Die Confiserie Sprüngli hat in einer Filiale am Zürich Hauptbahnhof kurzfristig einen Zuschlag von einem Franken für den Konsum vor Ort eingeführt. Die Maßnahme wurde während eines zweiwöchigen Tests umgesetzt und betraf gezielt den Café-Bereich innerhalb des stark frequentierten Bahnhofsstandorts. Kunden mussten für denselben Kaffee oder Snack mehr bezahlen, sobald sie diesen vor Ort konsumierten. Entscheidend war dabei, dass diese Preisdifferenz nicht sichtbar ausgeschildert wurde, sondern erst im Bezahlprozess kommuniziert werden musste.
Dies führte zu unmittelbaren Irritationen bei Gästen, die sich mit einer unerwarteten Preisabweichung konfrontiert sahen. Gleichzeitig geriet das Personal in eine schwierige Position, da es die Maßnahme erklären und rechtfertigen musste. Nach zunehmender Kritik von Kunden und internen Spannungen entschied das Unternehmen, den Zuschlag wieder abzuschaffen, berichtet Nume.ch unter Berufung auf BLICK.
Sprüngli Zuschlag im Café: Was konkret umgesetzt wurde
In einer der drei Filialen am Zürcher Hauptbahnhof testete Sprüngli zwei Wochen lang eine Zusatzgebühr von einem Franken für Speisen und Getränke, die im Café konsumiert wurden. Die Regelung unterschied strikt zwischen Take-away und Vor-Ort-Verzehr, was grundsätzlich einem bekannten Modell in der Gastronomie entspricht. Allerdings wich die Umsetzung von branchenüblichen Standards ab, da die Preise nicht transparent nebeneinander dargestellt wurden.
Die Preistafeln im Geschäft zeigten weiterhin ausschließlich die niedrigeren Take-away-Preise. Kunden konnten somit vor der Bestellung keinen klaren Hinweis auf die zusätzliche Belastung erkennen. Erst im direkten Gespräch an der Kasse wurde der Zuschlag erklärt, was den Verkaufsprozess verlangsamte und emotional auflud.
Ein weiterer kritischer Punkt war die Darstellung auf den Belegen. Dort wurde weiterhin der ursprüngliche Preis ausgewiesen, während der tatsächliche Betrag inklusive Zuschlag erst bei der Abbuchung sichtbar wurde. Diese Diskrepanz verstärkte den Eindruck mangelnder Transparenz und sorgte für zusätzliche Verunsicherung.
Kundenreaktionen und operative Spannungen im Alltag
Die Reaktionen der Kundschaft waren unmittelbar und deutlich negativ. Mehrere Gäste äußerten Unverständnis darüber, dass ein Preisaufschlag nicht im Voraus ersichtlich war. Besonders in einem Umfeld wie dem Hauptbahnhof, wo schnelle Kaufentscheidungen dominieren, wurde diese Praxis als problematisch wahrgenommen.
Parallel dazu entstand erheblicher Druck auf das Verkaufspersonal. Mitarbeitende mussten nicht nur die Preise erklären, sondern auch mit emotionalen Reaktionen umgehen. Dies führte zu wiederkehrenden Konfliktsituationen im direkten Kundenkontakt.
Ein Mitarbeiter aus der betroffenen Filiale beschrieb die Situation so:
„Die Kunden reagieren oft verärgert, wir müssen das jedes Mal erklären – das führt zu unnötigen Konflikten“, - Mitarbeiter, anonym, Zürich HB
Die Belastung hatte konkrete Auswirkungen auf den Betrieb. Laut internen Schilderungen kam es vor, dass Angestellte zeitweise nicht zur Arbeit erschienen, weil sie die Situation als zu belastend empfanden. Damit entwickelte sich die Maßnahme von einem reinen Preisexperiment zu einem operativen Risiko.

Gründe für den Zuschlag: Mehrwertsteuer und Kostenstruktur
Sprüngli erklärte den Test mit strukturellen Unterschieden im Geschäftsmodell zwischen Take-away und Konsum vor Ort. In der Schweiz wird für Speisen und Getränke im Café ein höherer Mehrwertsteuersatz erhoben als für Produkte zum Mitnehmen. Dieser steuerliche Unterschied beeinflusst direkt die Kalkulation der Endpreise.
