Die deutsche Krypto-Steuer steht vor einer der wichtigsten Änderungen seit Jahren: Die Bundesregierung prüft im Rahmen der Haushaltsplanung 2027, ob Gewinne aus Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowerten künftig auch nach langer Haltedauer steuerpflichtig werden sollen. Für private Anleger in Deutschland wäre das ein klarer Bruch mit der bisherigen Praxis, denn bislang können Gewinne nach mehr als zwölf Monaten Haltedauer steuerfrei realisiert werden. Für Schweizer Leser ist der Fall ebenfalls relevant, weil Deutschland bisher als vergleichsweise attraktiver Standort für langfristige Krypto-Investoren galt und eine Reform Signalwirkung für die europäische Steuerdebatte haben könnte, berichtet NUME.CH.
Was bei der Krypto-Steuer in Deutschland geplant ist
Nach bisheriger Rechtslage fallen Bitcoin und andere Kryptowährungen in Deutschland unter private Veräusserungsgeschäfte nach § 23 Einkommensteuergesetz. Wer seine Coins länger als ein Jahr hält, kann Gewinne derzeit steuerfrei verkaufen. Diese Regel macht einen grossen Unterschied zu Aktien, Fonds oder Zertifikaten, bei denen in Deutschland grundsätzlich Kapitalertragsteuer anfällt. Genau diese Haltefrist steht nun politisch unter Druck. Aus Berichten über eine Kabinettsvorlage des Bundesfinanzministeriums geht hervor, dass Gewinne aus Kryptowerten künftig unabhängig von der Haltedauer besteuert werden könnten. Noch handelt es sich nicht um endgültig beschlossenes Recht. Nach einem möglichen Kabinettsbeschluss müsste der Entwurf durch Bundestag und Bundesrat gehen, bevor eine Änderung in Kraft treten könnte.
Für Anleger bedeutet das: Entscheidend sind jetzt nicht Schlagzeilen, sondern Übergangsregeln, Bestandsschutz und der genaue Startzeitpunkt. Besonders wichtig ist die Frage, ob nur neue Käufe ab 2027 betroffen wären oder ob auch bereits gehaltene Bestände in irgendeiner Form erfasst werden könnten.
Warum die Haltefrist für Anleger so wichtig ist
Die einjährige Haltefrist ist für viele private Krypto-Anleger der Kern der bisherigen Steuerplanung. Wer Bitcoin oder Ethereum nicht kurzfristig handelt, sondern über Jahre hält, konnte Gewinne nach Ablauf der Frist steuerfrei realisieren. Das hat Sparpläne, langfristiges Halten und saubere Dokumentation attraktiv gemacht.
Eine Abschaffung würde die Rechnung verändern. Anleger müssten dann prüfen, ob Gewinne künftig mit dem persönlichen Einkommensteuersatz oder nach einem anderen Modell besteuert werden. Diskutiert wird auch eine stärkere Annäherung an die Besteuerung von Kapitalanlagen. Welche Variante am Ende kommt, ist derzeit offen. Besonders betroffen wären Anleger mit hohen stillen Gewinnen, frühe Bitcoin-Käufer, Selbstständige mit Krypto-Rücklagen und Personen, die regelmässig per Sparplan investieren. Für sie geht es nicht nur um neue Steuerlast, sondern auch um Rechtssicherheit.
Was Anleger jetzt konkret prüfen sollten
Anleger sollten jetzt vor allem Ordnung in ihre Daten bringen. Wer nicht weiss, wann welche Coins gekauft wurden, kann weder die heutige Haltefrist sauber nutzen noch auf eine Reform vorbereitet reagieren.
