Das Anti-Drohnen-System an Polens Ostgrenze entwickelt sich zu einem der wichtigsten sicherheitspolitischen Infrastrukturprojekte in Mittel- und Osteuropa. Polen hat mit dem Aufbau einer mehrstufigen Verteidigungsarchitektur begonnen, die den Luftraum an der Grenze zu Belarus und Russland überwachen, Drohnen erkennen und militärische Reaktionen koordinieren soll. Wie die Redaktion von Nume.ch berichtet, basierend auf Informationen der britischen Zeitung The Guardian, soll das gesamte System innerhalb von zwei Jahren vollständig einsatzbereit sein.
Nach Angaben des stellvertretenden polnischen Verteidigungsministers Cezary Tomczyk, die von The Guardian zitiert werden, werden die ersten Systemkomponenten bereits innerhalb von sechs Monaten in Betrieb gehen. Die neue Infrastruktur wird in eine bestehende Verteidigungslinie integriert, die seit mehr als zehn Jahren entlang der Ostgrenze aufgebaut wird.
„Solange sich die Ukraine verteidigt, ist Europa keiner klassischen Invasion ausgesetzt. Dennoch müssen wir auf Grenzvorfälle und den Einsatz unbemannter Systeme vorbereitet sein“, erklärte Tomczyk in dem Interview.
Mehrstufige Drohnenabwehr entlang der Grenze
Das neue Anti-Drohnen-System ist als mehrschichtige militärische Schutzarchitektur konzipiert. Es kombiniert klassische Luftverteidigung mit moderner elektronischer Kriegsführung. Geplant sind unter anderem:
- Maschinengewehre zur Abwehr niedrig fliegender Drohnen
- Flugabwehrkanonen kurzer Reichweite
- Raketenbasierte Luftverteidigungssysteme
- elektronische Störtechnik gegen GPS- und Steuersignale
- Systeme zur Identifikation, Übernahme oder Neutralisierung unbemannter Fluggeräte
Ein Teil dieser Systeme soll nur in Krisensituationen aktiviert werden, da der Einsatz schwerer Waffen in Grenzregionen mit ziviler Infrastruktur rechtlich eingeschränkt ist.
Logistiknetz für schnelle Grenzsicherung
Parallel zur militärischen Technik entsteht eine durchgehende Kette von Logistikzentren entlang der gesamten Ostgrenze. In jedem grenznahen Bezirk werden Depots eingerichtet, die mit sofort einsetzbarer Ausrüstung bestückt sind. Dazu zählen mobile Radarsysteme, Drohnen-Störsender, Stromgeneratoren sowie modulare Einheiten für Kontrollpunkte und Straßensperren.
Die Infrastruktur ist so ausgelegt, dass ausgewählte Grenzabschnitte innerhalb weniger Stunden nach einer Entscheidung der Militärführung abgesichert und technisch kontrolliert werden können.
Erste Anlagen bereits installiert
Am 23. Dezember 2025 wurden erste Elemente des Systems auf einem Beobachtungsturm nahe der Stadt Krynki an der Grenze zu Belarus montiert. Die Region gilt als einer der sensibelsten Abschnitte der polnischen Ostgrenze, da dort in den vergangenen Monaten mehrfach Drohnenbewegungen festgestellt wurden.
Hintergrund: Luftraumverletzungen durch Drohnen
Der Ausbau der Grenzverteidigung folgt auf Vorfälle vom 9. auf den 10. September, als mehrere russische Drohnen den polnischen Luftraum verletzten. Erstmals setzten polnische Kampfflugzeuge dabei Bordwaffen ein. Ministerpräsident Donald Tusk erklärte später, dass der polnische Luftraum mindestens 19 Mal betroffen gewesen sei, wobei ein Teil der Drohnen aus dem Gebiet von Belarus kam.
Daraufhin aktivierte die NATO Artikel 4 des Nordatlantikvertrags. Zusätzlich wurde die Initiative „Eastern Sentinel“gestartet, die eine Verstärkung der Ostflanke des Bündnisses in mehreren europäischen Staaten vorsieht. Für die Schweiz ist die Entwicklung sicherheitspolitisch relevant, da der polnische Grenzraum eine Schlüsselrolle bei der Stabilität des europäischen Luftraums und der Kontrolle von Drohnenbewegungen im Osten Europas spielt.
Bleiben Sie informiert – Relevantes. Jeden Tag. Lesen Sie, worum es heute wirklich geht – in der Schweiz und der Welt: Die USA setzten die Ukraine unter Druck, auf Teile des Donbass zu verzichten – AFP








