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Die Microsoft-Abhängigkeit der Schweiz wird für den Bund zu einer Frage der staatlichen Handlungsfähigkeit: Nachdem Microsoft 365 seit Dezember 2025 auf rund 54’000 Arbeitsplätzen der Bundesverwaltung installiert ist, baut die Bundeskanzlei nun eine eigenständige Open-Source-Arbeitsumgebung auf, die ab Ende 2027 rund 3000 ausgewählte Mitarbeitende nutzen sollen. Das System soll E-Mail, Kalender, Dokumente, Präsentationen, Telefonie sowie Audio- und Videokonferenzen abdecken und parallel zu Microsoft 365 betrieben werden. Der Bund rechnet für die erste Phase mit rund 9 Millionen Franken; zugleich soll geklärt werden, ob eine solche Plattform im Krisenfall als belastbare Alternative funktionieren und langfristig sogar einen vollständigen Ausstieg aus Microsoft 365 ermöglichen könnte. Die aktuelle Debatte bekam am 6. September neue Schärfe, nachdem Daniel Markwalder, Delegierter des Bundesrates für digitale Transformation, gegenüber SRF vor einem möglichen Verlust des Zugangs zu eigenen Daten aus technischen oder politischen Gründen warnte, berichtet NUME.CH.

Der Bund hat Microsoft damit nicht den Rücken gekehrt. Im Gegenteil: Der Rollout von Microsoft 365 wurde erst im Dezember 2025 abgeschlossen, einschliesslich des VBS, des EDÖB und rund 160 Schweizer Vertretungen im Ausland. Gleichzeitig gelten für besonders schützenswerte und vertrauliche Dokumente bereits Einschränkungen: Solche Dateien dürfen nach den Vorgaben des Bundes nicht in der Microsoft-Cloud gespeichert werden, sondern verbleiben in lokalen Rechenzentren. Die neue Open-Source-Plattform soll diese bestehende Architektur deshalb nicht kurzfristig ersetzen, sondern eine zweite technische Option schaffen, mit der die Verwaltung kritische Prozesse auch bei einem Ausfall oder einer Einschränkung von Microsoft-Diensten weiterführen könnte.

Der entscheidende Punkt ist nicht, ob LibreOffice Word ersetzen kann, sondern ob eine Bundesverwaltung auch ohne einen einzelnen internationalen Anbieter arbeitsfähig bleibt.

Warum Microsoft für den Bund zum Souveränitätsproblem wird

Die unmittelbare Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Office-Programme. Daniel Markwalder beschreibt das Problem grundsätzlicher: Microsoft verlagere seine Dienste zunehmend in die Cloud, wodurch Daten und zentrale Funktionen stärker vom Softwareanbieter abhängig würden. Bei bestimmten Daten sei dies problematisch; zusätzlich bestehe theoretisch das Risiko, dass der Zugang zu eigenen Informationen aus technischen oder politischen Gründen blockiert werde.

Markwalder verwendet dafür den Begriff «Kill Switch». Damit ist in seinem Interview kein nachgewiesener geheimer Schalter gemeint, über den Microsoft die Schweiz abschalten könnte. Gemeint ist das strukturelle Risiko, dass eine Verwaltung bei einem extern kontrollierten Dienst nicht sämtliche technischen Bedingungen selbst bestimmen kann.

«Microsoft verlagert seine Dienste zunehmend in die Cloud. Das heisst, die Daten liegen nicht mehr bei uns, sondern beim Softwareanbieter.» (Daniel Markwalder, Delegierter des Bundesrates für digitale Transformation, SRF, 6. September 2026)

Diese Sorge trifft auf eine Verwaltung, die Microsoft 365 inzwischen breit einsetzt. Nach Angaben des Bundes war die Einführung Mitte Dezember 2025 auf rund 54’000 Arbeitsplätzen abgeschlossen. Der Rollout hatte im Oktober 2024 begonnen und umfasste zuletzt auch besonders grosse beziehungsweise sensible Verwaltungseinheiten.

Die Bundesverwaltung hat allerdings bereits technische Schutzmechanismen eingebaut. Besonders schützenswerte Daten und vertrauliche Dokumente dürfen nicht in der Microsoft-Cloud liegen. Jedes Dokument erhält dafür ein Label; entsprechend klassifizierte Dateien bleiben in Rechenzentren des Bundes. Diese Trennung zeigt, dass die Diskussion über Microsoft 365 beim Bund schon vor dem neuen Open-Source-Programm nicht nur eine Kosten- oder Softwarefrage war.

