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Wimbledon 2026 beginnt Ende Juni — und der All England Lawn Tennis Club hat kurz vor dem Start eine Entscheidung getroffen, die den Konflikt mit den Profis vorerst beruhigt. Der Veranstalter erhöht das Gesamtpreisgeld um 20 Prozent auf 64,2 Millionen Pfund. Nach Angaben des britischen Guardian ist das die grösste Preisgeldsteigerung innerhalb eines einzelnen Jahres in der rund 150-jährigen Geschichte des Turniers. NUME.CH berichtet unter Berufung auf The Guardian, dass Vertreter der weltbesten Spielerinnen und Spieler die Erhöhung als «echten und bedeutenden Fortschritt» bewerten. Damit sind offene Proteste an der Church Road zunächst abgewendet.

Der Schritt kommt nach monatelangem Druck aus dem Spielerlager. Die Profis fordern von den vier Grand-Slam-Turnieren eine stärkere Beteiligung an den stark gewachsenen Einnahmen — nicht nur höhere Siegerprämien, sondern eine fairere Verteilung über alle Runden hinweg. Bei den French Open war der Streit zuletzt sichtbar eskaliert, weil Spielerinnen und Spieler ihre Medienpflichten einschränkten und damit ein klares Signal an die Turnierveranstalter sendeten. Die Wimbledon-Erhöhung ist deshalb mehr als eine finanzielle Korrektur: Sie ist ein politisches Zugeständnis innerhalb des Profitennis. Trotzdem löst die Entscheidung den Grundkonflikt nicht. Das neue Preisgeldpaket bleibt nach Guardian-Angaben unter dem Niveau, das Spielervertreter ursprünglich gefordert hatten. Zwar profitieren besonders auch frühe Runden stärker als bisher, doch die zentrale Frage bleibt offen: Welcher Anteil der Grand-Slam-Umsätze soll direkt an jene gehen, die das Turnier sportlich tragen? Wimbledon entschärft den Streit damit vorerst — beendet ist er aber nicht.

Was der All England Club konkret beschlossen hat

Die Zahlen, die der AELTC am Donnerstag vorlegte, sind eindrücklich. Das Gesamtpreisgeld der diesjährigen Championships steigt um 10,7 Millionen Pfund auf insgesamt 64,2 Millionen Pfund. Die Einzel-Champions bei den Frauen und Männern erhalten jeweils 3,6 Millionen Pfund. Selbst Spielerinnen und Spieler, die bereits in der ersten Runde ausscheiden, gehen mit 80'000 Pfund nach Hause – ein Betrag, der die Bedeutung der Erhöhung gerade für die weniger prominenten Akteure des Feldes unterstreicht.

Besonders auffällig ist die Aufwertung der Qualifikation. Für den Qualifikationswettbewerb, der vor dem Hauptfeld ausgetragen wird, stehen neu mehr als 6 Millionen Pfund bereit – eine Steigerung um 25 Prozent. Damit zielt der Veranstalter ausdrücklich auf jene Spielerinnen und Spieler, für die jede zusätzliche Einnahme über die finanzielle Tragfähigkeit einer Profikarriere entscheidet. Die Stossrichtung ist klar: Das zusätzliche Geld soll nicht ausschliesslich den Halbfinalistinnen und Finalisten zugutekommen, sondern sich über das gesamte Teilnehmerfeld verteilen.

Zur Einordnung lohnt ein Blick zurück: Das Spielerpreisgeld in Wimbledon hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die jetzige Anhebung fügt sich also in einen langfristigen Trend ein – allerdings in einem Moment, in dem die Erwartungen der Spieler deutlich höher liegen als noch vor wenigen Jahren.

Die Reaktion der Spieler: Anerkennung mit klarem Vorbehalt

Die zentrale Nachricht dieser Woche ist nicht allein die Erhöhung selbst, sondern die Art, wie die Spielerschaft darauf reagiert hat. In einer gemeinsamen Stellungnahme, über die der Guardian berichtete, würdigten führende Akteure der ATP- und WTA-Tour die Ankündigung ausdrücklich. Die 20-prozentige Anhebung sei der grösste einjährige Zuwachs in der Geschichte des Turniers und ein bedeutsames Zeichen des guten Willens, hiess es.

