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Genf, 2026 – Die Watches and Wonders 2026 hat im Palexpo in Genf rund sechzig der bedeutendsten Uhrenmanufakturen der Welt versammelt und dabei einen deutlichen Fingerzeig gegeben, wohin sich die Haute Horlogerie in diesem Jahr bewegt. Im Zentrum standen Modelle, die technische Weltrekorde, handwerkliche Präzision und die mutige Neuinterpretation ikonischer Linien miteinander verbinden. Von Bvlgaris dünnstem fliegenden Tourbillon der Welt über das nach sieben Jahren Entwicklung vorgestellte ultraflache Kaliber 2550 von Vacheron Constantin bis hin zu Chanels erstem Haute-Horlogerie-Schachbrett reichte das Spektrum einer Messe, die als eine der stärksten Ausgaben der jüngeren Vergangenheit gilt. Das berichtet die Redaktion von nume.ch unter Berufung auf die Herstellerangaben der Manufakturen sowie den Bericht von elle.de.

Was diese Ausgabe der wichtigsten Uhrenmesse der Welt prägte, war weniger ein einzelner Trend als vielmehr eine bemerkenswerte Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Ansätze. Während einige Häuser die Miniaturisierung des mechanischen Uhrwerks bis an ihre physikalischen Grenzen trieben, setzten andere auf juwelenhafte Opulenz, kunstvolle Emailarbeit oder die konsequente Rückführung historischer Codes in die Gegenwart. Genf zeigte 2026 kein einheitliches Bild, sondern ein Nebeneinander von Extremen – und genau darin liegt die eigentliche Aussage dieser Messe. Für Sammlerinnen und Sammler, für die Branche und für alle, die sich für die Verbindung von Ingenieurskunst und Gestaltung interessieren, bietet der folgende Überblick eine geordnete Einordnung der wichtigsten Neuheiten Marke für Marke.

Bvlgari: extreme Dünne, skulpturales Design und digitale Identität

Bvlgari reiste mit fünf Neuheiten nach Genf und stellte diese unter das Leitmotiv «Kineticism – Movement in Art». Die römische Maison versteht Zeit dabei bewusst als Ausdruck von Präzision, Balance und handwerklicher Perfektion und positioniert diesen Ansatz als Gegenpol zur Schnelllebigkeit der Gegenwart. Es ist eine Haltung, die sich nicht in einer Marketingformel erschöpft, sondern sich in den konkreten Produkten niederschlägt – und zwar am deutlichsten dort, wo die Marke seit Jahren ihren wichtigsten technischen Kampf austrägt: bei der Reduktion von Bauhöhe.

Besonders sichtbar wird dieser Anspruch bei der überarbeiteten Octo Finissimo. Sie fällt neu im 37-Millimeter-Format kompakter aus als zuvor und kombiniert ein ultraflaches Werk von rund 2,35 Millimetern mit einem Gesamtgewicht von lediglich etwa 65 Gramm. Diese Kombination aus geringem Durchmesser, minimaler Bauhöhe und geringem Gewicht ist kein Selbstzweck, sondern die konsequente Weiterentwicklung einer Designlinie, die Bvlgari über Jahre hinweg als eigenes Territorium etabliert hat. Die Octo Finissimo ist innerhalb der Haute Horlogerie zu einem Synonym für das ultraflache Sportuhren-Design geworden, und die neue Ausführung schärft dieses Profil weiter.

Für den grössten Aufsehen sorgte jedoch die Octo Finissimo Ultra Tourbillon Platinum. Mit einer Gesamthöhe von nur 1,85 Millimetern hält sie den Weltrekord als dünnstes fliegendes Tourbillon der Welt und unterstreicht Bvlgaris Führungsanspruch im Bereich der extremen Miniaturisierung. Dass eine Uhr mit einer so anspruchsvollen Komplikation wie einem fliegenden Tourbillon in dieser Bauhöhe überhaupt realisierbar ist, gehört zu den technischen Leistungen, die auf der Messe für Gesprächsstoff sorgten. 2026 erscheint dieses Modell erstmals in einer exklusiven Platin-Version, die auf lediglich zehn Exemplare limitiert ist – eine Zahl, die den Ausnahmecharakter des Stücks unterstreicht und es zugleich fest im Bereich der Sammlerstücke verankert.

