Apple hat am Montag auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC in Cupertino mit Siri AI eine komplett neu entwickelte, auf Apple Intelligence basierende Version seines Sprachassistenten vorgestellt, kündigt aber zugleich an, dass der Dienst wegen des Digital Markets Act (DMA) in der Europäischen Union nicht mit iOS 27 und iPadOS 27 ausgeliefert wird und auf iPhone und iPad vorerst gar nicht verfügbar sein wird, während Mac, Apple Watch und Apple Vision Pro ausgenommen sind, wie aus den Mitteilungen des Konzerns hervorgeht und wie NUME.CH unter Berufung auf die offiziellen Apple-Pressemitteilungen sowie Berichte von CNN und CNBC zusammenträgt. Software-Chef Craig Federighi sprach von tiefer Enttäuschung darüber, dass EU-Nutzer Siri AI auf iPhone und iPad bei der Veröffentlichung der neuen Software später in diesem Jahr nicht haben werden; einen Zeitplan für den iOS- und iPadOS-Start in der EU nennt Apple ausdrücklich nicht. Begleitet wird der Schritt von einem symbolträchtigen Moment: Es war die letzte WWDC-Keynote von Tim Cook als Konzernchef, der im September an John Ternus übergibt.
Damit kollidieren an diesem Tag zwei Erzählungen. Auf der einen Seite präsentiert Apple den grössten Umbau seines rund 15 Jahre alten Assistenten – ein Versuch, im Wettlauf mit ChatGPT und Google Gemini aufzuholen. Auf der anderen Seite verhängt der Konzern für seinen wichtigsten Markt eine harte Einschränkung und macht dafür die Brüsseler Regulierer verantwortlich. Für Nutzer in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den übrigen 23 EU-Staaten bedeutet das: Das Vorzeige-Feature des Jahres bleibt auf den meistgenutzten Geräten zunächst aussen vor.
Was Apple in der EU einschränkt – und was nicht
Der Kern der Ankündigung ist eine geografische und plattformbezogene Zweiteilung. In der EU fällt für iPhone und iPad das gesamte neue Funktionspaket weg, auf den übrigen Plattformen bleibt es erhalten. Die Übersicht:
| Plattform | Betriebssystem | Siri AI in der EU |
|---|---|---|
| iPhone | iOS 27 | nicht verfügbar |
| iPad | iPadOS 27 | nicht verfügbar |
| Mac | macOS 27 | verfügbar |
| Apple Watch | watchOS 27 | verfügbar |
| Apple Vision Pro | visionOS 27 | verfügbar |
Konkret fehlen EU-Nutzern auf iPhone und iPad laut Apple gleich mehrere zentrale Bausteine des neuen Systems. Dazu zählen:
- die eigenständige Siri-App zum Wiederaufrufen früherer Gespräche,
- die erweiterte Visual-Intelligence-Erfahrung,
- die integrierten Schreibwerkzeuge,
- der neue Siri-Modus in der Kamera-App unter iOS,
- sowie weitere auf der WWDC26 vorgestellte Siri-AI-Funktionen.
Betroffen sind nicht nur Endnutzer: Entwickler mit Sitz in der EU können die neuen Siri-AI-Funktionen für ihre eigenen Apps auf iOS und iPadOS weder testen noch einsetzen. Das verschärft die Folgen, weil die App-Anbindung an Siri – etwa über Spotlight – ein zentrales Versprechen der Plattform ist.
Der Streit um den DMA: zwei gegensätzliche Lesarten
Im Zentrum steht der Digital Markets Act, das EU-Wettbewerbsgesetz für grosse Plattformen, die als "Gatekeeper" eingestuft sind. Apple und die Regulierer legen das Gesetz grundlegend unterschiedlich aus – und genau diese Auslegung entscheidet über Verfügbarkeit oder Stopp.