In derselben Erklärung machten die Spielervertreter jedoch unmissverständlich klar, dass die Sache damit nicht erledigt ist. Man wolle, dass Wimbledon weiterhin gedeihe und die Investitionen des Turniers in den Sport unterstützt würden, so die Botschaft. Die eigentliche Frage sei nie gewesen, ob diese Investitionen wertvoll seien – sondern ob jene Athletinnen und Athleten, deren Leistungen den globalen Erfolg des Events überhaupt erst antrieben, einen fairen Anteil an dessen enormem finanziellem Wachstum erhielten. Das Ziel bestehe nicht darin, diesen Erfolg zu schmälern, sondern sicherzustellen, dass sein anhaltendes Wachstum allen Beteiligten gerecht zugutekomme.

Eine im Namen der Spieler veröffentlichte Mitteilung bezeichnete die Ankündigung als «bedeutungsvolle Absichtserklärung», wies aber zugleich darauf hin, dass sie noch immer nicht den geforderten 16 Prozent des Turnierumsatzes entspreche. Bemerkenswert ist der versöhnliche Ton: Die Spieler suchten keine Konfrontation um ihrer selbst willen, sondern eine Vereinbarung, die ihrer «zentralen Rolle» beim Erfolg der Turniere Rechnung trage.

Warum die Lücke trotz der Erhöhung bestehen bleibt

So gross die Steigerung auch ausfällt – sie liegt rund 7 Millionen Pfund unter dem, was die Spielerschaft erhofft hatte. In einem Treffen mit dem All England Club hatten die Spielervertreter zuvor auf einen Umsatzanteil von 16 Prozent gedrängt. Übertragen auf Wimbledon hätte dies ein Preisgeld von etwa 71,2 Millionen Pfund bedeutet – also deutlich mehr als die nun beschlossenen 64,2 Millionen.

Ein Detail aus der Stellungnahme der Spieler verdient besondere Aufmerksamkeit: Der aktuelle Umsatzanteil liege bei 14,4 Prozent und damit unter den 14,9 Prozent, die im Jahr 2015 angeboten worden seien. Aus Sicht der Athletinnen und Athleten bedeutet dies, dass ihr relativer Anteil am wirtschaftlichen Kuchen über ein Jahrzehnt hinweg sogar gesunken ist – trotz absolut steigender Summen. Genau hier liegt der Kern des Konflikts: Die Spieler messen den Erfolg an Prozentsätzen, der Veranstalter an absoluten Beträgen und Investitionen.

Debbie Jevans verteidigt das Geschäftsmodell

Die Vorsitzende des All England Club, Debbie Jevans, hat in dieser Woche die Position des Veranstalters mit Nachdruck vertreten. «Wir freuen uns ausserordentlich, dass wir den Spielern einen so grossen Zuwachs ermöglichen können», sagte sie gegenüber BBC Sport. Sie hoffe, dass die Spieler erkennen würden, dass man ihnen zugehört habe, dass sie am Erfolg des Turniers teilhätten und dass es sich um eine erhebliche Summe handle, die eben nicht nur den Halbfinalistinnen und Finalistinnen zugutekomme. Zugleich hoffe sie auf Anerkennung für die Verbesserungen, die an den Anlagen vorgenommen worden seien.

Deutliche Worte fand Jevans für die von den Spielern bevorzugte Kennzahl. Man schaue nicht auf Prozentsätze und halte diese auch nicht für die richtige Messgrösse, erklärte sie. Es handle sich lediglich um eine Kennzahl, die rein auf dem Umsatz basiere und keinerlei Kosten berücksichtige – und auf dieser Grundlage lasse sich kein Unternehmen führen. Wimbledon habe Ausgaben, etwa für Infrastruktur und Investitionen in den Rasentennissport. Ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen, das seit beinahe 150 Jahren bestehe, könne man nicht allein über den Umsatz steuern; das sei schlicht falsch. Jevans verwies dabei auch auf den Non-Profit-Charakter von Wimbledon, weshalb eine reine Umsatzbetrachtung aus ihrer Sicht «keinen Sinn» ergebe.