Neben dem technischen Rekord modernisierte Bvlgari auch seine ikonische Serpenti-Linie und lud sie deutlich zeitgemässer auf. Die Serpenti Tubogas Studs Capsule in Gold und Stahl verbindet ein markantes Nieten-Design mit der charakteristischen Tubogas-Technik, jenem geschmeidigen, röhrenförmigen Armband, das seit Jahrzehnten zur Handschrift der Marke gehört. Die Serpenti Aeterna wirkt hingegen beinahe skulptural: Sie ist mit 120 farbigen Edelsteinen besetzt oder alternativ in Gelb- beziehungsweise Roségold erhältlich und verschiebt die Uhr klar in Richtung Hochschmuck. Ergänzend stellte Bvlgari den neuen Digital Passport vor, der jeder Uhr eine digitale Identität verleiht und per App Zugang zu Echtheit, Herkunft, Garantie und Produktgeschichte ermöglicht. Diese Neuerung ist mehr als ein technisches Detail: Sie reagiert auf ein wachsendes Bedürfnis des Zweitmarktes nach lückenloser Nachvollziehbarkeit und Authentifizierung – ein Thema, das im gesamten Luxussegment an Bedeutung gewinnt.

Cartier: Modernisierung der Klassiker ohne Verlust der DNA

Cartier rückte in diesem Jahr erneut jene besondere Verbindung ins Zentrum, die Uhrmacherei, Schmuckkunst und Design bei der Maison seit jeher prägt. Die Häuser der Haute Horlogerie unterscheiden sich nicht zuletzt in der Frage, wie sie mit ihrem eigenen Erbe umgehen – und Cartier gehört zu jenen, die ihre Klassiker behutsam weiterentwickeln, ohne deren Charakter zu verwässern. Das zeigte sich 2026 an mehreren Modellen mit bemerkenswerter Konsequenz.

Die Linien Santos und Santos-Dumont, die eng mit dem Luftfahrtpionier Alberto Santos-Dumont verbunden sind, wurden in Gold, Stahl und Bicolor-Versionen modernisiert. Neue Armbänder und überarbeitete Zifferblätter aus dünnem Vulkanstein verleihen den Modellen einen frischen Auftritt, ohne ihren ikonischen Charakter anzutasten. Gerade die Santos zählt zu den frühesten Armbanduhren überhaupt, und die Behutsamkeit, mit der Cartier hier vorgeht, verweist auf ein grundsätzliches Verständnis: Eine Ikone lebt von Wiedererkennbarkeit, und jede Veränderung muss sich an dieser Wiedererkennbarkeit messen lassen.

Grosse Aufmerksamkeit erhielt auch die Rückkehr der Roadster, einer sportlichen Uhr aus dem Jahr 2002. Cartier hat das Modell nicht einfach neu aufgelegt, sondern Proportionen und Ergonomie sichtbar verfeinert und den automobilen Einfluss klar beibehalten. Gerade dadurch wirkt dieses Comeback nicht nostalgisch um der Nostalgie willen, sondern wie eine bewusst geschärfte Weiterentwicklung. Die Wiederbelebung historischer Modelle ist auf der Watches and Wonders zu einem eigenen Genre geworden, und die Roadster zeigt exemplarisch, wie sich ein solches Comeback von einer blossen Retro-Geste unterscheidet.

Zwei weitere Neuheiten machten die gestalterische Bandbreite des Hauses besonders deutlich. Die Baignoire tritt mit dem Clou-de-Paris-Dekor spürbar skulpturaler auf, während die Myst de Cartier Uhr und Schmuck erneut zu einem einzigen Objekt verschmelzen lässt. Hinzu kommt die Crash in einer skelettierten Neuinterpretation mit 142 Komponenten und einer streng limitierten Auflage von 150 Stück, bei der das Uhrwerk selbst zum sichtbaren Gestaltungselement wird. Die Crash gehört zu den ungewöhnlichsten Gehäuseformen der Uhrengeschichte, und ihre skelettierte Ausführung verbindet die surreale Silhouette mit der Sichtbarkeit der Mechanik – ein Ansatz, der Design und Technik in eins fallen lässt.

Patek Philippe: Grösse, Komplikationen und künstlerischer Anspruch

Patek Philippe reiste mit einer besonders starken Neuheiten-Offensive nach Genf. Die Manufaktur präsentierte zwanzig neue Modelle sowie vier limitierte Editionen und bekräftigte damit ihren Rang in der Haute Horlogerie. Der Umfang allein wäre schon bemerkenswert, doch entscheidend ist die inhaltliche Ausrichtung: Bei Patek Philippe stehen Tradition und technische Innovation nicht gegeneinander, sondern werden gezielt zusammengeführt. Die Manufaktur pflegt ein besonderes Verhältnis zu ihrer eigenen Geschichte, und dieses Selbstverständnis prägt auch die diesjährigen Neuheiten.

