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Einsiedeln / Berlin. Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD und Kanzlerkandidatin ihrer Partei bei der Bundestagswahl 2025, lebt seit Jahren mit der Schweizer Filmproduzentin Sarah Bossard zusammen. Das Paar zieht zwei Söhne gross und wohnt im schwyzerischen Einsiedeln – während Weidel offiziell im deutschen Überlingen am Bodensee gemeldet ist und ihre Einkünfte nach eigener Aussage in Deutschland versteuert. Wie die Redaktion von Nume.ch auf Basis öffentlich dokumentierter Recherchen von CH Media, NZZ, Blick, 20 Minuten und deutschen Medien nachzeichnet, ist genau diese Konstellation – Familie in der Schweiz, Steuersitz in Deutschland – seit Februar 2025 Gegenstand einer politischen Dauerdebatte, die bis in den Deutschen Bundestag reicht. Wer ist die Frau an Weidels Seite? Wo genau lebt die Familie? Und wie funktioniert das Steuerkonstrukt zwischen Überlingen und Einsiedeln wirklich? Die Antworten – Punkt für Punkt, mit Quellen.

Wer ist Sarah Bossard? Die Frau an der Seite der AfD-Chefin

Sarah Bossard wurde 1982 in Sri Lanka geboren. Im Alter von wenigen Monaten wurde sie von einem Schweizer Pfarrerehepaar adoptiert und wuchs in der Schweiz auf – ein biografisches Detail, das deutsche und Schweizer Medien immer wieder als Kontrast zur Migrationspolitik der AfD hervorheben. Nach übereinstimmenden Medienberichten absolvierte Bossard eine Ausbildung im Filmbereich und arbeitete später als Produktions- und Herstellungsleiterin an Schweizer Kino- und Fernsehproduktionen, darunter der Erfolgsfilm «Die göttliche Ordnung» und die Familienkomödie «Papa Moll» (2017).

In ihrer Bieler Zeit bewegte sich Bossard laut dem deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag zu Alice Weidel, der sich auf Porträts von NZZ und Tages-Anzeiger stützt, in einem eher links-grün geprägten Freundeskreis – ein Umfeld, das sie nach dem Bekanntwerden ihrer Beziehung zur AfD-Politikerin weitgehend verlor. Auch beruflich sollen in der Folge Aufträge ausgeblieben sein. Öffentlich tritt Bossard bis heute fast nie auf: Sie gibt keine Interviews, meidet Kameras und überlässt die politische Bühne vollständig ihrer Partnerin. Eine der seltenen dokumentierten öffentlichen Positionierungen: Bossard warb in der Schweiz öffentlich für die «Ehe für alle» – während die von Weidel geführte AfD-Bundestagsfraktion die gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland ablehnte.

Die Beziehung: seit rund 15 Jahren, zwei Söhne

Weidel und Bossard sind seit 2009 ein Paar und leben in einer eingetragenen Partnerschaft. Die beiden gemeinsamen Söhne – der ältere wurde nach Angaben des Wikipedia-Eintrags 2012/13 geboren – sind leibliche Kinder Bossards. Im RTL-«Quadrell» vom 16. Februar 2025 sprach Weidel selbst öffentlich von ihrer «Frau» und bestätigte, dass diese Schweizerin ist und die Kinder bei der Familie leben. In Berichten des «Blick» vom Februar 2025 wird die Familienkonstellation so beschrieben: eingetragene Partnerschaft mit einer Schweizerin, zwei Söhne im Primarschulalter, Wohnort Einsiedeln im Kanton Schwyz.

