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Bei der Westschweizer Tageszeitung «24 Heures» hat sich ein Sexismus-Skandal zu einem Fall mit personellen Konsequenzen und externen Untersuchungen entwickelt. Der Verlag Tamedia hat zwei Kadermänner freigestellt, nachdem Anfang 2026 intern zwei Fälle gemeldet worden waren, die nach Angaben des Unternehmens Hinweise auf mögliche Verstösse gegen den Verhaltenskodex enthielten. Im Zentrum stehen Vorwürfe gegen Führungskräfte, darunter die Schilderung einer Journalistin, sie sei nach einer Weihnachtsfeier gegen ihren Willen geküsst und an der Brust berührt worden. Ein weiterer Kadermann, der im Januar 2026 zum neuen Chefredaktor ernannt werden sollte, wurde nach internen Protesten nicht befördert. NUME.CH berichtet darüber unter Berufung auf die am 23. August 2026 veröffentlichte Recherche des «SonntagsBlick».

Die Vorwürfe reichen laut der Recherche über mehrere Jahre zurück. Genannt werden eine Weihnachtsfeier um 2018, eine mutmassliche Beziehung zwischen einer Führungskraft und einer Mitarbeiterin um 2023, erneute Beschwerden nach der Weihnachtsfeier 2025 sowie Vorgänge im Frühjahr 2026. Tamedia bestätigt nicht sämtliche öffentlich geschilderten Einzelheiten, bestätigt aber zwei Meldungen, die Freistellung der beschuldigten Mitarbeiter und die Einsetzung externer Untersuchungen. Beide betroffenen Männer äusserten sich gegenüber «Blick» nicht; für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Entscheidend ist die Trennung zwischen den öffentlich erhobenen Vorwürfen und den Punkten, die Tamedia selbst bestätigt hat.

Was bei «24 Heures» passiert sein soll

Der früheste öffentlich bekannte Vorwurf betrifft nach Angaben des «SonntagsBlick» eine Weihnachtsfeier von 24 Heures um das Jahr 2018. Nach dem offiziellen Teil soll eine Gruppe in einer Lausanner Disco weitergefeiert haben. Dort soll sich einer der Kadermänner einer jungen Journalistin körperlich genähert haben. Die Frau erklärte gegenüber «Blick», der Mann habe sie plötzlich auf den Mund geküsst und später an die Brüste gegriffen. Ein Praktikant habe eingegriffen und die Führungskraft aufgefordert, nach Hause zu gehen.

Die Journalistin schilderte zudem, der Kadermann habe den Vorfall einige Tage später am Arbeitsplatz nicht als Fehlverhalten behandelt, sondern sinngemäss als besonderen gemeinsamen Abend dargestellt. Eine Entschuldigung habe sie nicht erhalten. Der damalige Chefredaktor Claude Ansermoz erklärte, er habe damals keine Kenntnis von diesem Vorgang gehabt.

«Hätte ich davon gewusst, hätte ich etwas dagegen unternommen.» (Claude Ansermoz gegenüber «Blick», 23. August 2026)

Eine offizielle Meldung des damaligen Vorfalls gab es laut der Recherche zunächst nicht. Damit ist ein zentraler Punkt des Falls verbunden: Zwischen dem geschilderten Ereignis und seiner formellen Behandlung durch das Unternehmen liegen mehrere Jahre. Aus der bisher veröffentlichten Darstellung lässt sich nicht ableiten, welche Personen zu welchem Zeitpunkt informell davon wussten oder welche Informationen innerhalb der Redaktion weitergegeben wurden.

Um 2023 soll ein zweiter Kadermann eine Beziehung beziehungsweise Affäre mit einer jungen Mitarbeiterin gehabt haben. Claude Ansermoz sagte gegenüber «Blick», er sei eingeschritten, nachdem er davon erfahren habe. Der betreffende Mann sollte später nach Recherchen des «SonntagsBlick» eine wesentlich bedeutendere Funktion übernehmen: Tamedia plante, ihn Anfang 2026 zum neuen Chefredaktor der Lausanner Tageszeitung zu ernennen.

Die Recherche beschreibt ausserdem Vorwürfe hinsichtlich des Führungsverhaltens dieses Kadermanns. Mehrere Journalisten sollen ihm abwertende Kommunikation und mangelnde Kontrolle über seine Emotionen vorgeworfen haben. Ansermoz erklärte dazu, er selbst habe keine entsprechende formelle Beschwerde erhalten. Diese Aussagen sind von den Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens zu unterscheiden und bislang nicht Gegenstand öffentlich zugänglicher Untersuchungsergebnisse.