Zu den wichtigsten Premieren zählt die Celestial Ref. 6105G aus Weissgold mit einer Himmelskarte über Genf. Es handelt sich um die erste Patek-Philippe-Armbanduhr, die den Sonnenauf- und Sonnenuntergang anzeigt – ein Detail, das dieses Modell weit über eine rein dekorative astronomische Darstellung hinaushebt. Astronomische Komplikationen gehören zu den anspruchsvollsten Disziplinen der Uhrmacherei, weil sie Himmelsmechanik in mechanische Präzision übersetzen müssen. Dass Patek Philippe hier erstmals die Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeiten integriert, verweist auf den Ehrgeiz, in diesem Feld nicht nur mitzuhalten, sondern eigene Akzente zu setzen.

Ebenfalls hervorgehoben wurden die erste Grande Complication der Cubitus-Kollektion sowie eine weitere Grande Complication mit 24-Stunden-Alarmfunktion. Die Cubitus-Linie ist eine der jüngeren Ergänzungen im Portfolio der Manufaktur, und die Tatsache, dass sie nun eine Grande Complication erhält, signalisiert, dass Patek Philippe die Kollektion langfristig aufbaut und mit hochwertiger Mechanik veredelt. Eine 24-Stunden-Alarmfunktion wiederum gehört zu jenen praktischen Komplikationen, deren mechanische Umsetzung deutlich komplexer ist, als es die schlichte Funktion vermuten lässt.

Auch im künstlerischen Bereich setzte die Marke ein starkes Zeichen. Die Taschenuhr Flamenco Ref. 992/198J gilt als besonderes Meisterstück, weil sie verschiedene Email- und Gravurtechniken in sich vereint. Damit macht Patek Philippe erneut deutlich, dass hohe Uhrmacherkunst nicht bei der Mechanik endet, sondern erst dann ihre volle Wirkung entfaltet, wenn auch Gehäuse und Dekor auf musealem Niveau ausgearbeitet sind. Die Taschenuhr als Format erlaubt dabei eine gestalterische Freiheit, die der Armbanduhr aus Platzgründen oft verwehrt bleibt – und die Flamenco nutzt diesen Spielraum konsequent aus.

Vacheron Constantin: technische Stärke auf engstem Raum

Vacheron Constantin setzte in Genf eines der stärksten technischen Ausrufezeichen der gesamten Messe – und viele Beobachterinnen und Beobachter sahen in dieser Neuheit den eigentlichen Star der Watches and Wonders 2026. Nach sieben Jahren Entwicklung stellte die 1755 gegründete Manufaktur das ultraflache Kaliber 2550 vor, das nur 2,4 Millimeter hoch ist und dennoch achtzig Stunden Gangreserve bietet. Diese Kombination ist weit mehr als ein feinmechanischer Nebeneffekt, denn sie positioniert die Marke klar im Spitzenfeld ultraflacher Uhrwerke.

Um die Bedeutung dieser Zahlen einzuordnen, lohnt ein Blick auf die Geschichte des Kalibers. Das neue Werk ist der direkte Nachfolger des legendären Kalibers 1120, jenes 2,45 Millimeter flachen Automatikwerks, das 1968 vorgestellt wurde und die ultraflache Kategorie über Jahrzehnte hinweg entscheidend prägte. Dieses historische Kaliber, das ursprünglich auf einer Architektur von Jaeger-LeCoultre beruhte, trieb einst die grossen luxuriösen Stahlsportuhren an und gehörte zu den meistgeschätzten Automatikwerken seiner Art. Mit dem Kaliber 2550 verabschiedet Vacheron Constantin nun eine Ära und ersetzt sie durch eine vollständig moderne Konstruktion – für Sammlerinnen und Sammler ein Einschnitt von erheblicher Tragweite.

