Russlands Su-75 steht Anfang 2026 vor einem entscheidenden Übergang von der Ankündigung zur praktischen Erprobung. Das Projekt, das Moskau seit Jahren als Antwort auf die westliche Luftüberlegenheit positioniert, soll nach offiziellen Angaben erstmals abheben. Auf der Dubai Airshow 2025 bestätigte Rostec-Chef Sergej Tschemesow, dass der Stealth-Kampfjet Su-75 „Checkmate“ seinen Erstflug Anfang kommenden Jahres absolvieren soll. Kurz darauf wurde bekannt, dass sich der Prototyp in der Endmontage befindet und bereits mit Bodentests begonnen hat – ein technischer Meilenstein nach mehreren Verzögerungen.

Damit erreicht das Programm einen kritischen Punkt: Die Su-75 muss nun zeigen, ob sie den Übergang von einem strategischen Signalprojekt zu einem tatsächlich einsatzfähigen Kampfflugzeug schaffen kann. Darüber berichtet nume unter Berufung auf Army Recognition.

Ein leichter Stealth-Jet mit klarer Exportlogik

Die Su-75 ist als einstrahliger Mehrzweckkampfjet der fünften Generation ausgelegt. Entwickelt wird sie von Suchoi innerhalb der staatlichen United Aircraft Corporation. Anders als die schwere, zweistrahlige Su-57 ist die Checkmate von Beginn an nicht primär für die russischen Streitkräfte, sondern für den Export konzipiert.

Nach offiziellen Angaben liegt das maximale Startgewicht bei rund 26 Tonnen. Die geplante Waffenlast beträgt bis zu 7,4 Tonnen, verteilt auf externe Aufhängungen und interne Waffenschächte. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit Mach 1,8 bis Mach 2 angegeben, die Einsatzreichweite mit etwa 3.000 Kilometern. Zum Einsatz kommen soll ein weiterentwickeltes Triebwerk auf Basis des Saturn AL-51, das effizienter und wartungsärmer sein soll als frühere russische Aggregate.

Im Fokus steht eine offene, modulare Avionik-Architektur. Radar, elektronische Kampfführung und Sensorsysteme sollen je nach Kundenanforderung angepasst werden können – ein bewusster Gegensatz zu hochintegrierten westlichen Plattformen.

Vergleich mit der F-35: Ähnliche Klasse, anderes Konzept

Größen- und leistungsmäßig bewegt sich die Su-75 in derselben Klasse wie die F-35A. Beide sind einstrahlige Stealth-Mehrzweckjets mit interner Bewaffnung und vergleichbarer Reichweite. Der konzeptionelle Unterschied liegt jedoch im Anspruch.

Während die F-35 als zentrale Knotenplattform in ein dicht vernetztes NATO-System eingebettet ist, setzt Russland bei der Su-75 auf Kostenreduktion, vereinfachte Logistik und geringere Integrationsanforderungen. Moskau spricht offen von einem Zielpreis zwischen 25 und 30 Millionen US-Dollar pro Flugzeug – ein Wert, der, sollte er realisierbar sein, die bisherige Kostenlogik moderner Kampfflugzeuge sprengen würde.

Gemeinsame Produktion mit Belarus: Industrie und Geopolitik

Ein zentrales neues Element des Programms ist die geplante industrielle Zusammenarbeit mit Belarus. Wie Army Recognition unter Berufung auf RIA Novosti berichtet, arbeiten Moskau und Minsk an einer gemeinsamen Produktionsstruktur für die Su-75.

Für Belarus bedeutet dies einen deutlichen Technologiesprung in Bereichen wie Avionik, Elektronik und Wartung. Für Russland erfüllt die Kooperation mehrere Zwecke gleichzeitig: Sie verteilt Entwicklungs- und Produktionsrisiken, stabilisiert Lieferketten unter Sanktionsdruck und bindet Belarus tiefer in den militärisch-industriellen Komplex des Unionsstaates ein.

Aus europäischer Perspektive ist der Standortfaktor nicht trivial. Eine mögliche Produktionslinie für Stealth-Kampfflugzeuge in Belarus läge nur wenige Hundert Kilometer von NATO-Grenzen entfernt – ein sicherheitspolitisches Signal, auch wenn sich das Programm noch vor der Serienreife befindet.

Zurückhaltende Nachfrage: Indien als Gradmesser

Wie schwierig der Markteintritt werden dürfte, zeigt der Blick nach Indien. Laut der Zeitung The Hindu reagierte Neu-Delhi zuletzt zurückhaltend auf russische Angebote im Verteidigungsbereich. Trotz Gesprächen über Su-57, Drohnen und Luftverteidigungssysteme kam es zu keiner öffentlichen Vereinbarung.

Indien setzt zunehmend auf eigene Entwicklungen und Diversifizierung. Zwar spekulieren Fachmedien wie die EurAsian Times, dass die Su-75 perspektivisch Teil solcher Gespräche werden könnte. Konkrete Zusagen gibt es bislang jedoch nicht – ein Hinweis darauf, wie stark sich der internationale Markt für Kampfflugzeuge verändert hat.

Ein strategischer Bruch: Bemannter Jet oder Kampfdrohne

Der eigentliche Bruch liegt weniger in den Leistungsdaten als im Grundkonzept. Die Su-75 ist nicht als klassischer bemannter Jet konzipiert, der später autonome Funktionen erhält. Vielmehr ist sie von Beginn an als Plattform gedacht, die sowohl bemannt als auch unbemannt operieren kann.

Autonomie ist hier kein Zusatz, sondern Kern des Designs. Der Pilot wird zur Option, nicht zur Voraussetzung. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von westlichen Konzepten, die bemannte Kampfflugzeuge mit separaten unbemannten Begleitsystemen („Loyal Wingman“) kombinieren.

Für Russland bedeutet dies: geringere Ausbildungskosten, höhere Verlusttoleranz und eine Plattform, die auch in Szenarien hoher Abnutzung eingesetzt werden kann – eine Logik, die durch aktuelle Konflikte an Bedeutung gewonnen hat.

Offene Frage: Vom Konzept zur Realität

Ob die Su-75 diesen Anspruch einlösen kann, bleibt offen. Russland produziert derzeit nur wenige Su-57 pro Jahr, während die USA mehr als 150 F-35 jährlich ausliefern und China seine J-20-Flotte kontinuierlich ausbaut.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Checkmate mehr ist als ein ambitioniertes Konzept. Gelingt der Übergang in die Serienproduktion und hält Russland Preis- und Leistungsversprechen ein, könnte die Su-75 weniger ein direkter Gegner westlicher Jets sein – sondern ein Symbol für ein anderes Verständnis von Luftkrieg im Zeitalter begrenzter Ressourcen und wachsender Autonomie.

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Picture Source: Russian Social Media