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Die Aufträge ziehen kräftig an, doch mitten in der Schweizer Tech-Industrie bleibt die wirtschaftliche Erholung im ersten Halbjahr 2026 deutlich schwächer, als das Plus von 12,1 Prozent beim Auftragseingang vermuten lässt. Der Umsatz nahm gegenüber der Vorjahresperiode lediglich um 2,5 Prozent zu, die Exporte stiegen um 1,7 Prozent auf 34,5 Milliarden Franken und die Kapazitätsauslastung lag mit 81,1 Prozent weiter klar unter dem langjährigen Mittel von 85,6 Prozent. Gleichzeitig geraten kleinere und mittlere Unternehmen unter Druck, während die Vereinigten Staaten Schweizer Industriegüter gegenüber Produkten aus der EU mit einem Zollnachteil belasten. Für eine exportabhängige Branche mit rund 330'000 Beschäftigten wird deshalb der Zugang zu China, Mercosur und weiteren Absatzmärkten zu einer konkreten wirtschaftlichen Frage, berichtet NUME.CH.

Die Halbjahreszahlen zeigen eine Industrie mit zwei Geschwindigkeiten. Fast der gesamte Umsatzzuwachs stammt laut Swissmem von Grossunternehmen, während die Umsätze der KMU um 3,8 Prozent zurückgingen. Ein Viertel der erfassten Unternehmen weist inzwischen negative EBIT-Margen auf, weitere 29 Prozent verdienen laut Branchenverband kaum genügend, um Kapital- und Forschungs- und Entwicklungskosten zu decken. Gleichzeitig gingen die Exporte in die USA erneut um 5,3 Prozent zurück.

Der Auftragseingang liefert 2026 erstmals wieder ein deutlich positives Signal, doch Umsatz, Auslastung und Margen bestätigen noch keinen breit abgestützten Aufschwung.

Warum 12,1 Prozent mehr Aufträge die Lage der Tech-Industrie noch nicht drehen

Der Auftragseingang stieg zwischen Januar und Juni um 12,1 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Diese Zahl steht im Zentrum der jüngsten Branchendaten, muss aber im Kontext gelesen werden: Der Vergleichswert des Vorjahres war ausgesprochen tief. Der sogenannte Basiseffekt lässt den aktuellen Anstieg deshalb stärker erscheinen, als es die Entwicklung der übrigen Kennzahlen nahelegt. Swissmem selbst spricht weiterhin von einer fragilen und ungleich verteilten Erholung. Der Umsatz wuchs im gleichen Zeitraum um 2,5 Prozent. Bei den KMU sank er dagegen um 3,8 Prozent, während Grossunternehmen den Gesamtwert nach oben zogen. Für kleinere Industriebetriebe ist diese Divergenz problematisch, weil viele von ihnen einen hohen Anteil ihrer Wertschöpfung in der Schweiz erbringen und damit die hiesigen Produktionskosten unmittelbar tragen. Gleichzeitig haben die schwache Industriekonjunktur in Teilen Europas, Preisdruck und schwierige Exportbedingungen die Reserven zahlreicher Firmen bereits in den vergangenen Jahren reduziert. Die Kapazitätsauslastung unterstreicht diese Zurückhaltung. Im zweiten Quartal erreichte sie 81,1 Prozent und lag damit 4,5 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt von 85,6 Prozent. Eine steigende Zahl neuer Bestellungen kann die Auslastung in den kommenden Quartalen erhöhen, doch für einen nachhaltigen Investitionszyklus müssten die Aufträge über mehrere Perioden in Umsatz und bessere Margen übergehen.

«Die Erholung in der Schweizer Tech-Industrie hat sich fortgesetzt. Sie bleibt jedoch fragil, ungleich verteilt», erklärte Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher.

