Rund fünfzig Polizisten in Lausanne sollen über mehrere Jahre hinweg in privaten WhatsApp-Gruppen rassistische, antisemitische, sexistische und extremistisch motivierte Nachrichten ausgetauscht haben. Der Sender RTS hat intern geführte Chatprotokolle im Umfang von 2500 Seiten ausgewertet, welche ein erschütterndes Ausmaß an Hass, Diskriminierung und menschenverachtenden Äußerungen innerhalb der Lausanner Polizeibehörde aufzeigen. Die fraglichen Chat-Gruppen trugen die Namen "Pirate F" und "Les Cavaliers" und waren über lange Zeiträume – die Gruppe "Pirate F" von 2016 bis 2023 und "Les Cavaliers" von 2022 bis 2024 – aktiv. Die Kommunikationsplattformen wurden von den Beamten nicht nur für den Austausch über Dienstpläne, Feierabend oder Urlaub genutzt, sondern auch als Forum für schockierende Hassbotschaften. Dabei mischten sich die normalen Alltagsgespräche nahtlos mit den diskriminierenden Inhalten, ohne dass in den Protokollen Kritik oder Widerspruch von anderen Teilnehmern festgestellt werden konnte. Einige der an den Chats beteiligten Beamten sind mittlerweile nicht mehr im Polizeidienst tätig, während andere weiterhin im Dienst sind, berichtet Nume.ch mit Verweis auf Вlick.
In den ausgewerteten Chatverläufen fanden sich wiederholt entmenschlichende und erniedrigende Kommentare, die sich gegen Schwarze, Araber und Roma richteten. Dazu gehörten rassistische Äußerungen wie die Behauptung, Schwarze würden "schlecht riechen", sowie die Verwendung rassistischer Beleidigungen. Besonders beunruhigend sind Gewaltfantasien, die von einzelnen Polizisten geäußert wurden. Ein Beamter schrieb beispielsweise in Reaktion auf eine Bemerkung über eine Journalistin dunkler Hautfarbe, er habe den Wunsch, "Menschen zu töten". Araber und Nordafrikaner wurden ebenfalls abwertend dargestellt, etwa durch einen "Witz" über deren "Allgegenwart in Lausanne" oder Vergleiche mit "grauem, trübem und bedrohlichem" Wetter. Auch Spott über die Kleidung von Roma wurde in den Gruppen geteilt.
Zusätzlich zu den rassistischen Inhalten fand RTS Belege für Hitler-Verehrung und rechtsextreme Tendenzen. In mehreren Nachrichten wurde der Diktator verherrlicht, unter anderem mit einem Bild von Hitler und der Unterschrift "Hitler approves". Auf ein Foto von Polizeirekruten antwortete eine Polizistin mit dem Kommentar: "Die Gestapo rekrutiert! White Power!" Auch der Ku-Klux-Klan wurde in den Gesprächen erwähnt. Darüber hinaus gab es antisemitische Äußerungen, wie die Beleidigung eines Ex-Polizisten als "dreckiger Jude" ohne jeglichen Widerspruch. Auch Sexismus und die Verhöhnung von Menschen mit Behinderungen waren Teil der Kommunikation. Frauen wurden sexualisiert, herabgesetzt oder als intellektuell minderwertig dargestellt; so stimmte ein Beamter einem Artikel zu, der Frauen nur "ein Viertel Gehirn" zugestand. Des Weiteren offenbarten die Chats einen tief sitzenden Frust über die geltenden Einsatzbefugnisse und eine deutliche Tendenz zu Gewaltfantasien. Ein Beamter kommentierte nach einem Einsatz zu einem bewaffneten Mann im Juni 2023, er hätte ihn am liebsten persönlich erschossen, ungeachtet möglicher Gerichtsverfahren. Andere äußerten Verachtung gegenüber linken Protesten, bezeichneten Asylproteste als "widerliche Marxisten" und kritisierten, dass Demonstranten in Lausanne freier agieren und die Polizei beleidigen könnten, im Gegensatz zu härteren Einsätzen in anderen Kantonen.
Bleiben Sie informiert – Relevantes. Jeden Tag. Lesen Sie, worum es heute wirklich geht – in der Schweiz und der Welt: Warum reist Minister Pfister nach Belgien, um den F-35 Kampfflieger zu inspizieren.








