Mehrere Hundert Menschen haben sich am Samstagnachmittag, dem heutigen Tag, ab 14.00 Uhr auf dem Helvetiaplatz in Zürich zu einer bewilligten nationalen Demonstration für die kurdisch verwaltete Region Rojava im Nordosten Syriens versammelt. Die Kundgebung richtete sich gegen das militärische Vorgehen der syrischen Übergangsregierung unter Präsident Ahmed al-Sharaa in kurdischen Gebieten und gegen Angriffe auf kurdische Viertel in Damaskus. Anwesend war unter anderem SP-Nationalrat Fabian Molina, der ein entschiedeneres Vorgehen des Bundesrates forderte. Die Polizei begleitete den Umzug mit einem Grossaufgebot, Wasserwerfer standen bereit. Der Protestzug führte über zentrale Zürcher Strassen und verlief ohne grössere Zwischenfälle. Dies berichtet die Redaktion von NUME.ch unter Berufung auf tagesanzeiger.
Nationale Demonstration für Rojava in Zürich
Zu der Kundgebung hatten verschiedene kurdische Organisationen sowie linke Gruppierungen aus der Schweiz aufgerufen. Nach Angaben der Veranstalter handelte es sich um eine nationale Demonstration, zu der Teilnehmende aus mehreren Kantonen angereist waren. Bereits kurz nach 14.00 Uhr füllte sich der Helvetiaplatz mit mehreren Hundert Personen, darunter Familien mit Kindern sowie ältere Menschen.
Auf Transparenten und Bannern war Solidarität mit Rojava gefordert, vielfach wurden kurdische Fahnen getragen. Sprechchöre wie „Jin Jiyan Azadi“ und „Free Rojava“ prägten das Bild der Versammlung. Einzelne Teilnehmende zündeten Rauchfackeln und liessen Knallkörper explodieren. Die Organisatoren riefen wiederholt zur Einhaltung der Auflagen und zu einem friedlichen Verlauf auf.
Politische Forderungen und Kritik an der syrischen Übergangsregierung
In mehreren Redebeiträgen wurde das militärische Vorgehen der syrischen Übergangsregierung unter Präsident Ahmed al-Sharaa kritisiert. Demonstrierende warfen der Regierung vor, gezielt gegen kurdisch kontrollierte Gebiete im Nordosten Syriens vorzugehen, um diese unter eine zentrale staatliche Kontrolle zu bringen. Auch Angriffe auf kurdische Stadtteile in der syrischen Hauptstadt Damaskus wurden thematisiert.
Auf Transparenten wurde al-Sharaa namentlich genannt und scharf kritisiert. Hintergrund ist, dass der Übergangspräsident seit seinem Amtsantritt angekündigt hat, die territoriale Einheit Syriens mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Kurdische Selbstverwaltungsstrukturen wie jene in Rojava lehnen eine vollständige Unterordnung unter Damaskus ab und fordern politische Autonomie.

Teilnahme von SP-Nationalrat Fabian Molina
Unter den Rednern befand sich auch der Zürcher SP-Nationalrat Fabian Molina. In seiner Ansprache verwies er auf die Rolle kurdischer Kräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Kurdische Frauen und Männer hätten massgeblich zur militärischen Niederlage des IS beigetragen und damit auch zur Sicherheit Europas, sagte Molina vor den Demonstrierenden.
Er kritisierte den Bundesrat dafür, sich bislang zurückhaltend zur Lage in Rojava zu äussern. Die Schweiz habe bisher „nichts oder sehr wenig“ unternommen, um politischen Druck auszuüben. Molina forderte ein aktiveres diplomatisches Engagement sowie eine klare Positionierung gegenüber der syrischen Übergangsregierung.
Polizeieinsatz und Sicherheitslage in Zürich
Die Stadtpolizei Zürich war mit einem grossen Aufgebot im Einsatz. Nach Angaben eines Polizeisprechers war die Demonstration bewilligt, die Behörden rechneten im Vorfeld mit einer hohen Teilnehmerzahl. Entlang der Route standen Einsatzkräfte bereit, zudem wurden Wasserwerfer positioniert, um bei möglichen Ausschreitungen rasch reagieren zu können.
Der Umzug setzte sich gegen 15.30 Uhr vom Helvetiaplatz in Bewegung. Die Route führte über die Militärstrasse, die Langstrasse sowie die Werdstrasse und schliesslich zurück zum Ausgangspunkt. Trotz der angespannten Stimmung kam es zu keinen grösseren Zwischenfällen. Die Polizei griff nicht ein, abgesehen von punktuellen Absperrungen zur Verkehrslenkung.
