Wer regelmässig in Videokonferenzen sitzt, kennt das Phänomen. Man sieht sich selbst stundenlang in einem kleinen Fenster am Bildschirmrand, oft schlecht ausgeleuchtet, aus einem ungünstigen Winkel. Seit Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle zum Alltag gehören, berichten viele Berufstätige, dass sie ihr eigenes Gesicht kritischer betrachten als früher.
Das hat weniger mit Eitelkeit zu tun als mit Gewohnheit. Früher sah man sich morgens kurz im Spiegel und dann den Rest des Tages nicht mehr. Heute begleitet einen das eigene Bild durch Sitzungen, Präsentationen und Kundengespräche. Eine Falte zwischen den Augenbrauen, die einem nie aufgefallen ist, wirkt plötzlich wie ein Dauerzustand.
Wirkung und Wahrnehmung
In der Arbeitswelt spielt das Äussere eine Rolle, auch wenn man es ungern zugibt. Forschung zur Wahrnehmung von Gesichtern zeigt, dass Menschen aus der Mimik schnell Schlüsse ziehen, oft unbewusst. Eine ausgeprägte Zornesfalte kann streng oder müde wirken, obwohl man sich weder so fühlt noch so gemeint ist. Für manche ist das ein Ärgernis, für andere schlicht ein Teil ihres Gesichts, den sie gar nicht verändern möchten.
Wer sich trotzdem damit beschäftigt, landet früher oder später bei der Frage nach Behandlungen. Die Debatte darüber wird im Freundeskreis und am Arbeitsplatz mittlerweile offener geführt als noch vor zehn Jahren. Die medizinischen Hintergründe von Botox, also wie der Wirkstoff grundsätzlich funktioniert und wo er eingesetzt wird, lassen sich auf fachlich geführten Seiten nüchtern nachlesen. Das ist ein guter erster Schritt, bevor man sich von Erfahrungsberichten aus dem Bekanntenkreis leiten lässt.
Was im Berufsalltag zählt
Gerade Berufstätige stellen oft sehr praktische Fragen. Wie lange dauert ein Termin? Sieht man danach etwas? Kann man am nächsten Tag wieder an eine Sitzung? Solche Überlegungen sind berechtigt, sollten aber nicht die einzigen sein. Ebenso wichtig ist die Frage, wer die Behandlung durchführt, welche Erfahrung diese Person hat und ob sie bereit ist, ehrlich über mögliche Nebenwirkungen zu sprechen. Kleine Blutergüsse, vorübergehende Kopfschmerzen oder ein ungewohntes Gefühl in der Stirn sind möglich. Zudem lässt die Wirkung nach einigen Monaten wieder nach, was manche als Vorteil, andere als Nachteil empfinden.
Ein seriöses Beratungsgespräch setzt deshalb nicht beim Wunsch an, sondern bei der Person. Welche Mimik gehört zu jemandem? Was soll unbedingt erhalten bleiben? Gerade im Beruf, wo Ausdruck und Glaubwürdigkeit eng zusammenhängen, möchte niemand ausdruckslos wirken.
Ausstrahlung hat viele Quellen
Letztlich entsteht berufliche Ausstrahlung aus vielen Dingen. Aus Kompetenz, aus Haltung, aus der Art, wie man zuhört und antwortet. Ein entspannteres Gesicht kann für manche Menschen ein Baustein sein, sich wohler zu fühlen. Für andere ist es völlig unwichtig. Beides verdient Respekt.
Und vielleicht hilft manchmal auch schon, die Kamera etwas höher zu stellen, das Licht von vorne kommen zu lassen und die eigene Kachel in der Videokonferenz einfach auszublenden. Nicht jede Unzufriedenheit mit dem eigenen Spiegelbild braucht eine medizinische Antwort.
