SpaceX Starship Flight 13 ist am 24. Juli 2026 vom Raumfahrtgelände Starbase im Süden von Texas gestartet und hat während eines rund einstündigen Testflugs erstmals 20 funktionsfähige Starlink-V3-Satelliten ausgesetzt. Die obere Raketenstufe Ship 40 absolvierte zudem eine erneute Zündung eines Raptor-Triebwerks im All, überstand den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und beendete den Flug mit einer kontrollierten Wasserung im Indischen Ozean. Der Test lieferte SpaceX wichtige Daten für künftige Satellitenstarts, die Wiederverwendung der Rakete und die geplante Mondversion von Starship, darüber berichtet nume.ch.
Vollständig fehlerfrei verlief die Mission allerdings nicht. Der Super-Heavy-Booster konnte beim Rückflug nicht genügend Triebwerke erneut starten und schlug deshalb härter als vorgesehen im Golf von Mexiko auf. Damit erreichte SpaceX die wichtigsten Ziele der oberen Stufe, während die kontrollierte Rückkehr des Boosters weiterhin eine der zentralen technischen Baustellen des Starship-Programms bleibt.
Wie SpaceX Starship Flight 13 vom Start bis zur Wasserung verlief
Die vollständig montierte Starship-Rakete bestand aus dem Super-Heavy-Booster 20 und der oberen Stufe Ship 40. Mit einer Höhe von rund 122 Metern gehört das System zu den grössten und leistungsstärksten Raketen, die bisher entwickelt wurden. Der Start erfolgte von Starbase nahe Boca Chica an der texanischen Golfküste, nachdem ein früherer Versuch wegen technischer Probleme abgebrochen und ein weiterer Starttermin aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen verschoben worden war. Nach dem Abheben beschleunigten die 33 mit flüssigem Methan und Sauerstoff betriebenen Raptor-Triebwerke des Boosters die Rakete über den Golf von Mexiko. Wenige Minuten später folgte die sogenannte Heissstufentrennung: Die Triebwerke von Ship 40 wurden gezündet, während sich die obere Stufe noch vom Booster löste. Dieses Verfahren soll den Schubverlust während der Trennung verkürzen und die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems erhöhen.
Ship 40 setzte seinen Flug anschliessend auf einer suborbitalen Bahn fort und erreichte eine Höhe von ungefähr 200 Kilometern. Dort öffnete sich die Nutzlastklappe, bevor 20 Starlink-V3-Satelliten freigegeben wurden. Es war das erste Mal, dass Starship funktionsfähige Satelliten und nicht nur Attrappen oder massengleiche Testkörper aussetzte.
Nach der Satellitenfreigabe zündete SpaceX eines der Raptor-Triebwerke von Ship 40 erneut. Die erfolgreiche Wiederzündung war ein wichtiges Ziel, weil Starship bei künftigen Orbitalflügen seine Flugbahn korrigieren und vor dem Wiedereintritt ein kontrolliertes Bremsmanöver durchführen muss. Während des anschliessenden Wiedereintritts wurde die Rakete durch extreme Hitze und hohe aerodynamische Belastungen beansprucht. Ship 40 blieb dennoch steuerbar, übermittelte weiterhin Bilder und Telemetriedaten und führte kurz vor dem Erreichen der Meeresoberfläche sein charakteristisches Drehmanöver aus. Dabei wechselte die Rakete aus einer nahezu horizontalen Sinklage in die vertikale Position und verlangsamte den Fall mit ihren Triebwerken.
Nach rund 65 Minuten wasserte Ship 40 kontrolliert im Indischen Ozean. Auf den übertragenen Bildern war die Rakete nach dem Kontakt mit dem Wasser weiterhin weitgehend intakt und aufrecht schwimmend zu sehen. Eine Bergung war nicht vorgesehen; SpaceX wollte in erster Linie Daten zum Wiedereintritt, zur Flugsteuerung und zum Landemanöver sammeln.
