Am 25. August rückte zentralplus eine Frage ins Zentrum, die für Schweizer Destinationen zunehmend praktisch wird: Wie lässt sich Tourismus entwickeln, ohne dass die Interessen der Menschen vor Ort hinter Gästezahlen und Vermarktung zurücktreten? Zug Tourismus widmete seinen vierten Nachhaltigkeits-Summit in Rotkreuz deshalb der Tourismusakzeptanz und der Frage, wie Einheimische den konkreten Nutzen touristischer Angebote stärker wahrnehmen und an der Entwicklung beteiligt werden können. Der Termin fand von 14 bis 17.30 Uhr statt, im Programm standen neben dem Workshop Beiträge des Hotel Apart und von Foodways. Entscheidend war dabei nicht eine Kampagne für mehr Gäste, sondern der Versuch, touristische Wertschöpfung, Freizeitangebote und Infrastruktur aus Sicht der Bevölkerung zu betrachten, berichtet NUME.CH unter Bezug auf die vorliegenden Schweizer Medien- und Veranstaltungsinformationen.
Der Ansatz bekommt zusätzliche Relevanz durch den Vergleich mit Luzern. Dort haben hohe Besucherzahlen und der Gruppentourismus in den vergangenen Jahren politische Diskussionen ausgelöst; seit April 2025 gilt für Reisebusse an zentralen Halteplätzen eine Gebühr von 100 Franken, begleitet von einem digitalen Buchungs- und Lenkungssystem. Zug befindet sich nicht in derselben touristischen Situation, doch die Diskussion in Rotkreuz setzt früher an: Akzeptanz soll nicht erst dann Thema werden, wenn Belastung und Nutzungskonflikte bereits sichtbar sind.
Im Zentrum des Zuger Summits stand damit nicht die Frage, wie mehr Touristen gewonnen werden, sondern was Tourismus den Einwohnerinnen und Einwohnern konkret bringt.
Zug Tourismus macht die Bevölkerung zum Schwerpunkt
Der vierte Nachhaltigkeits-Summit fand nach Angaben von Zug Tourismus am Dienstag, 25. August 2026 in Rotkreuz statt. Die Organisation nennt für die Veranstaltung eine Dauer von 14 bis 17.30 Uhr inklusive Apéro. Das offizielle Programm sah zunächst die Eröffnung durch Zug Tourismus vor, danach die Präsentation der Nachhaltigkeitsstrategie des Hotel Apart sowie einen Beitrag von Foodways.
Den grössten zusammenhängenden Programmblock bildete der Workshop zum Gesamtprojekt Tourismusakzeptanz. Dafür waren von 15 bis 16.15 Uhr 75 Minuten vorgesehen. Thematisch gehörte dazu ausdrücklich die B2C-Sensibilisierung, also die Kommunikation gegenüber der Bevölkerung und anderen nicht gewerblichen Zielgruppen.
Geleitet wurde der Workshop von Romy Bacher vom Schweizer Tourismus-Verband und Joel de Buren, der bei Zug Tourismus für Nachhaltigkeit verantwortlich ist. Gemeinsam mit den Teilnehmenden ging es darum, wie Einheimische gezielter angesprochen und stärker in touristische Entwicklungen einbezogen werden können.
«Eine attraktive Destination lebt nicht nur von ihren Gästen, sondern vor allem von den Menschen, die hier leben.» (Dominic Keller, Geschäftsführer Zug Tourismus)
Keller verbindet Akzeptanz mit einem erkennbaren Nutzen. Menschen müssten verstehen können, welche Angebote, Dienstleistungen und Infrastrukturen nicht nur Gästen, sondern auch der lokalen Bevölkerung zugutekommen.
Was der Summit konkret behandelte
Das offizielle Programm des Nachhaltigkeits-Summits gliederte den Nachmittag in mehrere klar getrennte Themen:
- Eröffnung durch Zug Tourismus von 14 bis 14.10 Uhr.
