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China hat einen weiteren Meilenstein beim Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht. Im Kreis Amdo in der Region Nagqu, auf 4645 bis 4657 Metern über Meer im Tanggula-Hochgebirge des tibetischen Plateaus, ist die Montage des höchstgelegenen Turm-Solarwärmekraftwerks der Welt abgeschlossen worden. Alle 15 927 Heliostat-Spiegel des Projekts Anduo Tushuo stehen, der 185 Meter hohe Empfängerturm ist fertig, die Kernkomponenten sind installiert. Die offizielle Inbetriebnahme der 100-Megawatt-Anlage ist für Oktober geplant. Das Besondere: Dank eines riesigen Flüssigsalzspeichers kann das Kraftwerk auch nach Sonnenuntergang Strom liefern – und damit eines der grössten Probleme der Solarenergie lösen.

Das Projekt ist weit mehr als ein technisches Prestigeobjekt. Es ist ein Testfall dafür, ob sich Solarthermie mit Wärmespeicher unter den härtesten Bedingungen der Erde wirtschaftlich betreiben lässt – und ein Signal an die globale Energiebranche, dass China die Technologie der konzentrierten Solarenergie in industriellem Massstab skaliert, während sie in Europa und den USA weitgehend zum Stillstand gekommen ist.

Was ist Anduo Tushuo? Das Projekt im Überblick

Anduo Tushuo – in chinesischen Quellen auch als Amdo-Tushuo- oder Tuosuo-Projekt bezeichnet – liegt im Kreis Amdo der Stadtpräfektur Nagqu im Norden des Autonomen Gebiets Tibet. Die Region gehört zu den unwirtlichsten besiedelten Gegenden der Welt: dünne Luft, extreme Kälte, starke Winde und eine Sonneneinstrahlung, die zu den intensivsten des Planeten zählt. Genau diese Kombination macht den Standort für die Solarthermie interessant.

Das Solarwärmekraftwerk mit 100 Megawatt Leistung ist das Herzstück eines deutlich grösseren integrierten Energiekomplexes: Zusammen mit einem Photovoltaik-Feld von 800 Megawatt entsteht hier ein Verbundprojekt mit insgesamt 900 Megawatt installierter Leistung. Die Kombination ist bewusst gewählt. Die Photovoltaik liefert tagsüber günstigen Strom in grossen Mengen, während die Solarthermie mit ihrem Wärmespeicher die Schwankungen ausgleicht und auch nachts sowie bei bedecktem Himmel Energie ins Netz einspeist.

Das Vorhaben ist zudem Teil eines regionalen Programms, mit dem Tibet insgesamt 750 Megawatt Solarthermie-Leistung aufbauen will. Es ist das erste Demonstrationsprojekt dieser Technologie in der Region – und soll beweisen, dass sich die Anlagen auch auf dem «Dach der Welt» zuverlässig betreiben lassen. Bauherrin und Entwicklerin ist die staatliche Xizang Development Investment Group, die Investmentgesellschaft des Autonomen Gebiets. Die Generalunternehmung liegt bei Tochterfirmen des Staatskonzerns PowerChina: Das Northwest Survey and Design Institute verantwortet Planung und EPC-Vertrag, die Shandong Electric Power Construction No. 1 Company (SEPCO1) führt die Bauarbeiten aus. Die Wärmeaufnahmetechnik – das Herzstück auf der Turmspitze – liefert der Kesselbauer Dongfang Boiler, die Leittechnik stammt vom Automatisierungsspezialisten Nanjing SciYon.

Wie funktioniert ein Solarthermie-Kraftwerk mit Salzspeicher

Anders als ein klassischer Solarpark erzeugt Anduo Tushuo den Strom nicht direkt über Solarzellen. Die Anlage arbeitet nach dem Prinzip der konzentrierten Solarthermie, international als CSP (Concentrated Solar Power) bekannt. Das Verfahren lässt sich in vier Schritten beschreiben.

Erstens: Tausende bewegliche Spiegel, sogenannte Heliostaten, folgen über den Tag präzise dem Lauf der Sonne. Jeder einzelne Spiegel wird von Motoren so ausgerichtet, dass er das Sonnenlicht exakt auf einen Punkt reflektiert – den Empfänger an der Spitze des zentralen Turms. Aus der Luft betrachtet wirkt das Spiegelfeld wie ein riesiges Feld aus Sonnenblumen, die sich alle demselben Licht zuwenden.

Zweitens: Am Empfänger auf dem 185 Meter hohen Turm konzentriert sich die Energie von fast 16 000 Spiegeln. Durch den Empfänger fliesst ein spezielles Salzgemisch, das durch die gebündelte Strahlung auf 565 Grad Celsius erhitzt wird. Bei diesen Temperaturen ist das Salz flüssig wie Wasser und kann enorme Wärmemengen aufnehmen.

Drittens: Das heisse Flüssigsalz wird in gut isolierte Tanks am Fuss des Turms gepumpt und dort gespeichert. Dieser Speicher ist der entscheidende Unterschied zur Photovoltaik: Die Energie muss nicht sofort verbraucht werden, sondern bleibt als Wärme über Stunden verfügbar. Bei Anduo Tushuo ist der Speicher auf acht Volllaststunden ausgelegt.

