Die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen hat ihre Erwartungen für das laufende Jahr präzisiert und zeichnet ein Bild gebremster Dynamik. Im Kern der aktuellen Analyse steht ein prognostiziertes BIP-Wachstum von lediglich 1,0 % für das Jahr 2026, was deutlich unter dem historischen Mittelwert der Schweiz liegt. Diese Entwicklung ist primär auf die eskalierenden Spannungen im Nahen und Mittleren Osten zurückzuführen, die seit Ende Februar zu einer massiven Volatilität auf den Energiemärkten geführt haben. Für den Schweizer Bürger und die hiesigen Unternehmen bedeutet dies konkret: Höhere Betriebskosten, eine leicht steigende Arbeitslosenquote und eine gedämpfte Kaufkraft, die das private Konsumverhalten spürbar bremst. Während die Stabilisierung zum Jahresende 2025 mit einem Plus von 0,2 % im vierten Quartal Hoffnung gab, trüben die geopolitischen Risiken die Aussichten für die kommenden Quartale massiv ein. Darüber berichtet die Redaktion von NUME.ch unter Berufung auf SECO.
Geopolitische Instabilität als primärer Bremsfaktor für 2026
Der Konflikt im Nahen Osten hat die internationalen Öl- und Gaspreise auf ein Niveau getrieben, das die Inflationserwartungen weltweit nach oben korrigiert. Für die Schweiz hat die Expertengruppe die Inflationsprognose für 2026 auf 0,4 % angehoben, nachdem im Dezember noch von 0,2 % ausgegangen worden war. Auch wenn diese Teuerung im internationalen Vergleich moderat erscheint, reicht sie in Kombination mit stagnierenden Reallöhnen aus, um die Dynamik der privaten Konsumausgaben zu schwächen. Die Unsicherheit über die Sicherheit der Transportwege und der Energieinfrastruktur führt dazu, dass Unternehmen geplante Investitionen in den Maschinenpark oder in Erweiterungsbauten aufschieben. Besonders betroffen sind Branchen, die stark von Vorleistungen aus dem asiatischen Raum oder dem Export in den Euroraum abhängig sind.
Die technische Annahme der Ökonomen basiert auf einem Ölpreis, der deutlich über den Werten des Vorjahres liegt, was die Produktionskosten im Inland verteuert. Da gleichzeitig wichtige Handelspartner wie Deutschland mit einer eigenen Schwächephase kämpfen, fehlt der Schweizer Exportwirtschaft der nötige Rückenwind. Ein hoch bewerteter Franken macht Schweizer Produkte auf dem Weltmarkt zudem teurer, was die Margen der Unternehmen zusätzlich unter Druck setzt. In der Folge bleibt die Investitionstätigkeit im ersten Halbjahr 2026 flach, da die Planbarkeit für langfristige Projekte unter den aktuellen volatilen Bedingungen kaum gegeben ist. Erst eine nachhaltige Deeskalation der globalen Krisenherde könnte hier zu einer Trendwende führen.

| Wirtschaftskennzahl | Prognose 2026 (März) | Prognose 2026 (Dez. 25) | Erwartung 2027 |
| BIP-Wachstum | 1,0 % | 1,1 % | 1,7 % |
| Inflationsrate | 0,4 % | 0,2 % | 0,5 % |
| Arbeitslosenquote | 3,0 % | 3,1 % | 2,8 % |
| Privater Konsum | +1,1 % | +1,3 % | +1,6 % |
| Bauinvestitionen | -0,2 % | +0,1 % | +0,8 % |
Der Arbeitsmarkt im Spannungsfeld zwischen Flaute und Fachkräftemangel
Trotz der konjunkturellen Eintrübung erweist sich der Schweizer Arbeitsmarkt als relativ robust, wenn auch nicht völlig immun gegen die Wachstumsdelle. Die Arbeitslosenquote wird im Jahresdurchschnitt 2026 voraussichtlich auf 3,0 % ansteigen, was einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Interessanterweise wurde diese Prognose gegenüber dem Dezember-Wert von 3,1 % leicht nach unten korrigiert, da das vierte Quartal 2025 besser verlief als ursprünglich befürchtet. Dennoch spüren viele Branchen, insbesondere die Industrie und das Baugewerbe, den Gegenwind und agieren bei Neuanstellungen äusserst vorsichtig. Der Fachkräftemangel bleibt in spezialisierten Sektoren wie der IT oder der Medizintechnik bestehen, wird aber durch die allgemeine Einstellungszurückhaltung in konjunktursensitiven Bereichen teilweise überlagert.
Für Arbeitnehmer bedeutet diese Situation, dass die Verhandlungsmacht bei Lohnrunden im Vergleich zu den Vorjahren leicht abnimmt. Unternehmen fokussieren sich 2026 verstärkt auf Effizienzsteigerungen und Kostendisziplin, anstatt die Belegschaft massiv auszuweiten. Die Expertengruppe geht davon aus, dass sich die Lage erst im Jahr 2027 nachhaltig entspannen wird, wenn die Arbeitslosenquote wieder auf durchschnittlich 2,8 % sinkt. Bis dahin ist es für Stellensuchende ratsam, auf Weiterbildung und Flexibilität zu setzen, da die Nachfrage nach spezifischen Qualifikationen trotz der flachen Wachstumskurve hoch bleibt. Die soziale Absicherung in der Schweiz bietet zwar einen starken Puffer, doch die psychologische Wirkung der 3-Prozent-Marke bei der Arbeitslosigkeit dämpft die allgemeine Konsumstimmung zusätzlich.