Von Biel nach Einsiedeln: Die Stationen der Familie

Die geografische Geschichte der Familie Weidel-Bossard lässt sich anhand der Berichterstattung präzise rekonstruieren:

ZeitraumOrtWas dokumentiert ist
bis ca. 2018Biel BEWohnort des Paares; laut NZZ zahlte Weidel 2017 nachweislich Steuern in Biel
2018/2019UmzugWechsel nach Einsiedeln SZ; als Grund nannte Weidel Anfeindungen gegen die Familie
seit 2019Einsiedeln SZMaisonettewohnung in der Region Sihlsee, je hälftig im Eigentum von Weidel und Bossard (Grundbuchauszug, CH-Media-Recherche, Februar 2025)
parallelÜberlingen (D)Offizieller Haupt- und Steuersitz Weidels am Bodensee, zugleich ihr Wahlkreis
parallelBerlin (D)Abgeordnetenwohnung Weidels als Bundestagsmitglied

Bemerkenswert: Gemäss den Angaben der Schweizer Behörden, auf die sich der Wikipedia-Eintrag stützt, war Weidel 2017 noch in Biel gemeldet und dort auch steuerpflichtig. Der Basler Steuerexperte, den 20 Minuten im Februar 2025 befragte, ordnete diesen Wechsel als nachvollziehbar ein: Die steuerliche Ausgangslage einer Person könne sich über die Jahre verändern – und mit ihr die behördliche Beurteilung (20 Minuten, 18. Februar 2025).

Der Auslöser: Das RTL-«Quadrell» vom 16. Februar 2025

Die Steuerfrage explodierte medial an einem konkreten Abend: Im RTL-«Quadrell», dem TV-Schlagabtausch der vier Kanzlerkandidaten vor der Bundestagswahl 2025, konfrontierte Moderator Günther Jauch die AfD-Chefin mit ihrer Wohn- und Steuersituation. Weidels Antwort ist vielfach dokumentiert: «Ich zahle hier meine Steuern.» (Alice Weidel, RTL-«Quadrell», 16. Februar 2025, zitiert nach watson.ch). Auf mehrfache Nachfrage Jauchs, ob sie wirklich auf alle Einkünfte in Deutschland Steuern zahle und keine in der Schweiz, bejahte Weidel dies ausdrücklich und verwies auf das Abkommen zwischen beiden Ländern: «Das ist völlig normal gemäss dem Doppelbesteuerungsabkommen.» (Alice Weidel, ebd., zitiert nach watson.de, 20. Februar 2025).

Nur einen Tag später, am 17. Februar 2025, eskalierte die Situation erneut: Weidel brach ein ZDF-Interview ab, nachdem Reporter David Gebhard hartnäckig nachgefragt hatte, wie viele Nächte sie tatsächlich an ihrem gemeldeten Wohnsitz in Überlingen verbringe. Die Szene verbreitete sich viral und befeuerte die Debatte zusätzlich (dokumentiert u. a. bei The Pioneer und Schwäbische Zeitung, Februar 2025).

Das Doppelbesteuerungsabkommen: So funktioniert das Konstrukt

Kern der ganzen Debatte ist das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und der Schweiz. Es verhindert, dass eine Person dieselben Einkünfte in beiden Ländern versteuern muss – und legt in einer Kaskade fest, welcher Staat als Ansässigkeitsstaat gilt.

Die Prüfkaskade im DBA Deutschland–Schweiz

StufeKriteriumAnwendung im Fall Weidel
1Ständige WohnstätteWeidel verfügt über Wohnstätten in beiden Ländern (Überlingen/Berlin und Einsiedeln) – Kriterium nicht eindeutig
2Mittelpunkt der LebensinteressenFamilie in der Schweiz, Beruf und politisches Mandat in Deutschland – umstritten
3Gewöhnlicher AufenthaltBei Aufenthalt in beiden Staaten nicht abschliessend klärbar
4StaatsangehörigkeitWeidel ist ausschliesslich Deutsche – Deutschland erhält das Besteuerungsrecht

Genau auf diese vierte Stufe wies die Recherche von watson.ch im Februar 2025 hin: Hält sich eine Person gewöhnlich in beiden Vertragsstaaten auf, gilt sie dort als ansässig, wo sie die Staatsangehörigkeit besitzt. Da Weidel nur den deutschen Pass hat, kann sie ihr Haupteinkommen in Deutschland versteuern – selbst wenn ihr privates Familienleben überwiegend in Einsiedeln stattfindet.