- Vorstellung des Hotel Apart und seiner Nachhaltigkeitsstrategie von 14.10 bis 14.30 Uhr.
- Beitrag von Foodways von 14.30 bis 14.50 Uhr.
- Workshop zum Gesamtprojekt Tourismusakzeptanz von 15 bis 16.15 Uhr.
- Schlusswort von Zug Tourismus und gemeinsamer Apéro bis 17.30 Uhr.
Marvin Kingsley, CEO und Gastgeber des Hotel Apart in Rotkreuz, stellte dabei Massnahmen aus dem betrieblichen Alltag vor. Alexander Benjamin Pabst von Foodways ergänzte das Programm mit einem Input zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen.
Damit verband der Summit ökologische und betriebliche Nachhaltigkeit mit einer sozialen Frage: Wer trägt die touristische Entwicklung mit, und unter welchen Bedingungen?
Was Einheimische vom Tourismus in Zug haben sollen
Für Zug Tourismus reicht es nicht, den Nutzen der Branche über Logiernächte oder Umsätze zu erklären. Die Organisation verweist auch auf Angebote und Infrastruktur, die Einwohnerinnen und Einwohner direkt nutzen können.
Nach Angaben von Geschäftsführer Dominic Keller gehören dazu unter anderem Wanderwege, digitale Informationsangebote wie Citybot, öffentlich nutzbare Badeangebote und Dienstleistungen der Touristeninformation. Im Bericht von zentralplus über die Zuger Tourismusstrategie nennt Keller zudem die Gemeindetageskarte, die Zugerinnen und Zuger an der Touristeninformation beziehen können und die nach seinen Angaben stark nachgefragt wird.
Die Argumentation von Zug Tourismus lässt sich in vier Bereiche aufteilen:
- touristische Wertschöpfung bei Hotels, Gastronomie und weiteren Anbietern;
- Freizeitangebote, die auch von der lokalen Bevölkerung genutzt werden;
- Infrastruktur und öffentliche Räume mit Nutzen für Gäste und Einheimische;
- Dienstleistungen und Informationen, die über die klassische Gästebetreuung hinausreichen.
Akzeptanz wird damit als konkrete Gegenleistung verstanden: Tourismus soll im Alltag der Bevölkerung einen sichtbaren Nutzen erzeugen und nicht nur statistisch wachsen.
Der Schwerpunkt entspricht einer breiteren Entwicklung im Schweizer Tourismus. Der Schweizer Tourismus-Verbandstellte im April 2026 gemeinsam mit Partnern die nationale Initiative «Travel with care. Leave with memories.» vor. Sie soll sowohl die Akzeptanz des Tourismus in der Bevölkerung stärken als auch Gäste für einen respektvollen Umgang mit Menschen, Natur und Infrastruktur sensibilisieren.
Warum Luzern in der Zuger Debatte als Warnsignal dient
Der Vergleich mit Luzern liefert dem Zuger Thema einen konkreten regionalen Hintergrund. Luzern gehört zu den international sichtbaren Schweizer Städtedestinationen und verzeichnete 2025 erneut steigende Übernachtungszahlen. In der Stadt nahmen die Logiernächte gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent zu, wie Luzern Tourismus im Februar 2026 mitteilte.
Gleichzeitig werden insbesondere Gruppenreisen und Reisebusverkehr von Teilen der Luzerner Bevölkerung seit Jahren kritisch diskutiert. Die Stadt reagierte mit einem neuen Reisebusregime Luzern, dessen erste zentrale Massnahme am 1. April 2025 in Kraft trat.
| Thema | Zug | Luzern |
|---|---|---|
| Aktueller Schwerpunkt | Akzeptanz frühzeitig stärken | Besucherströme stärker lenken |
| Ausgangslage | Diskussion über Nutzen und Beteiligung | Konkrete Belastung durch Gruppen- und Reisebusverkehr |
| Zentrales Instrument | Dialog und Sensibilisierung | Haltegebühr und digitales Buchungssystem |
| Rolle der Bevölkerung | Perspektiven früher einbeziehen | Kritik und Befragungen flossen in Massnahmen ein |
| Ziel | Nutzen sichtbar machen | Reisebusse und Personenströme besser verteilen |
Seit April 2025 müssen Reisebusunternehmen für die Nutzung zentraler Halteplätze wie Schwanenplatz, Löwenplatz und Kasernenplatz in Luzern eine Online-Anmeldung vornehmen und 100 Franken bezahlen. Die Regelung soll den Busverkehr lenken und die Verteilung von Gruppenreisenden verbessern.