Besonders angespannt bleibt die Ertragslage. Laut Swissmem schreibt ein Viertel der Unternehmen negative EBIT-Margen. Weitere 29 Prozent können die Kosten für Kapital sowie Forschung und Entwicklung kaum erwirtschaften. Damit betrifft der Margendruck nicht nur kurzfristige Gewinne, sondern auch die Fähigkeit, neue Maschinen, Automatisierung, Produktentwicklung oder zusätzliche Produktionskapazitäten zu finanzieren. Die wichtigsten Halbjahreswerte zeigen die Spannweite der Entwicklung:

  • Auftragseingänge: +12,1 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025
  • Umsatz der Gesamtbranche: +2,5 Prozent
  • Umsatz der KMU: -3,8 Prozent
  • Güterexporte: 34,5 Milliarden Franken, +1,7 Prozent
  • Kapazitätsauslastung: 81,1 Prozent
  • Langjähriger Durchschnitt der Kapazitätsauslastung: 85,6 Prozent
  • Unternehmen mit negativer EBIT-Marge: 25 Prozent
  • Firmen, die für die kommenden zwölf Monate höhere Auslandbestellungen erwarten: 35 Prozent
  • Firmen mit erwarteten stabilen Auslandbestellungen: 41 Prozent

Damit rechnen drei Viertel der befragten Unternehmen zumindest nicht mit sinkenden Auslandaufträgen. Das ist ein besseres Erwartungsbild als in der vorhergehenden Schwächephase, aber noch kein Beleg dafür, dass sich die finanzielle Lage der KMU bereits stabilisiert hat.

Welche Exportmärkte wachsen und wo Schweizer Firmen Markt verlieren

Die Schweizer Exporte der Tech-Industrie entwickelten sich im ersten Halbjahr je nach Absatzmarkt und Produktgruppe sehr unterschiedlich. Insgesamt wurden Waren im Wert von 34,5 Milliarden Franken ausgeführt, 1,7 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Den grössten Wachstumsbeitrag lieferte die EU mit einem Plus von 3,4 Prozent. Die Ausfuhren nach Asien legten dagegen lediglich um 0,9 Prozent zu, während die Lieferungen in die USA um 5,3 Prozent zurückgingen.

Auch innerhalb der Warengruppen fehlt ein einheitlicher Trend. Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, traditionell eine der wichtigsten Kategorien, verloren 2,1 Prozent. Mess-, Prüf- und Präzisionsinstrumente gingen um 3,0 Prozent zurück. Bei elektrischen Maschinen und elektrotechnischen Waren stiegen die Ausfuhren dagegen um 5,5 Prozent, bei Metallen und Metallwaren um 4,2 Prozent.

WarengruppeExporte Januar–Juni 2026Veränderung zum Vorjahr
Maschinen, Apparate und mechanische Geräte10,5 Mrd. CHF-2,1 %
Mess-, Prüf- und Präzisionsinstrumente8,8 Mrd. CHF-3,0 %
Elektrische Maschinen und elektrotechnische Waren7,2 Mrd. CHF+5,5 %
Metalle und Metallwaren4,8 Mrd. CHF+4,2 %
Schienen-, Strassen- und Luftfahrzeuge3,2 Mrd. CHF+19,3 %
Gesamte Tech-Industrie34,5 Mrd. CHF+1,7 %

Der Anstieg von 19,3 Prozent bei Schienen-, Strassen- und Luftfahrzeugen ist dabei nicht als allgemeiner Boom dieser Sparte zu verstehen. Swissmem führt das starke Plus auf einzelne Grossaufträge zurück. Gerade dieser Effekt verdeutlicht, weshalb Gesamtzahlen einer exportorientierten Industrie stark von wenigen umfangreichen Bestellungen beeinflusst werden können.