Protestserie in mehreren Schweizer Städten
Die Demonstration in Zürich ist Teil einer Reihe von Kundgebungen, die in den vergangenen Wochen in mehreren Schweizer Städten stattfanden. Auch in Bern, Basel, St. Gallen und Winterthur gingen Menschen aus Solidarität mit der kurdischen Bevölkerung auf die Strasse. Beobachter sprechen von einer ungewöhnlich hohen Frequenz kurdischer Demonstrationen in kurzer Zeit.
Nach Angaben der Zürcher Polizei war das Aufgebot auch deshalb verstärkt worden, weil ein Teil der regulären Einsatzkräfte aufgrund paralleler Einsätze im Zusammenhang mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos gebunden war. Zur Unterstützung wurden Polizeikräfte aus der Innerschweiz hinzugezogen.
Hintergrund: Militärische Entwicklungen in Nordostsyrien
Auslöser der aktuellen Proteste ist das militärische Vorgehen der syrischen Übergangsregierung in den kurdisch geprägten Regionen im Nordosten Syriens. Präsident Ahmed al-Sharaa verfolgt das Ziel, alle Landesteile unter die Kontrolle einer Zentralregierung zu bringen. In den vergangenen Wochen kam es zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und kurdisch dominierten Einheiten.
Besonders betroffen ist die Region um Rojava, die seit Jahren von kurdischen Selbstverwaltungsstrukturen geprägt ist. Diese hatten sich während des syrischen Bürgerkriegs etabliert und wurden international vor allem durch ihren Kampf gegen den IS wahrgenommen.
Übernahme eines IS-Gefängnisses durch Damaskus
Am Freitag wurde bekannt, dass die syrische Übergangsregierung ein weiteres Gefängnis mit mutmasslichen Kämpfern des Islamischen Staats von den Syrian Democratic Forces übernommen hat. Die SDF sind eine kurdisch dominierte Miliz, die bislang mehrere Haftanstalten mit ehemaligen IS-Mitgliedern kontrollierte.
Das betroffene Gefängnis liegt nahe der früheren IS-Hochburg al-Rakka im Nordosten Syriens und gilt mit rund 1.500 Insassen als eine der grössten Einrichtungen dieser Art. Die Übergabe der Kontrolle wird von kurdischen Organisationen kritisch gesehen, da sie einen weiteren Machtverlust der Selbstverwaltung befürchten.
Internationale Dimension und Einladung ans WEF
Zusätzliche Kritik entzündete sich an der Einladung von Präsident Ahmed al-Sharaa zum diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos. Demonstrierende warfen den Organisatoren vor, einem Politiker eine Plattform zu bieten, dessen Regierung militärisch gegen Minderheiten vorgehe. Bereits Anfang der Woche war dieses Thema bei Kundgebungen in der Schweiz aufgegriffen worden.
Die Schweizer Regierung hatte erklärt, Einladungen ans WEF lägen nicht in ihrer Verantwortung, da das Forum eine private Veranstaltung sei. Dennoch forderten mehrere Redner in Zürich eine klarere politische Distanzierung.
Strukturierter Überblick: Ablauf der Demonstration in Zürich
Ort: Helvetiaplatz, Zürich
Zeit: ab 14.00 Uhr, Umzug ab etwa 15.30 Uhr
Teilnehmende: mehrere Hundert Personen
Route: Helvetiaplatz – Militärstrasse – Langstrasse – Werdstrasse – Helvetiaplatz
Polizeipräsenz: Grossaufgebot der Stadtpolizei Zürich, Unterstützung aus der Innerschweiz
Besonderheiten: Rauchfackeln, Sprechchöre, keine grösseren Zwischenfälle
Die anhaltenden Proteste zeigen, dass die Entwicklungen in Syrien auch in der Schweiz politische und gesellschaftliche Resonanz finden. Für viele Menschen mit kurdischen Wurzeln sind die Ereignisse in Rojava unmittelbar mit persönlichen Biografien verbunden. Gleichzeitig geraten Schweizer Politiker und Behörden unter Druck, ihre Haltung zur syrischen Übergangsregierung und zu Fragen von Menschenrechten und Minderheitenschutz klarer zu formulieren. Die Demonstration in Zürich macht deutlich, dass diese Debatte im öffentlichen Raum weitergeführt wird und kurzfristig nicht an Bedeutung verlieren dürfte.
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