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Eine Hitzewelle in der Schweiz beginnt nicht mit einem einzelnen heissen Tag, sondern mit einer Serie: MeteoSchweiz spricht von einem heissen Tag ab 30 Grad Celsius und von einer Hitzewelle, wenn mindestens drei solche Tage aufeinanderfolgen. Entscheidend für die Gesundheit ist dabei weniger der Spitzenwert am Nachmittag als die fehlende Abkühlung in der Nacht: Sinkt die Temperatur nicht unter 20 Grad, spricht man von einer Tropennacht, und der Körper kommt nicht mehr zur Erholung. Genau diese Kombination aus anhaltender Tageshitze und warmen Nächten macht Hitzeperioden gefährlich – laut Schätzungen des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) werden in heissen Sommern mehrere hundert Todesfälle pro Jahr mit der Hitze in Verbindung gebracht, womit sie zur Naturgefahr mit den meisten Todesopfern im Land zählt.

Wer eine Hitzewelle gut überstehen will, braucht drei Dinge: verlässliche Warnungen, klare Verhaltensregeln und einen Plan für die eigene Wohnung. Dieser Ratgeber von NUME.CH fasst zusammen, was das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und MeteoSchweiz empfehlen, wer besonders gefährdet ist, wie die Warnstufen funktionieren und mit welchen Massnahmen sich Körper und Räume kühl halten lassen. Dazu ordnet er die jüngsten Rekorde ein: Ende Juni 2025 kletterte die Temperatur an der Station Zürich-Fluntern auf 36,2 Grad – ein neuer Allzeitrekord für die Stadt, der den alten Wert von 36,0 Grad aus dem Jahr 2003 ablöste. Der schweizweite Höchstwert von 41,5 Grad, gemessen am 11. August 2003 in Grono im Bündner Misox, hat dagegen weiter Bestand.

Was genau ist eine Hitzewelle? Die Definitionen im Überblick

Eine einheitliche, weltweit gültige Definition von «Hitzewelle» gibt es nicht; die Schwellenwerte richten sich nach Region und Klima. In der Schweiz orientiert man sich an klaren Grössen. MeteoSchweiz bezeichnet einen Tag mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad Celsius als heissen Tag. Treten mindestens drei solche Tage hintereinander auf, spricht man von einer Hitzewelle. Eine Tropennacht liegt vor, wenn die Temperatur nachts nicht unter 20 Grad fällt.

Das Bundesamt für Gesundheit berücksichtigt bei seinen Warnungen zusätzlich die gefühlte Temperatur und die Dauer der Belastung. Der Grund ist einfach: Anhaltende Hitze über mehrere Tage belastet den Organismus deutlich stärker als ein einzelner heisser Tag, weil dem Körper die nächtliche Erholung fehlt.

Fachlich unterscheidet MeteoSchweiz mehrere Gefahrenstufen. Ab einer mittleren Tagestemperatur von rund 25 Grad über ein bis zwei Tage beginnt der Warnbereich; bei mindestens 27 Grad über drei aufeinanderfolgende Tage ohne nächtliche Abkühlung steigt das Risiko für Kreislaufbeschwerden deutlich. Die höchste Stufe 4 wird ausgerufen, wenn die Belastung besonders hoch und langanhaltend ist – wie im Sommer 2025, als im Tessin, in der Nordwestschweiz und in der Genferseeregion zeitweise Stufe 4 galt.

Die drei goldenen Regeln des BAG bei Hitze

Das Bundesamt für Gesundheit hat für Hitzetage drei goldene Regeln definiert. Sie sind bewusst einfach gehalten, damit sie sich einprägen und im Alltag umsetzen lassen.

  1. Körperliche Anstrengung vermeiden: Bewegung und schwere Arbeit in die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegen, die heisseste Tageszeit meiden.
  2. Wohnung und Körper kühl halten: tagsüber Fenster und Storen geschlossen halten, früh morgens und spät abends lüften, Schatten und kühle Räume aufsuchen.
  3. Ausreichend trinken und leicht essen: mindestens 1,5 Liter pro Tag, am besten ungesüsste, alkoholfreie Getränke; wasserreiche Lebensmittel bevorzugen.

Ergänzend rät der Bund, den Kontakt zu gefährdeten Personen in der Umgebung zu halten und niemals Menschen oder Tiere im geparkten Auto zurückzulassen – im Innenraum steigen die Temperaturen innert Minuten auf lebensgefährliche Werte.