Der technische Kern der Neuentwicklung liegt in einer Trias raumsparender Lösungen. Herzstück ist ein bidirektionaler Mikrorotor aus 950er Platin, der direkt in die Grundplatte eingelassen ist und die Dichte des Edelmetalls nutzt, um trotz reduzierter Grösse eine effiziente Aufzugsleistung zu erzielen. Hinzu kommt ein aufgehängtes Doppelfederhaus, bei dem zwei Federhäuser in Reihe geschaltet sind und so die aussergewöhnliche Gangreserve ermöglichen, ohne die Bauhöhe zu vergrössern. Vervollständigt wird die Architektur durch ein kompaktes, einstufiges Räderwerk. Das Werk misst 30,6 Millimeter im Durchmesser, arbeitet mit einer Frequenz von 3 Hertz beziehungsweise 21'600 Halbschwingungen pro Stunde und besteht aus 153 Komponenten sowie 25 Steinen. Der Mikrorotor trägt als Dekor die Windrose der Overseas-Kollektion.

Verbaut ist das Kaliber in der neuen Overseas Self-Winding Ultra-Thin aus 950er Platin mit der Referenz 2500V/210P-H028. Die Uhr misst 39,5 Millimeter im Durchmesser und ist insgesamt nur 7,35 Millimeter hoch, womit sie die bislang flachste Uhr der gesamten Overseas-Kollektion ist. Zur Einordnung: Damit unterbietet sie ihre unmittelbaren Konkurrentinnen im Segment der ultraflachen, integrierten Sportuhren deutlich. Für das Gehäuse und das Armband verwendet Vacheron Constantin erstmals in der Geschichte der Kollektion durchgängig 950er Platin – und zwar keine gewöhnliche Legierung, sondern eine mit Kupfer und Gallium angereicherte Variante, die durch thermische Härtung eine deutlich höhere Kratz- und Stossfestigkeit erreicht als herkömmliches Platin. Die auf 255 Exemplare limitierte Edition wird durch ein lachsfarbenes Zifferblatt mit sonnenschliffiger Satinierung, edle Platinverarbeitung und werkzeuglos austauschbare Armbänder zusätzlich aufgewertet. Die Kombination aus Platin und lachsfarbenem Zifferblatt greift bewusst ein Motiv aus dem Archiv der 1940er-Jahre auf, das unter Sammlerinnen und Sammlern längst als Signatur hochwertiger, limitierter Editionen gilt.

Gucci: Modecodes in echtem High Watchmaking

Gucci baut seine Präsenz im Segment der hochwertigen Uhrmacherei weiter aus und nutzt dabei gezielt die eigene, sofort erkennbare Designsprache. Für ein Modehaus, das den Schritt in die ernsthafte Haute Horlogerie geht, ist die zentrale Frage stets, ob es gelingt, die eigene Identität glaubwürdig in mechanische Objekte zu übersetzen, ohne dass diese wie modische Beigaben wirken. Gucci beantwortet diese Frage 2026 mit einer klaren strategischen Linie.

Die Modelle der Linie G-Timeless Métiers d'Art greifen Motive aus den Archivdesigns der Seidentücher auf und rücken Natur- und Tierwelten ins Zentrum. Florale Kompositionen, tropische Szenen und stilisierte Tiere machen jede Uhr zu einem eigenständigen Kunstobjekt, das durch Tourbillon, Gold, Diamanten und Edelsteine zusätzlich aufgewertet wird. Der Begriff «Métiers d'Art» verweist auf die kunsthandwerklichen Disziplinen der Uhrmacherei, und Gucci nutzt diese Techniken, um seine eigene Bildsprache auf das Zifferblatt zu übertragen. Dass dabei ein Tourbillon zum Einsatz kommt, unterstreicht den Anspruch, nicht nur dekorativ, sondern auch mechanisch anspruchsvoll zu sein.

Darüber hinaus präsentierte Gucci vier weitere High-Watchmaking-Neuheiten. Besonders auffällig ist die GUCCI 25H, bei der ein mit Regenbogen-Saphiren besetztes Gehäuse auf ein skelettiertes Uhrwerk trifft. Dieses Modell sucht keine Zurückhaltung, sondern arbeitet ganz bewusst mit maximaler Präsenz und starker visueller Wirkung. Auch bekannte Gucci-Codes wurden neu interpretiert: Die Kollektionen Horsebit und Bamboo kehren in aktualisierter Form mit neuen Materialien und den typischen Markenmotiven zurück. Genau darin liegt die strategische Stärke der Marke – Gucci trennt sich nicht von seinem Erbe, sondern übersetzt seine Archiv-Elemente konsequent in die Gegenwart. Für ein Haus, das seine Wiedererkennbarkeit über Jahrzehnte aufgebaut hat, ist dies der plausibelste Weg, sich auch in der Uhrmacherei ein eigenständiges Profil zu erarbeiten.

