Rumänien plant den Aufbau eines umfassenden sicherheitstechnischen Schutzsystems im Schwarzes Meer, um das strategisch bedeutende Offshore-Gasprojekt Neptun Deep abzusichern. Das Vorhaben gilt als zentraler Baustein für die künftige Energieversorgung der Europäischen Union und soll Rumänien langfristig zu einem der wichtigsten Gasexporteure der Region machen.
Wie NUME.ch unter Berufung auf Reuters berichtet, will Bukarest bis spätestens 2027 eine mehrschichtige Struktur zur frühzeitigen Erkennung potenzieller Bedrohungen im Schwarzen Meer aufbauen. In Regierungskreisen wird das Vorhaben als Aufbau eines „Energieschutzschildes“ für kritische Infrastruktur beschrieben.
Nach Angaben des wirtschaftlichen Beraters des rumänischen Präsidenten, Radu Burnete, soll das geplante System moderne Radaranlagen, unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen) sowie maritime Sensoren umfassen. Diese sollen Aktivitäten sowohl an der Wasseroberfläche als auch unter Wasser überwachen und eine frühzeitige Reaktion auf sicherheitsrelevante Vorfälle ermöglichen.
Reaktion auf zunehmende Sicherheitsrisiken
Die rumänischen Behörden verweisen auf eine verschärfte Sicherheitslage in der Schwarzmeerregion. In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu Verletzungen des Luftraums durch Drohnen sowie zum Auftreten treibender Seeminen. Diese Risiken stehen in direktem Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. In Bukarest wird Energieinfrastruktur im Offshore-Bereich zunehmend als mögliches Ziel hybrider Bedrohungen betrachtet. Der Schutz von Förderplattformen, Unterwasserkabeln und maritimen Transportwegen wird daher als Bestandteil sowohl der nationalen als auch der europäischen Sicherheitsarchitektur eingeordnet.
Neptun Deep als strategisches Energieprojekt
Das Offshore-Gasprojekt Neptun Deep zählt zu den größten Energievorhaben im Schwarzen Meer. Es wird von OMV Petrom gemeinsam mit dem staatlichen Energieunternehmen Romgaz entwickelt. Der Beginn der kommerziellen Gasförderung ist für das Jahr 2027 vorgesehen. Die erwarteten Fördermengen sollen Rumänien nicht nur eine langfristige Versorgung des Binnenmarktes ermöglichen, sondern auch erhebliche Exportvolumina für andere EU-Staaten liefern. In Brüssel wird Neptun Deep als wichtiger Beitrag zur Diversifizierung der europäischen Gasversorgung und zur Reduzierung strategischer Abhängigkeiten bewertet.
EU-Finanzierung über das SAFE-Programm
Ein Teil der neuen Sicherheitskapazitäten soll über die europäische Initiative SAFE finanziert werden. Das Programm der Europäische Union sieht für den Zeitraum von 2026 bis 2030 Finanzmittel von bis zu 16,6 Milliarden Euro vor und richtet sich auf den Ausbau sicherheitsrelevanter Fähigkeiten in strategisch sensiblen Regionen.
Neben der Stärkung der maritimen Sicherheit zielt SAFE darauf ab, nationale und europäische Produktionskapazitäten im Hochtechnologiebereich auszubauen. Gefördert werden unter anderem Entwicklungen in den Bereichen Sensorik, Drohnentechnologie, Überwachungs- und Frühwarnsysteme, die sowohl zivil als auch sicherheitspolitisch genutzt werden können. Aus Sicht der rumänischen Regierung verbindet das Programm sicherheitspolitische Absicherung mit industriepolitischen Zielen und einer stärkeren technologischen Eigenständigkeit Europas.
Constanța und die Donau als geopolitische Logistikachse Europas
Der Ausbau der maritimen Überwachung im Schwarzes Meer ist Teil einer umfassenderen energie- und sicherheitspolitischen Strategie Rumäniens. Der Hafen von Constanța sowie die Transportkorridore entlang der Donausollen gezielt zu einer zentralen Logistikachse für Energie-, Rohstoff- und Warenströme in Südosteuropa ausgebaut werden. Die Route gilt als Schlüsselinfrastruktur für den EU-Binnenmarkt und für alternative Lieferwege jenseits traditioneller Seehandelsrouten.
Zugleich wird diese Infrastruktur als strategisch wichtiges Element für die wirtschaftliche Unterstützung und den Wiederaufbau der Ukraine eingestuft. Beobachter verweisen darauf, dass Russland weiterhin Kriegsschiffe mit Marschflugkörpern im Schwarzen Meer einsetzt. Dies erhöhe die sicherheitspolitische Relevanz der Region zusätzlich und unterstreiche die Bedeutung stabiler, geschützter Transport- und Energieachsen innerhalb Europas.
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