Der Basler Steuerexperte Stefan E. Schmid erklärte gegenüber dem «Blick» die Grundlogik: «Die Steuerhoheit bestimmt sich nach der Ansässigkeit einer Person.» (Stefan E. Schmid, Steuerexperte, Blick, 20. Februar 2025). Schmid betonte zugleich, dass internationale Steuerfragen im Verhältnis zu Deutschland komplex seien und Paare grundsätzlich auch über Landesgrenzen hinweg getrennte Wohnsitze geltend machen könnten – ohne dass dies zwingend die Besteuerung verändere. Hinzu kommt ein weiterer, oft übersehener Punkt: Für Bundestagsabgeordnete gilt nach dem DBA ohnehin das sogenannte Kassenstaatsprinzip – Bezüge aus öffentlichen Kassen werden grundsätzlich in dem Land versteuert, das sie auszahlt. Weidels Abgeordnetendiäten sind damit in jedem Fall in Deutschland steuerpflichtig (eingeordnet u. a. von der Stuttgarter Zeitung, 2025).

Die offizielle Linie der AfD formulierte Pressesprecher Daniel Trapp gegenüber der Schwäbischen Zeitung: «Sie ist nach dem Welteinkommensprinzip in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.» (Daniel Trapp, AfD-Pressesprecher, Schwäbische Zeitung, 21. Februar 2025). Nach diesem Prinzip müssen sämtliche weltweiten Einkünfte in der deutschen Steuererklärung deklariert werden; im Ausland gezahlte Steuern werden angerechnet.

Die Grundbuch-Recherche: Weidel zahlt in der Schweiz eben doch – ein bisschen

Weidels kategorisches «Nein» zur Frage nach Schweizer Steuern hielt der Faktenprüfung nur teilweise stand. Eine Recherche von CH Media, publiziert unter anderem auf watson.ch, förderte im Februar 2025 einen Grundbuchauszug zutage: Weidel und Bossard besitzen die Maisonettewohnung in der Region Sihlsee bei Einsiedeln je zur Hälfte. Und Schweizer Immobilieneigentum hat unweigerlich steuerliche Folgen – unabhängig davon, wo der Eigentümer sein Erwerbseinkommen versteuert.

Konkret bedeutet das, wie 20 Minuten am 20. Februar 2025 unter Berufung auf die watson-Recherche aufschlüsselte: Weidel muss in der Schweiz den sogenannten Eigenmietwert ihrer Wohnungshälfte als Einkommen versteuern und die Immobilie in der Vermögenssteuer deklarieren. Der «Blick» brachte es später auf die Formel, dass die AfD-Vorsitzende ihre Steuern in Deutschland zahlt – wegen der Immobilie in Einsiedeln aber eben auch in der Schweiz. Streng genommen war Weidels TV-Aussage, sie zahle keine Steuern in der Schweiz, damit nicht die ganze Wahrheit – wenn auch bezogen auf ihr Haupteinkommen korrekt.

Was die Schwyzer Behörden sagen (und was nicht)

Die kantonalen Behörden hüllen sich in Schweigen – berufen sich dabei aber auf geltendes Recht. Markus Beeler, Amtsvorsteher der Steuerverwaltung des Kantons Schwyz, erklärte auf Anfrage: «Wir können zum konkreten Fall nichts sagen.» (Markus Beeler, Steuerverwaltung Kanton Schwyz, gegenüber Blick, 19. Februar 2025). Das Schweizer Steuergeheimnis verbietet Auskünfte zu Einzelfällen. Allgemein, so Beeler weiter, prüfe man bei internationalen Sachverhalten aber genau, welche Regeln zur Anwendung kämen und was welchem Land zugewiesen werde.