Hinter dieser Argumentation steht eine besondere finanzielle Konstruktion. Der AELTC zahlte im vergangenen Jahr 48,1 Millionen Pfund an den nationalen Verband Lawn Tennis Association (LTA). Grundlage ist eine Vereinbarung, nach der 90 Prozent des jährlichen Überschusses an den Dachverband fliessen. Aus Sicht des Clubs ist dieses Geld eine Investition in den breiten Tennissport – aus Sicht der Spieler ein Beleg dafür, dass erhebliche Mittel an ihnen vorbeifliessen. In der Vergangenheit hatten Quellen aus dem Umfeld des Turniers ihren Unmut über den Vorwurf geäussert, man beute die Spieler aus «wie Fabrikbesitzer im viktorianischen Zeitalter».

Mehr als nur Geld: die offenen Streitpunkte

Es wäre eine Verkürzung, den Konflikt allein auf die Höhe des Preisgeldes zu reduzieren. Die Spielergruppe stellte ausdrücklich klar, dass das erhöhte Preisgeld die übrigen Forderungen nicht löse. Drei Punkte stehen dabei im Vordergrund: Beiträge zu einem Fonds für das Wohlergehen der Spieler, eine verbindliche Formel zur Umsatzbeteiligung sowie ein grösseres Mitspracherecht bei der Frage, wie die Turniere geführt werden.

Besonders der letzte Punkt – ein Spielerrat – hat sich als hartnäckiger Streitpunkt erwiesen. Der All England Club ist der Ansicht, ein solcher Rat würde eine Plattform schaffen, um genau diese Themen zu diskutieren. Die Spielergruppe hingegen hat zuvor erklärt, sie erwarte, dass die Grand-Slam-Turniere zunächst formell auf die übrigen Forderungen reagierten, bevor man sich der Einrichtung eines Spielerrats annähere. Hier prallen zwei Auffassungen über die Reihenfolge aufeinander: Der Veranstalter sieht den Rat als Voraussetzung für den Dialog, die Spieler als dessen Ergebnis.

Der Schatten von Paris: Wie der Konflikt eskalierte

Um die Bedeutung der Wimbledon-Entscheidung zu verstehen, muss man nach Paris blicken. Bei den French Open war die Stimmung deutlich angespannter. Eine Erhöhung des Preisgeldes um 9,5 Prozent genügte einem Teil der Spielerschaft nicht – aus Protest beschränkten sie ihre Medienverpflichtungen vor dem Turnier auf lediglich 15 Minuten. Dieser Medienboykott durch führende männliche und weibliche Spieler markierte einen Höhepunkt der Auseinandersetzung und setzte die Grand-Slam-Turniere unter erheblichen öffentlichen Druck.

Auch der französische Verband lehnt das Prinzip ab, das Preisgeld an den Umsatz zu koppeln. Turnierdirektorin Amélie Mauresmo äusserte sich zurückhaltend: Sie glaube, dass die genannten Zahlen nicht jene seien, auf die man wirklich schauen sollte, doch werde man diese Diskussion mit den Spielern führen. Jeder müsse einen Schritt auf den anderen zugehen, und es brauche einen Wandel in der Denkweise – mithin den guten Willen aller Beteiligten. Vor diesem Hintergrund wirkt die Wimbledon-Ankündigung wie ein Versuch des AELTC, den in Paris entstandenen Druck nicht weiter anwachsen zu lassen.

Zu den prominentesten Kritikern auf Spielerseite zählt Jannik Sinner, der Champion im Herreneinzel von 2025, der sich wiederholt deutlich zu Preisgeld- und Wohlfahrtsfragen geäussert hat. Sein Engagement zeigt, dass die Kampagne nicht von Aussenseitern getragen wird, sondern bis an die absolute Spitze des Sports reicht – ein Umstand, der den Spielern erhebliches Verhandlungsgewicht verleiht.

Der Blick nach New York: die US Open als nächste Bewährungsprobe

Während Wimbledon den Konflikt vorerst beruhigt hat, verlagert sich die Aufmerksamkeit bereits auf das nächste Schlachtfeld. Die United States Tennis Association (USTA) hatte im vergangenen Jahr 90 Millionen Dollar – umgerechnet rund 67,2 Millionen Pfund – und damit eine Steigerung um 20 Prozent geboten. Das Preisgeld für die diesjährigen US Open, die am 30. August beginnen, dürfte kurz nach Wimbledon bekannt gegeben werden.