Nach Darstellung des Konzerns verlangen die EU-Regulierer, dass Apple jedem virtuellen Assistenten direkten Zugriff auf private Nutzerdaten sowie die Kontrolle über andere installierte Apps gewähren müsste, sobald Siri AI in der EU verfügbar gemacht wird – und zwar ohne die aus Apples Sicht notwendigen Schutzmechanismen. Apple bezeichnet diese Lesart ausdrücklich als "extreme Interpretation" des DMA. Federighi formulierte die Position des Konzerns so:
"Wir sind zutiefst enttäuscht, dass unsere EU-Nutzer Siri AI auf iPhone oder iPad nicht haben werden, wenn wir unsere neuen Software-Versionen später in diesem Jahr veröffentlichen." (Craig Federighi, Senior Vice President Software Engineering bei Apple, in der offiziellen Apple-Mitteilung)
Konkret zähle der DMA in der Lesart der Regulierer nach Apples Angaben dazu, jedem KI-System nahezu unbegrenzten Gerätezugriff zu geben – inklusive der Fähigkeit, autonom und ohne fortlaufende Sichtbarkeit und Kontrolle des Nutzers zu handeln. Genannt werden das Lesen und Senden von Nachrichten, das Tätigen von Käufen, der Zugriff auf Dateien sowie das Ausführen von Aktionen über beliebige Apps hinweg.
Wichtig zur Einordnung: Diese gesamte Darstellung stammt aus Apples eigener Mitteilung. Eine Gegendarstellung oder Stellungnahme der Europäischen Kommission liegt in den vorliegenden Unterlagen nicht vor. Der DMA selbst verfolgt aus Sicht der EU das Ziel, Märkte zu öffnen und marktbeherrschende Plattformen zu mehr Interoperabilität zu zwingen – ein Anliegen, das Apple in diesem Fall als Sicherheitsrisiko deutet.
Sicherheitsargument: Apples zentrale Begründung
Apple stützt seine Verweigerung wesentlich auf Sicherheits- und Datenschutzargumente. Der Konzern beschreibt Siri AI als "private by design" – tief in die Plattformen integriert über On-Device-Verarbeitung und Private Cloud Compute, die die Sicherheit des iPhone in die Cloud verlängern soll. Bei Anfragen über Private Cloud Compute würden keine persönlichen Daten gespeichert oder dem Konzern zugänglich gemacht; externe Fachleute könnten dieses Versprechen jederzeit überprüfen.
Demgegenüber, so Apple, würde die DMA-Auslegung der Regulierer genau diese Schutzarchitektur aushebeln. Zur Untermauerung verweist der Konzern auf Forschungsergebnisse:
Sicherheitsforscher hätten bereits gezeigt, dass KI-Systeme gekapert werden können, um persönliche Daten wie Passwörter und Fotos zu stehlen und um Dateien sowie Kontoeinstellungen ohne Zustimmung des Nutzers dauerhaft zu verändern. (sinngemäss aus der Apple-Mitteilung)
Mit wachsenden Fähigkeiten der KI-Systeme nähmen diese Risiken nach Häufigkeit und Umfang rasch zu, argumentiert Apple. Genau hier liegt der Kern des Konflikts: Für Apple ist ein direkter, fremder Zugriff auf Geräteebene ein Einfallstor; für die Regulierer ist ebendieser Zugang Voraussetzung für fairen Wettbewerb zwischen Assistenten.
Trusted System Agent: Apples abgelehnter Lösungsvorschlag
Um den Konflikt zu entschärfen, hat Apple eigenen Angaben zufolge eine technische Lösung namens Trusted System Agent entworfen. Sie soll als vermittelnde Instanz funktionieren, über die virtuelle Drittanbieter-Assistenten dieselben Funktionen und Fähigkeiten wie Siri AI auf EU-Geräten nutzen könnten – allerdings ohne den ungeschützten Direktzugriff, den Apple ablehnt.
Begleitend bot der Konzern an, Siri AI in der EU zu starten und dieses neue System schrittweise über einen Zeitraum von 18 Monaten auszurollen. Die zeitliche Streckung sollte offenbar Raum geben, Sicherheit und Interoperabilität in Einklang zu bringen.