Viertens: Wird Strom benötigt – etwa am Abend, wenn die Photovoltaik nichts mehr liefert –, gibt das heisse Salz seine Wärme über einen Wärmetauscher an Wasser ab. Der entstehende Dampf treibt eine konventionelle Turbine mit Generator an, wie man sie aus Kohle- oder Kernkraftwerken kennt. Das abgekühlte Salz fliesst zurück in den Kaltspeicher und der Kreislauf beginnt von vorn.

Das Ergebnis ist ein Solarkraftwerk, das sich wie ein regelbares konventionelles Kraftwerk verhält: Es kann seine Leistung an den Bedarf anpassen, Netzschwankungen ausgleichen und nach Angaben der Projektbeteiligten an guten Tagen 15 bis 16 Stunden durchgehend Strom erzeugen – deutlich mehr, als die Sonne am Himmel steht.

Die Technik im Detail: Zahlen, die beeindrucken

Die Dimensionen des Projekts sind gewaltig. Das Spiegelfeld umfasst 15 927 Heliostaten mit einer Gesamtfläche von rund 800 000 Quadratmetern – das entspricht etwa 112 Fussballfeldern oder gut 8,6 Millionen Quadratfuss reflektierender Fläche. Die Spiegel haben eine markante fünfeckige Form, die eigens für dieses Projekt entwickelt wurde, und sind kreisförmig um den zentralen Turm angeordnet. Der Empfängerturm ragt 185 Meter in den Himmel – höher als die meisten Hochhäuser der Schweiz. Die Betonarbeiten am Turmschaft waren eine Ingenieurleistung für sich: Im September des vergangenen Jahres meldete das Bauunternehmen SEPCO1 das Überschreiten der 100-Meter-Marke als wichtigen Meilenstein, bevor der Rohbau in den Folgemonaten vollendet und der hocheffiziente Wärmeempfänger auf der Spitze montiert wurde.

Für den Wärmespeicher wurden allein 11 850 Tonnen Natriumnitrat-Salz beschafft – ein eigenes Grossprojekt innerhalb des Projekts, das über eine öffentliche Ausschreibung vergeben wurde. Das Salzgemisch zirkuliert zwischen einem Kalt- und einem Heisstank und speichert die Energie eines ganzen Sonnentages.

Bemerkenswert ist auch die Fertigung der Spiegel selbst. Weil der Transport empfindlicher Grosskomponenten über Tausende Kilometer auf das Hochplateau logistisch kaum machbar gewesen wäre, errichteten die Projektpartner direkt vor Ort die weltweit erste vollautomatisierte Heliostat-Produktionslinie in dieser Höhenlage. Die Anlage fertigt täglich bis zu 6000 Quadratmeter Spiegelfläche – und machte es möglich, das gesamte Feld innerhalb des engen Zeitplans zu bestücken.

MerkmalAngabe
StandortKreis Amdo, Nagqu, Autonomes Gebiet Tibet (China)
Höhe über Meer4645 bis 4657 Meter (Weltrekord für Turm-CSP)
Anzahl Heliostat-Spiegel15 927 (fünfeckige Bauform)
Spiegelfläche gesamtrund 800 000 Quadratmeter
Höhe Empfängerturm185 Meter
Leistung Solarthermie100 Megawatt
WärmespeicherFlüssigsalz (11 850 t Natriumnitrat), 565 °C, 8 Stunden
Gekoppelte Photovoltaik800 Megawatt
Gesamtprojekt900 Megawatt integrierter Komplex
Erwartete Jahresproduktion (CSP)rund 255 bis 260 Millionen Kilowattstunden
Versorgte Haushalteüber 50 000
CO2-Einsparung pro Jahr165 000 bis 220 000 Tonnen (je nach Berechnungsbasis)
Offizieller StartOktober 2026

Bauen am Limit: Extrembedingungen auf 4650 Metern

Kaum ein Kraftwerksprojekt der Welt wurde unter härteren Bedingungen errichtet. Die Baustelle liegt höher als der Gipfel des Matterhorns. Der Sauerstoffgehalt der Luft beträgt nur etwa 60 Prozent des Werts auf Meereshöhe, was die körperliche Leistungsfähigkeit der Arbeiter massiv einschränkt und Maschinen an ihre Grenzen bringt. Die Temperaturen fallen im Winter weit unter minus 30 Grad, und die effektive Bausaison ist auf wenige Monate im Jahr begrenzt.

Die Ingenieure mussten für praktisch jedes Gewerk Sonderlösungen entwickeln. Das Aushärten von Beton – beim 185-Meter-Turm ein zentraler Prozess – funktioniert bei Frost und dünner Luft anders als im Flachland und erforderte spezielle Verfahren und Schutzmassnahmen. Sämtliche Rohrleitungen und Anlagenteile erhielten extradicke Isolierschichten, um das Flüssigsalz vor dem Erstarren zu schützen: Kühlt das Salz unter seinen Schmelzpunkt ab, verstopft es die Leitungen und kann die gesamte Anlage lahmlegen – ein Problem, das bereits Kraftwerken in weit milderen Klimazonen zu schaffen machte.