Deutschland blieb mit 23,1 Prozent Anteil am gesamten Branchenexport der mit Abstand wichtigste einzelne Absatzmarkt. Die USA kamen auf 13,8 Prozent, China auf 6,2 Prozent. Frankreich erreichte 5,4 Prozent, Italien 5,0 Prozent und Österreich 4,3 Prozent. Bei der Dynamik lagen die Märkte allerdings weit auseinander. Die Ausfuhren nach Deutschland stiegen um 2,2 Prozent und jene nach Italien um 5,6 Prozent. Österreich verzeichnete ein Plus von 20,5 Prozent. Gleichzeitig gingen die Lieferungen in die USA um 5,3 Prozent und nach China um 3,1 Prozent zurück.

Die Diversifizierung beginnt nicht erst dort, wo ein Markt vollständig wegbricht, sondern dort, wo unterschiedliche Zoll- und Kostenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Aufträge verändern.

Wie die neuen US-Zölle Schweizer Industriefirmen konkret treffen

Seit dem 24. Juli 2026 gilt in den Vereinigten Staaten ein neuer Zollmechanismus für zahlreiche Waren aus der Schweiz. Nach Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO wird ein variabler Zusatzzoll nach Section 301 erhoben, wobei der bestehende Meistbegünstigungszoll angerechnet wird. Die gesamte US-Einfuhrabgabe wird bei betroffenen Schweizer Produkten grundsätzlich auf 12,5 Prozent gebracht.

Das bedeutet nicht, dass auf jedes Schweizer Produkt pauschal zusätzliche 12,5 Prozent aufgeschlagen werden. Liegt der reguläre MFN-Zoll beispielsweise bei 5 Prozent, beträgt der neue Zusatzzoll 7,5 Prozent. Liegt der bestehende MFN-Satz bereits bei mindestens 12,5 Prozent, wird kein zusätzlicher Section-301-Zoll erhoben. Zahlreiche Produktgruppen sind zudem ausgenommen, darunter bestimmte zivile Flugzeuge, Pharmazeutika und Gold.

Für die Tech-Industrie ist vor allem die relative Position gegenüber europäischen Konkurrenten entscheidend. Die US-Zölle bedeuten für betroffene Schweizer Industriegüter derzeit einen Nachteil von 2,5 Prozentpunkten gegenüber vergleichbaren Produkten aus der EU. Ein Preisunterschied dieser Grössenordnung kann bei standardisierten Maschinen, Komponenten und Industriegütern bereits darüber entscheiden, welcher Anbieter einen Auftrag erhält. Eine Swissmem-Umfrage zeigt, wie Unternehmen reagieren:

  1. 42 Prozent können die derzeitige Zolldifferenz von 2,5 Prozentpunkten nach eigenen Angaben noch verkraften.
  2. Mehr als ein Drittel muss amerikanischen Kunden preislich entgegenkommen, um bestehende Geschäftsbeziehungen zu halten.
  3. 17 Prozent der Betriebe übernehmen den Zollnachteil selbst und reduzieren damit ihre eigene Marge.
  4. Bei einer Zolldifferenz von fünf Prozentpunkten wäre das US-Geschäft für fast die Hälfte der Firmen ernsthaft gefährdet.
  5. Bei 7,5 Prozentpunkten würde dieser Anteil auf 58 Prozent steigen.

Hinzu kommt, dass die Branche auf dem amerikanischen Markt bereits vor der jüngsten Änderung Volumen verloren hat. 2025 sank das Exportvolumen der Tech-Industrie im US-Geschäft laut Swissmem gegenüber dem Vorjahr um rund eine Milliarde Franken. Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Ausfuhren erneut um 5,3 Prozent zurück.Für zusätzliche Unsicherheit sorgt eine weitere Section-301-Untersuchung der USA zu angeblichen Überkapazitäten in der industriellen Produktion. Das SECO hält fest, dass die Vereinigten Staaten am 11. und 12. März 2026 zwei Untersuchungen gegen die Schweiz eingeleitet hatten. Die bereits umgesetzte Zollmassnahme steht im Zusammenhang mit dem Verfahren zu Waren aus Zwangsarbeit; die Untersuchung zu industriellen Überkapazitäten läuft separat.