Warum die 20 Starlink-V3-Satelliten für SpaceX entscheidend waren
Die Freisetzung der 20 Starlink-V3-Satelliten war mehr als ein zusätzlicher Testpunkt. Sie sollte zeigen, dass Starship erstmals eine reale Nutzlast transportieren, die grosse Nutzlastöffnung betätigen und mehrere funktionsfähige Raumfahrzeuge kontrolliert freigeben kann.
Frühere Starship-Flüge hatten lediglich Nachbildungen von Starlink-Satelliten eingesetzt. Diese Versuche dienten dazu, die Mechanik der Nutzlastklappe und das Aussetzsystem zu prüfen. Bei Flight 13 handelte es sich dagegen um betriebsfähige Satelliten, die ihre Solarmodule und Antennen ausfahren und während des kurzen Flugs Kontakt zum bestehenden Starlink-Netzwerk aufnehmen sollten. Die Satelliten bewegten sich auf derselben suborbitalen Bahn wie Ship 40 und waren nicht dafür vorgesehen, dauerhaft im Orbit zu bleiben. Nach einer kurzen Betriebsphase traten sie wieder in die Atmosphäre ein und verglühten planmässig. Damit konnte SpaceX wichtige Funktionen erproben, ohne experimentelle Satelliten langfristig im Weltraum zurückzulassen.
Sechs der Satelliten verfügten zusätzlich über Kameras und Sensoren. Sie sollten unter anderem die Aussenseite von Starship und das Verhalten des Hitzeschutzsystems während des Flugs beobachten. Die dadurch gewonnenen Daten ergänzten die Messwerte der Sensoren auf Ship 40 und ermöglichten eine zusätzliche Perspektive auf den Zustand der Hitzeschutzkacheln.
Die Starlink-V3-Generation soll eine höhere Datenkapazität und schnellere Verbindungen ermöglichen als frühere Satellitentypen. Gleichzeitig sind die neuen Satelliten grösser und schwerer. Falcon 9 kann weiterhin bestehende Starlink-Modelle starten, doch für den umfangreichen Ausbau der V3-Konstellation setzt SpaceX langfristig auf das deutlich grössere Nutzlastvolumen von Starship.
Was beim Super-Heavy-Booster schiefging
Während Ship 40 fast alle wesentlichen Testziele erreichte, blieb die Rückkehr von Booster 20 unvollständig. Nach der Stufentrennung leitete Super Heavy ein Rückflugmanöver ein, das den Booster in Richtung eines vorgesehenen Wasserungsgebiets im Golf von Mexiko bringen sollte. Für den abschliessenden Bremsvorgang mussten mehrere Raptor-Triebwerke erneut gezündet werden. Nach den ersten Angaben gelang die Wiederzündung bei fünf Triebwerken jedoch nicht. Dadurch stand nicht genügend Schub zur Verfügung, um den Booster vor dem Kontakt mit dem Wasser ausreichend abzubremsen. Super Heavy schlug deshalb deutlich härter als geplant im Golf von Mexiko auf.
Das Problem ist für SpaceX besonders relevant, weil die Wiederverwendbarkeit des Boosters zu den wirtschaftlichen Grundlagen des Starship-Systems gehört. Langfristig soll Super Heavy nach dem Start zu Starbase zurückfliegen und von den mechanischen Armen des Startturms aufgefangen werden. Der Booster könnte danach überprüft, neu betankt und erneut eingesetzt werden. Flight 13 sah keinen solchen Fangversuch vor. Trotzdem muss SpaceX zunächst nachweisen, dass die Triebwerke beim Rückflug zuverlässig wieder starten und den Booster kontrolliert abbremsen können. Ein Test am Boden bildet diese Bedingungen nur teilweise ab: Während des Flugs verändern sich der Treibstoffstand, der Druck in den Tanks, die Temperatur und die Belastung des gesamten Antriebssystems.
Ähnliche Schwierigkeiten waren bereits bei Flight 12 im Mai 2026 aufgetreten. Damals beeinträchtigten Probleme mit mehreren Triebwerken und eine fehlerhafte Ausrichtung nach der Stufentrennung das geplante Rückflugmanöver. Vor Flight 13 hatte SpaceX deshalb die Hardware, die Triebwerksüberwachung und die Abbruchlogik überarbeitet. Die erneuten Ausfälle zeigen jedoch, dass das Problem noch nicht vollständig gelöst ist.