Auch die Spiegel selbst sind Spezialanfertigungen. Auf dem Hochplateau wehen regelmässig Stürme, die herkömmliche Heliostat-Konstruktionen verbiegen oder aus der Justierung bringen würden. Die Entwickler setzten deshalb auf besonders leichte, zugleich hochsteife Trägerstrukturen und ein Nachführsystem mit praktisch spielfreier Mechanik, das die Spiegel auch bei starkem Wind exakt ausgerichtet hält. Weil die ultraviolette Strahlung in dieser Höhe deutlich aggressiver ist als im Tiefland, schützen spezielle UV-resistente Beschichtungen Elektronik, Dichtungen und Oberflächen vor vorzeitiger Alterung.

Branchenvertreter räumen offen ein, dass diese Bedingungen die Kosten treiben. Die Kombination aus Höhenlage, Kälte, kurzer Bausaison und aufwendiger Logistik erhöht sowohl die Investitionssumme als auch die Unsicherheit im Zeitplan erheblich. Dass das Projekt dennoch weitgehend im Plan liegt, gilt in der chinesischen Energiebranche als Beleg für die inzwischen erreichte industrielle Reife der Technologie.

Rekord mit Ansage – und eine wichtige Abgrenzung

Anduo Tushuo ist das höchstgelegene Turm-Solarthermie-Kraftwerk der Welt. Zur Einordnung lohnt eine Abgrenzung: Den Höhenrekord für Photovoltaik hält ebenfalls Tibet – das Caipeng-Solarkraftwerk bei Shannan reicht in seiner zweiten Ausbaustufe bis auf 5228 Meter. Doch Photovoltaik-Module sind vergleichsweise simple, passive Bauteile. Ein Solarthermie-Kraftwerk mit Hunderttausenden beweglichen Teilen, einem Hochtemperatur-Salzkreislauf und einem konventionellen Kraftwerksblock in dieser Höhe zu errichten und zu betreiben, ist eine technische Herausforderung von völlig anderer Grössenordnung.

Chinesische Projektverantwortliche sprechen deshalb von einer replizierbaren «China-Lösung» für die Erschliessung sauberer Energie in Hochgebirgs- und Extremregionen weltweit. Die in Amdo entwickelten Verfahren – von der Höhen-Betontechnik über die windfesten Spiegelträger bis zur automatisierten Vor-Ort-Fertigung – sollen als Blaupause für weitere Projekte dienen, etwa in den Anden, im Himalaya-Raum oder in anderen sonnenreichen Höhenlagen.

Die Investitionsseite: Was das Projekt kostet und wer dahintersteht

Eine offizielle Gesamtinvestitionssumme für Anduo Tushuo wurde bislang nicht publiziert. Die Grössenordnung lässt sich jedoch anhand vergleichbarer Projekte gut einordnen. Ein praktisch baugleiches Vorhaben in der Region Xinjiang – ebenfalls 100 Megawatt Turm-Solarthermie mit acht Stunden Salzspeicher, kombiniert mit 900 Megawatt Photovoltaik – wurde mit 6,5 Milliarden Yuan veranschlagt, umgerechnet rund 960 Millionen US-Dollar oder knapp 800 Millionen Franken. Angesichts der beschriebenen Erschwernisse auf dem Hochplateau dürfte Anduo Tushuo eher am oberen Ende dieser Spanne oder darüber liegen.

Auch historische Vergleichswerte helfen bei der Einordnung: Chinas erstes grosses 100-Megawatt-Salzturmkraftwerk in Dunhuang, 2018 als «Super-Spiegel-Kraftwerk» in Betrieb gegangen, kostete rund 3 Milliarden Yuan – allerdings ohne gekoppeltes Photovoltaik-Feld und unter deutlich einfacheren Standortbedingungen in der Wüste Gobi. Die Kostenkurve der Technologie zeigt seither nach unten: Serienfertigung der Spiegel, ein Lokalisierungsgrad von über 95 Prozent bei den Komponenten und wachsende Projektzahlen drücken die Preise.

Finanziert wird Anduo Tushuo im Wesentlichen über die staatliche Investmentstruktur des Autonomen Gebiets. Die Xizang Development Investment Group agiert als Projektgesellschaft, die grossen Staatskonzerne PowerChina und Dongfang Electric als Lieferanten und Generalunternehmer. Für die beteiligten Unternehmen ist das Projekt auch ein Schaufenster: Dongfang Boiler etwa positioniert sich mit der Empfängertechnik als Weltmarktführer für Hochtemperatur-Solarkomponenten, und die Bauunternehmen werben mit der Referenz «höchste Baustelle der Kraftwerksbranche».