Erwartet wird, dass die Summe die Marke von 100 Millionen Dollar deutlich überschreitet und möglicherweise sogar die Forderung der Spieler übertrifft, wonach das Preisgeld 2026 16 Prozent des Turnierumsatzes ausmachen solle. Damit könnten ausgerechnet die US Open zum Turnier werden, das der Forderung der Spieler am nächsten kommt – ein Druckmittel, das in den Verhandlungen mit den übrigen Grand Slams kaum zu unterschätzen ist.

Die Spieler haben ihre wachsende Verhandlungsmacht bereits gezielt eingesetzt. In den Gesprächen mit der USTA verwiesen sie auf das neue, prominent besetzte Mixed-Doppel-Event der US Open. Das Argument: Dieser Wettbewerb sei für den kommerziellen Erfolg der «Fan Week» wichtiger als für viele der teilnehmenden Spieler – zumal diese unter Umständen früher als geplant anreisen müssen, da das Event in der Woche vor dem Hauptfeld stattfindet. Es ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Athletinnen und Athleten ihren eigenen Wert in die Waagschale werfen.

Einordnung: ein Etappensieg, kein Schlusspunkt

Die Wimbledon-Entscheidung von 2026 lässt sich am ehesten als Etappensieg beschreiben – für beide Seiten. Der All England Club hat einen drohenden Protest abgewendet, sich öffentlich als zuhörender Veranstalter präsentiert und gleichzeitig sein Geschäftsmodell verteidigt, ohne dem von ihm abgelehnten Prinzip der Umsatzbeteiligung formell nachzugeben. Die Spieler wiederum haben eine historische Erhöhung erkämpft und zugleich klargemacht, dass sie ihre grundsätzlichen Forderungen nicht aufgeben.

Für die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Schweiz und im übrigen Europa bedeutet dies vor allem eines: Die Championships, die Ende des Monats beginnen, werden ohne die Schatten eines Medienboykotts oder offener Protestaktionen über die Bühne gehen. Der grundlegende Streit über die Verteilung der Milliarden, die das moderne Tennis erwirtschaftet, ist damit jedoch nicht beigelegt – er ist lediglich vertagt. Die nächste Etappe folgt Ende August in New York, wo die US Open zeigen werden, ob sich der Trend zu höheren Auszahlungen fortsetzt oder ob die Spieler ihren Forderungen mit erneutem Druck Nachdruck verleihen müssen.

Die Wimbledon-Einzelsieger der vergangenen Jahre

Wimbledon 2026 ist die 139. Auflage des Turniers und findet vom 29. Juni bis 12. Juli statt. Zur Einordnung der aktuellen Preisgeld-Debatte lohnt ein Blick auf die jüngsten Champions sowie die Entwicklung des Gesamtpreisgeldes:

JahrHerreneinzelDameneinzelGesamtpreisgeld
2026noch offennoch offen£64,2 Mio.
2025Jannik Sinner (ITA)Iga Świątek (POL)£53,55 Mio.
2024Carlos Alcaraz (ESP)Barbora Krejčíková (CZE)£50,0 Mio.
2023Carlos Alcaraz (ESP)Markéta Vondroušová (CZE)£44,7 Mio.
2022Novak Đoković (SRB)Elena Rybakina (KAZ)£40,35 Mio.
2021Novak Đoković (SRB)Ashleigh Barty (AUS)£35,0 Mio.

Iga Świątek gewann 2025 ihren ersten Wimbledon-Titel mit einem historischen 6:0, 6:0 im Final gegen Amanda Anisimova – das erste Mal seit 1911, dass eine Spielerin im Endspiel kein Game abgab. Jannik Sinner sicherte sich seinerseits seinen ersten Titel an der Church Road durch einen Vier-Satz-Sieg über Carlos Alcaraz.

Bemerkenswert ist die Dynamik beim Preisgeld: Seit 2021 hat sich der Gesamttopf von 35 auf 64,2 Millionen Pfund nahezu verdoppelt – genau dieses rasante Wachstum bildet den Kern der aktuellen Auseinandersetzung zwischen Veranstalter und Spielerschaft. Männer und Frauen erhalten in Wimbledon seit 2007 dieselben Summen.

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