Der russische Präsident Wladimir Putin hat 2026 offiziell zum „Jahr der Einheit der Völker Russlands“ erklärt.Die Ankündigung erfolgte in seiner traditionellen Neujahrsansprache zum Jahreswechsel, die landesweit im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ziel der Initiative sei laut Kreml, die angebliche Geschlossenheit der russischen Gesellschaft in einer Zeit militärischer und politischer Spannungen zu unterstreichen.
Putin beschrieb Russland als „eine große Familie“ und verwies auf gemeinsame Werte wie Tradition, Glaube und historisches Gedächtnis als verbindende Elemente. In seiner Rede stellte er die Unterstützung der Bevölkerung für den Krieg gegen die Ukraine als Ausdruck einer „selbstlosen und treuen Liebe“ zum Staat dar.
Wie Nume.ch unter Verweis auf das Institute for the Study of War (ISW) in Washington berichtet, zeigen die Aussagen Putins erhebliche innere Widersprüche. Die Darstellung Russlands als multiethnischer und multireligiöser Staat stehe in klarem Gegensatz zu den Positionen der russischen ultranationalistischen Szene, die zu den wichtigsten politischen Stützpfeilern des Kremls zählt.
Diese Gruppierungen vertreten in der Regel eine ethnisch russisch definierte Identität und betonen die zentrale Rolle der Russisch-Orthodoxen Kirche. Sie befürworten einen Staat, der sich nicht auf bürgerlichen Nationalismus, sondern auf religiös und ethnisch geprägte Zugehörigkeit stützt. Putins Darstellung Russlands als vielfältige Zivilnation stehe damit in einem strukturellen Gegensatz zu diesen Strömungen.
Laut ISW nähert sich Putin in seiner Argumentation vielmehr einem zivilen Nationalismus, der stärker an sowjetische Vorstellungen erinnert als an das christlich-nationalistische Weltbild der heutigen Ultrarechten. Bereits in einer Rede am 19. Dezember habe der Kremlchef betont, dass das „Jahr der Einheit der Völker Russlands“ 2026 unter Kriegsbedingungen eine besondere Bedeutung habe – ein Hinweis darauf, dass der Begriff der Einheit gezielt zur Mobilisierung und politischen Kontrolle genutzt werde.

Inhalt der Neujahrsansprache
Die diesjährige Neujahrsansprache dauerte rund drei Minuten und zwanzig Sekunden und wurde wie üblich zuerst im russischen Fernen Osten ausgestrahlt. Putin richtete sich darin besonders an Soldaten und Offiziere der russischen Streitkräfte, die er als Menschen bezeichnete, die „Verantwortung übernommen haben, für ihr Vaterland, für Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen“.
Er nannte sie „Helden“ und erklärte, der Staat stehe hinter ihnen „mit Wort und Tat“. Gleichzeitig deutete er an, an einen militärischen „Sieg“ Russlands zu glauben. Angaben zu Verlusten oder zum tatsächlichen Verlauf der Kampfhandlungen erwähnte er nicht.
Stattdessen griff Putin erneut auf Narrative einer „tausendjährigen Geschichte Russlands“ zurück – ein häufig verwendetes Motiv zur Legitimation aktueller Politik durch historische Kontinuität. Beobachter sehen darin einen Versuch, den laufenden Krieg in einen ideologischen und identitätsstiftenden Rahmen einzubetten.
Für internationale Analysten zeigt die Ausrufung des Jahres 2026 zum „Jahr der Einheit“ vor allem eines: Der Kreml setzt zunehmend auf symbolische Mobilisierung, um gesellschaftliche Spannungen zu überdecken und Loyalität in einer Phase wirtschaftlicher Belastungen und militärischer Unsicherheit zu sichern.
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