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Am Samstag, 8. August, steht mit Sierre-Zinal 2026 eine der traditionsreichsten Berglaufveranstaltungen der Schweiz im Zentrum des internationalen Trailrunning-Sports: 6851 Läuferinnen und Läufer aus 86 Nationen nehmen die 31 Kilometer lange Strecke von Sierre nach Zinal in Angriff, auf der mehr als 2200 Höhenmeter im Aufstieg und rund 1100 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen sind. Die Touristen-Kategorien starteten bereits zwischen 4.45 und 6.15 Uhr, die Frauen-Elite um 10.30 Uhr und die Männer-Elite um 11 Uhr; erstmals erhielten die Elite-Frauen einen eigenen Start, während die Organisatoren wegen eines Autobahn-Bauprojekts zugleich den historischen Startbereich verlegen mussten. Über die wichtigsten Entwicklungen der 53. Austragung berichtet auch NUME.CH.

Stand gegen 11.30 Uhr ist die Entscheidung bei den Eliterennen noch offen. Titelverteidigerin Caroline Kimutai gehörte nach den ersten Kilometern zur Spitzengruppe der Frauen, während bei den Männern unter anderem der Schweizer Adrien Briffod im Fokus steht. Der Viertplatzierte von 2025 trifft auf ein stark besetztes internationales Feld, allerdings fehlen zwei der prominentesten Namen: Der zehnmalige Sieger und Streckenrekordhalter Kilian Jornet startet 2026 nicht, ebenso der Freiburger Rémi Bonnet. Bei hohen Temperaturen wird neben der reinen Geschwindigkeit auch die Belastungssteuerung eine wichtige Rolle spielen: Beim Start der Elite-Frauen wurden in Sierre bereits rund 25 Grad gemeldet.

Sierre-Zinal 2026: Was bisher bekannt ist

Die 53. Austragung bestätigt erneut die aussergewöhnliche Dimension der Walliser Veranstaltung. Nach Angaben aus dem laufenden Rennbetrieb stehen 6851 Teilnehmende aus 86 Nationen am Start. Das Feld bewegt sich auf einem Kurs, dessen sportliche Eckdaten seit Jahrzehnten den Charakter von Sierre-Zinal bestimmen: 31 Kilometer, mehr als 2200 Höhenmeter Aufstieg und eine technisch wie taktisch relevante Schlussphase in Richtung Zinal.

Der Veranstaltungstag ist dabei deutlich breiter angelegt als nur auf das Eliterennen. Die sogenannten «Touristes» verliessen Sierre bereits in mehreren Startblöcken am frühen Morgen. Juniorenteams starteten später über die Teilstrecke Chandolin–Zinal. Der erste Läufer aus der Kategorie «Touristes» hatte Zinal bereits kurz nach 8 Uhr erreicht, lange bevor die internationalen Spitzenathletinnen und -athleten überhaupt gestartet waren.

Die wichtigsten Daten des Tages:

PunktSierre-Zinal 2026
DatumSamstag, 8. August 2026
Austragung53. Ausgabe
Strecke31 km
Aufstiegrund 2200 Höhenmeter
Abstiegrund 1100 Höhenmeter
Teilnehmende6851
Nationen86
Elite FrauenStart 10.30 Uhr
Elite MännerStart ab 11 Uhr
TouristesStart zwischen 4.45 und 6.15 Uhr
ZielZinal im Val d'Anniviers

Die Dimension des Rennens geht inzwischen deutlich über einen klassischen regionalen Berglauf hinaus. Sierre-Zinal gehört zu den Golden Trail World Series und zum internationalen Umfeld der World Mountain Running Association. Für das Wallis besitzt das Rennen gleichzeitig einen starken lokalen Charakter: Gemäss den Organisatoren sorgen rund 720 Helferinnen und Helfer für den Betrieb, während entlang der Strecke regelmässig mehrere Zehntausend Zuschauer erwartet werden.

Eigener Frauenstart verändert Sierre-Zinal 2026

Eine der wichtigsten sportorganisatorischen Neuerungen betrifft 2026 das Frauenrennen. Erstmals wurde für die weibliche Elite ein eigener Start angesetzt. Um 10.30 Uhr begann ihr Rennen, eine halbe Stunde vor dem Start der Männer-Elite. Ziel der Änderung ist es nach Angaben der Veranstalter, die Leistungen der Frauen deutlicher sichtbar zu machen und eine klarere mediale Darstellung des Rennverlaufs zu ermöglichen.