Die Stadt Luzern begründete die Weiterentwicklung des Systems auch mit der Wahrnehmung in der Bevölkerung. In städtischen Informationen zum neuen Regime wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass Reisebusverkehr und Touristenströme von Teilen der Bevölkerung zeitweise kritisch gesehen werden.
«Kritische Stimmen ernst zu nehmen und rechtzeitig Massnahmen zu ergreifen» sei weiterhin wichtig. (Luzern Tourismus, Medienmitteilung vom 12. Mai 2026)
Für Zug bedeutet dies nicht, dass vergleichbare Probleme bereits bestehen. Der von zentralplus gewählte Titel «So will Zug kein zweites Luzern werden» beschreibt vielmehr den präventiven Charakter der Diskussion: Die Bevölkerung soll einbezogen werden, bevor eine hohe touristische Nutzung zu einem politischen Konfliktthema wird.
Der Unterschied liegt im Zeitpunkt: Luzern steuert bereits konkrete Besucherströme, während Zug zuerst an Wahrnehmung, Nutzen und Beteiligung ansetzt.
Tourismusakzeptanz wird Teil der Nachhaltigkeitsstrategie
Die Debatte in Rotkreuz zeigt zudem, dass nachhaltiger Tourismus in Zug breiter definiert wird als über Energieverbrauch oder Lebensmittelabfälle. Zug Tourismus nennt auf seiner Nachhaltigkeitsseite Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft als drei miteinander verbundene Bereiche.
Zur bestehenden Arbeit gehören unter anderem Swisstainable Level II – engaged, das Zugänglichkeitssystem OK:GO, Aktivitäten mit Pro Infirmis und ginto, Cause We Care, die Klima Charta Zug+ sowie Wasser für Wasser. Der Summit ergänzt diese Instrumente um den sozialen Faktor der Akzeptanz.
Das verändert auch die Messlatte für touristische Entwicklung. Mehr Besucher oder Übernachtungen reichen als Erfolgsindikator nicht aus, wenn Einheimische gleichzeitig den Eindruck gewinnen, Infrastruktur, öffentlicher Raum oder Angebote würden hauptsächlich für Gäste organisiert.
Für Destinationen ergeben sich daraus mehrere praktische Aufgaben:
- Nutzen touristischer Investitionen für Einwohner konkret benennen;
- lokale Bedürfnisse bereits bei Planung und Angebotsentwicklung berücksichtigen;
- Belastungen durch Verkehr, Besuchergruppen oder stark frequentierte Orte früh erkennen;
- Angebote schaffen, die Gästen und Bevölkerung offenstehen;
- einen kontinuierlichen Austausch statt punktueller Informationskampagnen organisieren.
Der Schweizer Tourismus-Verband verfolgt mit seiner nationalen Initiative eine ähnliche Logik. Tourismusakzeptanz soll nicht isoliert als Kommunikationsproblem behandelt werden, sondern mit Verhalten der Gäste, Infrastruktur und lokaler Beteiligung verbunden werden.
Welche Konsequenzen der Zuger Ansatz haben kann
Der Summit selbst beschloss nach den veröffentlichten Angaben kein neues Reglement und keine mit Luzern vergleichbare Gebühr. Das Ergebnis bestand zunächst in Ideen und Ansätzen aus dem Workshop. Für die weitere Entwicklung wird deshalb entscheidend sein, ob aus der Diskussion konkrete Formate, Projekte oder regelmässige Beteiligungsmöglichkeiten entstehen.