«Eine Vereinbarung, die uns gegenüber den wichtigsten Konkurrenten nicht benachteiligt, bleibt zentral», sagt Swissmem-Präsident Martin Hirzel zur Handelspolitik gegenüber den USA.

Damit erhält die Suche nach alternativen Absatzmärkten einen unmittelbaren betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Es geht nicht darum, den amerikanischen Markt kurzfristig zu ersetzen. Vielmehr sollen Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten erhalten, wenn Aufträge in den USA wegen eines Zollnachteils gegenüber EU-Konkurrenten wirtschaftlich nicht mehr attraktiv sind.

Warum China und Mercosur für die Industrie wichtiger werden

China ist für Schweizer Unternehmen der am weitesten fortgeschrittene Baustein dieser Diversifizierung. Am 20. August 2026 schlossen die Schweiz und China nach fünf Verhandlungsrunden die Gespräche zur Optimierung ihres seit 2014 geltenden Freihandelsabkommens ab. Bundespräsident Guy Parmelin und der chinesische Handelsminister Wang Wentao gaben den Abschluss bei einem Treffen in Bern bekannt. Das bestehende Abkommen weist eine deutliche tarifäre Asymmetrie auf. Nahezu alle chinesischen Einfuhren in die Schweiz gelangen bereits zollfrei ins Land, während bislang nur ungefähr die Hälfte der Schweizer Ausfuhren nach China zollfreien Zugang erhält. Mit dem optimierten Freihandelsabkommen Schweiz-China sollen künftig 99,8 Prozent der aktuellen Schweizer Exporte zollfrei auf den chinesischen Markt gelangen können.

Das Paket geht über Industriezölle hinaus. Es umfasst unter anderem Ursprungsregeln, Handelserleichterungen, Dienstleistungen, digitalen Handel, Wettbewerb sowie wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit. Auch die Bestimmungen zu Umweltfragen und Arbeitsrechten werden laut SECO erweitert. Für Schweizer Investoren soll der Marktzugang ebenfalls verbessert und rechtlich abgesichert werden. In Kraft ist die optimierte Vereinbarung allerdings noch nicht. Nach der rechtlichen Bereinigung der ausgehandelten Texte wollen beide Staaten das Abkommen noch 2026 unterzeichnen. Anschliessend folgen die innerstaatlichen Genehmigungsverfahren. Unternehmen können den zusätzlichen zollfreien Zugang deshalb noch nicht in laufenden Geschäften voraussetzen. Für die Tech-Industrie ist China trotz des Rückgangs der Exporte um 3,1 Prozent im ersten Halbjahr ein bedeutender Markt. Sein Anteil an den gesamten Branchenausfuhren liegt bei 6,2 Prozent. Swissmem-Mitglieder setzen China bei der Frage nach gewünschten zusätzlichen oder verbesserten Handelsabkommen an die erste Stelle. Mercosur folgt auf Rang zwei.

China bietet einen grossen bestehenden Absatzmarkt mit verbesserten Zollbedingungen, Mercosur dagegen einen Markt mit hohem bisherigem Zollniveau und entsprechend grossem Einsparpotenzial.

Das EFTA-Mercosur-Abkommen wurde nach achtjährigen Verhandlungen am 2. Juli 2025 abgeschlossen und am 16. September 2025 unterzeichnet. Es umfasst auf Mercosur-Seite Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay, auf EFTA-Seite die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Die vier Mercosur-Staaten bilden zusammen einen Markt mit mehr als 270 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten.