Der Marktkontext: Chinas Solarthermie-Offensive

Anduo Tushuo steht exemplarisch für einen bemerkenswerten Trend. Während die konzentrierte Solarthermie in den USA und Europa nach einigen kommerziell gescheiterten Grossprojekten – prominentestes Beispiel ist das pannengeplagte Kraftwerk Crescent Dunes in Nevada mit seinen gut 10 000 Spiegeln – praktisch zum Erliegen kam, hat China die Technologie systematisch weiterentwickelt. Landesweit sind derzeit Dutzende CSP-Projekte mit thermischem Speicher in Bau oder Planung, allein in Tibet mehrere: Neben Amdo entstehen Anlagen in Damxung bei Lhasa und in der Region Ngari, wo bereits das Befüllen der Salztanks begonnen hat.

Die Investmentbank Citic Securities rechnet in einer Analyse damit, dass China in den kommenden Jahren 4 bis 5 Gigawatt neue Solarthermie-Leistung installiert – ein Markt für Bau- und Anlagentechnik im Umfang von 64 bis 80 Milliarden Yuan, also umgerechnet 8 bis 10 Milliarden Franken. Die Analysten begründen die Prognose damit, dass die Technologie Stromerzeugung und Speicherung in einer Anlage vereint und damit genau die Flexibilität liefert, die ein zunehmend von Wind und Sonne geprägtes Stromsystem benötigt.

Rückenwind kommt auch von der Politik. Im November verabschiedeten Chinas Wirtschaftsplanungsbehörde und die nationale Energiebehörde eine Leitlinie, die der Solarthermie erstmals auf nationaler Ebene einen klaren wirtschaftlichen Rahmen gibt: Die Kraftwerke sollen ihre Regelleistung künftig über Systemdienstleistungen und Kapazitätsvergütungen zu Geld machen können – ein Geschäftsmodell, das über den reinen Stromverkauf hinausgeht und die Rentabilität der teuren Anlagen deutlich verbessern dürfte. In der Branche gilt diese Regelung als Wendepunkt, der die Technologie von der politisch geförderten Demonstration zur wirtschaftlich tragfähigen Regelenergie-Quelle machen soll.

Gleichzeitig warnen Insider vor überzogenen Erwartungen. Die Anfangsinvestitionen bleiben hoch, und bei einzelnen Schlüsselkomponenten – etwa Hochtemperatur-Salzpumpen und -ventilen – greifen chinesische Betreiber trotz hoher Lokalisierungsquote weiterhin bevorzugt zu teureren Importprodukten, um die Zuverlässigkeit im ersten Betriebsjahr abzusichern. Ein Beschaffungsverantwortlicher eines Staatskonzerns räumte gegenüber chinesischen Wirtschaftsmedien ein, bei den kritischsten Bauteilen vertraue man im Zweifel lieber etablierten ausländischen Marken, auch wenn Preis und Lieferzeit dagegen sprächen.

Stimmen zum Projekt: Was Offizielle und Experten sagen

Die strategische Bedeutung des Vorhabens wird von offizieller Seite immer wieder betont. Ein Vertreter der Energiebehörde des Autonomen Gebiets Tibet erklärte öffentlich, in einer ökologisch derart fragilen Region mit schwachem Stromnetz habe die Solarthermie mit ihrer stabilen, speicherbaren Erzeugung strategischen Wert – sowohl für die Versorgungssicherheit als auch für die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

Branchenanalysten ordnen den aktuellen Bauboom in einen grösseren Zusammenhang ein. Der Energieexperte Liu Xin von einem staatlichen Energiekonzern beschreibt in chinesischen Medien eine klare Logik hinter der Beschleunigung: Seit dem vergangenen Jahr habe sich die Anerkennung der Solarthermie als Baustein des neuen Stromsystems auf nationaler wie regionaler Ebene spürbar verfestigt, und die neuen Vergütungsregeln öffneten der Technologie erstmals einen verlässlichen Markt. Die Bauunternehmen wiederum heben den Pioniercharakter hervor. In Mitteilungen der beteiligten PowerChina-Töchter ist von einem Projekt die Rede, das nicht nur einen Höhenweltrekord aufstelle, sondern technologische Lücken in der Hochplateau-Energietechnik schliesse und Chinas Know-how für Solarthermie in Extremlagen komplettiere. Und die Fachpresse der internationalen CSP-Branche, darunter das Netzwerk SolarPACES, führt Anduo Tushuo inzwischen als eines der weltweit meistbeachteten Referenzprojekte des Jahres.