  • Um 2018: Eine Journalistin berichtet von einem unerwünschten Kuss und einer Berührung an der Brust nach einer Weihnachtsfeier.
  • Um 2023: Ein Kadermann soll eine Beziehung mit einer jungen Mitarbeiterin gehabt haben.
  • Ende 2025: Bei einer weiteren Weihnachtsfeier soll unangemessenes Verhalten gegenüber jungen Frauen vorgekommen sein.
  • Januar 2026: Die geplante Ernennung eines Kadermanns zum Chefredaktor löst interne Proteste aus.
  • Frühjahr 2026: Weitere Vorgänge werden intern untersucht; ein zweiter Kadermann wird freigestellt.
  • August 2026: Die externen Untersuchungen laufen laut Tamedia weiter und stehen nach Angaben des Unternehmens vor dem Abschluss.

Warum Tamedia die Ernennung zum Chefredaktor stoppte

Für den 27. Januar 2026 plante Tamedia laut «Blick», einen neuen Chefredaktor von «24 Heures» bekannt zu geben. Der bisherige Chefredaktor hatte sein Büro dem Bericht zufolge bereits geräumt und sollte die Leitung abgeben. Die Ernennung fand jedoch nicht statt. Stattdessen wurde der vorgesehene Kandidat freigestellt, und die bisherige Führung musste vorübergehend länger im Amt bleiben.

Auslöser war dem Bericht zufolge deutlicher Widerstand innerhalb des Unternehmens. Die Personalkommission und der Berufsverband Impressum schalteten sich ein. Zusätzlich soll die Lausanner Belegschaft einen Brief an die Tamedia-Zentrale in Zürich geschickt haben. Fabienne Sennhauser, Co-Präsidentin der Personalkommission, bestätigte gegenüber «Blick», dass eine vollständige Klärung verlangt worden sei und Konsequenzen für den Fall einer Bestätigung der Ernennung thematisiert worden seien.

Damit erreichte der Fall die oberste Unternehmensleitung. CEO Jessica Peppel-Schulz stoppte nach den vorliegenden Berichten die geplante Ernennung. Anschliessend wurde eine externe Untersuchung angeordnet. «Blick» nennt die Lausanner Kanzlei PG Avocats als mit der Prüfung beauftragte Stelle. Tamedia selbst bestätigt, externe Kanzleien beziehungsweise eine externe Kanzlei mit den Untersuchungen beauftragt zu haben.

Am 27. Februar 2026 wurde Virginie Lenk zur Chefredaktorin ad interim von «24 Heures» ernannt, wie «Blick» in seiner Chronologie des Falls berichtet. Die ursprünglich vorgesehene Personalentscheidung war damit zunächst vom Tisch. Öffentlich genannt wurde der freigestellte Kandidat in der Berichterstattung nicht.

ZeitpunktEntwicklungÖffentlich belegter Stand
Um 2018Vorfall nach WeihnachtsfeierAussage einer betroffenen Journalistin gegenüber «Blick»
Um 2023Angebliche Beziehung zwischen Kadermann und MitarbeiterinVon «Blick» unter Berufung auf Beteiligte berichtet
Weihnachtsfeier 2025Weitere Vorwürfe unangemessenen VerhaltensGegenstand der Medienrecherche
Januar 2026Geplante Ernennung eines neuen ChefredaktorsNach internen Protesten gestoppt
Anfang 2026Zwei Meldungen bei TamediaVom Unternehmen bestätigt
Anfang 2026Zwei Kadermänner freigestelltVom Unternehmen bestätigt
August 2026Externe UntersuchungenLaut Tamedia noch nicht abgeschlossen

Die Freistellungen sind keine Feststellung von Schuld, sondern arbeitsorganisatorische Massnahmen während der laufenden Abklärungen.

Welche Vorwürfe Tamedia offiziell bestätigt

Der zentrale Unterschied in der Berichterstattung liegt zwischen detaillierten Zeugenaussagen und der offiziellen Darstellung des Unternehmens. Tamedia bestätigt, dass Anfang 2026 über die dafür vorgesehene interne Meldemöglichkeit zwei Fälle eingegangen seien. Diese hätten Hinweise auf mögliche Verstösse gegen den Verhaltenskodex enthalten. Die publizierten Einzelvorwürfe werden in der Stellungnahme des Verlags jedoch nicht Punkt für Punkt bestätigt.

Nach Angaben von Tamedia nahm die publizistische Leitung beide Meldungen jeweils noch am gleichen Nachmittag auf und bezog CEO sowie HR ein. Am folgenden Vormittag habe eine interne Abstimmung unter Einbezug der Westschweizer Personalkommission stattgefunden. Die beschuldigten Mitarbeiter seien unmittelbar freigestellt worden und dürften bis auf Weiteres keinen Kontakt zu Tamedia-Mitarbeitenden haben. Noch am jeweiligen Arbeitstag sei die externe Untersuchung formell in Auftrag gegeben worden.