Warum ein früherer Startversuch abgebrochen wurde
Der erfolgreiche Flug erfolgte erst nach technischen Arbeiten an Booster 20. Bei einem Startversuch am 16. Juli wurden die Raptor-Triebwerke gezündet, während die Rakete noch auf der Startplattform befestigt war. Telemetriedaten deuteten darauf hin, dass vier Triebwerke nicht ordnungsgemäss gestartet waren. Das System brach den Start deshalb noch vor dem Abheben automatisch ab. SpaceX trennte anschliessend Ship 40 vom Booster und brachte beide Stufen zurück in den Produktionsbereich von Starbase. Mindestens zwei Raptor-Triebwerke mussten nach dem abrupten Abschalten ausgebaut oder ersetzt werden. Nach weiteren Prüfungen wurde Booster 20 wieder zur Startrampe gebracht, mit flüssigem Sauerstoff und Methan befüllt und erneut getestet.
Ein weiterer Starttermin am 23. Juli wurde wegen des Wetters aufgegeben. Erst am 24. Juli waren die Bedingungen ausreichend stabil, um den rund 65-minütigen Testflug durchzuführen. Die Verzögerungen zeigen den weiterhin experimentellen Charakter des Starship-Programms. SpaceX verändert Triebwerke, Software, Kacheln und strukturelle Komponenten regelmässig zwischen den einzelnen Flügen. Jeder Test soll Schwachstellen unter realen Bedingungen sichtbar machen, bevor das System für regelmässige Orbitalmissionen eingesetzt wird.
Wie Flight 13 den Hitzeschutz von Starship testete
Der Wiedereintritt von Ship 40 war einer der technisch anspruchsvollsten Abschnitte der Mission. Starship besteht zu einem grossen Teil aus Edelstahl und benötigt auf der der Atmosphäre zugewandten Seite Tausende hitzebeständige Kacheln. Diese sollen verhindern, dass die Struktur beim Wiedereintritt durch die entstehenden Temperaturen beschädigt wird.
Für Flight 13 testete SpaceX verschiedene Kachelformen und Befestigungsmethoden. Einzelne Bereiche wurden gezielt verändert, während einige Kacheln absichtlich fehlten. Dadurch konnten die Ingenieure untersuchen, wie die umliegende Struktur auf lokale Lücken im Hitzeschutz reagiert. Weitere Kacheln waren mit Belastungssensoren ausgestattet. Sie zeichneten auf, welchen Kräften das Hitzeschutzsystem während des Aufstiegs und des Wiedereintritts ausgesetzt war. SpaceX erhöhte dabei bewusst die aerodynamische Belastung, um Daten für künftige Flüge mit schwereren Nutzlasten zu sammeln. Die während des Abstiegs übertragenen Bilder deuteten darauf hin, dass der Hitzeschutz weitgehend intakt blieb. Eine abschliessende Bewertung ist jedoch erst nach der Auswertung sämtlicher Telemetrie- und Sensordaten möglich. Dass Ship 40 den Ozean sichtbar intakt erreichte, stellt dennoch einen Fortschritt gegenüber früheren Flügen dar, bei denen die obere Stufe zerbrach, explodierte oder nach der Wasserung rasch zerstört wurde.
Eine kontrollierte Wasserung beweist allerdings noch keine vollständige Wiederverwendbarkeit. Dafür müsste Starship zu einem festen Landeplatz zurückkehren, mit begrenztem Wartungsaufwand überprüft und erneut gestartet werden können. Flight 13 lieferte dafür wichtige Daten, erreichte dieses Ziel aber noch nicht.