Das ist bei Sierre-Zinal auch deshalb relevant, weil Frauen seit der frühen Geschichte der Veranstaltung eine bedeutende Rolle spielen. Bereits in der ersten Phase des Rennens in den 1970er-Jahren waren Läuferinnen Teil des sportlichen Konzepts. 2025 starteten nach Angaben des Veranstalters 2261 Frauen – rund ein Drittel des gesamten Teilnehmerfeldes.

Auch das Feld 2026 ist hochklassig. Sieben der zehn besten Frauen der Ausgabe 2025 sind erneut dabei. Zu den bekannten Namen gehören Titelverteidigerin Caroline Kimutai, die Schweizerinnen Maude Mathys, Judith Wyder und Oria Liaci sowie internationale Spitzenläuferinnen wie Madalina Florea, Laura Hottenrott, Miao Yao, Sara Alonso, Anna Gibson und Nienke Brinkman. Auch die ehemalige US-Langlauf-Olympiasiegerin Jessie Diggins steht im Feld.

Nach den ersten Kilometern hatte sich laut dem Live-Ticker bereits eine kleinere Spitzengruppe gebildet, in der sich unter anderem Kimutai befand. Eine belastbare Aussage über das Endergebnis war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht möglich.

Bei hohen Temperaturen bekommt der Rennverlauf zusätzlich eine taktische Komponente. Zum Zeitpunkt des Frauenstarts wurden rund 25 Grad registriert, die Temperaturen sollten im weiteren Tagesverlauf noch steigen. Auf einem Kurs mit langem Aufstieg, hochalpinen Passagen und schnellen Abfahrten wird damit die Versorgung an den Verpflegungspunkten besonders wichtig.

Männer-Elite ohne Kilian Jornet und Rémi Bonnet

Bei den Männern fällt Sierre-Zinal 2026 vor allem durch zwei prominente Abwesenheiten auf. Kilian Jornet, zehnfacher Sieger der «Course des cinq 4000» und prägendster Athlet der jüngeren Renngeschichte, ist nicht am Start. Auch Rémi Bonnet aus Freiburg musste auf die Teilnahme verzichten.

Dadurch verändert sich die sportliche Ausgangslage erheblich. Von den Top 20 des Vorjahres stehen dennoch 15 Athleten erneut am Start. Aus Schweizer Sicht richtet sich besonderes Interesse auf Adrien Briffod, der 2025 Rang vier erreicht hatte und auch 2026 zum erweiterten Favoritenkreis gezählt wird. Auch Walliser Läufer sind vertreten. Nathan Wanner aus Leuk, der wenige Wochen zuvor den Tour des Alpages gewonnen hatte, steht ebenso im Feld wie Baptiste Lang aus Grimisuat. Damit bleibt neben der internationalen Spitze auch die regionale Komponente des Rennens sichtbar. Das Männerfeld startete gegen 11 Uhr. Der Rennverlauf dürfte vor allem im langen Anstieg entscheidend geprägt werden, bevor sich das Profil im zweiten Teil verändert und auf den schnelleren Passagen Richtung Zinal andere Qualitäten verlangt.

Dass Jornet fehlt, bedeutet zugleich, dass sein Name dennoch über dem Rennen steht. Kein anderer Läufer hat Sierre-Zinal in den vergangenen Jahren derart geprägt.

Die Rekorde von Jornet und Mathys bleiben der Massstab

Sierre-Zinal wird seit 1974 ausgetragen. Der damalige Initiator Jean-Claude Pont, Mathematiker und Bergführer, schuf ein Rennen zwischen Sierre und Zinal, dessen grundlegender Kurs über mehr als fünf Jahrzehnte weitgehend erhalten blieb.

Die historische Entwicklung ist eng mit zahlreichen bekannten Bergläuferinnen und Bergläufern verbunden. Der Mexikaner Ricardo Mejia und der US-Amerikaner Pablo Vigil gehören ebenso zur Geschichte wie Angela Mudge, die als erste Frau den Kurs in weniger als drei Stunden absolvierte. Besonders stark geprägt wurde das moderne Sierre-Zinal aber von Kilian Jornet und Maude Mathys.