2024 exportierte die Schweiz Waren für mehr als vier Milliarden Franken in diese Länder, Edelmetalle, Edel- und Schmucksteine, Kunstgegenstände und Antiquitäten nicht eingerechnet. Nach Ablauf der vorgesehenen Zollabbaufristen sollen rund 96 Prozent der Schweizer Ausfuhren vollständig zollbefreit sein. Das SECO beziffert die möglichen jährlichen Zolleinsparungen auf mehr als 155 Millionen Franken.Politisch ist das Abkommen in der Schweiz allerdings noch nicht abgeschlossen. Swissmem kritisiert die ablehnende Haltung des Nationalrates und verlangt, dass das Geschäft im Ständerat beziehungsweise im weiteren parlamentarischen Verfahren korrigiert wird. Der Branchenverband argumentiert dabei mit der Wettbewerbsposition gegenüber Unternehmen aus der Europäischen Union.

«Wir ringen mit den USA darum, dass Schweizer Produkte gegenüber jenen aus der EU nicht mit höheren Zöllen belastet werden», erklärte Martin Hirzel und verband die US-Frage direkt mit Mercosur.

Hinter dem politischen Streit stehen unterschiedliche Interessen. Die Industrie sieht im Zollabbau eine Möglichkeit, ihren Zugang zu Südamerika zu verbessern. In der Landwirtschaft bestehen dagegen Sorgen vor zusätzlicher Konkurrenz durch Agrarimporte. Kritiker aus dem linken und grünen Spektrum verlangen stärkere Anforderungen bei Umwelt- und Klimafragen.

Was für die Schweizer Tech-Industrie jetzt entscheidend wird

Für die Unternehmen entscheidet sich die weitere Entwicklung nicht an einer einzelnen Halbjahreszahl. Vier Faktoren müssen zusammenkommen: Aufträge müssen in Umsatz übergehen, die Produktionsauslastung muss steigen, die Margen müssen sich erholen und der Zugang zu Auslandmärkten darf sich gegenüber internationalen Konkurrenten nicht verschlechtern.

Bei den Bestellungen zeigen die Daten bereits in die richtige Richtung. 35 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden zwölf Monaten steigende Auslandaufträge, 41 Prozent rechnen mit einem stabilen Niveau. Gleichzeitig bleibt ein Viertel der Betriebe in der Verlustzone. Solange die EBIT-Margen bei einem grossen Teil der Branche zu niedrig sind, können selbst volle Auftragsbücher mit wenig profitablen Bestellungen die strukturellen Probleme nicht lösen. Für KMU ist dieser Zusammenhang besonders relevant. Ein multinationaler Konzern kann Produktion, Beschaffung und Lieferketten teilweise zwischen verschiedenen Standorten verschieben. Ein mittelständischer Maschinenbauer mit Produktion in der Schweiz verfügt über deutlich weniger Möglichkeiten, einen Zollnachteil oder höhere Kosten geografisch auszugleichen.

Die Handelspolitik wirkt deshalb unmittelbar auf die industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Beim US-Geschäft geht es um die Vermeidung eines zusätzlichen Nachteils gegenüber europäischen Produzenten. Beim China-Abkommen geht es um den Abbau noch bestehender Zölle auf Schweizer Waren. Bei Mercosur geht es um die Öffnung eines Marktes, auf dem die Zölle heute bei zahlreichen Produkten vergleichsweise hoch sind. Für 2026 ergeben sich daraus drei zentrale nächste Schritte:

  • Die Schweiz führt ihre Gespräche mit den USA über die künftigen Handelsbedingungen weiter und wartet zugleich auf die weitere Entwicklung der Section-301-Untersuchung zu industriellen Überkapazitäten.
  • Das optimierte Abkommen mit China muss nach der rechtlichen Bereinigung unterzeichnet und anschliessend innenpolitisch genehmigt werden.
  • Das Mercosur-Abkommen muss das parlamentarische Verfahren durchlaufen, bevor Schweizer Exporteure die vorgesehenen Zollvorteile tatsächlich nutzen können.