Deutlich emotionaler reagierte der Finanzverantwortliche des Bezirks Einsiedeln: Er wollte zum Steuerfall ebenfalls nichts sagen, kritisierte am Telefon gegenüber Journalisten aber eine mediale «Hetzjagd» auf die prominente Einwohnerin (zitiert nach Luzerner Zeitung / watson.ch, Februar 2025).

Warum ausgerechnet Einsiedeln? Der Standort im Steuer-Check

Einsiedeln ist kein Zufallsort. Der Klosterort mit rund 16 500 Einwohnern liegt im Kanton Schwyz – einem der steuergünstigsten Kantone der Schweiz. Der kommunale Steuerfuss von Einsiedeln liegt bei 190 Prozent, der kantonale bei 115 Prozent der einfachen Steuer (Angaben für 2026, Quelle: grundheim.ch auf Basis kantonaler Daten). Im gesamtschweizerischen Vergleich zählt Schwyz seit Jahrzehnten zu den Kantonen mit der tiefsten Einkommens- und Vermögenssteuerbelastung – ein Umstand, den Weidels politische Gegner in Deutschland genüsslich ausschlachten.

FaktorEinsiedeln SZBedeutung im Fall Weidel
KantonSchwyzTraditionell einer der steuergünstigsten Kantone der Schweiz
Einwohnerca. 16 500Überschaubarer Klosterort, hohe Diskretion
Gemeindesteuerfuss190 (2026)Relevant für Eigenmietwert- und Vermögensbesteuerung der Wohnung
LageRegion SihlseeRund 45 Minuten von Zürich, SVP-geprägtes Umfeld
Politisches KlimakonservativBevölkerung reagiert betont gelassen auf die prominente Bewohnerin

Offiziell begründete Weidel den Umzug der Familie von Biel nach Einsiedeln allerdings nicht mit Steuern, sondern mit Sicherheit: Nach dem Bekanntwerden ihrer politischen Rolle sei die Familie in Biel Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Und wie reagiert Einsiedeln selbst? Erstaunlich entspannt. Nau.ch hörte sich im Februar 2025 im Ort um. Ein Einwohner namens Hans-Peter brachte die vorherrschende Stimmung auf den Punkt: «Ich nehme das relativ locker.» (Einwohner von Einsiedeln, Nau.ch, 20. Februar 2025). Weidel gelte im Ort als integriert, sei gelegentlich in der Beiz anzutreffen und verhalte sich diskret.

«Schweidel» und «Alice aus dem Steuerparadies»: Die Debatte erreicht den Bundestag

Mit der Bundestagswahl 2025 war die Geschichte nicht beendet – im Gegenteil. Die Wohnsitzfrage wurde zur politischen Dauerwaffe gegen die AfD-Chefin, inklusive eigens erfundener Spottnamen im Parlament.

Im November 2025 unterbrach der SPD-Abgeordnete Dirk Wiese eine Bundestagsrede Weidels zur Migrationspolitik mit dem Zwischenruf «Aber selber Steuern in der Schweiz zahlen» (Dirk Wiese, SPD, Deutscher Bundestag, November 2025, zitiert nach Blick/20 Minuten). Weidel widersprach umgehend; ihr Parteikollege Maximilian Kneller bezeichnete die Behauptung eines Schweizer Lebensmittelpunkts in einer Kurzintervention als Falschmeldung und forderte eine Entschuldigung. Der SPD-Abgeordnete Jan Dieren prägte in einer weiteren Debatte den Spottnamen «Schweidel» – eine Verschmelzung aus «Schweiz» und «Weidel» – und verlangte Belege dafür, dass die AfD-Chefin tatsächlich in Deutschland Steuern zahlt (dokumentiert vom Blick, März 2026).