Nutzen für die Region: Strom, Klima, Netzstabilität

Für die Menschen vor Ort ist das Kraftwerk zunächst ein Versorgungsprojekt. Nach der Netzanbindung soll allein der Solarthermie-Teil jährlich rund 255 bis 260 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen – genug für über 50 000 Haushalte im Kreis Amdo und den umliegenden Gebieten. Zusammen mit dem Photovoltaik-Feld soll der Gesamtkomplex die Einspeiseleistung des nordtibetischen Netzes um 200 Megawatt erhöhen. Das ist mehr als eine statistische Grösse. Nordtibet leidet regelmässig unter winterlichen Stromengpässen, wenn Wasserkraft und Photovoltaik gleichzeitig schwächeln; Abschaltungen und Lastbeschränkungen gehören in der kalten Jahreszeit zum Alltag. Die speicherbare Solarthermie soll genau diese Lücke füllen – und zugleich das Problem des «weggeworfenen» Stroms entschärfen, wenn Wind- und Solarspitzen das schwache Netz überfordern. Auch die Klimabilanz kann sich sehen lassen: Je nach Berechnungsbasis spart die Anlage jährlich rund 60 000 Tonnen Kohle ein und vermeidet zwischen 165 000 und 220 000 Tonnen CO2. Perspektivisch soll der auf dem Hochplateau erzeugte Ökostrom über neue Ultrahochspannungs-Leitungen zudem Tausende Kilometer weit in die dicht besiedelten Regionen Süd- und Ostchinas transportiert werden – Tibet positioniert sich damit als künftige Clean-Energy-Exportregion.

Bedeutung für Europa und die Schweiz

Warum sollte ein Kraftwerk in Tibet hierzulande interessieren? Aus mindestens drei Gründen. Erstens liefert Anduo Tushuo einen Realitätstest für eine Technologie, die auch in der europäischen Energiedebatte immer wieder auftaucht: Solarthermie mit Salzspeicher gilt als einer der wenigen erprobten Wege, Solarenergie im grossen Stil rund um die Uhr verfügbar zu machen – ohne Batterien, deren Rohstoffbedarf und Kosten bei Langzeitspeicherung schnell explodieren. Bewährt sich die Technik unter den Extrembedingungen des Hochplateaus, stärkt das die Argumente ihrer Befürworter weltweit.

Zweitens verschiebt sich mit Projekten wie diesem die industrielle Landkarte. Die Wertschöpfungskette der Solarthermie – Spiegel, Empfänger, Salzsysteme, Kraftwerkstechnik – liegt inzwischen fast vollständig in chinesischer Hand, mit Lokalisierungsquoten von über 95 Prozent. Europäische Anbieter, die die Technologie einst pionierhaft entwickelten, spielen kaum noch eine Rolle. Für künftige CSP-Projekte etwa in Spanien, Nordafrika oder dem Nahen Osten dürften chinesische Konsortien die Preisreferenz setzen.

Drittens zeigt das Projekt, mit welcher Konsequenz China seine Klimaziele industriepolitisch unterlegt. Das Land will bis 2060 klimaneutral werden und baut dafür parallel die grössten Photovoltaik-Parks, die leistungsstärksten Wasserkraftwerke und nun auch die höchstgelegenen Solarthermie-Anlagen der Welt. Für die Schweizer Energiewirtschaft, die über Winterstromlücken und Speicherlösungen diskutiert, ist das mindestens ein Anschauungsbeispiel dafür, wie schnell sich neue Erzeugungstechnologien skalieren lassen, wenn Politik, Finanzierung und Industrie an einem Strang ziehen.

Chronik eines Rekordbaus: Vom Fundament zum fertigen Spiegelfeld

Der Weg zum fertigen Kraftwerk war ein Wettlauf gegen Höhenlage und Kalender. Den offiziellen Auftakt der Hauptbauphase markierte Ende April 2025 der erste Betonguss für das Fundament des Empfängerturms – in den Worten der Projektbeteiligten die Grundlage für alles Weitere, vom Turmschaft bis zur Spiegelmontage. Weil die effektive Bausaison auf dem Plateau kurz ist, liefen die Gewerke anschliessend in enger Taktung parallel: Während der Turm in die Höhe wuchs, produzierte die automatisierte Fertigungslinie bereits die ersten Heliostaten, und die Beschaffung der Grosskomponenten – vom Speichersalz über die Dampferzeuger bis zur Leittechnik – wurde über öffentliche Ausschreibungen Schlag auf Schlag vergeben.

Im Juli 2025 folgte die Ausschreibung der 11 850 Tonnen Natriumnitrat für den Wärmespeicher, im September durchbrach der Turmschaft die 100-Meter-Marke – ein Meilenstein, den die Baufirma SEPCO1 stolz vermeldete. Im Herbst besichtigte die Führung der Stadtpräfektur Nagqu die Baustelle, im November wurde die Leittechnik vergeben. Über den Winter wuchs der Turm auf seine volle Höhe von 185 Metern, der Wärmeempfänger wurde montiert, und Spiegelreihe um Spiegelreihe füllte sich das 800 000 Quadratmeter grosse Feld. Im Frühsommer meldete das Projekt schliesslich Vollzug: alle 15 927 Heliostaten installiert, Kernausrüstung komplett – der Übergang in die Netzanschluss- und Erzeugungsphase konnte beginnen.

Dass ein Kraftwerk dieser Komplexität in dieser Umgebung in rund anderthalb Jahren Hauptbauzeit entstand, gilt selbst in der an Rekorde gewöhnten chinesischen Baubranche als aussergewöhnlich. Möglich machten es neben der Vor-Ort-Fertigung der Spiegel vor allem die Erfahrungen aus den vorangegangenen Demonstrationsprojekten im Landesinneren, deren Bauverfahren, Lieferketten und Betriebsdaten direkt in die Planung von Amdo einflossen.