Hublot: zwanzig Jahre Big Bang mit maximaler Wirkung

Zum zwanzigjährigen Jubiläum der Big Bang setzte Hublot auf Modelle, die die eigene Handschrift besonders klar zeigen. Kräftige Farben, Materialexperimente und bewusst provokantes Design ziehen sich durch die Neuheiten wie ein roter Faden. Die Big Bang hat die Marke seit ihrer Einführung geprägt und ihr den Ruf eingebracht, in der oft konservativen Welt der Haute Horlogerie eine eigene, auffällige Position zu besetzen. Das Jubiläum bot die Gelegenheit, dieses Selbstverständnis noch einmal deutlich zu unterstreichen.

Ein besonders auffälliges Beispiel ist die Big Bang Joyful Steel Purple, die mit ihrem intensiven Violett sofort ins Auge fällt und den extrovertierten Charakter der Marke verkörpert. Farbe ist bei Hublot kein Zubehör, sondern ein zentrales Gestaltungsmittel, und die Joyful-Linie treibt diesen Ansatz konsequent voran. Dem gegenüber steht die Spirit of Big Bang Impact, die Hublots High-End-Ansatz im Bereich der Haute Joaillerie unterstreicht. Erstmals kombiniert die Marke Saphir und Diamanten in einer skulptural anmutenden Konstruktion rund um ein fliegendes Tourbillon. Die limitierten Varianten verbinden darüber hinaus Keramik, Saphir und Edelsteinbesatz zu Uhren, die technisch anspruchsvoll und visuell ausgesprochen kraftvoll wirken. Damit zeigt Hublot, dass sich extrovertiertes Design und ernsthafte uhrmacherische Ambition nicht ausschliessen müssen, sondern sich in den richtigen Modellen sogar wechselseitig verstärken können.

Van Cleef & Arpels: dem Kosmos treu

Van Cleef & Arpels zeigt 2026 erneut, wie tief astronomische Motive in der Identität der Maison verankert sind. Seit mehr als einem Jahrhundert schöpft das Haus Inspiration aus Planeten, Sternen und Himmelsbewegungen, und bereits seit 1929 gehören Mondphasenmodelle zu dieser Geschichte. Die aktuelle Präsentation führt diese Tradition nicht einfach fort, sondern verleiht ihr mit feiner Mechanik und kunstvoller Emailarbeit neue Ausdruckskraft. Bei Van Cleef & Arpels ist die Uhr selten nur ein Zeitmesser, sondern immer auch Trägerin einer poetischen Vorstellung von Zeit – eine Haltung, die das Haus von rein technisch orientierten Manufakturen unterscheidet.

Im Mittelpunkt steht die Kollektion Poetic Complications. Die Midnight Jour Nuit Phase de Lune verbindet eine Tag-/Nachtanzeige mit einer präzisen Mondphasen-Komplikation und einer Animation, die den Mond auf dem Zifferblatt sichtbar werden lässt. Die Mondphasenanzeige gehört zu den ältesten Komplikationen der Uhrmacherei, doch Van Cleef & Arpels inszeniert sie weniger als technische Funktion denn als erzählerisches Element. Die Midnight Heure d'ici & Heure d'ailleurs wiederum zeigt zwei Zeitzonen mit innovativer Mechanik und aufwendig gearbeiteter Emaille und macht deutlich, dass die Maison Funktion und Poesie stets zusammendenkt. Die kunstvolle Emailarbeit, für die das Haus bekannt ist, verwandelt dabei das Zifferblatt in eine Miniaturbühne, auf der sich die Zeit als Geschichte entfaltet.

Chanel: Schach als Objekt der Haute Horlogerie

Eines der ungewöhnlichsten Projekte der Messe kam in diesem Jahr von Chanel. Im Zentrum steht Gabrielle Chanel als Königin eines aussergewöhnlichen Spielfelds, das das Haus als das weltweit erste Haute-Horlogerie-Schachbrett inszeniert. Hinter diesem Objekt stehen hunderte Stunden Handarbeit, und genau dieser Aufwand verleiht dem Projekt eine Präsenz, die weit über einen reinen Messeeffekt hinausgeht. Chanel nutzt die Watches and Wonders traditionell für gestalterisch mutige Auftritte, doch das Schachbrett verschiebt die Grenze dessen, was als uhrmacherisches Objekt gelten kann, noch einmal spürbar.