Im März 2026 legte der Grünen-Politiker Konstantin von Notz nach: In einer Aktuellen Stunde zu Vetternwirtschaftsvorwürfen gegen die AfD, der Weidel fernblieb, fragte er spöttisch, ob «Alice aus dem Steuerparadies» womöglich gerade in der Schweiz sei (Konstantin von Notz, Grüne, Deutscher Bundestag, zitiert nach Blick, 16. März 2026). Die AfD kontert die Vorwürfe inzwischen offensiv mit einer festen Argumentationslinie: Weidel habe ihre Wohnung in Überlingen, halte sich als Abgeordnete überwiegend in Deutschland auf, und nach dem Doppelbesteuerungsabkommen gelte Deutschland als Ansässigkeitsstaat, da dort der Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen liege.

Die andere Schweiz-Connection: Spenden aus der Eidgenossenschaft

Die Wohnsitzdebatte ist nicht Weidels einzige Schweiz-Verbindung mit politischem Sprengstoff. Die NZZ zeichnete im Februar 2025 die «Swiss Connections» der AfD-Chefin nach – und erinnerte an die Spendenaffäre von 2017: Zwischen Juli und September 2017 gingen auf dem Konto von Weidels AfD-Kreisverband Bodensee Einzelspenden von insgesamt 132 000 Euro ein, Verwendungszweck «Wahlkampf Alice Weidel». Die Spuren führten zu einem in der Schweiz wohnhaften deutschen Unternehmer, der die Zahlungen über Strohleute und zwei Pharmafirmen abgewickelt hatte. Weil die Zuwendungen gegen das deutsche Parteiengesetz verstiessen, musste die AfD 2020 rund 500 000 Euro Strafe zahlen (NZZ, 20. Februar 2025).

Kurz vor der Bundestagswahl 2025 folgte die nächste Affäre: Der österreichische Ex-FPÖ-Funktionär Gerhard Dingler tauchte in der offiziellen Spendenliste des Bundestags mit rund 2,35 Millionen Euro für die AfD auf – laut Spiegel-Recherchen möglicherweise nur als Mittelsmann für einen deutsch-schweizerischen Unternehmer. Weidels Sprecher betonte damals, die Partei halte sich streng an die rechtlichen Vorgaben bei Parteispenden und stehe dazu im engen Austausch mit der Bundestagsverwaltung (NZZ, Februar 2025).

Sicherheitslage: Als die Familie Einsiedeln verlassen musste

Dass das Leben in der Schweizer Idylle auch Schattenseiten hat, zeigte der Herbst 2023. Am 23. September 2023 rückte die Kantonspolizei Schwyz – nach Medienberichten inklusive einer Sondereinheit – zum Wohnsitz der Familie in Einsiedeln aus, nachdem sich Hinweise auf einen möglichen Anschlag verdichtet hatten. Die Behörden hielten Details aus taktischen Gründen zurück; Weidel, Bossard und die beiden Söhne verliessen den Ort vorübergehend und hielten sich zeitweise auf Mallorca auf (Blick, Stuttgarter Zeitung, 2023–2025). Im Schwyzer Kantonsrat wurde später nachgefragt, was der Polizeieinsatz die Steuerzahler gekostet habe – eine Ironie der Geschichte, die deutschen Kommentatoren nicht entging: Der Schutz der prominenten Einwohnerin wird von einem Gemeinwesen finanziert, an dessen Einkommenssteuern sie sich nur minimal beteiligt.

Einordnung: Legal, aber politisch teuer

Nüchtern betrachtet ist der Fall Weidel-Bossard steuerrechtlich weit weniger spektakulär, als die Empörung vermuten lässt. Das Doppelbesteuerungsabkommen von 1971 sieht für exakt solche grenzüberschreitenden Lebensmodelle klare Regeln vor; das Kassenstaatsprinzip bindet Abgeordnetenbezüge ohnehin an Deutschland; und die Immobilie in Einsiedeln löst dort automatisch Eigenmietwert- und Vermögensbesteuerung aus. Kein Schweizer oder deutsches Amt hat bislang öffentlich ein Fehlverhalten festgestellt.