Für die Verwaltung stehen konkret mehrere Risiken im Raum:

  • Abhängigkeit von einem proprietären Software-Ökosystem bei zentralen Büroprozessen;
  • mögliche Einschränkungen beim Zugriff auf Dienste oder Daten;
  • technische Abhängigkeiten zwischen Microsoft-Produkten und Tausenden Fachanwendungen;
  • begrenzte Möglichkeiten für einen kurzfristigen Anbieterwechsel;
  • zusätzliche Anforderungen beim Umgang mit sensitiven staatlichen Daten;
  • fehlende belastbare Ausweichlösung, falls Microsoft 365 ausfällt.

Die Bundeskanzlei bezeichnet die Verringerung solcher Abhängigkeiten ausdrücklich als Teil der digitalen Souveränität. In ihrer Machbarkeitsstudie BOSS prüft sie neben einem Notfallarbeitsplatz sogar die technische Machbarkeit einer Exit-Strategie für Microsoft 365.

Wie der Open-Source-Test des Bundes konkret funktioniert

Der aktuelle Plan basiert auf der Machbarkeitsstudie BOSS, ausgeschrieben «Büroautomation mit Open-Source-Software». Dafür baute die Bundeskanzlei eine Testumgebung auf und liess sie von 172 Personen aus verschiedenen Departementen im Arbeitsalltag beurteilen. Untersucht wurden nicht nur Textverarbeitung und E-Mail, sondern fast alle Kernfunktionen eines digitalen Verwaltungsarbeitsplatzes.

Die Testpersonen bewerteten insbesondere Dokumentenbearbeitung, Dateiablage, Zusammenarbeit sowie Mail- und Kalenderfunktionen positiv. Die Bundeskanzlei kommt deshalb zum Schluss, dass die getestete Browserlösung für zentrale Standardprozesse grundsätzlich geeignet ist. Gleichzeitig wurden technische, organisatorische und betriebliche Grenzen sichtbar, darunter Probleme bei grossen Videokonferenzen.

Der Bund testet dabei kein einziges Programm, sondern einen Verbund verschiedener Open-Source-Produkte. Die Plattform baut auf openDesk auf, dessen Produkteigner das deutsche Zentrum für Digitale Souveränität ZenDiS ist. Zur Umgebung gehören nach Angaben der Bundeskanzlei unter anderem Collabora Online für Dokumente, Open-Xchange für E-Mail und Kalender, Nextcloud für Dateien, OpenProject für Projektmanagement, XWiki, Jitsi-basierte Videokonferenzen, Element für Chat sowie Univention für Identitäts- und Zugriffsmanagement.

FunktionIm BOSS-Test eingesetzte Lösung
DokumentbearbeitungCollabora Online
E-MailOpen-Xchange
Kalender und KontakteOpen-Xchange
DateiablageNextcloud
ProjektmanagementOpenProject
WissensmanagementXWiki
Audio- und VideokonferenzenNordesk / Jitsi
ChatElement
IdentitätsmanagementUnivention

Neben der browserbasierten Umgebung testet die Verwaltung Windows- und Linux-Clients. Dadurch sollen unter anderem Offline-Arbeit und eine komfortablere Nutzung ausserhalb einer reinen Browserlösung geprüft werden. Details zur technischen Architektur veröffentlicht die Bundeskanzlei in ihrer Machbarkeitsstudie PoC BOSS.

Open Source bedeutet in diesem Projekt nicht offene Regierungsdaten, sondern offenen Softwarecode bei weiterhin geschützten Verwaltungsdaten.

Was ab Ende 2027 mit 3000 Mitarbeitenden passieren soll

Der Test mit 172 Personen war erst die Vorstufe. Am 2. September 2026 informierte die Bundeskanzlei den Bundesrat über die Ergebnisse und kündigte ein weiterführendes Programm an. Ab Ende 2027 soll eine souveräne Arbeitsplatzsoftware für rund 3000 Mitarbeitende bereitstehen. Die Auswahl erfolgt nicht zufällig. Vorgesehen sind Mitarbeitende verschiedener Departemente und der Bundeskanzlei, die in besonders kritischen Geschäftsprozessen tätig sind. Damit erhält der Bund eine grössere Nutzergruppe, an der sich prüfen lässt, ob das System auch ausserhalb eines begrenzten Machbarkeitstests stabil funktioniert. Die Open-Source-Alternative zu Microsoft soll folgende Kernfunktionen bereitstellen:

  1. E-Mail und Kalender für die tägliche Kommunikation;
  2. Bearbeitung von Dokumenten und Präsentationen;
  3. gemeinsame Dateiablage und Kollaboration;
  4. Telefonie;
  5. Audio- und Videokonferenzen;
  6. sichere Zugriffs- und Identitätsverwaltung.

