Monitoring: Das SBFI hat eine Taskforce eingerichtet, die laufend prüft, ob zivile Forschungsergebnisse unbeabsichtigt für militärische Zwecke in Drittstaaten genutzt werden könnten.

Regionale Schwerpunkte und Infrastruktur-Sharing

Die Kooperation ermöglicht Schweizer Forschern den Zugang zu Anlagen, deren Bau für die Schweiz allein finanziell nicht tragbar wäre.

USA: Zugang zu Supercomputern

Durch die Vereinbarung mit dem US-Department of Energy (DOE) können Schweizer Klimaforscher Rechenzeit auf den Exascale-Supercomputern in Oak Ridge und Argonne nutzen. Dies ermöglicht Simulationen der Gletscherschmelze in einer Präzision, die zuvor unerreichbar war.

Europa: Vernetzung der Reinräume

Innerhalb Europas wurde ein Netzwerk von Reinräumen für die Halbleiterforschung geschaffen. Die EPFL in Lausanne kooperiert hierbei eng mit dem IMEC in Belgien und der Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland. Schweizer Unternehmen erhalten so Zugang zu Prototyping-Linien für Mikrochips.

Vergleichende Analyse der Kooperationsvorteile (Tabelle)

Forschende müssen abwägen, welche Partnerschaft für ihr spezifisches Vorhaben den grössten Mehrwert bietet.

KriteriumKooperation mit den USAKooperation mit der EU
GeschwindigkeitSehr hoch, pragmatischModerat, prozessorientiert
FinanzierungOft durch private Stiftungen ergänztRein staatliche Fördertöpfe
RegulierungFlexibler, Fokus auf InnovationStreng, Fokus auf Ethik & Recht
MarktzugangDirekter Weg zu Venture CapitalZugang zum EU-Binnenmarkt
StabilitätStark abhängig von RegierungswechselnHohe langfristige Rechtssicherheit

Herausforderungen und gesellschaftlicher Diskurs

Die Neuausrichtung ist nicht ohne Kritik. Einige Stimmen warnen vor einer Vernachlässigung der europäischen Integration. Der Verband der Schweizer Studierenden (VSS) weist zudem darauf hin, dass die starke Fokussierung auf „Elite-Partner“ in den USA kleinere europäische Universitäten ausschliessen könnte, mit denen die Schweiz historisch eng verbunden ist.

Zudem stellt die Koordination zwischen den unterschiedlichen Rechtssystemen der USA und der Schweiz die Rechtsabteilungen der Universitäten vor enorme Aufgaben. Besonders Fragen der Haftung bei KI-basierten Fehlentscheidungen in gemeinsamen Projekten sind noch nicht abschliessend geklärt.

Praktische Tipps für die Antragstellung und Kontaktadressen

Organisationen sollten nicht zögern, die Beratungsangebote des Bundes in Anspruch zu nehmen.

Wohin können sich Interessierte wenden?

  • SBFI Abteilung Internationale Zusammenarbeit: Einsteinstrasse 2, 3003 Bern. Zuständig für politische Rahmenbedingungen und Grossbudgets.
  • SNF Bereich Bilaterale Programme: Wildhainweg 3, 3001 Bern. Beratung zu mySNF und Evaluationskriterien.
  • Euresearch: Das Netzwerk für Informationen zu europäischen Programmen (euresearch.ch). Bietet kostenlose Beratungen für Konsortialbildungen an.
  • Swissnex: Die Aussenposten der Schweiz in Boston, San Francisco, New York, Austin und Seattle helfen bei der Kontaktanbahnung zu US-Partnern.

Die Bedeutung der Forschungsallianz für die Schweizer Bevölkerung

Die Expansion der internationalen Forschungskooperationen im Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt für die wirtschaftliche Stabilität der Schweiz. Für die Bürger bedeutet diese Entwicklung weit mehr als nur akademischen Prestigegewinn. In einer Zeit, in der technologische Autonomie über den Erfolg von Volkswirtschaften entscheidet, sichert die Schweiz durch diese Allianzen ihren Zugang zu den kritischen Ressourcen der Zukunft.

Die Investitionen von 450 Millionen Franken fließen direkt in Lösungen für drängende Probleme der Schweizer Gesellschaft: von der personalisierten Medizin, die Krebstherapien effizienter macht, über sicherere Bankensysteme durch Quantenverschlüsselung bis hin zur Sicherstellung der Energieversorgung durch innovative Speichertechnologien. Die Entscheidung zur Diversifizierung stellt sicher, dass die Schweiz nicht zum Spielball globaler Handelskonflikte wird, sondern ein eigenständiger Akteur bleibt, der Brücken zwischen den führenden Forschungsregionen der Welt baut. Es ist die Sicherstellung des Wohlstands durch Wissen – das wertvollste Gut, das die Schweiz exportieren und pflegen kann.

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