Nach der Tragödie von Crans-Montana hat der Präsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Guy Parmelin, für den kommenden Freitag einen nationalen Trauertag angekündigt und sich ausführlich zu den möglichen Lehren aus dem Unglück geäußert, berichtet Nume mit Verweis auf RSI Info. In Gesprächen mit Journalisten der SRG SSR stand zunächst die internationale Verwunderung im Fokus, dass sich ein solches Drama in der Schweiz ereignen konnte, einem Land, das gemeinhin als besonders gut organisiert und sicher gilt.
„Wir haben möglicherweise ein falsches Sicherheitsgefühl“
Guy Parmelin erklärte, dass eine der zentralen Lehren aus der Katastrophe darin liege, das eigene Sicherheitsverständnis kritisch zu hinterfragen.
„Ich glaube, eine der Lehren, die wir daraus ziehen können, ist, dass wir vielleicht immer ein falsches Gefühl von Sicherheit haben“, sagte der Bundespräsident. Er erinnerte daran, dass auch frühere Katastrophen, etwa in Verkehrstunneln, als kaum vorstellbar gegolten hätten, bis sie dennoch eingetreten seien, unter anderem im Gotthard-Tunnel.
Jede Katastrophe zwinge dazu, sich grundlegende Fragen zu stellen: „Haben wir gewisse Faktoren unterschätzt? Hätten wir es besser machen können? Was kann man verbessern?“ Dabei gehe es stets um schwierige Abwägungen zwischen verschiedenen Interessen.
Grenzen der Infrastruktur und außergewöhnliche Situationen
Im Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung sprach Parmelin auch die Frage spezialisierter Einrichtungen an.
„Heute fragen wir uns, ob es nicht besser wäre, ein, zwei oder drei zusätzliche Spitäler für schwer brandverletzte Personen zu haben“, sagte er. Gleichzeitig betonte er, dass es kaum möglich sei, sämtliche Strukturen und hochqualifizierte Fachkräfte dauerhaft für Situationen vorzuhalten, die er als außergewöhnlich bezeichnete.
Dennoch müsse aus jedem Ausnahmefall gelernt werden. „Wir müssen uns fragen, was schiefgelaufen ist und wo es schiefgelaufen ist, und wir müssen eingreifen“, erklärte Parmelin. Auch die Justiz habe dabei eine zentrale Rolle. „Das schulden wir den Opfern und ihren Angehörigen.“
Ermittlungen und Verantwortung: „Die Justiz muss ihre Arbeit machen“
Zu den Aussagen des italienischen Botschafters in der Schweiz, wonach die Tragödie vermeidbar gewesen sei, äußerte sich Parmelin zurückhaltend.
„Das muss die Justiz klären, die laufende Untersuchung“, sagte er. Er betonte, dass das Verfahren transparent und strikt nach den Regeln des Rechtsstaats geführt werden müsse.
„Es gilt die Unschuldsvermutung, aber wenn es strafrechtlich relevante Aspekte gibt, dann muss die Justiz handeln und es muss Sanktionen geben“, so Parmelin. Sollten Vorschriften nicht eingehalten oder Kontrollen unzureichend gewesen sein, müssten daraus Konsequenzen gezogen werden. Die Feststellung der Verantwortung liege allein bei den zuständigen Behörden.
Brandschutzvorschriften auf dem Prüfstand
Angesichts der Diskussionen über mögliche Änderungen der Brandschutzvorschriften warnte der Bundespräsident vor vorschnellen Lockerungen.
„Bis zu dieser Tragödie habe ich oft gehört, dass unsere Brandschutzvorschriften zu bürokratisch und zu kompliziert seien“, sagte Parmelin. Die Festlegung solcher Normen sei Aufgabe von Fachleuten, während die Kantone für deren Umsetzung und Kontrolle verantwortlich seien.
Nach den Ereignissen von Crans-Montana müsse nun genau geprüft werden, welche Anpassungen sinnvoll seien. „Heute muss alles neu hinterfragt werden“, erklärte er und betonte, dass Änderungen vermieden werden müssten, die sich in ein oder zwei Jahren als Fehler herausstellen könnten.
Persönliche Zäsur für den Bundespräsidenten
Zum Abschluss sprach Parmelin auch über die persönliche Dimension der Tragödie.
„Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit einem Ereignis konfrontiert bin, bei dem junge Menschen ihr Leben verlieren“, sagte er. Für viele Menschen, auch für ihn selbst, werde es ein „Vor Crans-Montana“ und ein „Nach Crans-Montana“ geben.
Er betonte, dass man eine solche Tragödie verhindert hätte, wenn dies möglich gewesen wäre. „Leider ist es geschehen“, sagte Parmelin. Nun gehe es darum, mit den Folgen zu leben, aus dem Geschehen zu lernen und alles zu tun, um Risiken künftig so weit wie möglich zu begrenzen. „Ein Nullrisiko gibt es nicht.“
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