Eine schnelle Verlagerung weg von den USA ist für die Branche weder realistisch noch das erklärte Ziel. Die Vereinigten Staaten stehen für 13,8 Prozent der Tech-Exporte und bleiben damit der zweitwichtigste einzelne Absatzmarkt hinter Deutschland. China erreicht 6,2 Prozent. Neue Märkte reduzieren deshalb vor allem die Abhängigkeit von einzelnen Handelspartnern und schaffen zusätzliche Optionen für Unternehmen, deren Produkte im US-Markt wegen der Zolldifferenz an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Fragen und Antworten zur Schweizer Tech-Industrie und den neuen Märkten

Wie stark sind die Aufträge der Schweizer Tech-Industrie 2026 gestiegen?

Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Auftragseingänge 12,1 Prozent über dem Wert der Vorjahresperiode. Swissmem relativiert das deutliche Plus wegen der sehr tiefen Vergleichsbasis aus dem ersten Halbjahr 2025. Der Umsatz nahm im gleichen Zeitraum nur um 2,5 Prozent zu.

Warum spricht Swissmem trotz höherer Aufträge von einer fragilen Erholung?

Die Erholung ist innerhalb der Branche sehr ungleich verteilt. KMU verzeichneten einen Umsatzrückgang von 3,8 Prozent, die Kapazitätsauslastung blieb mit 81,1 Prozent unter dem langjährigen Mittel von 85,6 Prozent, und 25 Prozent der Unternehmen weisen negative EBIT-Margen aus.

Wie hoch sind die neuen US-Zölle für Waren aus der Schweiz?

Seit dem 24. Juli 2026 gilt für zahlreiche Schweizer Waren ein variabler Section-301-Zusatzzoll. Bestehende MFN-Zölle werden angerechnet, sodass die gesamte Einfuhrabgabe bei betroffenen Produkten grundsätzlich 12,5 Prozent erreicht. Ist der reguläre MFN-Zoll bereits mindestens so hoch, wird kein zusätzlicher Section-301-Zoll erhoben. Zahlreiche Produktgruppen sind ausgenommen.

Warum ist die Zolldifferenz zur EU für Schweizer Firmen problematisch?

Schweizer Tech-Produkte sind auf dem US-Markt derzeit mit einer um 2,5 Prozentpunkte höheren Belastung konfrontiert als entsprechende Waren aus der EU. 17 Prozent der von Swissmem befragten Unternehmen tragen diesen Nachteil selbst, um im Markt zu bleiben. Bei einer Differenz von fünf Prozentpunkten wäre das US-Geschäft laut Umfrage für fast die Hälfte der Firmen ernsthaft gefährdet.

Was bringt das neue Freihandelsabkommen mit China?

Nach der vorgesehenen Optimierung sollen 99,8 Prozent der aktuellen Schweizer Exporte zollfrei nach China gelangen können. Bislang gilt Zollfreiheit nur für ungefähr die Hälfte der Schweizer Ausfuhren, während nahezu alle chinesischen Importe in die Schweiz bereits zollfrei sind. Die Verhandlungen wurden am 20. August 2026 abgeschlossen, das Abkommen muss aber noch unterzeichnet und genehmigt werden.

Was würde das Mercosur-Abkommen Schweizer Exporteuren bringen?

Nach Ablauf der Zollabbaufristen sollen rund 96 Prozent der Schweizer Exporte nach Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay vollständig von Zöllen befreit sein. Das SECO rechnet mit möglichen Zolleinsparungen von mehr als 155 Millionen Franken pro Jahr. Die Schweiz exportierte 2024 Waren im Wert von mehr als vier Milliarden Franken in die vier Mercosur-Staaten, bestimmte Edelmetall- und Kunstkategorien nicht eingerechnet.

Verwendete Materialien: SRF «Neue Märkte als Ausweg aus dem US-Zollstreit», Swissmem «Die Erholung in der Tech-Industrie bleibt fragil», SECO «Handelsbeziehung Schweiz USA», SECO «Die Schweiz und China schliessen die Verhandlungen über die Optimierung des Freihandelsabkommens ab», SECO «Freihandelsabkommen Schweiz/EFTA–Mercosur», SECO «Bericht zur Aussenwirtschaftspolitik 2025»

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