Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben einen neuen, auf drei Jahre angelegten Sicherheitsvertrag mit dem privaten Sicherheitsunternehmen Securitas abgeschlossen. Der Auftrag hat ein Volumen von über 20 Millionen Euro und gilt landesweit für Bahnhöfe und Züge in der Schweiz. Der Vertrag wurde nach einem öffentlichen Vergabeverfahren vergeben und tritt im Frühjahr 2026 in Kraft, wenn der bisherige Auftrag ausläuft. Betroffen sind Reisende, Bahnpersonal und externe Sicherheitsdienste. Ziel ist eine verstärkte präventive Präsenz angesichts zunehmender Gewalt- und Vandalismusvorfälle im Bahnverkehr. Die Sicherheitsleistungen werden ergänzt durch die Transportpolizei der SBB und die Tochtergesellschaft Transsicura. Die Entscheidung hat Auswirkungen auf Organisation, Kostenstruktur und Sicherheitskonzepte im öffentlichen Verkehr. Dies berichtet die Redaktion von NUME.ch unter Berufung auf Blick.
Hintergrund des Sicherheitsvertrags zwischen SBB und Securitas
Die SBB haben bestätigt, dass der neue Vertrag mit Securitas eine Laufzeit von drei Jahren umfasst und Dienstleistungen im Bereich Objektschutz, Zugbegleitung und Prävention beinhaltet. Nach Angaben der SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg handelt es sich um einen Betrag im „mittleren zweistelligen Millionenbereich“. Umgerechnet entspricht dies einer Summe von mehr als 20 Millionen Euro. Der Auftrag deckt das gesamte Streckennetz der SBB ab und betrifft sowohl große Verkehrsknotenpunkte wie Zürich HB, Bern und Genf als auch regionale Bahnhöfe.
Der bisherige Vertrag endet im Frühjahr 2026. Daher war eine erneute Ausschreibung erforderlich. Diese erfolgte über die öffentliche Beschaffungsplattform Simap, die für staatliche und staatsnahe Institutionen in der Schweiz verbindlich ist. Laut den veröffentlichten Vergabeunterlagen erhielt Securitas in mehreren qualitativen Kriterien die höchste Bewertung.

Öffentliche Ausschreibung und Vergabeverfahren über Simap
Die SBB sind als bundesnahes Unternehmen verpflichtet, größere Aufträge öffentlich auszuschreiben. Das Vergabeverfahren für die Sicherheitsdienstleistungen wurde gemäß den Regeln des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen durchgeführt. Auf der Plattform Simap wurde der Auftrag mit detaillierten Anforderungen veröffentlicht, darunter Personalqualifikation, regionale Verfügbarkeit, Reaktionszeiten und Koordinationsfähigkeit.
Entscheidend für den Zuschlag waren laut SBB nicht nur der Preis, sondern auch qualitative Kriterien. Dazu zählten Erfahrung im öffentlichen Verkehr, bestehende Infrastruktur sowie Schulungskonzepte für Deeskalation und Prävention. Securitas konnte nach Angaben der SBB in allen relevanten Kategorien hohe Punktzahlen erzielen.
Aufgaben von Securitas im Bahnverkehr
Securitas wird im Rahmen des neuen Vertrags vor allem präventive Sicherheitsaufgaben übernehmen. Dazu gehört eine sichtbare Präsenz von uniformierten Mitarbeitenden auf Bahnsteigen, in Bahnhofsgebäuden und in Zügen. Ziel ist es, durch Anwesenheit Eskalationen zu verhindern und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu erhöhen.
Zusätzlich betreibt Securitas ein Einsatz- und Koordinationszentrum im Raum Zürich. Von dort aus werden mobile Patrouillen gesteuert und Einsätze bei Zwischenfällen koordiniert. Die Mitarbeitenden sind für Beobachtung, Meldung und erste Intervention zuständig, verfügen jedoch nicht über polizeiliche Befugnisse.
Zusammenspiel mit Transportpolizei und Transsicura
Die Sicherheitsstruktur der SBB basiert auf mehreren Akteuren. Neben Securitas sind die Transportpolizei der SBB sowie die Tochtergesellschaft Transsicura im Einsatz. Die Transportpolizei zählt rund 200 Mitarbeitende und ist befugt, polizeiliche Maßnahmen zu ergreifen. Sie ist mit Dienstwaffen, Pfefferspray und Schlagstöcken ausgestattet und wird bei eskalierenden Situationen hinzugezogen.