Wichtig sind vor allem:
Kaufdatum und Verkaufdatum jeder Transaktion
Einstandspreise in Euro
Wallet-Transfers zwischen eigenen Adressen
Staking-, Lending- oder Airdrop-Vorgänge
Nachweise von Börsen, Wallets und Steuer-Tools
bereits steuerfreie Bestände nach mehr als zwölf Monaten
mögliche Verkäufe vor Inkrafttreten neuer Regeln
Ein übereilter Verkauf ist trotzdem nicht automatisch sinnvoll. Steuerliche Entscheidungen hängen vom Kaufdatum, Gewinn, Wohnsitz, Einkommen, Risikoprofil und von der endgültigen Gesetzesfassung ab. Wer grössere Beträge hält, sollte die Lage mit einem Steuerberater prüfen.
Warum die Petition gegen die Reform wichtig wird
In der deutschen Krypto-Community formiert sich Widerstand gegen das mögliche Ende der Haltefrist. Die Initiative ProHaltefrist und der Bitcoin Bundesverband verweisen darauf, dass am 30. Mai 2026 eine Bundestagspetition zum Erhalt der steuerlichen Haltefrist eingereicht wurde. Ziel ist, die bestehende Regelung nach § 23 EStG zu bewahren und nach Freischaltung der Petition innerhalb von sechs Wochen mindestens 30’000 Unterstützer zu erreichen.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen fehlende Klarheit beim Bestandsschutz. Viele Anleger haben Kryptowährungen im Vertrauen auf die bisherige Rechtslage gehalten. Sollte der Gesetzgeber auch Altbestände erfassen, dürfte die Debatte über Vertrauensschutz und Rückwirkung deutlich schärfer werden.
Noch ist die Reform nicht endgültig beschlossen. Für das Steuerjahr 2026 gilt nach aktueller Darstellung weiterhin die bestehende Rechtslage: Gewinne aus Kryptowährungen können nach mehr als einem Jahr Haltedauer steuerfrei sein. Ein möglicher Startpunkt für neue Regeln wird in mehreren Analysen frühestens für den Veranlagungszeitraum 2027 genannt.
Offen bleiben drei zentrale Fragen:
Gilt die neue Besteuerung nur für künftige Käufe?
Gibt es Bestandsschutz für bereits gehaltene Coins?
Wird Krypto künftig wie Kapitalvermögen oder weiter über private Veräusserungsgeschäfte behandelt?
Bis diese Punkte geklärt sind, sollten Anleger keine Entscheidungen auf Basis von Gerüchten treffen. Sicher ist nur: Die deutsche Krypto-Steuer ist politisch wieder ein grosses Thema, und wer Bitcoin oder andere Kryptowerte hält, sollte seine Unterlagen jetzt vollständig und belastbar vorbereiten.
Die geplante Reform der Krypto-Steuer könnte Deutschland für langfristige Bitcoin-Anleger deutlich verändern. Noch ist nichts endgültig beschlossen, doch die Richtung ist klar: Die Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltedauer steht unter politischem Druck. Für Anleger zählt deshalb jetzt vor allem Vorbereitung. Wer Kaufdaten, Wallet-Bewegungen und Gewinne sauber dokumentiert, kann schneller reagieren, sobald der endgültige Gesetzestext vorliegt.
Fragen und Antworten zur Krypto-Steuer in Deutschland und der Schweiz

Was plant Deutschland bei der Krypto-Steuer?
Deutschland prüft eine Reform der Krypto-Steuer, bei der die bisherige Steuerfreiheit nach einer Haltedauer von mehr als zwölf Monaten wegfallen könnte. Bisher können private Anleger Gewinne aus Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowerten steuerfrei realisieren, wenn sie die Coins länger als ein Jahr gehalten haben. Sollte die Reform kommen, könnten Gewinne künftig unabhängig von der Haltedauer steuerpflichtig werden.
Gilt die geplante deutsche Krypto-Steuer auch in der Schweiz?