Die Antwort fiel laut Apple eindeutig aus: Die Europäische Kommission lehnte ab. Nach Darstellung des Konzerns stimmte sie keinem einzigen seiner Vorschläge zu, und über mehrere Monate hätten die Regulierer keine der angebotenen Lösungen akzeptiert, mit denen sich Siri AI bei gleichzeitiger sicherer Unterstützung anderer virtueller Assistenten in die EU bringen liesse. Federighi kündigte an, weiter mit den Regulierern an einem Weg nach vorn arbeiten zu wollen – ohne jedoch einen Zeitplan zu nennen.
Welche Länder betroffen sind
Die Einschränkung gilt für alle 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Erfasst sind damit auch die grossen Märkte Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande. Die vollständige Liste, nach Regionen geordnet:
- Westeuropa: Belgien, Deutschland, Frankreich, Irland, Luxemburg, Niederlande, Österreich
- Südeuropa: Griechenland, Italien, Malta, Portugal, Spanien, Zypern
- Nordeuropa: Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Schweden
- Mittel- und Osteuropa: Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn
Für die Schweiz, die nicht der EU angehört und damit nicht unter den DMA fällt, nennt Apple in diesem Zusammenhang keine gesonderte Einschränkung. Hier gelten die allgemeinen Vorbehalte, die Apple für den weltweiten Start formuliert: Siri AI kommt als Beta später in diesem Jahr, zunächst auf Englisch und für Geräte mit den neuesten Modellen; weitere Sprachen sollen folgen.
Was Siri AI eigentlich können soll
Unabhängig vom EU-Streit beschreibt Apple Siri AI als von Grund auf neu gebauten Assistenten mit KI im Kern – mit detaillierten, dialogfähigen Antworten statt einzelner Befehle. Drei Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt:
- Persönlicher Kontext: Siri zieht Informationen aus Nachrichten, E-Mails und Fotos heran, etwa um eine per Nachricht empfohlene Restaurant-Adresse oder eine Buchungsnummer aus einer alten E-Mail herauszusuchen.
- Bildschirmwahrnehmung: Der Assistent beantwortet Fragen zu dem, was gerade auf dem Display zu sehen ist.
- Breites Weltwissen: Über das Web holt Siri aktuelle Informationen – etwa, wann die nächste Sonnenfinsternis zu sehen ist oder wann ein Musiker in der Stadt auftritt.
Hinzu kommen eine eigenständige Siri-App mit iCloud-Synchronisation über alle Geräte hinweg, ein neuer Siri-Modus in der iPhone-Kamera (mit Aktionen wie dem Aufteilen einer Rechnung via Apple Cash) sowie systemweite Schreibwerkzeuge, die Texte entwerfen, umformulieren und beim Tippen korrigieren. Genau dieses Paket bleibt EU-Nutzern auf iPhone und iPad zunächst verwehrt.
Architektur und der Google-Deal im Hintergrund
Technisch nutzt Siri AI die nächste Generation der Apple Foundation Models, die teils auf dem Gerät und teils über Private Cloud Compute auf Servern laufen. Brisant ist der Blick hinter die Kulissen: Laut CNBC ist das leistungsstärkste Modell, AFM Cloud Pro, das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit Google, qualitativ mit Gemini-Frontier-Modellen vergleichbar – und es läuft auf Nvidia-GPUs in Googles Cloud. Die im Januar angekündigte Partnerschaft mit Google gilt bei Analysten als zentraler Hebel für Apples Aufholjagd.
"Die Gemini-Modelle waren zuletzt extrem stark unterwegs." (sinngemäss Anurag Rana, Senior Equity Analyst bei Bloomberg Intelligence, gegenüber CNN)
Marktreaktion und Einordnung der Analysten
Der Auftritt fiel an der Börse verhalten aus: Die Apple-Aktie legte zur Eröffnung zunächst rund zwei Prozent zu, gab dann aber während der Keynote nach und drehte am frühen Nachmittag (Ortszeit US-Ostküste) ins Minus.