Eine Technologie mit bewegter Geschichte

Die Idee, Sonnenlicht mit Spiegeln zu bündeln und daraus Kraft zu gewinnen, ist alt – der Legende nach soll schon Archimedes feindliche Schiffe mit Brennspiegeln in Brand gesetzt haben. Als moderne Kraftwerkstechnologie nahm die konzentrierte Solarthermie in den 1980er-Jahren in Kalifornien Fahrt auf, wo die ersten kommerziellen Parabolrinnen-Kraftwerke ans Netz gingen. Den nächsten grossen Schub brachte Spanien in den 2000er-Jahren mit einem staatlich garantierten Einspeisetarif: Innerhalb weniger Jahre entstanden dort rund 50 Anlagen, und das Land ist bis heute – gemessen an der installierten Leistung – einer der grössten CSP-Märkte der Welt.

Dann geriet die Technologie in die Defensive. Die Preise für Photovoltaik-Module stürzten ab dem Jahr 2010 regelrecht ab, während Solarthermie-Kraftwerke teuer und komplex blieben. Prestigeprojekte wie das amerikanische Crescent Dunes kämpften mit technischen Pannen: Ein Leck im Heissalztank legte die Anlage in Nevada monatelang lahm, später rutschte die Betreibergesellschaft in die Insolvenz. In Europa und den USA kamen Neubauten praktisch zum Erliegen; viele schrieben die Technologie ab.

China zog aus diesen Fehlschlägen andere Schlüsse. Statt die Technologie aufzugeben, startete das Land ein nationales Demonstrationsprogramm, lernte systematisch aus den Fehlern der Pioniere und baute eine komplette heimische Lieferkette auf – von der Spiegelfertigung über Salzpumpen bis zur Kraftwerksleittechnik. Das Kalkül: Nicht der Strompreis pro Kilowattstunde allein entscheidet, sondern der Wert regelbarer, speicherbarer Erzeugung in einem Netz, das immer stärker von schwankendem Wind- und Solarstrom geprägt ist. Genau in dieser Rolle – als eine Art solares Speicherkraftwerk – erlebt die Technologie in China nun ihre Renaissance, deren bisher spektakulärster Ausdruck das Projekt auf dem tibetischen Hochplateau ist.

Anduo Tushuo im weltweiten Vergleich

Wie schlägt sich die neue Rekordanlage im internationalen Vergleich? Ein Blick auf die bekanntesten Solarthermie-Kraftwerke der Welt zeigt, wie sehr sich die Gewichte verschoben haben.

Das marokkanische Noor-Kraftwerk bei Ouarzazate galt lange als Vorzeigeprojekt des Westens: Mit rund 500 Megawatt über mehrere Bauabschnitte, finanziert unter anderem von europäischen Entwicklungsbanken, versorgt es weite Teile des Landes mit Solarstrom. Das chilenische Cerro Dominador in der Atacama-Wüste brachte die Turmtechnologie mit Salzspeicher nach Lateinamerika. Und das amerikanische Crescent Dunes bleibt mit seinen gut 10 000 Heliostaten und einem 195-Meter-Turm ein technisches Denkmal – wenn auch eines mit durchzogener Betriebsgeschichte.

China hat diese Projekte in Serie überholt. Das Kraftwerk Dunhuang in der Wüste Gobi war 2018 die erste heimische 100-Megawatt-Anlage mit Salzturm und schaffte im Sommerbetrieb bereits durchgehende Tag-und-Nacht-Erzeugung mit Rekordwerten. Es folgten Doppelturm-Anlagen mit rund 30 000 Spiegeln, Fresnel-Kraftwerke, Hybridprojekte mit Wind und Photovoltaik – und nun eben der Schritt auf über 4600 Meter Höhe. Kein anderes Land baut derzeit auch nur annähernd so viele Solarthermie-Kraftwerke; die Fachplattform SolarPACES listet für China mehrere Dutzend Projekte in Bau oder fortgeschrittener Planung.

Der Höhenrekord von Amdo ist dabei mehr als Symbolik. Die dünne, klare Luft des Hochplateaus lässt deutlich mehr Direktstrahlung durch als tiefer gelegene Standorte – die jährliche Sonneneinstrahlung erreicht dort mehr als das Doppelte vergleichbarer Regionen im chinesischen Flachland. Für ein Kraftwerk, das von gebündeltem Direktlicht lebt, ist das ein handfester wirtschaftlicher Vorteil, der einen Teil der höheren Baukosten wieder hereinholt.

Salzspeicher gegen Batterie: die ökonomische Kernfrage

Hinter dem Projekt steht auch eine Grundsatzfrage der Energiewende: Wie speichert man Sonnenstrom am günstigsten über viele Stunden? Batterien haben in den vergangenen Jahren enorme Preissenkungen erlebt und dominieren den Markt für Kurzzeitspeicher von ein bis vier Stunden. Doch je länger die benötigte Speicherdauer, desto stärker schlagen die Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde zu Buche – für acht, zehn oder zwölf Stunden Überbrückung gelten Batterielösungen weiterhin als teuer.