Nein. Die geplante Reform betrifft zunächst Deutschland und nicht direkt die Schweiz. Für Anleger mit steuerlichem Wohnsitz in der Schweiz gelten weiterhin die Schweizer Steuerregeln. Relevant ist die deutsche Debatte für Schweizer Leser trotzdem, weil viele Investoren im DACH-Raum grenzüberschreitend investieren, in Deutschland Vermögen halten oder steuerliche Verbindungen nach Deutschland haben können.
Was gilt in der Schweiz bei Bitcoin und Kryptowährungen?
In der Schweiz sind private Kapitalgewinne aus Kryptowährungen grundsätzlich steuerfrei, sofern die Person als private Anlegerin oder privater Anleger gilt. Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowerte müssen aber in der Vermögenssteuer deklariert werden. Die Steuerverwaltung bewertet Kryptowährungen in der Regel nach ihrem Marktwert per Jahresende.
Müssen Schweizer Anleger Krypto-Gewinne versteuern?
Private Schweizer Anleger müssen reine Kursgewinne aus Kryptowährungen normalerweise nicht als Einkommen versteuern. Anders kann es aussehen, wenn jemand als professioneller Wertschriftenhändler eingestuft wird oder mit Kryptowährungen regelmässig gewerblich handelt. Dann können Gewinne steuerpflichtig werden.
Was ist mit Staking, Mining und Lending in der Schweiz?
Erträge aus Staking, Mining, Lending oder ähnlichen Krypto-Aktivitäten können in der Schweiz steuerlich als Einkommen gelten. Das unterscheidet sich von reinen Kursgewinnen. Wer regelmässig solche Erträge erzielt, sollte diese sauber dokumentieren und bei der Steuererklärung korrekt angeben.
Warum ist die deutsche Reform für Schweizer Anleger trotzdem wichtig?
Die deutsche Reform ist für Schweizer Anleger wichtig, weil sie zeigt, dass die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen in Europa politisch stärker unter Druck gerät. Deutschland ist der grösste Markt im DACH-Raum. Wenn dort die Haltefrist fällt, könnte das auch Debatten in anderen Ländern beeinflussen, selbst wenn die Schweizer Regeln derzeit anders sind.
Können Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz betroffen sein?
Ja, das kann im Einzelfall möglich sein. Entscheidend ist nicht nur die Staatsangehörigkeit, sondern vor allem der steuerliche Wohnsitz, mögliche Wegzugsregeln, Vermögensstrukturen und weitere steuerliche Verbindungen nach Deutschland. Wer aus Deutschland in die Schweiz gezogen ist oder in beiden Ländern steuerliche Bezüge hat, sollte die Situation individuell prüfen lassen.
Was sollten Anleger jetzt konkret tun?
Anleger sollten alle Krypto-Transaktionen sauber dokumentieren. Dazu gehören Kaufdatum, Verkaufdatum, Anschaffungspreis, Verkaufspreis, Wallet-Transfers, Börsenbelege sowie Erträge aus Staking, Mining oder Lending. Für deutsche Anleger ist vor allem die Frage wichtig, ob noch Verkäufe unter der bisherigen Haltefrist möglich sind. Für Schweizer Anleger zählt vor allem die korrekte Deklaration in der Vermögenssteuer.
Gibt es in der Schweiz eine einjährige Haltefrist wie in Deutschland?
Nein. Die Schweiz kennt für private Anleger keine identische einjährige Krypto-Haltefrist wie Deutschland. Entscheidend ist in der Schweiz vor allem, ob jemand als private Anlegerin oder privater Anleger gilt oder ob die Aktivität als gewerbsmässig beziehungsweise professionell eingestuft wird.
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz?
Der wichtigste Unterschied liegt bei privaten Kapitalgewinnen. In Deutschland können Krypto-Gewinne derzeit nach mehr als einem Jahr Haltedauer steuerfrei sein, diese Regel steht aber politisch zur Diskussion. In der Schweiz sind private Kapitalgewinne grundsätzlich steuerfrei, während Kryptowerte als Vermögen deklariert werden müssen.
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