Transsicura übernimmt vor allem Kontroll- und Begleitaufgaben, etwa bei Ticketkontrollen oder bei Großveranstaltungen. Laut SBB handelt es sich bei der Sicherheit im Bahnverkehr um eine „gemeinsame Aufgabe“, bei der klare Zuständigkeiten und abgestimmte Abläufe entscheidend sind.
Gründe für den verstärkten Sicherheitsbedarf bei SBB
In den vergangenen Jahren kam es an Schweizer Bahnhöfen und in Zügen vermehrt zu Vorfällen wie Vandalismus, Sachbeschädigung und Übergriffen auf Personal. Gewerkschaften des Bahnpersonals haben wiederholt auf eine steigende Zahl von Angriffen hingewiesen. Auch Fahrgäste sind betroffen, etwa durch aggressive Gruppen, alkoholisierte Personen oder gewalttätige Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen.
Die SBB sehen sich daher unter Druck, Maßnahmen zur Prävention und schnellen Intervention auszubauen. Der neue Vertrag mit Securitas ist Teil dieser Strategie und soll bestehende Sicherheitskonzepte stabilisieren.
Laufzeit, Kosten und regionale Abdeckung des Vertrags
Der Vertrag gilt für die Jahre 2026 bis 2029. Die Sicherheitsleistungen werden in allen Regionen der Schweiz erbracht, unabhängig von Kantonsgrenzen. Die Kosten werden aus dem laufenden Budget der SBB für Sicherheit und Infrastruktur finanziert.
Nach Angaben der SBB sind keine zusätzlichen Ticketpreisaufschläge speziell aufgrund dieses Vertrags vorgesehen. Die Ausgaben werden als Teil der laufenden Betriebskosten eingeordnet. Eine genaue Aufschlüsselung der jährlichen Kosten wurde nicht veröffentlicht.
Strukturierter Überblick: Sicherheitsakteure im Bahnverkehr
Akteur: Securitas
Aufgaben: Präventive Präsenz, Patrouillen, Koordination
Befugnisse: Keine polizeilichen Maßnahmen
Akteur: Transportpolizei SBB
Aufgaben: Eingreifen bei Eskalationen, Strafverfolgung
Befugnisse: Polizeiliche Befugnisse, Bewaffnung
Akteur: Transsicura
Aufgaben: Kontrollen, Begleitdienste
Befugnisse: Eingeschränkt, keine Polizei
Dieser Überblick zeigt, wie die Sicherheitsaufgaben verteilt sind und welche Rolle der neue Vertrag spielt.
Was Reisende und Mitarbeitende konkret tun können
Reisende werden angehalten, Vorfälle über die offiziellen Kanäle der SBB zu melden. Dazu zählen die SBB-App, der Kundenservice sowie Notrufeinrichtungen in Zügen und auf Bahnsteigen. Mitarbeitende erhalten interne Schulungen und klare Eskalationswege, um bei Zwischenfällen die Transportpolizei einzubinden.
Informationen zu Sicherheitsmaßnahmen und Zuständigkeiten sind auf der offiziellen Website der SBB abrufbar. Auch über Simap können Bürgerinnen und Bürger die Vergabe öffentlicher Aufträge nachvollziehen und überprüfen.
Bedeutung des Vertrags für den Alltag im öffentlichen Verkehr
Mit dem neuen Vertrag setzen die SBB auf Kontinuität und eine bewährte Zusammenarbeit. Für Reisende bedeutet dies eine weiterhin sichtbare Präsenz von Sicherheitskräften, insbesondere in stark frequentierten Bereichen. Für das Bahnpersonal soll die Maßnahme eine Entlastung darstellen, da präventive Präsenz Konflikte frühzeitig entschärfen soll. Der Vertrag ist Teil einer langfristigen Sicherheitsstrategie, die den aktuellen Herausforderungen im öffentlichen Verkehr Rechnung trägt, ohne bestehende Strukturen grundlegend zu verändern.
Bleiben Sie informiert – Relevantes. Jeden Tag. Lesen Sie, worum es heute wirklich geht – in der Schweiz und der Welt: Hunderte demonstrieren in Zürich für Rojava: Protest gegen Syriens Übergangsregierung al-Sharaa