Die Analysten-Einordnung bleibt dennoch differenziert:
- Dan Ives (Wedbush) sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung" für Apples KI-Strategie und sah darin eine Vorbereitung der Stabübergabe von Cook an Ternus.
- Francisco Jeronimo (IDC) ordnete gegenüber CNN ein, dass Siri bei gelungener Umsetzung kein blosses Feature mehr sei, sondern zu einer neuen Bedienebene für iPhone, iPad, Mac und künftige Gerätekategorien werde.
- Gene Munster (Deepwater) hatte vor der WWDC kritisch angemerkt, Apple habe bislang nichts vorgelegt, das die Leute wirklich begeistere – zeigte sich aber überzeugt, dass der Konzern angesichts der Einsätze nichts vermassele.
Zur Grössenordnung des Marktes: Weltweit sind nach Branchenangaben mehr als 2,5 Milliarden Apple-Geräte im Einsatz. Zugleich unterstützt rund eine Milliarde der genutzten iPhones Apple Intelligence bislang nicht, da die Technik erst ab dem iPhone 15 Pro läuft – worin Beobachter sowohl ein Risiko als auch ein Wachstumspotenzial sehen.
Was über die EU-Frage hinaus vorgestellt wurde
Neben dem Siri-Umbau zeigte Apple weitere KI-Funktionen, die zumindest teilweise auch jenseits des EU-Streits relevant sind:
| Bereich | Neue Funktion |
|---|---|
| Fotos | "Spatial Reframing": KI berechnet ein Bild aus verändertem Blickwinkel |
| Home-App | KI fasst Aufnahmen vernetzter Kameras zusammen und macht sie durchsuchbar |
| Safari | Sortierung von Tabs nach Thema, Erweiterungen per Prompt erstellbar |
| Passwörter | Agent ändert unsichere Passwörter eigenständig über Safari |
| Nachrichten | Vorschläge für Aktionen wie Erinnerungen oder Notizen |
Apple kündigte zudem neue Funktionen für Kindersicherheit an. Einige rechenintensive Features wie die Bildgenerierung könnten laut Konzern tägliche Nutzungslimits haben, weil sie auf leistungsstarken – und teuren – Modellen beruhen.
FAQ
Warum kommt Siri AI in der EU nicht auf iPhone und iPad? Apple begründet dies mit dem Digital Markets Act. Nach Darstellung des Konzerns verlangt die EU-Auslegung, dass jeder virtuelle Assistent direkten Zugriff auf private Daten und die Kontrolle über andere Apps erhält – was Apple aus Sicherheitsgründen ablehnt.
Auf welchen Geräten ist Siri AI in der EU verfügbar? Auf Mac (macOS 27), Apple Watch (watchOS 27) und Apple Vision Pro (visionOS 27), jeweils in einer unterstützten Sprache. Auf iPhone (iOS 27) und iPad (iPadOS 27) vorerst nicht.
Gibt es einen Zeitplan für den EU-Start auf iPhone und iPad? Nein. Apple nennt ausdrücklich keinen Zeitplan und will weiter mit den EU-Regulierern verhandeln.
Was war Apples Lösungsvorschlag? Ein "Trusted System Agent" als sichere Vermittlungsinstanz sowie ein schrittweiser Rollout über 18 Monate. Die Europäische Kommission lehnte laut Apple alle Vorschläge ab.
Ist die Schweiz betroffen? Nein, die Schweiz ist nicht EU-Mitglied und fällt nicht unter den DMA. Es gelten die allgemeinen Sprach- und Gerätevorbehalte.
Hat sich die EU-Kommission geäussert? In den vorliegenden Unterlagen liegt keine Stellungnahme der Europäischen Kommission vor. Alle Aussagen zum Verhandlungsverlauf stammen aus Apples eigener Mitteilung.
Bleiben Sie informiert – Relevantes. Jeden Tag. Lesen Sie, worum es heute wirklich geht – in der Schweiz und der Welt: Summer Game Fest schedule 2026: alle Termine, Uhrzeiten und Livestreams im Überblick