Die Betroffenen seien «unter Wahrung der Unschuldsvermutung» beurlaubt worden. (Tamedia-Stellungnahme gegenüber «Blick», 23. August 2026)

Tamedia erklärte weiter, die Untersuchungen dauerten noch an, stünden aber vor dem Abschluss. Das Unternehmen betont zugleich den Anspruch, sowohl Meldungen ernst zu nehmen als auch ein faires Verfahren für die beschuldigten Personen sicherzustellen. Dazu gehört nach der veröffentlichten Stellungnahme, dass diese Gelegenheit erhalten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Der «SonntagsBlick» verwendet in seiner Berichterstattung neben Sexismus ausdrücklich den Begriff sexualisierte Gewalt. Zusätzlich nennt die Recherche Vorwürfe im Zusammenhang mit Drogenkonsum. Zu einzelnen besonders schweren, im Artikel wiedergegebenen Aussagen liegen bislang keine veröffentlichten Ergebnisse der externen Untersuchung vor. Sie können deshalb nicht als festgestellte Tatsachen dargestellt werden.

Was im Frühjahr 2026 untersucht wird

Ein weiterer Komplex betrifft laut «Blick» einen privaten Abend im Frühjahr 2026, zu dem eine Journalistin von «24 Heures» eingeladen haben soll. Die Recherche berichtet von Alkoholkonsum und von Angaben, wonach einzelne Teilnehmer illegale Drogen konsumiert hätten. Was konkret geschehen ist, bleibt nach dem veröffentlichten Stand unklar. Auch die Beteiligten sollen wegen der laufenden Untersuchung zur Vertraulichkeit verpflichtet worden sein.

Im Umfeld dieses Abends werden zudem Aussagen über einen der später freigestellten Kadermänner wiedergegeben. Dabei handelt es sich um besonders schwere Vorwürfe, deren tatsächlicher Kontext und Wortlaut von der externen Untersuchung geklärt werden müssen. Eine journalistisch saubere Darstellung unterscheidet hier zwischen der Existenz einer gemeldeten beziehungsweise berichteten Aussage und dem Beweis, dass diese tatsächlich so gefallen ist.

Kurz nach diesem Zeitraum wurde laut «Blick» der zweite Kadermann freigestellt. Tamedia bestätigt zwei Freistellungen, nennt jedoch weder die Namen noch veröffentlicht das Unternehmen bislang die Ergebnisse der externen Abklärungen.

Warum der Fall für Tamedia besonders relevant ist

«24 Heures» ist nicht irgendein kleiner Titel innerhalb des Konzerns. Tamedia zählt die traditionsreiche Waadtländer Tageszeitung zu seinen zentralen Medienmarken. Im Rahmen der 2024 vorgestellten Digitalstrategie legte das Unternehmen fest, sein digitales Wachstum auf vier Kernmarken zu konzentrieren: «Tages-Anzeiger», «BZ Berner Zeitung», «Basler Zeitung» und «24 heures». Diese Stellung beschreibt Tamedia selbst in seiner offiziellen Unternehmensmitteilung zur Digitalstrategie.

Auch die Führungsstruktur in der Romandie wurde im Zuge dieser Strategie verändert. Tamedia hatte die Redaktionen von «24 Heures», «Tribune de Genève», «Le Matin Dimanche» und «Femina» organisatorisch enger zusammengeführt. Die personelle Besetzung der Leitung eines solchen Kernmediums betrifft damit nicht nur eine einzelne Redaktion, sondern eine grössere publizistische Struktur in der Westschweiz. Die entsprechenden organisatorischen Veränderungen dokumentiert Tamedia auf seiner Unternehmensseite zur Westschweizer Neuorganisation.

Hinzu kommt die eigene Positionierung des Verlags. In einer Kampagne für seine vier Kernmarken erklärte Tamedia Ende 2025, unabhängiger und ausgewogener Qualitätsjournalismus gehöre zum gemeinsamen Wertefundament der Titel. Die Behandlung interner Beschwerden gegen Führungskräfte steht deshalb unmittelbar im Verhältnis zu den Standards, die das Medienunternehmen öffentlich für seine Marken formuliert.

