Der Bitcoin-Kurs ist zu Wochenbeginn unter die Marke von 76.000 US-Dollar gefallen und hat damit den tiefsten Stand seit April 2025 erreicht. Seit dem Allzeithoch im November 2025 hat die weltweit grösste Kryptowährung rund 40 Prozent an Wert verloren, wie aus Marktdaten hervorgeht. Nach Einschätzung der Redaktion von Nume.ch handelt es sich dabei weniger um einen kurzfristigen Marktschock als um eine strukturbedingte Korrektur nach einer Überhitzungsphase, ausgelöst durch makroökonomischen Gegenwind, straffere Liquiditätsbedingungen sowie den systematischen Abbau gehebelter Positionen im Kryptomarkt.
Für den Finanzplatz Schweiz wirft diese Entwicklung zentrale strategische Fragen auf. Im Fokus stehen die Belastbarkeit der institutionellen Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten, die Rolle börsengehandelter Produkte wie Bitcoin-ETFs und Derivate sowie die Einordnung von Bitcoin in professionelle Portfolios vor dem Hintergrund steigender Kapitalkosten, höherer Zinsen und veränderter globaler Risikobereitschaft.
Rückblick: Vom Rekordhoch zur Korrektur
Im Herbst 2025 hatte Bitcoin eine der stärksten Aufwärtsbewegungen seiner Geschichte verzeichnet. Der Kurs stieg im November zeitweise auf über 126.000 Dollar, getragen von anhaltenden Kapitalzuflüssen institutioneller Investoren, hoher Risikobereitschaft an den globalen Märkten und starkem Interesse an Spot-Bitcoin-ETFs.
Diese Phase markierte jedoch zugleich den Höhepunkt eines zunehmend stark gehebelten Marktes. Bereits im Dezember setzten erste Gewinnmitnahmen ein. Die Volatilität nahm zu, während die Handelsvolumina abflachten – ein typisches Signal für eine bevorstehende Trendwende. Seit Jahresbeginn 2026 beschleunigte sich der Abverkauf deutlich. Am 3. Februar notierte Bitcoin zeitweise bei rund 75.600 Dollar, was einem nominalen Rückgang von mehr als 50.000 Dollar pro Coin gegenüber dem Hoch entspricht.
Makroökonomischer Kontext: Liquidität wird knapper
Ein zentraler Treiber der aktuellen Entwicklung ist das veränderte makroökonomische Umfeld. Die Erwartungen an die künftige Ausrichtung der Federal Reserve haben sich spürbar verschoben. Marktteilnehmer rechnen zunehmend mit einer restriktiveren Geldpolitik, was den US-Dollar gestärkt und risikoreiche Anlageklassen unter Druck gesetzt hat. Für Bitcoin ist diese Entwicklung besonders relevant. Als nicht verzinslicher Vermögenswert reagiert die Kryptowährung empfindlich auf steigende Realzinsen und höhere Finanzierungskosten. Ein stärkerer Dollar reduziert zudem die Attraktivität alternativer Anlagen ausserhalb des klassischen Finanzsystems. Schweizer Vermögensverwalter verweisen darauf, dass Kryptowährungen im aktuellen Umfeld weniger als Inflationsschutz, sondern vielmehr als liquiditätssensitiver Risiko-Asset wahrgenommen werden.
ETF-Abflüsse verändern die Marktstruktur
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Entwicklungen bei börsengehandelten Bitcoin-Produkten. Nach starken Zuflüssen im Jahr 2025 kam es im Januar 2026 erstmals zu substanziellen Nettoabflüssen aus Spot-Bitcoin-ETFs. Marktbeobachter schätzen diese auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Dollar.

Für institutionelle Investoren in der Schweiz ist dieser Trend von Bedeutung, da ETFs in vielen Mandaten als bevorzugter Zugangsweg zu digitalen Vermögenswerten gelten. Die Abflüsse signalisieren eine vorsichtigere Positionierung und einen temporären Rückzug von Kapital, insbesondere in taktischen Allokationen.
