SION, 3. Juni 2026. Das Verfahren rund um die Tragödie von Crans-Montana hat am Mittwoch einen wichtigen Wendepunkt erreicht. Der ehemalige Gemeinderat von Chermignon, Jérémie Rey, hat sich den Fragen des Pools von Staatsanwältinnen gestellt und damit als erster ehemaliger kommunaler Verantwortlicher eine andere Strategie gewählt als mehrere Mitbeschuldigte. Während andere frühere Vertreter der Gemeinde bislang geschwiegen haben, entschied sich Rey, seine Sicht der Ereignisse darzulegen. Seine Aussagen könnten für die Ermittlungen rund um die umstrittenen Umbauten im Bar-Lokal Le Constellation von erheblicher Bedeutung sein, berichtet NUME.CH.
Die Anhörung fand am Mittwoch in Sion statt und konzentrierte sich auf Entscheidungen und Vorgänge aus dem Jahr 2015. Damals wurden im Le Constellation umfangreiche Arbeiten durchgeführt, die heute im Zentrum der strafrechtlichen Untersuchung stehen. Die Ermittlungsbehörden versuchen weiterhin zu klären, welche baulichen Veränderungen vorgenommen wurden, welche Bewilligungen vorlagen und welche Rolle die zuständigen Behörden bei der Kontrolle der Arbeiten spielten. Die Aussagen von Jérémie Rey gelten deshalb als möglicher Schlüssel zur Rekonstruktion der damaligen Abläufe.
Warum die Aussage von Jérémie Rey für Crans-Montana von besonderer Bedeutung ist

Die Ermittlungen zum Branddrama beschäftigen die Justiz seit Monaten. Im Zentrum steht die Frage, ob bei den Umbauten des Lokals sämtliche Vorschriften eingehalten wurden und ob die zuständigen Stellen ausreichend kontrolliert haben. Jérémie Rey war zwischen 2013 und 2016 Gemeinderat von Chermignon und für den Bereich Bauwesen verantwortlich. Damit gehörte er zu den Entscheidungsträgern jener Zeit, in der die Arbeiten am Le Constellation durchgeführt wurden. Aus Sicht der Ermittlerinnen kann seine Aussage helfen, die damaligen Verwaltungsabläufe besser nachzuvollziehen.
Besonders bemerkenswert ist, dass Rey als erster ehemaliger Vertreter der Gemeinde den Fragen der Staatsanwältinnen umfassend antwortete. Andere Beschuldigte mit Bezug zur damaligen Gemeinde Chermignon hatten zuvor von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Genau deshalb wird seiner Anhörung innerhalb des Verfahrens eine besondere Bedeutung zugeschrieben.
Die damaligen Behördenentscheide geraten zunehmend unter Druck
Je tiefer die Ermittlungen in die Ereignisse vor dem Brand eindringen, desto stärker rücken die Entscheidungen der damaligen Gemeindeverantwortlichen in den Fokus. Die Untersuchungsbehörden analysieren derzeit, welche Kenntnisse über die Umbauten im Le Constellation vorhanden waren, welche Bewilligungen erteilt wurden und ob die zuständigen Stellen Anlass für weitergehende Kontrollen gesehen hatten. Dabei geht es nicht nur um einzelne bauliche Massnahmen, sondern um die Frage, ob die Verwaltungsverfahren den gesetzlichen Anforderungen entsprachen und mögliche Risiken ausreichend berücksichtigt wurden. Die Aussagen ehemaliger Entscheidungsträger sollen nun helfen, die Abläufe von 2015 möglichst präzise zu rekonstruieren und bestehende Widersprüche in den Akten aufzuklären.
Die Anhörung von Jérémie Rey markiert einen wichtigen Schritt der Untersuchung
Die Vernehmung von Jérémie Rey begann am Mittwochmorgen in Sion und dauerte mehrere Stunden. Der ehemalige Gemeinderat von Chermignon beantwortete die Fragen des Pools von Staatsanwältinnen, der die Ermittlungen zum Brandfall Le Constellation führt. Damit unterscheidet er sich von mehreren anderen Beschuldigten mit Bezug zur ehemaligen Gemeinde Chermignon, die sich bislang auf ihr Aussageverweigerungsrecht berufen hatten. Nach Medienberichten verweigerte Rey allerdings Antworten auf Fragen der Anwälte der Zivilparteien und folgte damit der Empfehlung seiner Verteidigung. Im Mittelpunkt der Befragung standen die Bauarbeiten von 2015, die damaligen Verwaltungsverfahren sowie die Rolle der Gemeinde bei der Überwachung und Beurteilung der Umbauten.
Der Streit um die Akteneinsicht begleitet die Ermittlungen seit Monaten
Neben den eigentlichen Untersuchungen beschäftigt die Verfahrensbeteiligten weiterhin die Frage des Zugangs zu den Ermittlungsakten. Mehrere Beschuldigte kritisieren, dass sie vor ihren ersten Anhörungen keine vollständige Einsicht in die Unterlagen erhalten haben. Aus Sicht der Verteidigung sei es schwierig, Vorgänge von vor mehr als zehn Jahren ohne Zugang zu Sitzungsprotokollen, Verwaltungsakten und weiteren Dokumenten präzise nachzuvollziehen. Die Staatsanwaltschaft verfolgt dagegen das Ziel, spontane Aussagen zu erhalten und einen Überraschungseffekt während der ersten Befragungen zu bewahren. Deshalb werden wesentliche Bestandteile der Akten erst nach zentralen Einvernahmen vollständig zugänglich gemacht. Dieser Konflikt gehört mittlerweile zu den bedeutendsten verfahrensrechtlichen Streitpunkten im Fall Crans-Montana.
Obwohl Chermignon seit der Gemeindefusion von 2017 Teil von Crans-Montana ist, spielt die ehemalige Verwaltungsstruktur für die Ermittlungen weiterhin eine zentrale Rolle. Zahlreiche Entscheidungen, die heute untersucht werden, wurden Jahre vor der Fusion getroffen. Die Ermittlungsbehörden rekonstruieren deshalb detailliert, welche Zuständigkeiten innerhalb der damaligen Gemeindeverwaltung bestanden und wie Baugesuche, Kontrollen und Verwaltungsverfahren behandelt wurden. Von besonderem Interesse ist dabei, welche Informationen den Verantwortlichen zum Zeitpunkt der Umbauten vorlagen und wie diese bewertet wurden. Die Aussagen ehemaliger Gemeindevertreter sollen helfen, die damaligen Abläufe möglichst lückenlos nachzuvollziehen.
Mit der Anhörung von Jérémie Rey ist die Untersuchung keineswegs abgeschlossen. In den kommenden Tagen und Wochen werden weitere Befragungen sowie zusätzliche Konfrontationen zwischen Verfahrensbeteiligten erwartet. Die Staatsanwältinnen arbeiten weiterhin daran, die Ereignisse rund um die Umbauten des Le Constellation, die behördlichen Kontrollen und die späteren Entwicklungen vor der Tragödie vollständig zu rekonstruieren. Ziel bleibt es, die Verantwortlichkeiten auf Grundlage von Aussagen, Dokumenten und weiteren Beweismitteln möglichst präzise zu klären.
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