«Wir stehen für Ausgewogenheit, getragen von unabhängiger Recherche.» (Jessica Peppel-Schulz, Tamedia-Kampagne 2025)

Für die Beurteilung des aktuellen Falls ist diese Selbstdarstellung allerdings kein Beleg für oder gegen die erhobenen Vorwürfe. Massgeblich bleibt, was die beauftragten externen Untersuchungen zu den einzelnen Meldungen feststellen und welche arbeitsrechtlichen oder organisatorischen Konsequenzen Tamedia daraus zieht.

Bis zur Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse bleiben zentrale Fragen des Falls offen.

Was ist zum Sexismus-Skandal bei «24 Heures» konkret bekannt

Sexismus-Skandal bei «24 Heures»: Tamedia beurlaubt zwei Kadermänner nach schweren Vorwürfen. Was über die Fälle, interne Proteste, gestoppte Ernennung und externe Untersuchungen bislang bekannt ist.

Warum wurden zwei Kadermänner von «24 Heures» freigestellt?

Tamedia bestätigt, dass Anfang 2026 zwei Fälle über interne Meldewege eingegangen seien. Sie hätten Hinweise auf mögliche Verstösse gegen den Verhaltenskodex enthalten. Nach Angaben des Unternehmens wurden die beiden beschuldigten Mitarbeiter umgehend freigestellt und externe Untersuchungen beauftragt. Tamedia betont ausdrücklich die Unschuldsvermutung.

Was wirft die Journalistin einem Kadermann vor?

Die Journalistin sagte gegenüber «Blick», ein Kadermann habe sie nach einer Weihnachtsfeier um 2018 in einer Lausanner Disco plötzlich auf den Mund geküsst und später an der Brust berührt. Ein Praktikant habe interveniert. Die Frau erklärte zudem, der Mann habe sich später nicht entschuldigt. Der damalige Chefredaktor Claude Ansermoz sagte, er habe von diesem Vorfall damals nichts gewusst.

Warum wurde die Ernennung eines neuen Chefredaktors gestoppt?

Tamedia wollte nach der Recherche am 27. Januar 2026 einen Kadermann zum neuen Chefredaktor von «24 Heures» ernennen. Personalkommission und Berufsverband Impressum intervenierten, zudem soll es einen Protestbrief aus der Lausanner Redaktion gegeben haben. CEO Jessica Peppel-Schulz stoppte daraufhin die Personalentscheidung, und eine externe Untersuchung wurde eingeleitet.

Sind die Vorwürfe bereits bewiesen?

Nein. Öffentlich liegen am 23. August 2026 keine abgeschlossenen Untersuchungsergebnisse vor. Tamedia spricht von laufenden externen Untersuchungen und hält ausdrücklich an der Unschuldsvermutung fest. Die detaillierten Schilderungen stammen überwiegend aus Aussagen gegenüber dem «SonntagsBlick» beziehungsweise «Blick» und müssen von den bestätigten Unternehmensangaben getrennt betrachtet werden.

Wer sind die beiden freigestellten Kadermänner?

Ihre Namen wurden in der veröffentlichten Berichterstattung nicht genannt. Auch Tamedia identifiziert die beiden beschuldigten Mitarbeiter in seiner Stellungnahme nicht. Diese Zurückhaltung ist angesichts laufender Untersuchungen und der geltenden Unschuldsvermutung relevant.

Wer untersucht die Vorwürfe?

«Blick» berichtet, die Lausanner Kanzlei PG Avocats sei mit der externen Untersuchung beauftragt worden. Tamedia bestätigt die Beauftragung einer externen Kanzlei für beide gemeldeten Fälle und erklärte am 23. August 2026, die Untersuchungen stünden vor dem Abschluss. Öffentliche Schlussberichte oder abschliessende Befunde lagen zu diesem Zeitpunkt nicht vor.

Welche Konsequenzen sind bereits erfolgt?

Fest stehen bislang drei unmittelbare Schritte: Die geplante Ernennung zum Chefredaktor wurde gestoppt, zwei Kadermänner wurden freigestellt und externe Untersuchungen wurden eingeleitet. Ob daraus weitere personelle, arbeitsrechtliche oder organisatorische Massnahmen folgen, lässt sich erst anhand der Untersuchungsergebnisse beurteilen.

Der Fall bei «24 Heures» ist damit am 23. August 2026 nicht abgeschlossen. Gesichert sind die zwei von Tamedia bestätigten internen Meldungen, die Freistellung zweier Führungskräfte, die gestoppte Chefredaktoren-Ernennung und die laufenden externen Untersuchungen. Die schwerwiegenden Einzelvorwürfe bleiben bis zu einer unabhängigen Klärung Vorwürfe.

Verwendete Materialien: SonntagsBlick/Blick vom 23. August 2026, Watson vom 23. August 2026, offizielle Mitteilungen und Unternehmensinformationen von Tamedia.

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