Verhaltensempfehlungen nach Warnstufe

StufeKriterium (vereinfacht)Empfohlenes Verhalten
Stufe 2 – mässig1–2 Tage erhöhte WärmebelastungViel trinken, Anstrengung reduzieren, Wohnung beschatten
Stufe 3 – erheblich≥ 3 Tage, kaum nächtliche AbkühlungBAG-Regeln konsequent befolgen, gefährdete Personen kontaktieren
Stufe 4 – gross/sehr grosslanganhaltend, hohe mittlere TagestemperaturAktivitäten im Freien meiden, kühle Räume aufsuchen, auf Symptome achten

Den aktuellen Warnstatus veröffentlicht MeteoSchweiz laufend; er lässt sich auch über die App Alertswiss abrufen.

Wer besonders gefährdet ist

Hitze trifft nicht alle gleich. Besonders gefährdet sind laut BAG ältere und chronisch kranke Menschen, Kleinkinder und Säuglinge sowie Schwangere. Bei ihnen ist die körpereigene Temperaturregulation eingeschränkt oder stärker belastet. Auch Wohnsituation und soziale Isolation spielen eine Rolle: Wer allein in einer schlecht kühlbaren Wohnung lebt, ist stärker exponiert.

«Hitze ist ein stiller Killer», sagt die Epidemiologin Martina Ragettli vom Swiss TPH. Sichtbar sei das selten, weil auf dem Totenschein meist eine unmittelbare Ursache wie Herzinfarkt oder Nierenversagen stehe – die Hitze wirke im Hintergrund, indem sie bestehende Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder andere chronische Erkrankungen verschärfe (Swiss TPH, zitiert in der NZZ).

Für Angehörige und Nachbarn heisst das konkret: Bei Hitzewellen sollten allein lebende, ältere oder kranke Menschen aktiv angerufen oder besucht werden.

Die Wohnung kühl halten: praktische Massnahmen

Hitzewelle Schweiz richtig überstehen: die goldenen Regeln des BAG, Verhaltenstipps für Körper und Wohnung, aktuelle Hitzerekorde, Warnstufen von MeteoSchweiz und wer besonders gefährdet ist – kompakt erklärt.

Lüften zur richtigen Zeit

Tagsüber bleiben Fenster geschlossen und Storen heruntergelassen, idealerweise aussenliegende Beschattung, die die Sonnenstrahlung abfängt, bevor sie die Scheibe erreicht. Gelüftet wird in der kühlsten Phase – früh morgens und spät abends. Wer nachts durchlüften kann, senkt die Raumtemperatur am effektivsten.

Klimaanlage und Ventilator richtig einsetzen

Wer eine Klimaanlage nutzt, sollte die Zieltemperatur nicht mehr als rund sechs Grad unter die Aussentemperatur legen – das schont Kreislauf und Stromverbrauch. Fenster bleiben dabei geschlossen. Ventilatoren kühlen die Luft nicht, sondern fördern die Verdunstung auf der Haut; bei sehr hoher Luftfeuchte lässt dieser Effekt nach.

Körper direkt abkühlen

Kühle, nicht eiskalte Duschen, feuchte Tücher auf Stirn, Nacken und Unterarmen sowie das Kühlen der Handgelenke unter fliessendem Wasser bringen rasche Linderung. Notfallmediziner verweisen zudem auf Kühlelemente unter den Achseln, wo grosse Blutgefässe nahe der Hautoberfläche verlaufen.

Essen und Trinken anpassen

An heissen Tagen sinkt oft der Appetit auf schwere Mahlzeiten. Sinnvoll sind wasserreiche Lebensmittel wie Gurken, Tomaten, Kopfsalat, Wassermelonen oder Nektarinen, die den Flüssigkeitshaushalt stützen.

Besser schlafen in Tropennächten

  • Schlafzimmer tagsüber konsequent abdunkeln und geschlossen halten, nachts quer lüften.
  • Leichte Baumwoll- oder Leinenbettwäsche verwenden; synthetische Stoffe stauen die Wärme.
  • Eine feuchte, ausgewrungene Decke oder ein feuchtes Tuch im Luftzug des Ventilators sorgt für Verdunstungskühle.
  • Vor dem Schlafen lauwarm duschen – zu kalt kurbelt die Wärmeproduktion des Körpers an.
  • Auf schwere Mahlzeiten und Alkohol am Abend verzichten.

Sport und Arbeit bei grosser Hitze

Körperliche Aktivität bei über 30 Grad ist nicht per se ungesund, verlangt aber Anpassung. Sportmediziner raten, Training in die kühlen Tagesrandzeiten zu verlegen, die Intensität zu senken und den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Für die Arbeitswelt hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) Empfehlungen herausgegeben; Betriebe passen bei Hitzewellen vielerorts die Arbeitszeiten im Freien an. Nach einer Hitzeperiode empfiehlt der Bund, sich zu schonen – der Körper braucht Zeit, sich umzustellen.