Politisch ist die Rechnung eine andere. Eine Parteichefin, die mit dem Slogan nationaler Patriotismus antritt, deren Familienleben aber im steuergünstigen Kanton Schwyz stattfindet – dieser Kontrast ist es, der die Spottnamen im Bundestag produziert und die Debatte am Leben hält. Und mittendrin: Sarah Bossard, die Frau, die nie ein Interview gibt, deren Biografie – geboren in Sri Lanka, adoptiert, aufgewachsen in der Schweiz, Karriere in der liberalen Filmszene – aber wie ein permanenter Kommentar zur Politik ihrer Partnerin gelesen wird. Sie selbst hat sich dazu nie öffentlich geäussert. Vielleicht ist genau das die bemerkenswerteste Konstante dieser Geschichte.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Weidel, Bossard und den Steuern

Wer ist Sarah Bossard? Sarah Bossard (Jahrgang 1982) ist eine Schweizer Film- und Fernsehproduktionsleiterin. Sie wurde in Sri Lanka geboren, als Säugling von einem Schweizer Pfarrerehepaar adoptiert und wuchs in der Schweiz auf. Sie arbeitete unter anderem an «Die göttliche Ordnung» und «Papa Moll» mit.

Sind Alice Weidel und Sarah Bossard verheiratet? Die beiden leben seit 2009 in einer Beziehung und sind in einer eingetragenen Partnerschaft verbunden. Weidel selbst sprach im RTL-«Quadrell» 2025 öffentlich von ihrer «Frau».

Wie viele Kinder haben Weidel und Bossard? Das Paar zieht zwei Söhne gross; leibliche Mutter ist Sarah Bossard. Die Kinder leben mit der Familie in Einsiedeln im Kanton Schwyz.

Wo zahlt Alice Weidel ihre Steuern? Ihr Haupteinkommen versteuert Weidel nach eigenen Angaben und nach der Logik des Doppelbesteuerungsabkommens in Deutschland (Steuersitz Überlingen). Wegen des hälftigen Eigentums an der Wohnung in Einsiedeln fallen in der Schweiz zusätzlich Steuern auf den Eigenmietwert und das Immobilienvermögen an.

Warum darf Weidel in Deutschland Steuern zahlen, obwohl die Familie in der Schweiz lebt? Das DBA Deutschland–Schweiz prüft in einer Kaskade: Wohnstätte, Lebensmittelpunkt, gewöhnlicher Aufenthalt – und zuletzt die Staatsangehörigkeit. Da Weidel ausschliesslich Deutsche ist und ihr Bundestagsmandat in Deutschland ausübt, gilt Deutschland als Ansässigkeitsstaat. Abgeordnetenbezüge sind zudem nach dem Kassenstaatsprinzip immer im auszahlenden Staat steuerpflichtig.

Seit wann lebt die Familie in Einsiedeln? Seit 2019. Zuvor wohnte das Paar in Biel BE, wo Weidel 2017 nachweislich Steuern zahlte. Als Grund für den Umzug nannte Weidel Anfeindungen gegen die Familie.

Was bedeutet der Spitzname «Schweidel»? Eine Wortschöpfung des SPD-Abgeordneten Jan Dieren aus «Schweiz» und «Weidel», die im Bundestag als Spott auf Weidels Schweizer Lebensmittelpunkt verwendet wird – neben Varianten wie «Alice aus dem Steuerparadies» (Konstantin von Notz, Grüne).

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Quellenbasis: Für den Überblick wurden Berichte von watson.ch, NZZ, Blick, 20 Minuten, Nau.ch, Stuttgarter Zeitung, Schwäbische Zeitung sowie der Wikipedia-Eintrag zu Alice Weidel ausgewertet. Die wichtigsten Veröffentlichungen stammen aus Februar 2025; ergänzt wurden spätere Berichte bis Juli 2026.

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