Genau hier setzt die Solarthermie an. Ihr Speichermedium ist schlichtes Nitratsalz, ein Massenprodukt der chemischen Industrie, das sich in grossen Tanks nahezu verlustfrei über Stunden warmhalten lässt. Die Speicherkapazität zu verdoppeln bedeutet im Wesentlichen: grössere Tanks und mehr Salz – kein exotisches Material, keine seltenen Rohstoffe, keine Degradation wie bei Batteriezellen. Fachleute der amerikanischen Energieforschung wiesen schon vor Jahren darauf hin, dass ein Salzturm mit acht bis zehn Stunden Speicher günstiger sein kann als ein Photovoltaik-Park mit gleichwertigem Batteriespeicher.

Hinzu kommt ein Aspekt, der in der Debatte oft untergeht: Solarthermie-Kraftwerke erzeugen ihren Strom mit klassischen Synchrongeneratoren. Diese rotierenden Maschinen stabilisieren das Netz physikalisch – mit Trägheit, Blindleistung und Kurzschlussleistung –, was reine Wechselrichter-Anlagen wie Photovoltaik und Batterien nur eingeschränkt leisten. In einem schwachen Höhennetz wie dem nordtibetischen ist das ein gewichtiges Argument, das auch die neue chinesische Vergütungspolitik explizit honoriert.

Die Rechnung geht freilich nur auf, wenn die Anlagen zuverlässig laufen. Die hohen Anfangsinvestitionen amortisieren sich über Jahrzehnte, und jeder Ausfall in den ersten Betriebsjahren belastet die Wirtschaftlichkeit empfindlich. Deshalb blickt die Branche so gespannt auf den Oktober: Ein reibungsloser Start von Anduo Tushuo wäre der bislang stärkste Beleg dafür, dass die Technologie auch unter Extrembedingungen hält, was ihre Fürsprecher versprechen.

Tibets Verwandlung zur Energie-Exportregion

Das Kraftwerk in Amdo ist zugleich ein Baustein einer viel grösseren Strategie: Peking baut das tibetische Hochplateau systematisch zu einer der wichtigsten Clean-Energy-Regionen des Landes aus. Die Kombination aus extremer Sonneneinstrahlung, riesigen Flächen und gewaltigem Wasserkraftpotenzial macht die Region aus energiewirtschaftlicher Sicht einzigartig – und die Liste der laufenden Grossprojekte liest sich entsprechend.

Neben den Solarthermie-Anlagen in Amdo, Damxung und Ngari entstehen auf dem Plateau einige der grössten Photovoltaik-Parks der Welt, darunter Vorhaben mit Millionen von Modulen für mehrere Millionen Haushalte. Am Fluss Yarlung Tsangpo hat China zudem den Bau eines Wasserkraftkomplexes gestartet, der den Drei-Schluchten-Damm als leistungsstärkste Anlage der Welt ablösen soll. Damit der Strom die Verbraucher erreicht, wachsen parallel Ultrahochspannungs-Trassen in die Höhe, die die Energie über Tausende Kilometer in die Ballungsräume im Süden und Osten transportieren.

Für den Kreis Amdo selbst bedeutet das Projekt einen spürbaren wirtschaftlichen Impuls: Bauaufträge, Betriebsarbeitsplätze, Steuereinnahmen und eine stabilere Stromversorgung für Haushalte, Viehwirtschaft und Gewerbe. Kritiker geben allerdings zu bedenken, dass Grossprojekte in der ökologisch sensiblen Hochgebirgsregion sorgfältige Umweltbegleitung erfordern – vom Schutz der Permafrostböden bis zu den Wanderrouten der Wildtiere. Die Projektverantwortlichen verweisen ihrerseits auf die kompakte Flächennutzung des Spiegelfelds und die langfristige CO2-Bilanz der Anlage.

Ausblick: Was bis Oktober noch passiert

Bis zur offiziellen Inbetriebnahme im Oktober stehen noch mehrere kritische Schritte an. Zunächst wird das Natriumnitrat-Salz in den Tanks aufgeschmolzen – ein tage- bis wochenlanger Prozess, bei dem Tausende Tonnen Salz kontrolliert auf Betriebstemperatur gebracht werden. Anschliessend folgen die Inbetriebsetzung des Salzkreislaufs, Dampfblasen und Turbinentests, die Synchronisierung mit dem Netz und schliesslich der Probebetrieb mit schrittweiser Leistungssteigerung.

Erfahrungen anderer Projekte zeigen, dass gerade diese Phase heikel ist: Salzkreisläufe reagieren empfindlich auf Temperaturfehler, und die erste Betriebsphase entscheidet über die Verfügbarkeit der Anlage in den Folgejahren. Gelingt der Start planmässig, wird Anduo Tushuo im kommenden Winter erstmals zeigen können, was die Technologie verspricht: verlässlichen Solarstrom in einer der kältesten und höchstgelegenen Regionen der Welt – auch dann, wenn die Sonne längst untergegangen ist.