Entscheidend ist die parallele Architektur. Die Bundeskanzlei spricht ausdrücklich von einer eigenständigen Lösung, die neben Microsoft 365 betrieben werden soll. Damit kann die Verwaltung Erfahrungen sammeln, ohne 54’000 produktive Arbeitsplätze auf einen Schlag zu migrieren. Für diese erste Programmphase sind rund 9 Millionen Franken vorgesehen. Das Geld stammt aus Mitteln, die das Parlament bereits für den Aufbau einer souveränen Schweizer Open-Source-Plattform für Büroautomation beschlossen hat. Erst die Erfahrungen aus dieser Phase sollen eine seriöse Berechnung ermöglichen, was eine grossflächige Einführung und der reguläre Betrieb kosten würden. Die Kosten von 9 Millionen Franken sind deshalb nicht als Preis für eine vollständige Ablösung von Microsoft zu verstehen. Es handelt sich um den Aufbau und die Erprobung der ersten produktiven Plattform für 3000 Nutzerinnen und Nutzer.

Was der «Kill Switch» bedeutet und was nicht belegt ist

Der Begriff ist der politisch auffälligste Teil der aktuellen Diskussion. Markwalder erklärte gegenüber SRF, es bestehe die Gefahr, dass der Verwaltung der Zugang zu eigenen Daten gesperrt werden könne, sei es aus technischen oder politischen Gründen. Für eine Verwaltung sei ein solches potenzielles Druckmittel nicht akzeptabel. Eine wichtige Unterscheidung ist dabei nötig: Es gibt in den aktuell vorliegenden Unterlagen keinen Beleg dafür, dass Microsoft der Schweiz mit einer Abschaltung gedroht hat. Ebenso gibt es keinen veröffentlichten Hinweis auf einen speziell für die Schweiz eingerichteten technischen «Kill Switch». Gemeint ist vielmehr ein Abhängigkeitsrisiko. Wer einen zentralen Cloud-Dienst eines externen Unternehmens nutzt, kontrolliert nicht sämtliche technischen, vertraglichen und politischen Rahmenbedingungen selbst. Genau für diesen Fall will die Bundesverwaltung eine belastbare zweite Option besitzen.

«Das primäre Ziel ist es, eine echte Ausweichlösung zu schaffen und damit unsere Abhängigkeit zu reduzieren.» (Daniel Markwalder, SRF, 6. September 2026)

Das erklärt auch, weshalb der Bund trotz erfolgreichem Microsoft-365-Rollout fast gleichzeitig Millionen in eine alternative Plattform investiert. Digitale Souveränität der Schweiz wird dabei nicht als vollständige technologische Autarkie verstanden, sondern als Fähigkeit, zwischen real funktionierenden Alternativen wählen zu können.

Warum eine vollständige Ablösung von Microsoft schwierig wäre

Die Office-Oberfläche ist nur ein Teil des Problems. Laut Markwalder verwendet die Bundesverwaltung Tausende verschiedene Fachanwendungen, die teilweise eng mit der Microsoft-Welt verbunden sind. Genau diese Schnittstellen bezeichnet er als grösste Herausforderung einer möglichen Migration. Auch die Bundeskanzlei nennt zahlreiche Applikationen und Fachanwendungen, die eng mit der Microsoft-Architektur verknüpft sind. Ein vollständiger Wechsel würde deshalb weit mehr verlangen als die Installation eines alternativen Textprogramms. Sicherheitsprüfungen, Plattformanpassungen, Datenmigrationen, neue Schnittstellen und zusätzliches Know-how wären notwendig.

Ein typischer Verwaltungsprozess kann beispielsweise aus einer Fachanwendung Daten übernehmen, daraus automatisch ein Office-Dokument erstellen, dieses in einem bestimmten Dateiformat weitergeben und gleichzeitig Berechtigungen aus dem bestehenden Identitätssystem verwenden. Funktioniert nur ein Teil dieser Kette nicht, entsteht für den produktiven Betrieb ein Problem. Hinzu kommt der Faktor Gewohnheit. Markwalder verweist darauf, dass selbst andere Tastenkombinationen im Alltag Widerstand auslösen können. Bei 54’000 Arbeitsplätzen bedeutet ein Systemwechsel deshalb auch Schulungen, Support, Prozessänderungen und eine längere Übergangsphase.