Das Schachbrett besteht aus Gold, Keramik und Diamanten, und jede der 32 Figuren greift Motive aus der Welt der französischen Maison auf. Dazu gehören unter anderem die Vendôme-Säule, eine Schneiderbüste und der Löwe als König – Symbole, die eng mit der Biografie und dem Universum von Gabrielle Chanel verbunden sind. Die schwarzen Figuren bestehen aus extrem harter Hightech-Keramik, die weissen aus fein gearbeitetem Weissgold, wodurch ein starker optischer und materieller Kontrast entsteht. Dieser Materialdialog zwischen Keramik und Weissgold ist charakteristisch für Chanels uhrmacherische Handschrift und findet sich seit Jahren auch in den Serienmodellen des Hauses.

Die aufwendigste Figur ist die Gabrielle-Königin. Sie ist mit Diamanten und kontrastierenden Materialien gestaltet und birgt in ihrem Inneren eine Uhr, die auch als Kette getragen werden kann. Ergänzt wird die Coco-Game-Welt durch Armbanduhren, lange Secret-Halsketten und einen Ring, wodurch Chanel das Thema weit über das Schachbrett hinaus ausbaut. Damit wird das Projekt zu einem in sich geschlossenen Universum, in dem die Grenzen zwischen Uhr, Schmuck und Objektkunst bewusst aufgehoben werden – ein Ansatz, der Chanels Verständnis von Luxus als Gesamtinszenierung präzise abbildet.

Piaget: die Idee der Schmuckuhr konsequent weitergedacht

Piaget knüpfte bei der Watches and Wonders 2026 an eine der stärksten historischen Linien des Hauses an. Mit einer neuen Version der ikonischen Swinging Sautoirs greift die Marke die Idee der Uhr am Kettenanhänger wieder auf und führt damit ein Konzept fort, das bereits in der 21st Century Collection von 1969 eine wichtige Rolle spielte. Schon damals definierte Piaget die Uhr nicht nur als Instrument zur Zeitanzeige, sondern als tragbares Schmuckstück mit eigenständigem Stilwert. Diese Doppelrolle – Zeitmesser und Schmuck zugleich – gehört zum Kern der Markenidentität und unterscheidet Piaget von Häusern, die die Uhr primär als technisches Objekt begreifen.

Diese Haltung wurde in den 1970er-Jahren auch durch die Zusammenarbeit mit Designern wie Jean-Claude Gueit geprägt. In dieser Phase entstanden experimentelle, verspielte Stücke, in denen Zeit als Bewegung verstanden wurde – fliessend, lebendig und emotional. Genau diese Linie setzt Piaget nun mit den neuen Swinging Pebbles fort. Die Anhängeruhren bestehen aus dekorativen Schmucksteinen wie Tigerauge, Verdite oder Pietersit. Jeder Stein wird einzeln geformt, ausgehöhlt und mit einem Uhrwerk versehen, bevor er an einer gedrehten Goldkette getragen wird. Damit macht Piaget sehr klar, dass Zeit im Luxussegment nicht allein über klassische Zifferblätter und Zeiger erzählt werden muss, sondern ebenso stark über Material, Form und Präsenz. Die Verwendung ungewöhnlicher Schmucksteine verleiht jedem Stück eine individuelle Maserung und macht es zu einem Unikat im Kleinen.

Der Schweizer Blick: warum Genf mehr ist als eine Messe

Für die Schweiz ist die Watches and Wonders weit mehr als eine internationale Verkaufsmesse. Sie ist die jährliche Selbstvergewisserung einer Industrie, die zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen des Landes gehört und deren Ruf untrennbar mit dem Begriff «Swiss Made» verbunden ist. Wenn im Palexpo rund sechzig Marken ihre Neuheiten zeigen, dann steht dahinter ein Netz aus Manufakturen, Zulieferern und spezialisierten Handwerksbetrieben, das über Generationen hinweg gewachsen ist. Die Präzision, die auf den Zifferblättern sichtbar wird, wurzelt in einer regionalen Fertigungskultur, die vom Jurabogen bis nach Genf reicht.