Der offizielle Männerrekord liegt bei:

Kilian Jornet – 2:25:34 Stunden, aufgestellt 2024.

Bei den Frauen hält:

Maude Mathys – 2:49:20 Stunden, aufgestellt 2019.

Beide Zeiten werden in der offiziellen Rekordliste des Veranstalters weiterhin als Bestmarken geführt.

Jornet gewann Sierre-Zinal insgesamt zehnmal. Sein Fehlen 2026 nimmt dem Rennen deshalb einen der wichtigsten sportlichen Referenzpunkte, eröffnet gleichzeitig aber anderen Läufern eine grössere Chance auf den Sieg.

Mathys steht dagegen auch 2026 im Frauenfeld. Für die Schweizer Bergläuferin besitzt das Rennen eine besondere Bedeutung: Sie hat viermal gewonnen und hält weiterhin den Frauenrekord. In einem international starken Feld ist ihr Start deshalb sowohl sportlich als auch aus Schweizer Perspektive relevant.

Die Veranstalter setzen zusätzlich finanzielle Anreize für besonders schnelle Zeiten. Für Rang eins sind bei Frauen und Männern jeweils 2000 Franken Preisgeld vorgesehen. Weitere Prämien werden abhängig von der erzielten Zeit ausbezahlt. Wird der Streckenrekord verbessert, sind 2026 zusätzlich 4000 Franken bei den Männern beziehungsweise 7000 Franken bei den Frauen vorgesehen. Rang-, Zeit- und Rekordprämien können nach dem offiziellen Reglement kombiniert werden.

Warum die Strecke «Course des cinq 4000» heisst

Der Name beschreibt weniger die tatsächliche Höhe des Laufkurses als dessen Panorama. Vom Val d'Anniviers aus eröffnet sich der Blick auf fünf markante Viertausender der Walliser Alpen:

  • Weisshorn
  • Zinalrothorn
  • Obergabelhorn
  • Dent Blanche
  • Matterhorn

Genau diese Kulisse führte zum Beinamen «Course des cinq 4000», also «Rennen der fünf Viertausender».

Die sportliche Herausforderung entsteht jedoch bereits weit unterhalb dieser Gipfel. Sierre liegt im Rhonetal, während die Strecke anschliessend deutlich an Höhe gewinnt. Zu den charakteristischen Passagen gehören unter anderem Chandolin, Tignousa und der Bereich des Hôtel Weisshorn, bevor der Kurs Richtung Zinal führt. Tignousa auf rund 2184 Metern ist ein wichtiger Orientierungspunkt. Dort haben die Läufer einen grossen Teil der ersten Belastungsphase hinter sich, der höchste Punkt des Rennens liegt allerdings erst später im Bereich oberhalb beziehungsweise hinter dem Hôtel Weisshorn. Das Profil macht Sierre-Zinal taktisch komplex: Der erste Teil verlangt über lange Strecken hohe Kletterleistung und effiziente Energieverteilung. Danach gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, auf welligem und teilweise abfallendem Gelände weiterhin ein hohes Tempo zu halten. Gerade deshalb können reine Bergauf-Spezialisten ebenso unter Druck geraten wie Läufer, die zu aggressiv in die erste Rennhälfte starten.

Neuer Startbereich wegen Autobahn-Baustelle

Neben dem neuen Frauenstart gibt es 2026 eine weitere sichtbare Veränderung. Zum ersten Mal seit Gründung des Rennens musste der traditionelle Startbereich verlegt werden. Grund sind Arbeiten im Zusammenhang mit einem Autobahnprojekt, die eine Nutzung des bisherigen Standortes unmöglich machten.

Für 2026 wurde deshalb eine provisorische Empfangs- und Startzone eingerichtet. Eine neue dauerhafte Startlösung ist nach bisherigen Angaben für 2027 vorgesehen. Sportlich bleibt die zentrale Botschaft der Veranstalter jedoch unverändert: Die charakteristische Strecke, die Distanz und damit grundsätzlich auch die Vergleichbarkeit der Zeiten sollen erhalten bleiben. In der offiziellen Kommunikation zur 53. Ausgabe wurde ausdrücklich betont, dass Sierre-Zinal trotz infrastruktureller Veränderungen seinen traditionellen Kurscharakter bewahren soll.