Derivate und Zwangsliquidationen verstärken den Abwärtstrend
Neben fundamentalen Faktoren spielten technische Effekte eine zentrale Rolle. Der Bruch mehrerer Unterstützungszonen – insbesondere der Marke von 80.000 Dollar – löste eine Welle automatisierter Verkäufe aus. In den Derivatemärkten kam es in kurzer Zeit zu Liquidationen von über 2 Milliarden Dollar.
Diese Zwangsliquidationen wirken selbstverstärkend: Sinkende Kurse führen zur Schliessung gehebelter Positionen, was zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt. Für professionelle Marktteilnehmer ist dies ein bekanntes Muster, das vor allem in Phasen sinkender Liquidität an Wochenenden oder bei geringer Markttiefe auftritt.
Vergleich mit früheren Zyklen
Analysten ziehen Parallelen zu früheren Bitcoin-Zyklen, insbesondere zu den Korrekturphasen 2017–2018 und 2021–2022, in denen ebenfalls Rückgänge von 30 Prozent und mehr zu beobachten waren. Die aktuelle Situation unterscheidet sich jedoch in mehreren Punkten:
- Die absoluten Preisniveaus sind deutlich höher.
- Der Anteil institutioneller Investoren ist gewachsen.
- Regulierter Marktzugang über ETFs und strukturierte Produkte spielt eine grössere Rolle.
Dadurch spiegeln Kursbewegungen heute nicht nur die Stimmung privater Anleger wider, sondern auch strategische Anpassungen grosser Vermögensverwalter und Banken.
Marktdaten im Überblick
Bitcoin-Preisentwicklung (November 2025 – 3. Februar 2026)
| Datum | Marktumfeld | BTC-Preis (USD) | Veränderung zum Hoch |
|---|---|---|---|
| 10. Nov 2025 | Allzeithoch | 126.000 | 0 % |
| 30. Nov 2025 | Gewinnmitnahmen | 118.000 | −6,3 % |
| 31. Dez 2025 | Jahresende | 105.000 | −16,7 % |
| 10. Jan 2026 | Erste ETF-Abflüsse | 98.500 | −21,8 % |
| 20. Jan 2026 | Starker Dollar | 92.000 | −27,0 % |
| 27. Jan 2026 | Volatilität steigt | 85.000 | −32,5 % |
| 3. Feb 2026 | Tief seit April 2025 | 75.600 | −40,0 % |

Technische Schlüsselmarken
| Niveau | Bedeutung |
|---|---|
| 80.000 USD | Ehemalige Unterstützung, nun Widerstand |
| 75.000 USD | Kurzfristige Schlüsselzone |
| 72.000 USD | Nächstes relevantes Unterstützungsniveau |
| 68.000–70.000 USD | Langfristige Unterstützungszone |
Bedeutung für den Finanzplatz Schweiz
Für Schweizer Banken, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter bestätigt die aktuelle Korrektur eine zentrale Erkenntnis: Bitcoin bleibt ein hochvolatiler, zyklischer Vermögenswert, dessen Performance stark von globaler Liquidität und Risikobereitschaft abhängt.
In diversifizierten Portfolios wird Bitcoin weiterhin vor allem als satellitäre Beimischung betrachtet, nicht als Kernanlage. Das Risikomanagement – insbesondere im Hinblick auf Liquidität, Hebelwirkung und regulatorische Vorgaben – gewinnt an Bedeutung. Ob sich Bitcoin auf dem aktuellen Niveau stabilisieren kann, hängt massgeblich von der weiteren Entwicklung der Geldpolitik, der Kapitalflüsse in ETFs und der allgemeinen Marktstimmung ab. Eine nachhaltige Erholung dürfte erst dann einsetzen, wenn sich die Liquiditätsbedingungen entspannen und die Volatilität zurückgeht. Bis dahin rechnen Marktbeobachter mit anhaltend erhöhten Schwankungen, die sowohl Risiken als auch taktische Chancen für professionelle Investoren bieten.
Bleiben Sie informiert – Relevantes. Jeden Tag. Lesen Sie, worum es heute wirklich geht – in der Schweiz und der Welt: Franchise Schweiz: Wie Sie ein Business in Zürich erfolgreich starten