Dominic Keller macht die Richtung deutlich: Bedürfnisse und Perspektiven der Einheimischen sollen stärker berücksichtigt werden. Zug Tourismus will zugleich sichtbarer erklären, welchen Beitrag touristische Strukturen zur Lebensqualität und zum Freizeitangebot im Kanton leisten.
«Tourismusakzeptanz entsteht dort, wo die Bevölkerung den Nutzen des Tourismus erkennt und sich als Teil der Entwicklung versteht.» (Dominic Keller, Zug Tourismus)
Damit verschiebt sich die Kommunikation von einer reinen Destinationswerbung zu einer lokalen Begründungsfrage. Tourismusorganisationen müssen nicht nur erklären, warum Gäste kommen sollen, sondern auch, warum Einwohnerinnen und Einwohner eine bestimmte touristische Entwicklung mittragen sollen.
Die Zuger Diskussion findet zudem zu einem Zeitpunkt statt, an dem andere Schweizer Destinationen ähnliche Fragen bearbeiten. Wachstum, Gruppenreisen, Verkehr, Wohnraum und stark frequentierte öffentliche Räume können lokale Akzeptanz beeinflussen, selbst wenn die Ausgangslage von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ist.
Google-Fragen zur Tourismusakzeptanz in Zug
Was bedeutet Tourismusakzeptanz in Zug?
Tourismusakzeptanz beschreibt, in welchem Mass die lokale Bevölkerung die touristische Entwicklung unterstützt und einen persönlichen oder regionalen Nutzen darin erkennt. Zug Tourismus verbindet den Begriff mit Beteiligung, Freizeitangeboten, Infrastruktur und touristischer Wertschöpfung.
Wann fand der Nachhaltigkeits-Summit von Zug Tourismus statt?
Der vierte Nachhaltigkeits-Summit fand am Dienstag, 25. August 2026 in Rotkreuz statt. Das offizielle Programm lief von 14 bis ungefähr 17.30 Uhr.
Wer leitete den Workshop zur Tourismusakzeptanz?
Romy Bacher vom Schweizer Tourismus-Verband und Joel de Buren, Nachhaltigkeitsverantwortlicher von Zug Tourismus, leiteten den Workshop. Der Programmpunkt dauerte laut offizieller Agenda von 15 bis 16.15 Uhr.
Was haben Einheimische laut Zug Tourismus vom Tourismus?
Genannt werden touristische Wertschöpfung, Freizeitangebote und Infrastruktur. Geschäftsführer Dominic Keller führte gegenüber zentralplus beispielsweise Wanderwege, Citybot, Badeangebote und die über die Touristeninformation verfügbare Gemeindetageskarte an.
Warum wird Zug mit Luzern verglichen?
Luzern hat aufgrund des starken Gruppen- und Reisebusverkehrs bereits konkrete Lenkungsmassnahmen eingeführt. Seit dem 1. April 2025 beträgt die Haltegebühr für Reisebusse an bestimmten zentralen Halteplätzen 100 Franken. Zug diskutiert die Akzeptanz früher und setzt derzeit vor allem auf Dialog, Sensibilisierung und die Sichtbarkeit des lokalen Nutzens.
Welche Massnahmen hat Zug Tourismus beschlossen?
Aus den veröffentlichten Informationen zum Summit geht keine neue Gebühr oder regulatorische Massnahme hervor. Der Schwerpunkt lag auf einem Workshop, konkreten Ideen zur Ansprache der Bevölkerung und der Frage, wie deren Perspektiven stärker in die touristische Entwicklung integriert werden können.
Für Zug ist damit vorerst nicht die Begrenzung des Tourismus das zentrale Thema, sondern die Frage, wie Wachstum, Angebote und Infrastruktur von der Bevölkerung verstanden und mitgetragen werden.
Verwendete Materialien: zentralplus, Zug Tourismus, Schweizer Tourismus-Verband, Stadt Luzern, Luzern Tourismus, Nau.ch Lokal, htr hotel revue, Tourismusakzeptanz
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