Die technische Ausgangslage lässt sich deshalb so zusammenfassen:

FrageStand im September 2026
Funktionieren zentrale Open-Source-Office-Prozesse?Grundsätzlich ja
Wurde ein Praxistest durchgeführt?Ja, mit 172 Personen
Ist die Lösung für alle Bundesarbeitsplätze bereit?Nein
Startet ein grösserer Produktivtest?Ja, für rund 3000 Mitarbeitende
Wann soll er verfügbar sein?Ab Ende 2027
Sind alle Fachanwendungen kompatibel?Nein, dies bleibt eine zentrale Hürde
Ist der komplette Microsoft-Ausstieg beschlossen?Nein
Wird ein Microsoft-365-Exit geprüft?Ja

Die schwierigsten 20 Prozent einer Migration können entscheidender sein als die ersten 80 Prozent, weil dort spezialisierte Anwendungen und gewachsene Schnittstellen liegen.

Warum Schleswig-Holstein für Bern wichtig ist

Als Referenz dient dem Bund Schleswig-Holstein. Die deutsche Landesverwaltung hat den Open-Source-Umbau wesentlich weiter vorangetrieben und steht mit Schweizer Stellen im direkten Austausch. Bereits im Mai 2026 besuchte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter die Schweiz und sprach bei der Fachkonferenz Transform in Bern über den Ansatz seines Bundeslandes. Markwalder sagte gegenüber SRF, Schleswig-Holstein sei bereits zu rund 80 Prozent unabhängig und die Schweiz wolle von dessen Erfahrungen lernen. Entscheidend sei aber, ob ein vollständiger Ersatz tatsächlich nötig werde oder bereits eine funktionsfähige Alternative für den Notfall genügend Souveränität schaffe. Die Ausgangslagen sind nicht identisch. Die Schweizer Bundesverwaltung verfügt über eigene Fachverfahren, Sicherheitsanforderungen, Departementsstrukturen und internationale Vertretungen. Ein in Deutschland funktionierender Migrationspfad lässt sich deshalb nicht eins zu eins übernehmen.

Für Bern ist Schleswig-Holstein dennoch relevant, weil dort dieselben praktischen Fragen auftreten: Welche Microsoft-Abhängigkeiten bleiben nach einer Office-Migration bestehen? Welche Anwendungen müssen ersetzt werden? Wie viel kostet der parallele Betrieb? Und welche Funktionen müssen zwingend identisch verfügbar sein? Der Austausch mit Schleswig-Holstein und ZenDiS ist inzwischen Teil der BOSS-Arbeit. Die Bundeskanzlei nennt diese Zusammenarbeit ausdrücklich als Quelle für technische Erfahrungen und erprobte Lösungsansätze.

Wie realistisch ein kompletter Microsoft-Ausstieg jetzt ist

Ein vollständiger Microsoft-Ausstieg der Bundesverwaltung ist am 6. September 2026 weder beschlossen noch terminiert. Die offizielle Linie lautet, dass die souveräne Plattform parallel zu Microsoft 365 aufgebaut wird und ein möglicher vollständiger Ersatz erst im weiteren Verlauf geprüft werden soll.

Markwalder nennt allerdings einen konkreteren Entscheidungsrahmen. Die Bundesverwaltung wolle im kommenden Jahr damit beginnen, die 3000 Arbeitsplätze auszurüsten und anschliessend praktische Erfahrungen sammeln. Spätestens nach zwei Jahren solle beurteilt werden, ob ein kompletter Ersatz realistisch ist. Je nach finanzieller Tragweite müsste auch der Bundesrat einbezogen werden.

Das bedeutet für den Zeitplan:

  • 2025: Microsoft-365-Rollout auf rund 54’000 Arbeitsplätzen abgeschlossen;
  • 2025/2026: BOSS-Machbarkeitsstudie und Praxistest mit 172 Personen;
    1. September 2026: Bundeskanzlei kündigt das Folgeprogramm an;
  • ab Ende 2027: souveräner Arbeitsplatz für rund 3000 Mitarbeitende vorgesehen;
  • danach: Erfahrungen mit Betrieb, Fachanwendungen, Kosten und Nutzerakzeptanz;
  • spätestens nach der von Markwalder genannten zweijährigen Erfahrungsphase: Einschätzung, ob ein vollständiger Ersatz realistisch ist.

