Der Silberpreis hat am 26. Januar 2026 erstmals nachhaltig die Schwelle von 100 US-Dollar je Feinunze überschritten und damit ein historisches Niveau erreicht. Der Preisanstieg betrifft Finanzmärkte, Industrieunternehmen und private Marktteilnehmer weltweit. Zuletzt lag der Kurs bei rund 103 US-Dollar je Unze. Auslöser sind eine stark wachsende industrielle Nachfrage, deutlich gesunkene Lagerbestände an den wichtigsten Handelsplätzen sowie politische Eingriffe in den globalen Silberhandel. Die Entwicklung verändert Preisbildung, Verfügbarkeit und Vertragsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dies berichtet die Redaktion von NUME.ch.
Der aktuelle Anstieg folgt auf mehrere Jahre vergleichsweise stabiler Preise. Bereits 2024 verließ Silber eine langjährige Seitwärtsphase und schloss das Jahr mit einem Kursplus von rund 30 Prozent ab. Im Jahr 2025 verdoppelte sich der Preis je Feinunze. In den ersten Wochen des Jahres 2026 kamen weitere rund 50 Prozent hinzu. Damit hat sich der Silberpreis innerhalb von zwei Jahren mehr als vervierfacht.
Treiber der aktuellen Silberhausse
- Deutlich steigende industrielle Nachfrage, insbesondere aus Photovoltaik, Elektromobilität und Elektronik
- Rückgang der globalen Silberlagerbestände an den Börsen in London und New York
- Zunahme physischer Auslieferungen an den Terminbörsen statt Barausgleich
- Exportbeschränkungen für Silber durch China seit Januar 2026
- Angebotsausfälle durch Streiks und Arbeitskonflikte in mehreren Silberminen
Nach Angaben der London Bullion Market Association sind die gemeldeten Silberlagerbestände in den vergangenen zwei Jahren um rund 80 Prozent gesunken. Parallel dazu bestätigte die US Commodity Futures Trading Commission im Dezember 2025, dass der Anteil physischer Lieferungen bei Silber-Futures an der COMEX deutlich zugenommen hat. Ein Sprecher der CME Group erklärte, der Markt befinde sich „in einer Phase struktureller Verknappung, in der physische Verfügbarkeit eine zentrale Rolle spielt“.
Industrielle Nachfrage und strukturelle Marktveränderung
Silber unterscheidet sich fundamental von Gold durch seine industrielle Nutzung. Während Gold vor allem als Wertaufbewahrungsmittel dient, entfällt bei Silber mittlerweile mehr als die Hälfte der weltweiten Nachfrage auf industrielle Anwendungen. Besonders relevant ist der Einsatz in der Solarindustrie. Silber wird für Leiterbahnen in Solarzellen verwendet, und mit dem globalen Ausbau der Photovoltaik steigt der Bedarf kontinuierlich.
Auch die Elektromobilität treibt die Nachfrage. Silber findet Verwendung in Batterien, Leistungselektronik, Ladeinfrastruktur und Steuerungssystemen. Hinzu kommt der steigende Bedarf aus der Elektronik- und Halbleiterindustrie, insbesondere durch Rechenzentren und Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz.
Ein Vertreter eines europäischen Industrieverbands erklärte Anfang Januar 2026, dass „Silber inzwischen als strategischer Rohstoff betrachtet wird, dessen Verfügbarkeit direkte Auswirkungen auf Produktionsentscheidungen hat“.

Angebotsseite: Lagerabbau und politische Eingriffe
Auf der Angebotsseite verschärft sich die Lage weiter. An der Londoner Edelmetallbörse gingen die Bestände in registrierten Tresoren auf rund ein Fünftel des Niveaus von 2023 zurück. Auch an der COMEX ist ein ungewöhnliches Verhalten zu beobachten: Marktteilnehmer verlangen zunehmend physische Lieferung statt eines finanziellen Ausgleichs.
Zusätzlich führte China Anfang Januar 2026 Exportbeschränkungen für Silber ein. Das Land ist nach Mexiko der zweitgrößte Silberproduzent und zugleich weltweit führend in der Weiterverarbeitung. In einer Mitteilung des chinesischen Handelsministeriums hieß es, Ziel sei es, „die Versorgung der heimischen Industrie langfristig zu sichern“. Marktteilnehmer sehen darin einen weiteren Faktor für die globale Angebotsverknappung.
Preise, Kosten und Handelsbedingungen (Stand: 26.01.2026)
| Kategorie | Wert | Erläuterung |
|---|---|---|
| Spotpreis Silber | ca. 103 USD/Unze | London Fixing |
| Silbermünzen (1 Unze) | 112–125 USD | inkl. Aufgeld |
| Aufgeld physisch | 8–20 % | je nach Verfügbarkeit |
| Future Initial Margin | 18.000–22.000 USD | COMEX, 5.000 Unzen |
| Lagerkosten | 0,5–1,2 % p. a. | Zollfreilager Europa |
Die erhöhte Volatilität verstärkt diese Effekte. Seit Ende 2025 sind Tagesbewegungen von fünf bis zehn Prozent keine Seltenheit mehr. Die CME Group passte deshalb mehrfach die Margin-Anforderungen für Silber-Futures an. Für Marktteilnehmer bedeutet dies einen höheren Kapitalbedarf und ein gestiegenes Liquiditätsrisiko.
Gleichzeitig haben sich die Preise für physisches Silber vom Spotmarkt entkoppelt. Händler berichten von längeren Lieferzeiten, höheren Finanzierungskosten und begrenzten verfügbaren Mengen. In Europa liegen die Lieferzeiten für gängige Silbermünzen inzwischen zwischen sieben und 21 Tagen.
Historischer Vergleich und Unterschiede zur Hausse der 1970er-Jahre
Ein Vergleich mit der Silberhausse der 1970er-Jahre drängt sich auf. Damals stieg der Preis zwischen 1973 und 1980 von rund 2 auf etwa 50 US-Dollar je Unze. Treiber waren spekulative Käufe, unter anderem durch die texanischen Brüder Hunt. Das Ende dieser Phase wurde durch regulatorische Eingriffe und einen Angebotsanstieg eingeläutet.
Marktanalysten betonen jedoch, dass sich die heutige Situation unterscheidet. Während in den 1970er-Jahren Spekulation dominierte, basiert der aktuelle Anstieg auf realer industrieller Nachfrage und struktureller Angebotsverknappung. Inflationsbereinigt liegt der heutige Silberpreis zudem deutlich unter dem Niveau von 1980.
Was Marktteilnehmer aktuell beachten müssen
- Preisunterschiede zwischen Spotmarkt und Endkundenpreisen berücksichtigen
- Physische Verfügbarkeit und Lieferzeiten vor Vertragsabschluss prüfen
- Änderungen der Margin-Anforderungen an Terminbörsen regelmäßig verfolgen
- Lagerorte und Eigentumsnachweise bei physischem Silber kontrollieren
- Offizielle Veröffentlichungen von Börsen und Aufsichtsbehörden nutzen
Für Wirtschaft und Verbraucher hat der hohe Silberpreis bereits konkrete Folgen. Steigende Rohstoffkosten wirken sich auf Produktionspreise in der Solar-, Elektronik- und Automobilindustrie aus. Gleichzeitig gewinnt das Recycling von Silber an Bedeutung, da Primärmaterial knapper und teurer wird. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Silber zunehmend als strategischer Industriestoff wahrgenommen wird, dessen Preisbewegungen unmittelbare Auswirkungen auf reale wirtschaftliche Prozesse haben.
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