Welche Bedeutung Flight 13 für das Artemis-Programm der NASA hat
Starship soll nicht nur grosse Mengen von Starlink-Satelliten transportieren. Eine angepasste Version wurde von der NASA als bemanntes Landefahrzeug für das Artemis-Mondprogramm ausgewählt. Für diese Rolle muss SpaceX noch mehrere komplexe Technologien demonstrieren. Dazu gehören wiederholte Orbitalflüge, die zuverlässige Rückkehr beider Raketenstufen, eine längere Betriebsdauer im Weltraum, die Lagerung extrem kalter Treibstoffe und der Transfer grosser Treibstoffmengen zwischen mehreren Starships. Hinzu kommen das Andocken an das Orion-Raumschiff, ein unbemannter Landetest auf dem Mond sowie die Prüfung von Lebenserhaltungs- und Sicherheitssystemen für Astronautinnen und Astronauten.
Nach den 2026 angepassten Artemis-Plänen soll zunächst ein Rendezvous- und Andockmanöver mit kommerziellen Mondlandern in einer Erdumlaufbahn erprobt werden. Eine spätere Mission soll dann eine für den Mond entwickelte Starship-Version einsetzen.
Der US-Rechnungshof GAO verwies in seiner aktuellen Bewertung der grossen NASA-Projekte weiterhin auf technische und terminliche Risiken. Die Entwicklung des Human Landing Systems bleibt anspruchsvoll, weil mehrere noch nie in dieser Grössenordnung erprobte Verfahren voneinander abhängen. Dazu zählt insbesondere die Betankung von Starship im Orbit, ohne die ein Mondflug in der derzeit geplanten Architektur nicht möglich wäre. Flight 13 löste diese offenen Fragen nicht. Der Test brachte SpaceX jedoch bei mehreren dafür notwendigen Fähigkeiten voran: dem Triebwerksneustart im All, dem kontrollierten Wiedereintritt, der Belastbarkeit des Hitzeschutzes und dem Betrieb realer Nutzlasten während eines Starship-Flugs.
War Starship Flight 13 ein vollständiger Erfolg
Starship Flight 13 war ein weitgehend erfolgreicher Test der oberen Stufe, aber kein vollständig fehlerfreier Flug. Ship 40 erreichte die vorgesehene Flugbahn, setzte 20 funktionsfähige Satelliten aus, startete ein Raptor-Triebwerk erneut, überstand den Wiedereintritt und wasserte kontrolliert im Indischen Ozean. Der Super-Heavy-Booster erreichte dagegen keine weiche Wasserung. Mehrere Triebwerke zündeten während des abschliessenden Bremsmanövers nicht erneut, wodurch Booster 20 mit zu hoher Geschwindigkeit auf dem Wasser aufschlug. Für ein experimentelles Entwicklungsprogramm ist eine solche Kombination aus Erfolgen und Fehlern nicht ungewöhnlich. Dennoch ist die Unterscheidung entscheidend: Eine Rakete, die langfristig vollständig wiederverwendbar sein soll, benötigt zuverlässige Triebwerke nicht nur während des Starts, sondern auch bei jedem Rückflug.
Flight 13 zeigte, dass die obere Starship-Stufe mehrere zentrale Aufgaben innerhalb derselben Mission ausführen kann. Gleichzeitig bestätigte der Test, dass SpaceX bei der Rückkehr des Boosters und bei der tatsächlichen Wiederverwendung noch erhebliche technische Arbeit leisten muss.
Der nächste entscheidende Schritt besteht deshalb nicht allein darin, die Ergebnisse von Flight 13 zu wiederholen. SpaceX muss beweisen, dass Satellitenaussetzung, Triebwerksneustart, Wiedereintritt und kontrollierte Rückkehr zuverlässig in Serie funktionieren und dass sowohl Starship als auch Super Heavy anschliessend erneut eingesetzt werden können.
Bleiben Sie informiert – Relevantes. Jeden Tag. Lesen Sie, worum es heute wirklich geht – in der Schweiz und der Welt: Wie wurde der Amazon Fire TV Stick 4K Max zum Zentrum von Amazons neuer TV-Strategie
Verwendete Materialien: SpaceX, NASA, US Government Accountability Office, Reuters, Associated Press und Spaceflight Now.