Die Bundeskanzlei beschreibt das neue Programm ausdrücklich als Instrument, das der Verwaltung zusätzliche Handlungsoptionen geben soll. Ein erfolgreicher Test wäre deshalb bereits dann politisch relevant, wenn Microsoft 365 weiter das Hauptsystem bliebe.

Was bei Microsoft und Open Source in der Schweiz jetzt wichtig ist

Microsoft Schweiz: Der Bund testet Open Source für 3000 Mitarbeitende. Was hinter dem Risiko der Microsoft-Cloud steckt, was 9 Millionen Franken kosten und wann über einen Ausstieg entschieden wird.

Warum baut der Bund eine Alternative auf, obwohl Microsoft 365 erst 2025 eingeführt wurde?

Microsoft 365 bleibt das produktive Standardsystem. Die Open-Source-Plattform erfüllt eine andere strategische Funktion: Sie soll Abhängigkeiten reduzieren, sensible Arbeitsprozesse unterstützen und bei einem möglichen Ausfall eine alternative Arbeitsumgebung bereitstellen. Der Bund verfolgt beide Linien parallel.

Sind Schweizer Bundesdaten heute ungeschützt in der Microsoft-Cloud?

Nein. Besonders schützenswerte Daten und vertrauliche Dokumente dürfen laut Bund nicht in der Microsoft-Cloud gespeichert werden. Entsprechend gekennzeichnete Dateien verbleiben lokal in den Rechenzentren des Bundes.

Hat Microsoft mit einer Abschaltung der Schweiz gedroht?

Dafür gibt es in den vorliegenden aktuellen Quellen keinen Beleg. Der von Daniel Markwalder genannte «Kill Switch» beschreibt ein mögliches Abhängigkeits- und Zugriffsszenario aus technischen oder politischen Gründen, keine bestätigte Drohung Microsofts.

Wie viele Personen haben die Alternative bereits getestet?

172 Testpersonen aus mehreren Departementen nahmen am User-Acceptance-Test der Browserlösung teil. Besonders positiv schnitten Dokumentbearbeitung, Dateiablage, Kollaboration, E-Mail und Kalender ab.

Warum werden nun gerade 3000 Arbeitsplätze vorgesehen?

Die nächste Phase soll wesentlich näher am produktiven Betrieb liegen. Ausgewählt werden Mitarbeitende verschiedener Departemente und der Bundeskanzlei, die in besonders kritischen Geschäftsprozessen arbeiten. Damit kann der Bund prüfen, ob die Plattform im Ernstfall tatsächlich tragfähig wäre.

Was kosten die 3000 Open-Source-Arbeitsplätze?

Für die erste Phase rechnet die Bundeskanzlei mit ungefähr 9 Millionen Franken. Darin liegt noch keine vollständige Kostenrechnung für eine Migration der gesamten Bundesverwaltung; diese soll erst auf Grundlage der praktischen Erfahrungen erstellt werden.

Wird die Schweiz Microsoft vollständig ersetzen?

Noch gibt es keinen solchen Entscheid. Der Bund prüft ausdrücklich eine Exit-Strategie für Microsoft 365, baut aber zunächst eine parallele Plattform auf. Nach den Angaben Markwalders soll spätestens nach einer rund zweijährigen Erfahrungsphase beurteilt werden, ob ein kompletter Ersatz realistisch ist.

Was ist die wichtigste neue Entwicklung vom 6. September?

Neu im öffentlichen Fokus steht vor allem, wie deutlich der zuständige Bundesvertreter das Abhängigkeitsrisiko beschreibt. Markwalder spricht ausdrücklich von möglichen technischen oder politischen Zugriffsbeschränkungen und einem «Kill Switch». Die konkrete staatliche Antwort darauf ist bereits definiert: 3000 produktionsnahe Open-Source-Arbeitsplätze ab Ende 2027, rund 9 Millionen Franken für die erste Phase und eine spätere Entscheidung darüber, wie weit die Open-Source-Strategie des Bundes tatsächlich gehen kann.

Verwendete Materialien: SRF News «Microsoft verlagert Daten in die Cloud. Das ist ein Problem» vom 6. September 2026, Bundeskanzlei «Bundeskanzlei lanciert Programm für einen digital souveränen Arbeitsplatz» vom 2. September 2026, Bundeskanzlei «Machbarkeitsstudie PoC BOSS», EDÖB «Einführung von Microsoft 365 bei der Bundesverwaltung ist abgeschlossen», Landesregierung Schleswig-Holstein «Minister Schrödter zu Gast in der Schweiz bei Kanzler Viktor Rossi und der Fachkonferenz Transform 2026».

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