Hinzu kommen zusätzliche Kosten im Servicebereich. Der Betrieb von Sitzplätzen erfordert Personal für Bedienung, Reinigung und Organisation. Auch Infrastrukturkosten wie Miete und Unterhalt fallen im Café-Bereich stärker ins Gewicht als im reinen Verkauf.
Kernfaktoren laut Unternehmen:
- Höherer Mehrwertsteuersatz für Konsum vor Ort
- Steigende Personalkosten im Service
- Zusätzliche Betriebskosten für Sitzplätze und Infrastruktur
- Unterschiedliche Margen zwischen Take-away und Café
Diese Argumente entsprechen der gängigen Praxis in der Branche. Im konkreten Fall wurde jedoch die Art der Umsetzung zum entscheidenden Problem, nicht die wirtschaftliche Logik dahinter.
Wettbewerbsvergleich: Aufpreise sind üblich – aber anders umgesetzt
Ein Vergleich mit anderen Anbietern in Zürich zeigt, dass Preisunterschiede zwischen Take-away und Vor-Ort-Konsum weit verbreitet sind. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Transparenz der Preisgestaltung.
| Anbieter | Kaffee Take-away | Kaffee vor Ort | Differenz |
|---|---|---|---|
| Confiserie Sprüngli | ca. 5.90 CHF | +1.00 CHF (Test) | 1.00 CHF |
| Confiserie Honold | 4.50 CHF | 5.80 CHF | 1.30 CHF |
| Bäckerei Bachmann | variabel | +0.40–0.70 CHF | bis 0.70 CHF |
Bei Confiserie Honold beispielsweise ist der Preisunterschied klar ausgewiesen, sodass Kunden bereits vor der Bestellung informiert sind. Auch bei Bäckerei Bachmann werden Differenzen transparent kommuniziert. Im Fall von Sprüngli fehlte genau diese Klarheit, was die negative Reaktion erklärt.
Kommunikationsproblem als Hauptauslöser der Kritik
Die vorliegenden Informationen zeigen eindeutig, dass nicht die Höhe des Zuschlags der Hauptauslöser der Kritik war. Vielmehr spielte die fehlende Preistransparenz eine zentrale Rolle. Kunden erwarten in der Schweiz eine klare und nachvollziehbare Preisangabe vor dem Kauf.
Die Diskrepanz zwischen angezeigtem Preis und tatsächlicher Belastung untergrub dieses Vertrauen. Besonders für eine Marke wie Confiserie Sprüngli, die für Qualität und Verlässlichkeit steht, wiegt ein solcher Eindruck schwer.
Angesichts der zunehmenden Beschwerden reagierte das Unternehmen kurzfristig. Ein Sprecher bestätigte, dass der Zuschlag nicht weitergeführt wird. Die Entscheidung fiel noch während der laufenden Testphase. Damit wurde das Experiment vorzeitig beendet. Die schnelle Reaktion deutet darauf hin, dass sowohl die Kundenreaktionen als auch die internen Auswirkungen als kritisch bewertet wurden.
Der Fall steht im Kontext eines allgemeinen Kostendrucks im Schweizer Gastgewerbe. Steigende Rohstoffpreise, höhere Löhne und steuerliche Unterschiede zwingen viele Anbieter dazu, ihre Preisstrukturen anzupassen.
Typische Entwicklungen im Markt:
- Differenzierte Preise für Take-away und Konsum vor Ort
- Anpassungen an steigende Betriebskosten
- Wachsende Sensibilität der Kunden gegenüber Preisänderungen
- Höhere Anforderungen an Transparenz und Kommunikation
Der gestoppte Zuschlag bei Confiserie Sprüngli zeigt, dass wirtschaftlich nachvollziehbare Maßnahmen scheitern können, wenn sie operativ nicht klar umgesetzt werden. In diesem Fall führte die fehlende Transparenz zu einem Vertrauensproblem, das schneller eskalierte als die eigentliche Preisänderung.
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