Bemerkenswert an der Ausgabe 2026 ist, dass die technische Führerschaft der Schweizer Häuser erneut sichtbar wurde – exemplarisch am Kaliber 2550 von Vacheron Constantin, das nach sieben Jahren Entwicklung einen neuen Massstab im ultraflachen Segment setzt. Zugleich zeigt die Präsenz von Modehäusern wie Gucci und Chanel, dass sich das Feld der Haute Horlogerie erweitert und neue Akteure ernsthaft in die hohe Uhrmacherei drängen. Für die traditionellen Schweizer Manufakturen bedeutet dies zweierlei: erhöhten Wettbewerb um Aufmerksamkeit einerseits, andererseits aber auch eine Bestätigung, dass die von ihnen definierten Standards weiterhin den Massstab bilden, an dem sich alle messen lassen müssen.

Was die Messe 2026 insgesamt zeigt

Die Watches and Wonders 2026 macht deutlich, dass sich die Branche nicht auf einen einzigen Trend festlegen lässt. Einige Marken treiben die technische Miniaturisierung an ihre Grenzen, andere setzen auf künstlerische Handarbeit, juwelenhafte Opulenz oder die moderne Wiederbelebung historischer Codes. Genau darin liegt die Stärke dieser Ausgabe: In Genf haben 2026 Technik, Handwerk und mutiges Design gleichzeitig gewonnen.

Wer die Neuheiten dieses Jahrgangs im Zusammenhang betrachtet, erkennt eine Industrie, die selbstbewusst in mehreren Richtungen zugleich arbeitet. Die extreme Dünne eines Bvlgari-Tourbillons oder eines Vacheron-Kalibers steht nicht im Widerspruch zur opulenten Emailarbeit von Van Cleef & Arpels oder zum objektkünstlerischen Anspruch von Chanel – sie ergänzen einander zu einem Gesamtbild, das die Vielfalt der hohen Uhrmacherei abbildet. Für Sammlerinnen und Sammler, für die Branche und für ein breiteres Publikum bleibt die Watches and Wonders damit der wichtigste Fixpunkt des Uhrenjahres: ein Ort, an dem sich Jahr für Jahr entscheidet, welche Ideen Bestand haben und welche Modelle die Debatten der kommenden Monate prägen werden.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann und wo fand die Watches and Wonders 2026 statt? Die Watches and Wonders 2026 fand in Genf statt und versammelte rund sechzig der weltweit bedeutendsten Uhrenmarken. Die Messe gilt als der wichtigste Branchentermin des Jahres für die Haute Horlogerie.

Welche Uhr war der technische Höhepunkt der Messe? Als eines der stärksten technischen Highlights galt das Kaliber 2550 von Vacheron Constantin, das nach sieben Jahren Entwicklung nur 2,4 Millimeter hoch ist und dennoch achtzig Stunden Gangreserve bietet. Es debütierte in der Overseas Self-Winding Ultra-Thin, der mit 7,35 Millimetern flachsten Uhr der Kollektion.

Welche Uhr hält den Weltrekord als dünnstes fliegendes Tourbillon? Die Octo Finissimo Ultra Tourbillon Platinum von Bvlgari hält mit einer Gesamthöhe von nur 1,85 Millimetern den Weltrekord als dünnstes fliegendes Tourbillon der Welt. Sie erscheint 2026 erstmals in einer auf zehn Exemplare limitierten Platin-Version.

Was hatte es mit dem Chanel-Schachbrett auf sich? Chanel präsentierte das nach eigenen Angaben weltweit erste Haute-Horlogerie-Schachbrett. Es besteht aus Gold, Keramik und Diamanten, und jede der 32 Figuren greift Motive aus der Welt der Maison auf. Die aufwendigste Figur, die Gabrielle-Königin, birgt in ihrem Inneren eine Uhr, die auch als Kette getragen werden kann.

Welche Marken zeigten Comebacks historischer Modelle? Cartier belebte unter anderem die sportliche Roadster aus dem Jahr 2002 wieder und verfeinerte dabei Proportionen und Ergonomie. Piaget knüpfte mit den neuen Swinging Pebbles an das Konzept der Swinging Sautoirs aus der 21st Century Collection von 1969 an.

Spielten auch Modehäuser eine Rolle? Ja. Gucci baute mit der Linie G-Timeless Métiers d'Art und der auffälligen GUCCI 25H seine Präsenz im High Watchmaking aus, während Chanel mit seinem Schachbrett-Projekt die Grenzen zwischen Uhr, Schmuck und Objektkunst bewusst auflöste.

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