Praktische Ratschläge für Unternehmen und Arbeitnehmer:
- Liquiditätsmanagement: Betriebe sollten aufgrund der volatilen Energiepreise ihre Cashflow-Planung monatlich rollierend aktualisieren.
- Energieeffizienz: Investitionen in energiesparende Technologien amortisieren sich 2026 schneller als je zuvor, da die Preise für fossile Brennstoffe hoch bleiben.
- Währungsabsicherung: Exportorientierte KMU müssen ihre Absicherungsstrategien gegen den starken Franken kritisch prüfen, um Margenverluste zu minimieren.
- Weiterbildung: Arbeitnehmer sollten die aktuelle Phase geringeren Wachstums nutzen, um sich in digitalen Kompetenzen zu schulen, da der Fachkräftemangel im Kern bestehen bleibt.
- Diversifikation: Exporteure sollten versuchen, ihre Abhängigkeit von krisenanfälligen Regionen zu reduzieren und stabilere Märkte innerhalb Europas stärker zu gewichten.
Konjunkturrisiken: US-Handelspolitik und globale Verschuldung
Ein erhebliches Unsicherheitselement für das Jahr 2026 bleibt die internationale Handels- und Zollpolitik, insbesondere im Hinblick auf die USA. Die aktuelle Prognose der Expertengruppe basiert auf der technischen Annahme, dass die Importzölle auf dem derzeitigen Niveau verharren. Sollten jedoch nach dem Auslaufen aktueller Regelungen neue Tarife eingeführt werden, würde dies den Schweizer Exportsektor, für den die USA ein Schlüsselmarkt sind, empfindlich treffen. Zusätzliche Zölle könnten das Wachstum in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) weiter unter die 1-Prozent-Marke drücken. Die Schweiz ist hier als Drittstaat in einer Position, die diplomatische Geschicklichkeit erfordert, um den Marktzugang zu fairen Konditionen zu sichern.
Parallel dazu bereiten die globalen Schuldenstände, insbesondere die Staatsverschuldung in grossen Volkswirtschaften, den Ökonomen Sorgen. Erneute Korrekturen an den Finanzmärkten könnten jederzeit eintreten und zu einem verstärkten Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken führen. Als "Sicherer Hafen" ist der Franken in Krisenzeiten gefragt, was jedoch die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft schwächt. Unternehmen müssen daher Szenarien entwickeln, wie sie mit einem Euro-Wechselkurs operieren, der dauerhaft unter der Parität liegt. Die Stabilität der Schweizer Bundesfinanzen ist zwar ein Standortvorteil, kann aber die globalen Turbulenzen nur bedingt abfedern, wenn die Nachfrage aus dem Ausland einbricht.
Was Sie jetzt tun sollten (Handlungsempfehlungen):
- Marktanalyse: Beobachten Sie die handelspolitischen Signale aus Washington genau, um frühzeitig auf potenzielle Zolländerungen reagieren zu können.
- Resilienzprüfung: Testen Sie die Belastbarkeit Ihrer Lieferketten; haben Sie Alternativen, falls Energiewege im Nahen Osten langfristig blockiert werden?
- Finanzierungsstruktur: Nutzen Sie das moderate Zinsniveau in der Schweiz für langfristige Finanzierungen, bevor globale Schuldenkrisen die Märkte nervös machen.
- Kundenbindung: In Phasen geringen Wachstums ist die Bestandskundenpflege kosteneffizienter als die aggressive Neukundengewinnung.
- Innovationsfokus: Setzen Sie auf Produkte mit hoher Wertschöpfung, die weniger preissensitiv auf Währungsschwankungen reagieren.
Ausblick 2027: Die langsame Rückkehr zur Normalität
Die gute Nachricht innerhalb der Expertenanalyse ist die Erwartung einer Erholung im Jahr 2027. Es wird davon ausgegangen, dass sich das Schweizer Wirtschaftswachstum auf 1,7 % beschleunigt, sofern die geopolitischen Krisen nicht weiter eskalieren. Die Triebfeder hinter dieser Beschleunigung wird die moderate Erholung der Weltnachfrage sein, insbesondere durch die Gesundung der deutschen Wirtschaft. Deutschland, als wichtigster Handelspartner der Schweiz, dürfte 2027 seine derzeitige Schwächephase überwunden haben, was die Auftragsbücher der Schweizer Zulieferer wieder füllen wird. Diese Entwicklung wird auch zu einer höheren Auslastung der Produktionskapazitäten führen und damit die Investitionsfreude der Unternehmen im Inland wiederbeleben.
Die Inflation soll sich 2027 bei etwa 0,5 % stabilisieren, was der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Spielraum für eine berechenbare Geldpolitik gibt. Die Expertengruppe erwartet, dass die Dynamik der Investitionen im nächsten Jahr spürbar anzieht, da aufgeschobene Projekte aus dem Jahr 2026 dann realisiert werden. Für Anleger und Unternehmer bedeutet dies, dass 2026 ein Jahr des "Durchhaltens" und der Konsolidierung ist, während 2027 die Früchte der Effizienzsteigerungen geerntet werden können. Die Schweiz bleibt trotz der aktuellen Delle ein äusserst wettbewerbsfähiger Standort, der durch politische Stabilität und eine erstklassige Infrastruktur besticht.
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