Während sich die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand–Cortina entfalten, rückt Curling erneut in den Fokus der internationalen Sportberichterstattung. Besonders in Großbritannien – aber auch in Deutschland, der Schweiz und Skandinavien – wächst das Interesse an einer Sportart, die auf den ersten Blick ruhig und fast unspektakulär wirkt. Doch hinter der kontrollierten Bewegung der Steine verbirgt sich ein hochkomplexes taktisches System. Im Zentrum dieses Systems steht ein zentrales Prinzip: der sogenannte Hammer. Wer verstehen will, warum sich olympische Curling-Spiele von End zu End dramatisch wenden können, warum Favoriten manchmal bewusst passiv agieren und weshalb Teams gelegentlich absichtlich nicht punkten, muss den Hammer verstehen. Darüber berichtet NUME.ch in Anlehnung an die olympische Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Stil.
Was bedeutet der Hammer im Curling
Im Curling bezeichnet der Hammer das Recht, den letzten Stein in einem End zu spielen. Jedes End ist vergleichbar mit einer eigenen taktischen Einheit innerhalb des Spiels. In den olympischen Wettbewerben der Männer und Frauen spielt jedes Team acht Steine pro End, insgesamt also sechzehn. Das Team mit dem Hammer hat den entscheidenden Vorteil, da es den letzten Spielzug ausführt, nachdem alle anderen Steine bereits liegen. Auf höchstem Niveau ist dieser letzte Stein selten nur symbolisch. Er ist das Resultat minutiöser Planung, präziser Eiskenntnis und maximalem mentalen Druck. Häufig entscheidet genau dieser Wurf darüber, ob ein Team punktet, wie viele Punkte erzielt werden – oder ob ein End ganz ohne Wertung bleibt.
Warum ist der Hammer so entscheidend
Der Hammer steht im Curling vor allem für Kontrolle und Reaktionsfähigkeit. Ein Team mit Hammer kann auf jede gegnerische Aktion reagieren, anstatt spekulativ zu agieren. Diese Ausgangslage ermöglicht unterschiedliche strategische Optionen: ein präziser Draw in das House, ein kontrollierter Take-out zur Beseitigung gegnerischer Steine oder ein bewusst defensives Spiel, um Risiken zu minimieren.

Besonders wichtig ist dabei das Punktesystem: Pro End kann nur ein Team punkten. Dadurch gewinnt der Hammer zusätzlich an Bedeutung, denn er entscheidet nicht nur über das „Ob“, sondern auch über das „Wie viel“. Ein Team mit Hammer bestimmt Tempo, Risiko und Spielrichtung. Genau diese strategische Tiefe führt dazu, dass Curling oft als „Schach auf Eis“ bezeichnet wird.
Wie wird der Hammer bestimmt
Zu Beginn eines Spiels wird der Hammer durch den sogenannten Last-Stone-Draw festgelegt. Beide Teams spielen dabei Steine in Richtung Button. Das Team, dessen Stein am nächsten zum Zentrum des Houses liegen bleibt, erhält den Hammer für das erste End. Dieses Verfahren dient nicht nur der Fairness, sondern auch als frühe Standortbestimmung für Technik und Eisgefühl. Ab dem ersten End gilt eine einfache, aber folgenreiche Regel: Wer punktet, verliert den Hammer. Wer keinen Punkt zulässt, erhält ihn im nächsten End. Diese Logik zwingt Teams zu permanenten Abwägungen zwischen kurzfristigem Punktgewinn und langfristiger strategischer Kontrolle.
Warum entscheiden sich Teams manchmal bewusst gegen einen Punkt
Ein zentrales taktisches Element im Curling ist das Blank End. Bleibt nach allen gespielten Steinen kein Stein im House, wird kein Punkt vergeben. Entscheidend ist: Das Team mit Hammer behält diesen Vorteil für das nächste End. Auf olympischem Niveau verzichten Teams daher häufig bewusst auf einen einzelnen Punkt, um den Hammer zu sichern und später zwei oder mehr Punkte zu erzielen. Diese Entscheidung basiert auf Statistik, Spielverlauf und Risikomanagement. Die Verantwortung liegt meist beim Skip, der als Kapitän nicht nur die Taktik vorgibt, sondern auch den mentalen Zustand des Teams und die Eisverhältnisse berücksichtigt.
Wer spielt den Hammer-Stein
In klassischen Vierer-Teams wirft der Vierte Spieler, meist identisch mit dem Skip, die letzten beiden Steine eines Ends. Einer dieser Würfe ist der Hammer-Stein. Diese Doppelrolle verlangt höchste Präzision und mentale Stärke, da der Skip den entscheidenden Spielzug selbst ausführen muss.
In manchen Nationalteams, darunter zeitweise auch Großbritannien, werden Führungsrolle und Wurfreihenfolge getrennt, um individuelle Stärken besser zu nutzen. Im Mixed-Doubles-Curling ist der Hammer sogar noch einflussreicher, da weniger Steine pro End gespielt werden und einzelne Fehler unmittelbare Folgen haben.
Wie passt der Hammer in den gesamten Spielablauf
Ein olympisches Curling-Spiel der Männer oder Frauen umfasst zehn Ends. Die Steine werden abwechselnd gespielt, und die Wertung richtet sich nach der Nähe zum Button. Die wichtigsten Schlagarten sind Guards zum Schutz, Draws zur Platzierung im House und Take-outs zur Entfernung gegnerischer Steine. Das Wischen beeinflusst Geschwindigkeit und Curl des Steins, indem das Eis kurzfristig erwärmt wird. Gerade bei Hammer-Steinen sind die Abstimmung zwischen Werfer und Wischern sowie das Timing entscheidend. In diesen Momenten kulminiert die gesamte taktische Arbeit eines Ends.

Warum der Hammer olympische Spiele entscheidet
Auf olympischem Niveau werden Curling-Spiele häufig durch einzelne Hammer-Situationen entschieden: ein verfehlter Take-out im letzten Stein, ein zu stark gecurlter Draw oder ein perfekt aufgebautes Mehrpunkt-End dank konsequenter Hammer-Kontrolle. Deshalb achten Kommentatoren und Analysten nicht nur auf den Spielstand, sondern auch darauf, wer den Hammer in den entscheidenden Ends besitzt. Mit Blick auf Mailand–Cortina 2026 zeigt sich einmal mehr: Im Curling ist der letzte Stein nicht einfach der Abschluss eines Spielzugs – er ist der Moment, in dem sich Strategie, Präzision und Nervenstärke bündeln und das Spiel endgültig kippen lassen.
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