Auch das Einschreibesystem wurde verändert. Wegen der konstant hohen Nachfrage kam für 2026 erstmals ein Losverfahren zum Einsatz, statt die Plätze ausschliesslich nach dem Prinzip «first come, first served» zu vergeben. Die Entscheidung zeigt, wie stark die Nachfrage inzwischen über der verfügbaren Kapazität liegt. Bereits bei den für Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirks Sierre reservierten 700 Vorregistrierungen waren die verfügbaren Plätze nach Veranstalterangaben vollständig vergeben worden. Insgesamt sieht die Struktur mehrere Tausend Startplätze für die verschiedenen Kategorien vor.

Vom Walliser Berglauf zum internationalen Sportereignis

Die Entwicklung von Sierre-Zinal lässt sich auch anhand der Reichweite messen. Was 1974 als ambitionierter Berglauf begann, ist mittlerweile Teil eines globalen Trailrunning-Kalenders.

Nach Angaben des Veranstalters erreichte die Ausgabe 2025 weltweit etwa 3,1 Millionen einzelne Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer. Eurosport übertrug das Rennen über mehrere Stunden, insgesamt wurde die Veranstaltung demnach in 90 Märkten und 51 Sprachen verbreitet. Dazu kamen Millionen Videoaufrufe über digitale Kanäle der Golden Trail World Series.

Trotz dieser internationalen Dimension bleibt der regionale wirtschaftliche Effekt wichtig. Eine gemeinsam mit der Universität Lausanne durchgeführte Untersuchung zur Jubiläumsausgabe 2023 bezifferte die direkten Ausgaben ausserkantonaler Besucherinnen und Besucher im Wallis auf rund 5,1 Millionen Franken. Davon profitieren insbesondere Beherbergung, Gastronomie, Verkehr und lokaler Handel. Die Veranstaltung bringt damit mehrere Ebenen zusammen: internationalen Spitzensport, Tausende Breitensportler, touristische Wertschöpfung und eine starke lokale Beteiligung.

Das zeigt sich auch am Renntag selbst. Entlang der Strecke befinden sich Verpflegungsstellen, medizinische und organisatorische Teams sowie zahlreiche Freiwillige. In Zinal stehen unter anderem Massageangebote für die Finisher bereit. Bereits am Vormittag waren dort zahlreiche Läufer angekommen, während die Eliterennen noch liefen.

Sierre-Zinal 2026: Entscheidung fällt am frühen Nachmittag

Der entscheidende Teil der 53. Ausgabe läuft am Samstagmittag. Die schnellsten Elite-Frauen wurden nach Angaben aus dem Livebetrieb ab etwa 13.25 Uhr beziehungsweise im frühen Nachmittag in Zinal erwartet; die genaue Entwicklung hängt von Rennverlauf, Temperaturen und Spitzentempo ab. Bis dahin bleiben mehrere sportliche Fragen offen: Kann Caroline Kimutai ihren Erfolg aus dem Vorjahr bestätigen? Kann Maude Mathys noch einmal um die Spitze laufen? Welche Rolle spielen die Schweizerinnen Oria Liaci und Judith Wyder? Und gelingt Adrien Briffod bei den Männern nach Rang vier 2025 erstmals der Sprung auf das Podest? Fest steht dagegen bereits, dass Sierre-Zinal 2026 erneut seine besondere Mischung aus Elite- und Breitensport zeigt. Mehr als 6800 Menschen aus 86 Nationen bewegen sich am selben Tag auf einem der bekanntesten Berglaufkurse Europas. Gleichzeitig macht die separate Startzeit der Frauen deutlich, dass sich die organisatorische Struktur weiterentwickelt.

Die endgültigen Siegerzeiten und Podestplätze waren zum Redaktionsstand am 8. August gegen 11.30 Uhr noch nicht bestätigt. Sie sollten deshalb erst nach dem Zieleinlauf der Elite als Resultat veröffentlicht werden.

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