Anduo Tushuo vereint alles, was Chinas Energiepolitik derzeit auszeichnet: technologische Ambition, industrielle Skalierung und die Bereitschaft, in Projekte zu investieren, deren Rendite sich erst über Jahrzehnte einstellt. Auf dem Papier ist es ein 100-Megawatt-Kraftwerk – im weltweiten Massstab keine spektakuläre Grösse. In der Praxis ist es ein Labor auf 4650 Metern, das gleich mehrere offene Fragen der globalen Energiewende beantworten soll: Funktioniert Hochtemperatur-Solarthermie im Dauerbetrieb unter Extrembedingungen? Trägt sich das Geschäftsmodell regelbarer Solarenergie, wenn Systemdienstleistungen vergütet werden? Und lässt sich die Technologie so weit standardisieren, dass sie auch für andere Länder erschwinglich wird? Die Antworten werden ab Oktober geliefert – Kilowattstunde für Kilowattstunde, durch tibetische Winternächte hindurch. Fällt der Praxistest positiv aus, dürfte das Kraftwerk im Tanggula-Gebirge weit über China hinaus Schule machen: als Beweis, dass Solarenergie kein Schönwetterphänomen sein muss, sondern rund um die Uhr liefern kann – selbst am höchstgelegenen Kraftwerksstandort der Welt.

FAQ – die wichtigsten Fragen und Antworten

China stellt in Tibet das höchste Solarwärmekraftwerk der Welt fertig: 15 927 Spiegel auf 4650 Metern liefern dank Salzspeicher rund um die Uhr Strom. Start im Oktober – die Fakten im Überblick.

Wo steht das höchste Solarkraftwerk der Welt? Das Turm-Solarthermie-Kraftwerk Anduo Tushuo steht im Kreis Amdo in der Region Nagqu, Autonomes Gebiet Tibet, China – auf 4645 bis 4657 Metern über Meer im Tanggula-Hochgebirge. Es ist die höchstgelegene Anlage dieser Bauart weltweit.

Wie funktioniert die Anlage? 15 927 bewegliche Spiegel bündeln Sonnenlicht auf einen 185 Meter hohen Turm. Dort wird ein Salzgemisch auf 565 Grad erhitzt und gespeichert. Die Wärme treibt über einen Dampfkreislauf eine Turbine an – auch nachts, dank acht Stunden Speicherkapazität.

Wie viel Strom liefert Anduo Tushuo? Der Solarthermie-Teil hat 100 Megawatt Leistung und soll jährlich rund 255 bis 260 Millionen Kilowattstunden erzeugen – Strom für über 50 000 Haushalte. Zusammen mit dem gekoppelten Photovoltaik-Feld umfasst der Gesamtkomplex 900 Megawatt.

Was kostet das Projekt? Eine offizielle Summe wurde nicht publiziert. Vergleichbare 900-Megawatt-Komplexe in China kosten rund 6,5 Milliarden Yuan, umgerechnet knapp 800 Millionen Franken; die Extrembedingungen in Tibet dürften die Kosten zusätzlich erhöhen.

Wann geht das Kraftwerk ans Netz? Die offizielle Inbetriebnahme ist für Oktober 2026 vorgesehen. Zuvor stehen das Aufschmelzen des Speichersalzes, Systemtests und der Probebetrieb an.

Warum baut China Solarthermie statt nur Photovoltaik? Weil Solarthermie mit Salzspeicher regelbaren Strom liefert – auch nachts und bei bedecktem Himmel. Sie ergänzt die günstige, aber schwankende Photovoltaik und stabilisiert das Netz, besonders in abgelegenen Regionen mit schwacher Infrastruktur.

Ist Anduo Tushuo wirklich das höchste Solarkraftwerk der Welt? Es ist das höchstgelegene Turm-Solarthermie-Kraftwerk der Welt. Den Höhenrekord für reine Photovoltaik hält das ebenfalls in Tibet gelegene Caipeng-Kraftwerk mit bis zu 5228 Metern – allerdings handelt es sich dabei um eine technisch weit einfachere Anlage ohne Wärmespeicher und Kraftwerksblock.

Wer baut und betreibt die Anlage? Entwicklerin ist die staatliche Xizang Development Investment Group. Die Umsetzung liegt bei Tochterfirmen des Staatskonzerns PowerChina, darunter das Northwest Survey and Design Institute und die Baufirma SEPCO1; die Wärmeaufnahmetechnik stammt von Dongfang Boiler, die Leittechnik von Nanjing SciYon.

Welche Rolle spielt das Projekt für Chinas Klimaziele? China will bis 2060 klimaneutral werden. Anlagen wie Anduo Tushuo sollen fossile Kraftwerke nicht nur bei der Strommenge, sondern auch bei der Netzstabilität ersetzen – eine Aufgabe, die schwankende Wind- und Solarparks allein nicht übernehmen können.

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