Symptome erkennen: von Erschöpfung bis Hitzschlag

Hitze kann eine Bandbreite von Beschwerden auslösen – von leichten Hautreaktionen über Krämpfe und Erschöpfung bis zum Hitzschlag als schwerstem Fall. Frühe Warnzeichen sind Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit. In solchen Fällen gilt: betroffene Person in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen, flach lagern, Körper kühlen, Flüssigkeit anbieten und bei ernsten Symptomen den Notruf 144 wählen.

Hitzerekorde in der Schweiz: die wichtigsten Zahlen

Die Klimadaten zeigen einen klaren Trend: Hitzetage werden häufiger und intensiver. Laut MeteoSchweiz stieg die höchste jährliche Tagesmaximumtemperatur an den vier Messstationen Zürich, Genf, Basel und Bern zwischen 1901 und 2024 im Durchschnitt um 3,4 Grad; die wärmsten Nächte nahmen mit rund 4,5 Grad sogar noch stärker zu.

Rekord / KennwertWertOrt / Jahr
Höchsttemperatur Schweiz (Allzeit)41,5 °CGrono GR, 11. August 2003
Allzeitrekord Alpennordseite39,7 °CBasel-Binningen, Juni 2025
Allzeitrekord Stadt Zürich36,2 °CZürich-Fluntern, Juni 2025 (zuvor 36,0 °C, 2003)
Wärmstes Jahr seit Messbeginn 1864Jahresmittel2022 (MeteoSchweiz)
Heisser Tag – Schwelle≥ 30 °CDefinition MeteoSchweiz
Tropennacht – Schwelle≥ 20 °C nachtsDefinition MeteoSchweiz

MeteoSchweiz weist zugleich darauf hin, dass im heutigen Klima noch deutlich höhere Werte möglich wären: Bei einem sehr unwahrscheinlichen, aber physikalisch denkbaren Extremereignis könnten die aktuellen Rekorde um 5 bis 7 Grad übertroffen werden. Die Klimaszenarien CH2025 gehen von häufigeren und intensiveren Hitzeereignissen aus.

Was Fachleute und Behörden betonen

«Vermeiden Sie nach Möglichkeit Aktivitäten im Freien und überanstrengen Sie sich nicht. Schützen Sie sich vor direkter Sonneneinstrahlung und trinken Sie viel Wasser», fasst die Plattform Alertswiss des Bundesamts für Bevölkerungsschutz die Kernbotschaft zusammen (Alertswiss, BABS).

Der Hitzeschutz vor Ort sei vor allem Aufgabe von Kantonen, Städten und Gemeinden, hält das BAG fest; der Bund warne, stelle Grundlagen bereit und koordiniere (BAG, zitiert in der NZZ).

Häufige Fragen zur Hitzewelle in der Schweiz

Ab wann spricht man von einer Hitzewelle?

MeteoSchweiz zählt einen Tag ab 30 Grad als heissen Tag. Von einer Hitzewelle spricht man, wenn mindestens drei heisse Tage aufeinanderfolgen. Zusätzlich ist die Tropennacht (nachts nicht unter 20 Grad) ein wichtiger Belastungsindikator.

Wie viel sollte man bei Hitze trinken?

Der Bund empfiehlt mindestens 1,5 Liter pro Tag, bei körperlicher Anstrengung deutlich mehr, bevorzugt ungesüsste und alkoholfreie Getränke.

Wie kühle ich meine Wohnung am besten?

Tagsüber Fenster und Storen geschlossen halten, aussenliegende Beschattung nutzen und nur früh morgens sowie spät abends lüften. Eine Klimaanlage sollte höchstens rund sechs Grad unter die Aussentemperatur kühlen.

Wer ist besonders gefährdet?

Ältere und chronisch kranke Menschen, Säuglinge und Kleinkinder sowie Schwangere. Soziale Isolation und schlecht kühlbare Wohnungen erhöhen das Risiko.

Wo finde ich aktuelle Hitzewarnungen?

Bei MeteoSchweiz (Website und App) sowie über Alertswiss. Das BAG stellt Verhaltensregeln und Hinweise zu Symptomen bereit.

Was tun bei Anzeichen eines Hitzschlags?

Betroffene in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen, flach lagern, Körper kühlen und Flüssigkeit anbieten. Bei Bewusstseinstrübung oder Kreislaufversagen sofort den Notruf 144 wählen.

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Verwendete Materialien: MeteoSchweiz / Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Gefahrenstufen, Rekorde, Klimaszenarien CH2025), Bundesamt für Gesundheit BAG, Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS / Alertswiss, Bundesamt für Umwelt BAFU, Swiss TPH, SECO, Kanton Zürich, NZZ, watson, 20 Minuten, Tages-Anzeiger, Beobachter, swissinfo.

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